Migräne mit Übelkeit
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die starke, oft einseitige Kopfschmerzen verursacht. Viele Menschen mit Migräne haben auch Übelkeit – das Gefühl, sich übergeben zu müssen. Die Übelkeit kann schon vor den Kopfschmerzen beginnen oder während der Attacke auftreten. Sie erschwert oft die Einnahme von Medikamenten und macht die Migräne noch belastender.
Wichtige Fakten
- Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, keine Einbildung oder normale Kopfschmerzen.
- Übelkeit und Erbrechen treten bei etwa 80 % der Menschen mit Migräne auf.
- Migräneattacken können 4 bis 72 Stunden dauern, wenn sie nicht behandelt werden.
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber es spielen Veränderungen im Gehirn und in den Nervenbahnen eine Rolle.
Ja, Migräne ist weltweit verbreitet. In Deutschland leiden etwa 10 bis 15 % der Menschen darunter. Migräne mit Übelkeit ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen.
Migräne kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber am häufigsten bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 50 Jahren auf. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer.
Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Kopfschmerz, der in Sekunden bis Minuten seinen Höhepunkt erreicht (Donnerschlagkopfschmerz)
- Kopfschmerzen mit Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder Sehverlust
- Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung oder mit Nackensteifigkeit und Fieber
- Kopfschmerzen, die von Krampfanfällen oder Bewusstseinsverlust begleitet werden
- ⚠Kopfschmerzen, die sich deutlich von Ihren üblichen Migräneattacken unterscheiden
- ⚠Übelkeit oder Erbrechen, die zu starkem Flüssigkeitsverlust führen
- ⚠Kopfschmerzen, die trotz üblicher Behandlung nach 24 Stunden nicht besser werden
Häufige Symptome
- Pochende oder klopfende Kopfschmerzen, meist auf einer Seite des Kopfes
- Übelkeit und oft auch Erbrechen
- Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen
- Verschlimmerung der Schmerzen bei Bewegung oder körperlicher Aktivität
- Manchmal Vorboten (Aura) wie Sehstörungen oder Kribbeln in Armen oder Beinen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kann Migräne eher zu Bauchschmerzen und Übelkeit als zu starken Kopfschmerzen führen.
- Kinder wirken oft blass, müde und möchten sich hinlegen.
- Sie können reizbar sein oder den Kopf einziehen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter können die Kopfschmerzen weniger stark sein, die Übelkeit aber bestehen bleiben.
- Ältere Menschen haben häufiger Begleiterkrankungen, die die Behandlung erschweren.
- Bei über 60-Jährigen sollte auch an andere Ursachen für Kopfschmerzen und Übelkeit gedacht werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Migräne entsteht durch eine komplexe Störung der Nervensignale im Gehirn und in den Blutgefäßen des Kopfes.
- Dabei werden entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt, die die Schmerzrezeptoren reizen und die Übelkeit auslösen können.
- Das Brechzentrum im Hirnstamm wird bei Migräne aktiviert, was zur Übelkeit führt.
Risikofaktoren
- Genetische Veranlagung: Migräne tritt oft in Familien gehäuft auf.
- Hormonelle Schwankungen: Besonders bei Frauen im Zusammenhang mit der Menstruation.
- Auslöser wie bestimmte Lebensmittel, Stress, Schlafmangel, Wetterwechsel, grelles Licht oder intensive Gerüche.
- Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht und Depressionen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, extrem starken Kopfschmerzen, die anders sind als Ihre übliche Migräne.
- Bei Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit.
- Bei Kopfschmerzen, die von Krampfanfällen, Lähmungen oder Sprachstörungen begleitet werden.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihre Migräneattacken häufiger werden oder sich die Symptome verändern.
- Wenn die Übelkeit so stark ist, dass Sie keine Flüssigkeit bei sich behalten können.
- Wenn Sie Bedenken haben, ob Ihre Behandlung richtig ist, oder wenn Sie Ihre Medikamente wechseln möchten.
- Wenn die Migräne Ihren Alltag deutlich beeinträchtigt.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine ausführliche Befragung (Anamnese) gestellt. Der Arzt oder die Ärztin erfragt Ihre Kopfschmerzgeschichte, Begleitsymptome, Auslöser und familiäre Belastung. Dabei wird auch die Übelkeit genau erfragt.
