Lang anhaltende Nasennebenhöhlenentzündung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer lang anhaltenden Nasennebenhöhlenentzündung – auch chronische Sinusitis genannt – sind die Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen länger als 12 Wochen entzündet. Die Nasennebenhöhlen sind kleine, luftgefüllte Räume in den Knochen rund um Nase und Augen.
Wichtige Fakten
- Sie dauert länger als 12 Wochen – anders als ein gewöhnlicher Schnupfen.
- Die Beschwerden können kommen und gehen, verschwinden aber selten ganz.
- Mit der richtigen Behandlung können sich die Beschwerden deutlich bessern.
Ja. Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Schätzungen zufolge sind mehrere Millionen Menschen betroffen.
Sie kann grundsätzlich jede Person betreffen. Häufiger erkranken jedoch Erwachsene zwischen 40 und 60 Jahren sowie Menschen mit Asthma, Allergien oder einem geschwächten Immunsystem. Auch Raucherinnen und Raucher haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie zusätzlich zu den Nebenhöhlenbeschwerden plötzliche Sehstörungen oder Doppelbilder bemerken.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn sich die Augenlider oder die Augengegend stark röten, schmerzhaft anschwellen oder Sie ein Auge nicht mehr richtig öffnen können.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn ein steifer Hals zusammen mit hohem Fieber und starken Kopfschmerzen auftritt – das kann auf eine gefährliche Ausbreitung der Entzündung hindeuten.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag eine ärztliche Praxis auf, wenn starke Gesichtsschmerzen länger als 10 Tage anhalten.
- ⚠Wenden Sie sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt, wenn Sie Fieber über 39 Grad Celsius haben und sich Ihr Allgemeinzustand deutlich verschlechtert.
Häufige Symptome
- Dauerhaft verstopfte oder behinderte Nasenatmung
- Druck- oder Schmerzgefühl im Gesicht, besonders an Stirn und Wangen
- Dickflüssiger, zäher Schleim oder gelblicher Ausfluss aus der Nase
- Verminderter Geruchssinn
- Kopfschmerzen oder ein Gefühl der Schwere im Kopf
- Chronischer unangenehmer Mundgeruch
Symptome bei Kindern
- Anhaltender, über Wochen bestehender Husten
- Unangenehmer Atemgeruch, auch nach dem Zähneputzen
- Verstopfte Nase und ständiges Schniefen
- Reizbarkeit oder Müdigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die klassischen Beschwerden sind oft weniger ausgeprägt
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Verschlechterter Geruchssinn, der leicht mit normalen Alterserscheinungen verwechselt wird
Ursachen
Hauptursachen
- Viren: Häufig beginnt die Entzündung mit einem gewöhnlichen grippalen Infekt, der sich in den Nebenhöhlen festsetzt.
- Bakterien: Bakterien können sich in den verstopften Nebenhöhlen ausbreiten und die Entzündung aufrechterhalten.
- Allergien oder Asthma: Sie schwellen die Schleimhäute dauerhaft an und erschweren die Belüftung der Nebenhöhlen.
- Wucherungen – sogenannte Polypen: Gutartige Schleimhautwucherungen können die Abflüsse verlegen.
- Anatomische Besonderheiten: Zum Beispiel eine verkrümmte Nasenscheidewand.
Risikofaktoren
- Rauchen oder regelmäßiger Kontakt mit Reizstoffen am Arbeitsplatz
- Allergischer Schnupfen, zum Beispiel Heuschnupfen
- Asthma bronchiale
- Entzündungen im Zahnbereich
- Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch Diabetes oder bestimmte Medikamente
- Trockene oder stark klimatisierte Raumluft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Beschwerden trotz Hausmitteln nach 2 bis 3 Wochen nicht besser werden.
- Bei starken Schmerzen im Gesicht oder anhaltendem Fieber.
- Wenn Sie mehrmals im Jahr an einer Nebenhöhlenentzündung erkranken.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als 12 Wochen anhalten oder sehr belastend sind.
- Wenn die Entzündung immer wiederkehrt – sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem HNO-Arzt darüber.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst ausführlich nach Ihren Beschwerden und untersucht Ihre Nase. Dabei leuchtet sie oder er mit einem kleinen Instrument in die Nasengänge. Bei Verdacht auf eine chronische Entzündung folgt häufig eine Nasenendoskopie – eine Spiegelung mit einem dünnen, biegsamen Schlauch mit Kamera. Die Untersuchung erfolgt nach den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Nasenendoskopie – Nasenspiegelung mit einer kleinen Kamera
- Computertomographie (CT) der Nasennebenhöhlen, wenn die Diagnose unklar ist oder eine Operation geplant wird
- Allergietests, wenn eine Allergie vermutet wird
- Abstrich aus der Nase, wenn eine bakterielle oder Pilzinfektion vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Danach können Sie sofort nach Hause gehen. Meist schließt sich ein ausführliches Gespräch über die Behandlungsmöglichkeiten an.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und setzt meist auf eine Kombination aus Selbsthilfe-Maßnahmen und ärztlicher Behandlung. Ziel ist es, die Nebenhöhlen wieder zu belüften und den Schleimabfluss zu fördern.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliche Nasenspülungen mit einer fertigen Salzlösung aus der Apotheke – sie befeuchten die Schleimhäute und lösen zähen Schleim.
