Vorbereitung auf eine Herzkatheteruntersuchung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Herzkatheteruntersuchung (Herzkatheter) ist ein Verfahren, bei dem ein dünner, flexibler Schlauch (Katheter) über ein Blutgefäß ins Herz vorgeschoben wird. Damit können Ärzte die Herzkranzgefäße und die Pumpfunktion des Herzens untersuchen und bei Bedarf sofort behandeln, zum Beispiel verengte Gefäße wieder öffnen.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung dauert in der Regel 30 bis 60 Minuten.
- Sie erfolgt unter örtlicher Betäubung – Sie sind wach, aber entspannt.
- Nach dem Eingriff müssen Sie einige Stunden flach liegen, um die Einstichstelle zu schonen.
- In vielen Fällen kann der Arzt während der Untersuchung gleich eine Behandlung (z.B. das Aufdehnen einer Verengung) durchführen.
Ja, die Herzkatheteruntersuchung ist ein häufiges und sicheres Verfahren. In Deutschland werden jährlich rund 900.000 Herzkatheter eingesetzt.
Besonders Menschen mit Verdacht auf eine Koronare Herzkrankheit (KHK) oder mit Herzklappenfehlern werden untersucht. Auch bei akutem Herzinfarkt kommt die Methode oft zum Einsatz.
Symptome
- Plötzliche, starke Brustschmerzen, die in Arme, Schultern oder Kiefer ausstrahlen
- Akute Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufstillstand
- ⚠Neu auftretende Brustschmerzen in Ruhe oder bei leichter Belastung
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle
- ⚠Schwellung der Beine oder plötzliche Gewichtszunahme (Hinweis auf Herzschwäche)
Häufige Symptome
- Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust (Angina pectoris)
- Kurzatmigkeit bei Belastung oder in Ruhe
- Schwindel oder Ohnmachtsanfälle
- Unregelmäßiger Herzschlag (Herzrhythmusstörungen)
Symptome bei Kindern
- Angeborene Herzfehler können zu bläulicher Haut (Zyanose), schneller Erschöpfung oder Gedeihstörungen führen. Die Vorbereitung auf eine Herzkatheteruntersuchung wird kindgerecht erklärt und oft mit einer kurzen Narkose durchgeführt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Symptome oft weniger deutlich: Müdigkeit, Verwirrtheit oder Stürze können auf eine Herzerkrankung hinweisen. Die Nierenfunktion muss vor dem Eingriff besonders beachtet werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose (Ablagerungen in den Gefäßen)
- Herzklappenfehler (z.B. undichte oder verengte Klappen)
- Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathie)
- Angeborene Herzfehler
Risikofaktoren
- Rauchen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung
- Übergewicht
- Starke familiäre Belastung mit Herzkrankheiten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Brustschmerzen oder Atemnot sofort Notruf 112 wählen – das Gleiche gilt für alle oben genannten Notfallsymptome.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Brustschmerzen oder Druckgefühl verspüren, suchen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen auf.
- Zur Abklärung von Risikofaktoren (z.B. Bluthochdruck, Cholesterin) vereinbaren Sie einen Check-up-Termin.
- Vor einer geplanten Herzkatheteruntersuchung besprechen Sie alle Vorbereitungen mit Ihrem Arzt.
Diagnose
Die Entscheidung für eine Herzkatheteruntersuchung trifft Ihr Kardiologe nach einer gründlichen Vordiagnostik. Dazu gehören in der Regel ein Belastungs-EKG, ein Herzultraschall (Echokardiographie) und Bluttests.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung (z.B. Herzenzyme, Nierenwerte, Blutgerinnung)
- Elektrokardiogramm (EKG) – Aufzeichnung der Herzströme
- Herzultraschall (Echokardiographie) – Darstellung der Herzstruktur und -bewegung
- Belastungs-EKG (z.B. Fahrrad- oder Laufbandtest)
- Bei Bedarf: CT-Angiographie der Herzkranzgefäße als Alternative oder Ergänzung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor dem Eingriff bekommen Sie eine örtliche Betäubung an der Einstichstelle (meist Leiste oder Arm). Sie sind wach, erhalten aber ein Beruhigungsmittel. Der Katheter wird unter Röntgenkontrolle vorgeschoben. Während der Untersuchung können Sie auf einem Monitor den Verlauf sehen. Nach dem Eingriff müssen Sie einige Stunden flach liegen, um Nachblutungen zu vermeiden. Die meisten Menschen können am nächsten Tag nach Hause.