Mögliche Untersuchungen
- Neurologische Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen
- Kopfschmerztagebuch, um Muster zu erkennen
- Bildgebung (z. B. MRT) wird nur bei ungewöhnlichen Symptomen oder Verdacht auf andere Erkrankungen durchgeführt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt oder die Ärztin wird Sie bitten, Ihre Beschwerden genau zu beschreiben. Führen Sie am besten ein Tagebuch über Ihre Kopfschmerzen, die Übelkeit, mögliche Auslöser und wie lange die Attacken dauern. Die Diagnose dauert meist nicht lange, da Migräne ein klares Bild hat. Sollten weitere Untersuchungen nötig sein, wird der Arzt Sie darüber informieren.
Behandlung
Die Behandlung von Migräne mit Übelkeit zielt darauf ab, die akuten Attacken zu lindern und die Häufigkeit der Anfälle zu verringern. Es gibt medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze. Wichtig ist, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin einen individuellen Behandlungsplan erstellen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei ersten Anzeichen einer Migräne in einen ruhigen, abgedunkelten Raum gehen und sich hinlegen.
- Kühle oder warme Umschläge auf Stirn oder Nacken legen – probieren Sie aus, was Ihnen hilft.
- Ausreichend trinken, am besten Wasser oder ungesüßte Tees – kleine Schlucke, damit die Übelkeit nicht schlimmer wird.
- Koffein in Maßen kann bei manchen Menschen helfen, bei anderen jedoch die Übelkeit verstärken – beobachten Sie Ihre Reaktion.
- Ingwertee oder Ingwerbonbons können die Übelkeit lindern.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente gegen Migräne. Bei starker Übelkeit können Mittel eingesetzt werden, die die Übelkeit bekämpfen und gleichzeitig die Aufnahme von Kopfschmerzmitteln verbessern. Auch spezielle Migränetherapien gibt es als Spritzen, Tabletten oder Nasensprays. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, welche Behandlung für Sie geeignet ist. Eine vorbeugende Therapie kann helfen, die Anzahl der Migräneattacken zu reduzieren. Fragen Sie Ihren Arzt nach den Optionen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Migräne nicht üblich und nur in sehr seltenen, speziellen Fällen eine Option. Die Entscheidung trifft ein Facharzt nach gründlicher Abwägung.
Leben mit der Erkrankung
Migräne mit Übelkeit kann den Alltag sehr belasten. Planen Sie Ihren Tag so, dass Sie bei Bedarf Pausen einlegen können. Vermeiden Sie Auslöser, die Sie aus Ihrem Tagebuch kennen. Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und ausreichend Erholung.
Tipps für den Alltag
- Stress reduzieren durch Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Yoga oder autogenes Training.
- Feste Mahlzeiten einhalten – lange Esspausen können Migräne fördern.
- Ausreichend Schlaf: Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf kann Migräne auslösen.
- Vermeiden Sie übermäßigen Koffein- und Alkoholkonsum.
- Regelmäßige Bewegung, aber ohne Überanstrengung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten kann helfen. Manche Menschen reagieren auf bestimmte Lebensmittel (z. B. Käse, Schokolade, Rotwein) – führen Sie ein Ernährungstagebuch. Leichte Bewegung wie Spazierengehen kann zwischen den Attacken wohltuend sein. Bei akuter Migräne sollten Sie sich jedoch schonen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die ständige Angst vor der nächsten Migräneattacke kann zu Stress und Angstzuständen führen. Auch Depressionen treten bei Migränepatienten häufiger auf. Es ist wichtig, sich diese Belastung einzugestehen und bei Bedarf psychologische Unterstützung zu suchen.
Vorbeugung
Eine vollständige Verhinderung von Migräne ist nicht möglich. Mit einer vorbeugenden Behandlung und einem angepassten Lebensstil lassen sich jedoch die Häufigkeit und Schwere der Attacken deutlich verringern. Auch das Vermeiden individueller Auslöser kann helfen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Migräne.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf Migräne. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt können jedoch helfen, Begleiterkrankungen zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Migräne (mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat)
- Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durch zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln
- Verminderte Lebensqualität, Arbeitsausfälle, soziale Isolation
Langzeitprognose
Migräne ist nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich in den meisten Fällen gut kontrollieren. Mit der richtigen Behandlung und Lebensstilanpassung können die meisten Menschen ein normales Leben führen. Die Forschung macht ständig Fortschritte, sodass sich die Behandlungsmöglichkeiten weiter verbessern. Bleiben Sie zuversichtlich und arbeiten Sie eng mit Ihrem Arzt zusammen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.