- Dampfinhalationen über einer Schüssel mit heißem Wasser – Vorsicht vor Verbrühungen, halten Sie genügend Abstand.
- Warme Umschläge oder ein Kirschkernkissen auf Stirn und Wangen.
- Genügend trinken, zum Beispiel Wasser oder ungesüßten Tee.
- Auf eine längerfristige Anwendung von abschwellenden Nasensprays ohne ärztlichen Rat verzichten.
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen ein entzündungshemmendes Nasenspray verschreiben, das die Schleimhaut abschwellen lässt. Bei Allergien kommen individuelle Therapien infrage. Antibiotika sind nur bei einer nachgewiesenen bakteriellen Infektion sinnvoll und werden nicht bei jeder Vorstellung verordnet. Lassen Sie sich genau erklären, welche Behandlung in Ihrem Fall empfohlen wird und warum.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt erst dann infrage, wenn Medikamente und Selbsthilfe-Maßnahmen nicht ausreichend wirken. Dabei wird abflussbehinderndes Gewebe entfernt – zum Beispiel Polypen – oder eine schiefe Nasenscheidewand korrigiert. Der Eingriff findet in der Regel unter örtlicher Betäubung oder kurzer Vollnarkose statt.
Leben mit der Erkrankung
Gehen Sie mit Geduld vor: Bei einer chronischen Entzündung bessern sich die Beschwerden oft allmählich. Planen Sie feste Zeiten für Nasenspülung oder Inhalation ein, zum Beispiel morgens und abends. Ein kurzes Beschwerdetagebuch kann Ihnen und Ihrem Behandlungsteam helfen, den Verlauf zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und regelmäßige Pausen unterstützen Ihr Immunsystem.
- Verzichten Sie auf Rauchen und meiden Sie Passivrauch.
- Lüften Sie das Schlafzimmer regelmäßig und sorgen Sie im Winter für nicht zu trockene Luft.
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft fördert die Belüftung der Atemwege.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät gegen Nebenhöhlenentzündungen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse unterstützt das Immunsystem. Regelmäßige Bewegung, wie Spazierengehen oder leichtes Ausdauertraining, kann helfen, die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu steigern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Krankheit kann seelisch belasten – etwa durch unruhigen Schlaf, anhaltende Schmerzen oder das ständige Gefühl, verstopft zu sein. Es ist völlig normal, sich dabei manchmal niedergeschlagen oder gereizt zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, auch darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen. Wenn die Stimmung länger anhaltend belastet ist, können Sie sich an die kostenlose Telefonseelsorge wenden – dort werden Sie vertraulich und anonym beraten.
Vorbeugung
Nicht immer lässt sich eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung verhindern. Sie können Ihr Risiko aber senken: Behandeln Sie Allergien frühzeitig, meiden Sie Rauch und stärken Sie Ihr Immunsystem durch einen gesunden Lebensstil. Auch eine gute Nasenpflege, zum Beispiel durch Befeuchtung der Raumluft im Winter, kann vorbeugen.
Impfungen
Ein Teil der Infektionen, die zu Nebenhöhlenentzündungen führen können, lässt sich durch Impfungen verhindern. Lassen Sie sich in Ihrer Hausarztpraxis beraten, welche Impfungen für Sie persönlich empfehlenswert sind – zum Beispiel gegen Grippe und COVID-19.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Entzündung kann sich selten auf die Augenhöhle ausbreiten und zu Schwellungen oder Sehstörungen führen.
- In sehr seltenen Fällen kann sich eine Entzündung der Hirnhäute entwickeln.
- Eine anhaltende Entzündung kann die Schleimhaut dauerhaft schädigen und die Beschwerden verstärken.
- Bei Menschen mit Asthma können sich die Atemwegsbeschwerden verschlechtern.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung und etwas Geduld bessern sich die Beschwerden bei den meisten Betroffenen deutlich. Auch wenn die Erkrankung manchmal wiederkehren kann, lässt sich durch eine Kombination aus Selbsthilfe, medizinischer Behandlung und – falls nötig – einem operativen Eingriff in den meisten Fällen eine langfristig gute Lebensqualität erreichen.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.