Behandlung
Die Herzkatheteruntersuchung dient sowohl der genauen Diagnose als auch der sofortigen Behandlung. Wenn der Arzt eine Engstelle findet, kann er sie mit einem Ballon aufdehnen (Ballondilatation) und oft einen kleinen Drahtgeflecht (Stent) einsetzen, um das Gefäß offen zu halten. Auch Herzklappeneingriffe sind über den Katheter möglich.
Selbsthilfe zu Hause
- Bereiten Sie sich vor: Nehmen Sie Ihre Medikamente nur nach Absprache mit dem Arzt ein – besonders Blutverdünner können angepasst werden müssen.
- Organisieren Sie eine Begleitung für die Heimfahrt – nach dem Eingriff dürfen Sie nicht selbst Auto fahren.
- Tragen Sie bequeme Kleidung und lassen Sie Schmuck zu Hause.
- Essen und trinken Sie vor der Untersuchung nach Anweisung (meist nüchtern ab Mitternacht).
Medizinische Behandlungen
Während der Herzkatheteruntersuchung können Medikamente direkt in die Herzkranzgefäße gegeben werden, zum Beispiel zur Erweiterung der Gefäße oder zur Hemmung der Blutgerinnung. Auch nach dem Eingriff werden oft blutverdünnende Mittel (Thrombozytenaggregationshemmer) verordnet – die genaue Art und Dauer bespricht Ihr Arzt mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur wenn die Verengungen sehr komplex oder zahlreich sind, oder wenn mehrere Herzkranzgefäße betroffen sind, kann eine Bypass-Operation (offene Herzchirurgie) notwendig sein. Ihr Arzt wird mit Ihnen alle Optionen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Herzkatheteruntersuchung können Sie meist schon am nächsten Tag Ihren normalen Aktivitäten nachgehen – aber meiden Sie für etwa eine Woche schweres Heben und Sport, um die Einstichstelle zu schonen.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein – besonders Blutverdünner nach Stent-Einlage.
- Achten Sie auf Anzeichen einer Nachblutung (Schwellung, Bluterguss, Schmerzen an der Einstichstelle) und suchen Sie bei Bedarf den Arzt auf.
- Vermeiden Sie Rauchen – es erhöht das Risiko für erneute Gefäßverengungen erheblich.
- Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutdruck und Blutzucker.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und wenig gesättigten Fetten kann helfen, die Gefäße langfristig offen zu halten. Leichte Ausdauerbewegung wie Spazierengehen oder Radfahren ist nach Absprache mit dem Arzt meist schon wenige Tage nach dem Eingriff möglich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Menschen fühlen sich nach einem Herzkatheter unsicher oder ängstlich. Das ist ganz normal. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle über Ihre Sorgen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.
Vorbeugung
Herzkrankheiten lassen sich nicht immer verhindern, aber ihr Fortschreiten kann durch einen gesunden Lebensstil stark verlangsamt werden. Das Risiko für einen erneuten Gefäßverschluss nach einer Katheterbehandlung kann durch konsequente Medikamenteneinnahme und Lebensstiländerung deutlich gesenkt werden.
Impfungen
Eine Impfung gegen Grippe und Pneumokokken wird herzkranken Menschen empfohlen – lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiger Check-up beim Hausarzt (z.B. alle 2 Jahre ab 35) hilft, Risikofaktoren früh zu erkennen. Bei familiärer Vorbelastung kann eine Vorsorgeuntersuchung auch früher sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Verengungen der Herzkranzgefäße können zu Herzinfarkt, Herzschwäche oder plötzlichem Herztod führen.
- Unbehandelte Herzklappenfehler belasten das Herz und können zu schweren Herzrhythmusstörungen und Lungenstauung führen.
Langzeitprognose
Die Herzkatheteruntersuchung ist ein sehr sicherer Eingriff. Moderne Techniken und Medikamente machen die Behandlung von Herzkrankheiten heute sehr erfolgreich. Die meisten Menschen können nach dem Eingriff wieder ein aktives Leben führen, wenn sie die ärztlichen Empfehlungen befolgen. Auch nach einem Stent oder einer Bypass-Operation ist die Prognose bei guter Nachsorge und Lebensstiländerung oft ausgezeichnet.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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