Audiometrie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Audiometrie ist ein Hörtest. Dabei wird gemessen, wie gut Sie leise und laute Töne, hohe und tiefe Töne sowie gesprochene Wörter hören. Der Test hilft herauszufinden, ob und wie stark Ihr Gehör geschädigt ist.
Wichtige Fakten
- Die Audiometrie ist schmerzfrei und dauert etwa 30 bis 60 Minuten.
- Es gibt verschiedene Arten: die Ton-Audiometrie, die Sprach-Audiometrie und die Knochenleitungs-Audiometrie.
- Der Test wird in einer schalldichten Kabine mit Kopfhörern durchgeführt.
- Die Ergebnisse werden in einem Hörkurven-Diagramm (Audiogramm) festgehalten.
Hörverlust ist weit verbreitet. Etwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland hat eine Hörminderung. Bei Menschen über 65 Jahren ist es sogar jeder Dritte.
Eine Audiometrie wird bei Menschen jeden Alters durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Hörminderung besteht – bei Säuglingen, Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen.
Symptome
- Plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr (Hörsturz) – sofort unter der Notrufnummer 112 einen Notarzt rufen.
- ⚠Innerhalb von 24 Stunden einen HNO-Arzt aufsuchen, wenn das Hören plötzlich nachlässt oder Geräusche wie Piepen oder Rauschen auftreten.
Häufige Symptome
- Sie haben das Gefühl, dass andere undeutlich oder leise sprechen.
- Sie müssen oft nachfragen oder andere bitten, lauter zu sprechen.
- Sie hören Töne oder Gespräche, wenn es im Hintergrund laut ist, schlecht.
- Sie drehen den Fernseher oder das Radio lauter als andere es tun.
Symptome bei Kindern
- Das Kind reagiert nicht auf laute Geräusche oder seinen Namen.
- Die Sprachentwicklung ist langsamer als bei Gleichaltrigen.
- Das Kind ist im Unterricht unaufmerksam oder hat Lernschwierigkeiten.
- Es versteht Anweisungen oft nicht richtig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Sie haben Schwierigkeiten, Gesprächen in Gruppen oder mit Hintergrundgeräuschen zu folgen.
- Sie vermeiden soziale Treffen, weil die Verständigung anstrengend ist.
- Sie haben das Gefühl, dass andere immer nuscheln oder zu schnell sprechen.
- Ein dumpfes Gefühl im Ohr oder Tinnitus (Ohrgeräusche) kann dazukommen.
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis) – die Sinneszellen im Innenohr nutzen sich mit der Zeit ab.
- Lärmbelastung – dauerhafter Lärm am Arbeitsplatz oder laute Musik schädigen das Innenohr.
- Mittelohrentzündungen oder Flüssigkeit im Ohr, die die Schallübertragung behindern.
- Verengung des Gehörgangs durch Ohrenschmalz oder Fremdkörper.
Risikofaktoren
- Hohes Alter
- Lange Arbeit in lauter Umgebung (Bau, Fabrik, Musikbranche)
- Häufiges Hören von lauter Musik über Kopfhörer
- Rauchgewohnheiten
- Bluthochdruck oder Diabetes, die die Durchblutung des Innenohrs verschlechtern können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlicher Hörverlust oder einseitiges Taubheitsgefühl – sofort zum HNO-Arzt oder in die Notaufnahme (112).
- Akute Ohrschmerzen oder eitriger Ausfluss aus dem Ohr.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind seit Wochen oder Monaten schlechter hören.
- Bei anhaltendem Tinnitus (Ohrgeräuschen).
- Wenn die Hörprobleme den Alltag oder die Arbeit beeinträchtigen.
Diagnose
Die Diagnose stellt ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) oder ein Hörgeräteakustiker. Bei Kindern wird auch in Vorsorgeuntersuchungen das Hörvermögen getestet.
Mögliche Untersuchungen
- Anamnese (ausführliches Gespräch) über Ihre Hörprobleme und mögliche Risiken
- Otoskopie (Betrachtung des Gehörgangs und Trommelfells)
- Ton-Audiometrie (Töne in verschiedenen Lautstärken und Frequenzen werden abgespielt, Sie drücken einen Knopf, wenn Sie etwas hören)
- Sprach-Audiometrie (Wörter werden vorgelesen, Sie wiederholen sie)
- Knochenleitungs-Audiometrie (ein kleiner Vibrator hinter dem Ohr prüft das Innenohr direkt)
- Tympanometrie (misst die Beweglichkeit des Trommelfells – optional)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Test wird in einer ruhigen, schalldichten Kabine durchgeführt. Sie bekommen einen Kopfhörer auf oder einen kleinen Knochenleiter hinter dem Ohr. Bei Kindern kann der Test spielerisch gestaltet sein. Die Untersuchung ist schmerzlos, dauert etwa eine halbe Stunde und Sie bekommen die Ergebnisse sofort erklärt.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad des Hörverlusts ab. Viele Hörminderungen lassen sich mit einfachen Hilfsmitteln oder Medikamenten verbessern.
