Neuropathie, die kommt und geht
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Neuropathie, die kommt und geht, ist eine Erkrankung der Nerven, bei der Symptome wie Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen immer wieder auftreten und dann wieder verschwinden. Die Nerven sind vorübergehend gereizt oder geschädigt, was zu diesen wechselhaften Beschwerden führt.
Wichtige Fakten
- Die Symptome können Tage, Wochen oder Monate anhalten und dann für eine Weile verschwinden.
- Die Ursache ist oft eine entzündliche Reaktion des Immunsystems auf die Nerven.
- Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, die Schübe zu verkürzen und Folgeschäden zu vermeiden.
- Die Erkrankung ist nicht ansteckend.
Diese Form der Neuropathie ist seltener als eine dauerhafte Nervenschädigung, aber nicht selten. Sie tritt vor allem bei bestimmten Grunderkrankungen wie Autoimmunerkrankungen auf.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber häufiger bei Erwachsenen und älteren Menschen auf. Bei Kindern ist sie seltener.
Symptome
- Plötzlich auftretende schwere Muskelschwäche, die das Gehen unmöglich macht
- Atemnot oder Schwierigkeiten beim Atmen
- Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Neue oder sich schnell verschlimmernde Symptome innerhalb weniger Tage
- ⚠Schwierigkeiten, alltägliche Dinge zu tun, wie Knöpfe schließen oder schreiben
- ⚠Starke Schmerzen, die den Schlaf oder die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in Händen oder Füßen
- Taubheitsgefühl, das kommt und geht
- stechende oder brennende Schmerzen in den Armen oder Beinen
- Muskelschwäche, die zeitweise auftritt, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Empfindlichkeit auf Berührung oder Temperatur
Symptome bei Kindern
- Klagen über „komische Gefühle“ in den Beinen
- Häufiges Stolpern oder Fallen ohne ersichtlichen Grund
- Schmerzen, die sich bei Belastung verschlimmern und dann wieder nachlassen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Symptome wie Kribbeln oder Taubheit können mit normalen Alterserscheinungen verwechselt werden
- Muskelschwäche kann die Sturzgefahr erhöhen
- Schmerzen oder Missempfindungen können den Schlaf stören
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem greift fälschlicherweise die eigenen Nerven an, z. B. bei der chronisch-entzündlichen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP).
- Stoffwechselstörungen: Zum Beispiel ein schlecht eingestellter Diabetes oder Nierenprobleme.
- Infektionen: Manche Virus- oder Bakterieninfektionen können eine entzündliche Reaktion an den Nerven auslösen.
- Nährstoffmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen wie B12 oder B1 kann die Nerven schwächen.
- Erbliche Faktoren: Es gibt seltene vererbte Formen, bei denen die Symptome schubweise auftreten.
Risikofaktoren
- Autoimmunerkrankungen in der Familie
- Diabetes mellitus, insbesondere wenn der Blutzucker nicht gut eingestellt ist
- Alkoholmissbrauch über viele Jahre
- Bestimmte Medikamente, die Nerven schädigen können (nach Rücksprache mit dem Arzt)
- Infektionen wie Gürtelrose oder Lyme-Borreliose
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Beschwerden innerhalb kürzester Zeit sehr viel stärker werden
- Wenn Sie neben den Nervensymptomen auch Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl haben
- Wenn die Muskelschwäche dazu führt, dass Sie Dinge fallen lassen oder stolpern
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Symptome auf eine ernste Grunderkrankung hinweisen könnten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei wiederkehrenden, aber milden Symptomen wie gelegentlichem Kribbeln
- Wenn Sie erste Anzeichen von Taubheit oder Schmerzen in Händen oder Füßen bemerken
- Wenn Sie Ihre Medikamente überprüfen lassen möchten, die möglicherweise zur Neuropathie beitragen
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen und eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen. Dabei werden Reflexe, Muskelkraft und Empfindungen geprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Nervenleitgeschwindigkeitstests: Messen, wie schnell elektrische Signale entlang der Nerven fließen
- Elektromyographie: Untersucht die elektrische Aktivität der Muskeln
- Blutuntersuchungen: Suchen nach Entzündungen, Vitaminmangel oder Antikörpern gegen Nerven
- Liquoruntersuchung: Analyse der Nervenflüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal
- Nervenbiopsie: Entnahme einer kleinen Nervenprobe für feingewebliche Untersuchungen (selten nötig)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann einige Wochen dauern. Der Arzt wird Sie wahrscheinlich an einen Neurologen (Spezialist für Nervenerkrankungen) überweisen. Lassen Sie sich alle Befunde erklären und fragen Sie nach dem nächsten Schritt.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Schübe zu verkürzen, die Symptome zu lindern und die Grunderkrankung zu behandeln. Ein individueller Behandlungsplan wird gemeinsam mit dem Arzt erstellt.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Ruhe, vor allem während eines Schubs.
