Taubheitsgefühl bei älteren Erwachsenen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Taubheitsgefühl (auch Gefühlsstörung genannt) bedeutet, dass Sie an einer Körperstelle, zum Beispiel an den Fingern oder Füßen, weniger spüren oder ein Kribbeln verspüren. Im Alter kann das häufiger vorkommen, weil die Nerven empfindlicher werden oder andere Erkrankungen dahinterstecken.
Wichtige Fakten
- Taubheitsgefühl ist meist harmlos, kann aber auf ernste Probleme hinweisen.
- Bei älteren Menschen sind Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden (Polyneuropathie) häufige Ursachen.
- Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, um die genaue Ursache zu finden.
Ja, Taubheitsgefühl tritt bei älteren Menschen häufig auf. Schätzungsweise jeder dritte Mensch über 65 Jahre hat zeitweise Gefühlsstörungen an Händen oder Füßen.
Besonders betroffen sind Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkverschleiß (Arthrose). Auch nach längerer Bettlägerigkeit oder bei bestimmten Medikamenten kann Taubheitsgefühl auftreten.
Symptome
- Plötzlich auftretende Taubheit auf einer Körperseite (Gesicht, Arm, Bein)
- Plötzliche Sprachstörungen oder Sehstörungen
- Schwindel mit Gangunsicherheit oder Lähmungserscheinungen
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- ⚠Taubheitsgefühl nach einem Sturz oder Unfall
- ⚠Taubheitsgefühl mit starken Schmerzen, Blasenbildung oder Hautverfärbung
- ⚠Taubheitsgefühl, das innerhalb weniger Stunden oder Tage schlimmer wird
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen
- Gefühl, als ob die betroffene Stelle eingeschlafen ist
- Verminderte Empfindung für Berührung, Temperatur oder Schmerz
- Unsicheres Gangbild oder Stolperneigung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kommt Taubheitsgefühl seltener vor und ist meist harmlos, zum Beispiel nach Druck auf einen Nerv (z. B. eingeschlafener Arm).
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Taubheitsgefühl an Füßen und Zehen – oft ein Zeichen für Nervenschäden (Polyneuropathie)
- Taubheitsgefühl an Händen und Fingern – kann auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten
- Einseitiges Taubheitsgefühl im Gesicht oder Arm – kann auf einen Schlaganfall hinweisen (Notfall!)
- Taubheitsgefühl nach längerem Sitzen oder Liegen – meist durch Druck auf Nerven
Ursachen
Hauptursachen
- Nervenschäden (Polyneuropathie) – oft durch Diabetes, Alkohol oder Nierenerkrankungen
- Durchblutungsstörungen – zum Beispiel periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Wirbelsäulenprobleme – Bandscheibenvorfall oder Spinalkanalstenose
- Karpaltunnelsyndrom – ein eingeklemmter Nerv im Handgelenk
- Vitaminmangel – vor allem Vitamin B12
- Nebenwirkungen von Medikamenten – zum Beispiel bei Chemotherapie oder bestimmten Blutdrucksenkern
Risikofaktoren
- Hohes Alter
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Taubheit auf einer Körperseite (sofort 112 rufen!)
