Prostata-Beschwerden im Liegen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Wenn die Prostata (eine kleine Drüse unter der Blase) vergrößert ist, kann sie auf die Harnröhre drücken. Im Liegen wird der Druck oft stärker, was zu vermehrtem Harndrang, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und nächtlichem Aufsuchen der Toilette führen kann.
Wichtige Fakten
- Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Prostata bei vielen Männern.
- Im Liegen können die Beschwerden stärker werden, weil die Schwerkraft und die Körperlage den Druck verändern.
- Es gibt wirksame Behandlungen – von Lebensstiländerungen bis zu medizinischen Eingriffen.
- Die Beschwerden sind meist nicht gefährlich, sollten aber ärztlich abgeklärt werden.
Ja, eine vergrößerte Prostata ist sehr häufig: Etwa jeder zweite Mann über 50 und fast jeder Mann über 80 hat damit zu tun.
Betroffen sind vor allem Männer ab dem 50. Lebensjahr. Seltener können auch jüngere Männer eine Prostatitis (Entzündung) haben, die ähnliche Symptome verursacht.
Symptome
- Akute Harnverhaltung – Sie können überhaupt keinen Urin mehr lassen, auch wenn Sie Druck verspüren. Das ist ein medizinischer Notfall! Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Starke Schmerzen im Unterbauch oder in der Nierengegend, die plötzlich auftreten.
- Komplette Blasenentleerungsstörung mit Übelkeit oder Erbrechen.
- ⚠Blut im Urin (sichtbar oder durch Teststreifen nachgewiesen)
- ⚠Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, verbunden mit Fieber oder Schüttelfrost (Hinweis auf eine Infektion)
- ⚠Plötzliche Verschlechterung der Beschwerden, z. B. dass Sie häufiger als alle zwei Stunden zur Toilette müssen.
Häufige Symptome
- Häufiger Harndrang, auch nachts (Nykturie)
- Schwacher oder unterbrochener Harnstrahl
- Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können
- Nachträufeln nach dem Wasserlassen
- Plötzlicher, starker Harndrang (imperativer Harndrang)
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine Prostatavergrößerung sehr selten. Sollte ein Junge ähnliche Symptome haben, können andere Ursachen vorliegen – bitte immer einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin aufsuchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter kommen oft weitere Faktoren hinzu, z. B. eine schwächere Blasenmuskulatur oder andere chronische Erkrankungen.
- Die Symptome können sich im Liegen zusätzlich verstärken, sodass die Schlafqualität leidet.
- Ältere Männer sollten Veränderungen des Wasserlassens immer ärztlich abklären lassen.
Ursachen
Hauptursachen
- Benigne Prostatahyperplasie (BPH) – gutartige Vergrößerung der Prostata, die mit dem Alter zunimmt.
- Prostatitis – Entzündung der Prostata, die akut oder chronisch verlaufen kann.
- Prostatakrebs (seltener, sollte aber immer ausgeschlossen werden).
- Verengungen der Harnröhre oder Blasenhalsstenose.
Risikofaktoren
- Alter (steigendes Risiko ab 50 Jahren)
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung (viel rotes Fleisch, wenig Ballaststoffe)
- Familiäre Veranlagung (wenn der Vater oder Bruder betroffen ist)
- Hormonelle Veränderungen (Anstieg von Dihydrotestosteron).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie überhaupt nicht mehr urinieren können (Notruf 112).
- Wenn Sie Blut im Urin sehen.
- Wenn Sie Fieber oder Schüttelfrost haben und Schmerzen im Unterleib verspüren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn nächtlicher Harndrang häufiger als zweimal pro Nacht auftritt.
- Wenn der Harnstrahl deutlich schwächer wird.
- Wenn das Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung anhält.
- Wenn Sie Ihren Alltag durch die Symptome eingeschränkt fühlen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zuerst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese) und mit einem Fragebogen (IPSS – Internationaler Prostata-Symptom-Score) die Schwere Ihrer Beschwerden erfassen.
Mögliche Untersuchungen
- Digitale rektale Untersuchung (DRU) – die Prostata wird mit einem Finger über den After ertastet
- Urinuntersuchung (Urin-Stix) zum Ausschluss einer Infektion oder Blut
- Blutuntersuchung (PSA-Wert) – ein Marker für Prostataveränderungen
- Ultraschall der Blase und Prostata – oft mit Restharnbestimmung (nach dem Wasserlassen gemessen)
- Uroflowmetrie – Messung des Harnstrahls und der entleerten Urinmenge
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und unkompliziert. Die rektale Untersuchung kann kurz unangenehm sein, ist aber sehr wichtig. Bei Bedarf werden weitere Tests wie eine Blasenspiegelung oder eine Bildgebung durchgeführt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen alles genau erklären.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Beschwerden. Es gibt verschiedene Ansätze – von einfachen Lebensstiländerungen über Medikamente bis hin zu operativen Verfahren. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird gemeinsam mit Ihnen den besten Weg wählen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie abends weniger Flüssigkeit, besonders koffeinhaltige oder alkoholische Getränke.