- Vermeiden Sie übermäßige Belastung, aber bleiben Sie in Bewegung – leichte Spaziergänge helfen.
- Wärme- oder Kälteanwendungen können Schmerzen vorübergehend lindern.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch, um mögliche Auslöser zu erkennen.
Medizinische Behandlungen
Ärzte können entzündungshemmende Medikamente wie Kortisonpräparate einsetzen, um den Schub zu stoppen. Auch immunmodulierende Behandlungen, die das Immunsystem beeinflussen, kommen zum Einsatz, etwa bestimmte Antikörper oder eine Immunglobulin-Therapie. Bei starken Schmerzen werden Medikamente gegen Nervenschmerzen oder Antidepressiva in niedriger Dosierung verschrieben – der Arzt wird die passende Therapie für Sie auswählen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist selten notwendig. Sie wird nur in Betracht gezogen, wenn die Neuropathie durch einen eingeengten Nerv (z. B. das Karpaltunnelsyndrom) verursacht wird, was jedoch seltener die schubweise Form betrifft.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Alltag flexibel, da Schübe unvorhersehbar sind. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich an schlechten Tagen mehr Ruhe. An guten Tagen können Sie aktiv sein, aber übertreiben Sie nicht.
Tipps für den Alltag
- Integrieren Sie leichte Bewegung wie Dehnen oder Schwimmen in Ihren Alltag.
- Reduzieren Sie Stress durch Achtsamkeit oder Entspannungsübungen.
- Sorgen Sie für einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
- Vermeiden Sie Alkohol und Rauchen, da beides Nerven schädigen kann.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Nerven. Achten Sie besonders auf Vitamin B12 – gute Quellen sind Eier, Milchprodukte und angereicherte Cerealien (bei Verdacht auf Mangel den Arzt fragen). Bewegung hält Muskeln und Nerven in Form, aber passen Sie die Intensität Ihrem Befinden an.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die wechselnden Symptome können Ängste hervorrufen und belastend sein. Viele Menschen fühlen sich unsicher, ob der nächste Schub kommt. Das ist verständlich. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle darüber zu sprechen. Bei akuten Gedanken an Selbstverletzung wenden Sie sich bitte sofort an den Notruf 112 oder eine psychiatrische Klinik.
Vorbeugung
Eine schubweise Neuropathie lässt sich nicht immer verhindern. Wenn eine Grunderkrankung wie Diabetes vorliegt, kann eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte das Risiko senken. Auch ein gesunder Lebensstil mit Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum ist wichtig.
Impfungen
Gegen bestimmte Infektionen, die eine Neuropathie auslösen können (z. B. Gürtelrose), gibt es Impfungen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist. Vermeiden Sie jedoch Lebendimpfstoffe während einer aktiven Schubphase – bitte mit dem Arzt besprechen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung für eine schubweise Neuropathie. Bei familiärer Vorbelastung oder bekannten Risikofaktoren kann der Arzt regelmäßige Kontrollen durchführen, um frühe Anzeichen zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Nervenschäden mit anhaltender Taubheit oder Muskelschwäche
- Muskelschwund durch fehlende Bewegung
- Chronische Schmerzen, die schwer zu behandeln sind
- Erhöhte Sturzgefahr und Verletzungen durch Gleichgewichtsstörungen
- Beeinträchtigung der Lebensqualität durch anhaltende Symptome
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Diagnose und passenden Behandlung lassen sich die Schübe oft gut kontrollieren. Viele Menschen führen ein weitgehend normales Leben, auch wenn die Neuropathie immer wieder auftreten kann. Die Prognose ist bei guter medizinischer Begleitung meist positiv.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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