- Taubheitsgefühl nach Kopfverletzung
- Taubheitsgefühl mit Lähmung oder Sprachverlust
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Taubheitsgefühl an Händen oder Füßen, das länger anhält
- Kribbeln oder Ameisenlaufen, das immer wiederkehrt
- Taubheitsgefühl, das den Alltag beeinträchtigt (z. B. beim Gehen oder Greifen)
Diagnose
Um die Ursache der Taubheit zu finden, wird Ihr Arzt Sie zunächst ausführlich befragen. Er möchte wissen, wann die Beschwerden begonnen haben, wo genau sie auftreten und ob es weitere Symptome gibt. Dann folgt eine körperliche Untersuchung, bei der er Ihre Reflexe, Ihr Gefühl und Ihre Muskelkraft prüft.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung – auf Blutzucker, Vitaminmangel und Entzündungswerte
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (Elektroneurographie) – misst, wie schnell die Nerven Signale weiterleiten
- Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen – zur Darstellung von Gefäßen oder der Wirbelsäule
- Gegebenenfalls Überweisung zum Neurologen (Nervenarzt)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist nur wenige Minuten und sind nicht schmerzhaft. Sie bekommen genaue Anweisungen, ob Sie etwas beachten müssen (z. B. nüchtern sein). Ihr Arzt bespricht die Ergebnisse mit Ihnen und schlägt bei Bedarf eine Behandlung vor.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Taubheit. Ziel ist es, die Grundkrankheit zu behandeln und die Beschwerden zu lindern. In vielen Fällen können Sie selbst viel tun, zum Beispiel durch Bewegung oder eine gesunde Ernährung.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung – fördert die Durchblutung und stärkt die Nerven
- Aufhören zu rauchen – verbessert die Durchblutung
- Bei Diabetes: Blutzuckerkontrolle optimieren
- Wechselbäder oder Fußmassagen – können die Durchblutung anregen
- Fußpflege – um Verletzungen an tauben Füßen vorzubeugen
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen verschiedene Behandlungen in Frage. Bei einem Vitaminmangel werden entsprechende Präparate verordnet. Bei Nervenschäden durch Diabetes steht die Blutzuckereinstellung im Vordergrund. Auch Physiotherapie oder Ergotherapie können helfen, die Beweglichkeit zu erhalten. In manchen Fällen werden Medikamente eingesetzt, die die Nerven beruhigen oder die Durchblutung fördern. Diese müssen von einem Arzt verschrieben und überwacht werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operative Eingriffe sind selten nötig, können aber bei einem eingeengten Nerv (z. B. Karpaltunnelsyndrom) oder einem Bandscheibenvorfall helfen, den Druck auf den Nerv zu nehmen.
Leben mit der Erkrankung
Mit Taubheitsgefühl zu leben, kann herausfordernd sein. Achten Sie besonders auf Ihre Füße und Hände, da Sie Verletzungen möglicherweise nicht spüren. Tragen Sie gut sitzende Schuhe und vermeiden Sie zu heißes Wasser. Benutzen Sie Hilfsmittel wie einen Gehstock, wenn nötig, um Stürze zu vermeiden.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, z. B. Spazierengehen oder leichte Gymnastik
- Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
- Verzicht auf Alkohol und Rauchen
- Stress vermeiden oder bewältigen, z. B. durch Entspannungsübungen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitamin B12 und anderen B-Vitaminen ist, kann die Nervengesundheit unterstützen. Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte sowie angereicherte pflanzliche Produkte. Bewegung regt die Durchblutung an und kann die Symptome lindern. Besonders geeignet sind leichte Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Gehen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Taubheitsgefühl kann ängstigen, vor allem wenn die Ursache unklar ist. Auch die Einschränkungen im Alltag können belasten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer Vertrauensperson über Ihre Sorgen. Bei anhaltenden Ängsten oder depressiven Verstimmungen ist professionelle Hilfe sinnvoll. Bei akuten Krisen können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden (kostenlos, 24 Stunden): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Vorbeugung
Nicht jede Ursache ist vermeidbar, aber Sie können das Risiko senken: durch regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen, gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes und Vorsorgeuntersuchungen.
Impfungen
Gegen Taubheitsgefühl gibt es keinen Impfstoff, aber Impfungen gegen Grippe und Gürtelrose (Herpes Zoster) können Komplikationen vermeiden, die Taubheit verursachen könnten.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, z. B. auf Diabetes und Bluthochdruck, helfen, Risikofaktoren früh zu erkennen. Auch der jährliche Gesundheitscheck ab 35 Jahren ist sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verletzungen an Händen und Füßen durch fehlendes Schmerzempfinden
- Stürze und Knochenbrüche durch Gangunsicherheit
- Chronische Schmerzen oder bleibende Nervenschäden
- Druckgeschwüre (Dekubitus) bei Bettlägerigkeit
Langzeitprognose
Die Prognose hängt von der Ursache ab. Viele Formen der Taubheit bessern sich mit der richtigen Behandlung erheblich. Auch wenn nicht immer eine vollständige Heilung möglich ist, können die Symptome oft gelindert und das Fortschreiten verlangsamt werden. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie weiterhin ein aktives und erfülltes Leben führen.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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