- Gehen Sie regelmäßig zur Toilette, auch wenn Sie keinen starken Drang verspüren („Zeitgesteuertes Wasserlassen“).
- Doppeltes Wasserlassen (Double Voiding): Versuchen Sie nach dem ersten Urinieren noch einmal eine kleine Menge zu lassen, um die Blase besser zu entleeren.
- Vermeiden Sie Verstopfung – ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Bewegung helfen.
- Achten Sie auf eine gute Toilettenhygiene und versuchen Sie, sich beim Wasserlassen zu entspannen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die die Muskulatur der Prostata und der Blase entspannen (Alphablocker) oder die Prostata selbst verkleinern (5-Alpha-Reduktasehemmer). Diese werden von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin verordnet, nachdem eine genaue Diagnose gestellt wurde. Zudem stehen minimal-invasive Verfahren zur Verfügung, die die Prostata verkleinern, ohne einen großen chirurgischen Eingriff zu erfordern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist dann empfohlen, wenn Medikamente und Lebensstiländerungen nicht ausreichen, die Beschwerden sehr stark sind (z. B. ständige Harnverhaltung oder wiederkehrende Harnwegsinfekte) oder wenn Komplikationen drohen. Der häufigste Eingriff ist die transurethrale Resektion der Prostata (TURP), bei der überschüssiges Prostatagewebe durch die Harnröhre entfernt wird.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Toilettenpausen ein – z. B. vor längeren Autofahrten oder Besprechungen. Nehmen Sie sich Zeit beim Wasserlassen und versuchen Sie, nicht zu drücken. Eine Blasentagebuch zu führen kann helfen, Ihre Trink- und Toilettengewohnheiten zu optimieren.
Tipps für den Alltag
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität (z. B. Spazierengehen, Schwimmen) fördert die Durchblutung und kann die Symptome lindern.
- Gewichtskontrolle: Überlastung durch Übergewicht kann die Beschwerden verstärken.
- Stressabbau: Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Meditation können helfen, den Harndrang zu reduzieren.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Prostatagesundheit. Reduzieren Sie scharfe Speisen, Koffein und Alkohol. Bewegung wirkt sich positiv auf die Blasenfunktion aus – vermeiden Sie aber Sportarten, die starken Druck auf den Beckenboden ausüben (z. B. schweres Heben).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Beschwerden beim Wasserlassen können peinlich sein und den Alltag stark einschränken. Viele Männer fühlen sich verunsichert oder verzweifelt. Es ist wichtig, darüber zu sprechen – mit dem Partner, der Partnerin, Freunden oder einem Arzt. Sollten die psychischen Belastungen groß werden, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu suchen. In Deutschland können Sie sich an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) wenden – rund um die Uhr, anonym und kostenlos.
Vorbeugung
Eine Prostatavergrößerung lässt sich nicht vollständig verhindern, aber ein gesunder Lebensstil kann das Risiko senken und den Verlauf günstig beeinflussen. Dazu gehören ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, normales Körpergewicht und der Verzicht auf Rauchen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Prostatavergrößerung. Eine Impfung gegen Prostatitis ist ebenfalls nicht verfügbar.
Früherkennungsprogramme
Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung (ab 45 Jahren, bei Risikofaktoren früher) kann helfen, Veränderungen früh zu erkennen. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen eine jährliche Prostatavorsorge (Tastuntersuchung und PSA-Test) bei Männern ab 45 Jahren. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Komplikationen
Unbehandelt
- Harnwegsinfektionen (weil die Blase nicht richtig entleert wird)
- Blasensteine (durch stehenden Urin)
- Akute Harnverhaltung (plötzliche Unfähigkeit zu urinieren – Notfall!)
- Nierenschäden (wenn der Rückstau über längere Zeit besteht)
- Verschlechterung der Nierenfunktion
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung sind die Aussichten sehr gut. Die meisten Männer können ihre Beschwerden deutlich lindern, sei es durch Lebensstiländerungen, Medikamente oder einen kleinen Eingriff. Auch nach einer Operation kehren die meisten in ein normales Leben zurück. Wichtig ist, die Symptome ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen – je früher, desto besser die Prognose.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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