Selbsthilfe zu Hause
- Vermeiden Sie laute Umgebungen oder tragen Sie einen Gehörschutz bei Lärm.
- Reinigen Sie die Ohren nicht mit Wattestäbchen, das kann den Gehörgang verletzen. Suchen Sie bei Ohrenschmalzpfropf besser einen Arzt auf.
- Achten Sie auf eine gesunde Durchblutung – bewegen Sie sich regelmäßig, rauchen Sie nicht.
Medizinische Behandlungen
Bei einem Hörsturz kann der Arzt Medikamente (Kortison) verschreiben, die die Durchblutung fördern oder Entzündungen hemmen. Gegen altersbedingten Hörverlust werden moderne Hörgeräte angepasst. Bei Mittelohrproblemen helfen meist Antibiotika oder eine kleine Operation. Eine medikamentöse Therapie sollte immer ärztlich überwacht werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn das Hörvermögen durch eine Schädigung der Schallübertragung (z. B. Verknöcherung im Mittelohr, Fixierung der Gehörknöchelchen) stark eingeschränkt ist, kann eine Operation (Stapesplastik oder Tympanoplastik) das Hören wieder verbessern. Auch bei chronischen Mittelohrentzündungen kann eine Operation nötig sein.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem Hörverlust zu leben bedeutet, sich anzupassen. Aber es gibt viele Hilfen, die den Alltag erleichtern: Hörgeräte, induktive Höranlagen in öffentlichen Räumen, Untertitel beim Fernsehen und spezielle Telefonverstärker. Bitten Sie andere, langsam und deutlich zu sprechen und sich zu Ihnen zu wenden.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie bei Lärm konsequent einen Gehörschutz (Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz).
- Machen Sie regelmäßig Hörpausen, z. B. nach Konzerten oder lauten Arbeiten.
- Nutzen Sie technische Hilfsmittel wie Untertitel, Höranlagen oder Hörgeräte konsequent.
- Trainieren Sie Ihr Gehör mit Hörübungen oder in einer Selbsthilfegruppe.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung mit ausreichend Vitaminen (besonders B12, Folsäure) und Mineralstoffen kann die Durchblutung des Innenohrs fördern. Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren verbessert die Durchblutung im gesamten Körper – auch im Ohr. Vermeiden Sie starke Belastungen, die den Blutdruck sehr hoch treiben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Hörverlust kann zu sozialem Rückzug, Frustration und sogar depressiven Verstimmungen führen. Wenn Sie sich isoliert oder überfordert fühlen, suchen Sie professionelle Unterstützung. In Deutschland gibt es psychologische Beratungsstellen und Hörakustiker, die auch psychosoziale Unterstützung anbieten. Bei akuten Krisen können Sie die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos) anrufen.
Vorbeugung
Ein Teil des Hörverlusts lässt sich verhindern: Schützen Sie Ihre Ohren vor Lärm, verzichten Sie auf laute Kopfhörer, lassen Sie eine Mittelohrentzündung rechtzeitig behandeln und lassen Sie Ihr Hörvermögen regelmäßig überprüfen, besonders wenn Sie in lauten Umgebungen arbeiten oder über 50 Jahre alt sind.
Impfungen
Gegen Mittelohrentzündungen können Impfungen gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken helfen. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten, ob diese Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine standardisierte Hörtest-Untersuchung für alle Erwachsenen. Aber im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Check-up 35) kann der Arzt eine Hörminderung ansprechen. Kinderärzte testen das Hörvermögen bei den U-Untersuchungen (U3 bis U9). Ein freiwilliger Hörtest beim HNO-Arzt ist jederzeit möglich.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verschlechterung des Hörvermögens bis hin zur Taubheit
- Verzögerung der Sprachentwicklung bei Kindern
- Soziale Isolation, Einsamkeit und Depressionen im Alter
- Erhöhtes Sturzrisiko (das Gehör hilft bei der Balance)
- Schwierigkeiten im Beruf, z. B. Unfallgefahr durch Nicht-Hören von Warnsignalen
Langzeitprognose
Die meisten Formen von Hörverlust lassen sich heute gut behandeln. Mit Hörgeräten, Implantaten oder chirurgischen Eingriffen können die meisten Menschen wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihre Lebensqualität verbessern. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten. Auch bei angeborenem Hörverlust gibt es gute Frühfördermöglichkeiten.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Schwerhörigenbund e.V. · Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.