Asthma-Schub
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Asthma-Schub – auch Asthmaanfall genannt – ist eine plötzliche Verschlechterung von Asthma-Beschwerden. Die Atemwege in der Lunge verengen sich: Sie schwellen an, die Muskulatur verkrampft sich und es wird zäher Schleim gebildet. Dadurch bekommt man schlecht Luft, besonders das Ausatmen ist schwer.
Wichtige Fakten
- Asthma-Schübe können sich über Tage entwickeln, aber auch ganz plötzlich auftreten.
- Typische Zeichen sind Atemnot, Husten, Engegefühl in der Brust und ein pfeifendes Geräusch beim Atmen.
- Mit einem guten Behandlungsplan und frühzeitigem Handeln sind Asthma-Schübe meist gut in den Griff zu bekommen.
Ja, Asthma ist eine sehr häufige Erkrankung. In Deutschland leben schätzungsweise mehrere Millionen Menschen mit Asthma. Asthma-Schübe kommen vor allem vor, wenn die Grunderkrankung nicht regelmäßig behandelt wird oder ein Auslöser wie eine Erkältung dazukommt.
Asthma kann in jedem Alter auftreten – bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Manche Menschen haben nur selten Beschwerden, andere erleben häufiger Schübe. Die Schwere und Häufigkeit ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.
Symptome
- Atemnot auch nach Einnahme des Notfallmedikaments – es wird nicht besser
- Nur noch einzelne Worte sprechen können oder keine Luft mehr bekommen
- Bläuliche Lippen, Zunge oder Haut
- Das Atemgeräusch verstummt plötzlich – das ist ein Warnzeichen
- Bewusstsein trübt sich oder die Person ist kaum noch ansprechbar
- Atmung setzt aus oder ist sehr flach
- ⚠Die Atemnot nimmt über Stunden zu und wird beängstigend
- ⚠Das Notfallspray wirkt kürzer oder schwächer als sonst
- ⚠Fieber oder Erkältungssymptome kommen dazu
- ⚠Der gemessene Atemstoß (Peak-Flow) fällt deutlich ab, zum Beispiel unter 60 Prozent des persönlichen Bestwerts
Häufige Symptome
- Atemnot – oft plötzlich, nachts oder früh morgens
- Pfeifende oder brummende Atemgeräusche beim Ausatmen
- Enge- oder Druckgefühl auf der Brust
- Husten, der hartnäckig ist oder sich zu einem Schleimhusten entwickelt
- Das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
Symptome bei Kindern
- Das Kind wirkt unruhig, ist blass oder hat keinen Hunger
- Es spricht nur kurze Sätze oder vermeidet es, zu sprechen
- Beim Atmen zieht es die Haut zwischen den Rippen oder am Hals ein
- Es hat Angst, hustet viel oder weint vor Erschöpfung
- Wenn das Kind bläuliche Lippen bekommt oder gar nicht mehr antwortet: 112 anrufen!
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen atmen schneller, der Brustkorb hebt und senkt sich stärker
- Sie wirken müde, ungewöhnlich ruhig oder verwirrt
- Husten und Auswurf sind manchmal das einzige Zeichen – nicht immer ein lautes Atemgeräusch
- Es kann zu einer plötzlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands kommen
Ursachen
Hauptursachen
- Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare
- Atemwegsinfekte, zum Beispiel Erkältung, Grippe oder COVID-19
- Körperliche Anstrengung, besonders in kalter oder trockener Luft
- Kalte Luft, Wetterumschwung oder starker Wind
- Luftschadstoffe wie Tabakrauch, Ozon, Feinstaub oder Abgase
- Starke Gerüche (Parfüm, Reinigungsmittel, Farben) und Reizstoffe
- Stress, Aufregung oder starke Emotionen
Risikofaktoren
- Asthma, das bisher nicht gut kontrolliert ist
- Frühere schwere Asthma-Anfälle
- Rauchen oder Aufenthalt in verrauchten Räumen
- Allergien in der Familie oder eigene Allergie
- Chronische Nasen-Nebenhöhlen-Entzündungen
- Nicht regelmäßige Einnahme der verordneten Arzneimittel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Luftnot weitere zunimmt und das Notfallspray nicht ausreichend hilft
- Wenn Sie trotz Ruhe eine hohe Atemfrequenz haben oder sich die Brust anfühlt, als ob sie nicht auf- und zugeht
- Wenn die Peak-Flow-Messung dauerhaft niedriger ist als der normalerweise bei Ihnen übliche Wert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie häufiger als sonst Ihr Bedarfsmedikament brauchen, zum Beispiel mehr als zweimal pro Woche
- Wenn die Beschwerden Sie nachts aufwecken oder den Schlaf stören
- Zur regelmäßigen Verlaufskontrolle – mindestens einmal im Jahr, auch ohne Anlass
- Bevor Sie ein neues Sportprogramm beginnen oder eine Reise planen
Diagnose
Asthma wird in der Regel durch einen Arzt oder eine Ärztin festgestellt. Diese hören Ihre Lunge ab, fragen nach typischen Beschwerden und möglichen Auslösern und machen einen Lungenfunktionstest. So lässt sich prüfen, ob eine Verengung der Atemwege vorliegt und ob sie sich durch ein Medikament wieder öffnet.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktionstest (Spirometrie)
- Peak-Flow-Messung – ein kleines Handgerät zum regelmäßigen Pusten zu Hause
- Allergietest auf mögliche Allergieauslöser
- Belastungstest, um eine Anstrengungsasthma zu erkennen
- Bluttests, um Entzündungszeichen zu messen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei einem akuten Schub wird die Lungenfunktion sofort gemessen, dazu die Sauerstoffmenge im Blut mit einem Sensor am Finger. Der Arzt wird Sie untersuchen und danach entscheiden, ob eine ambulante Behandlung möglich ist oder eine Klinik nötig wird. Sie erhalten genaue Anweisungen, wann Sie welche Medikamente anwenden sollen und wann Sie sich wieder melden sollten.
Behandlung
Behandlung bedeutet: Krampf lösen, Entzündung hemmen, Schleim lösen. Bei einem Schub werden Medikamente gegeben, die die Bronchien sofort erweitern, zum Beispiel als Spray oder über einen Vernebler. Zusätzlich werden entzündungshemmende Arzneimittel eingesetzt. Die Behandlung orientiert sich an der aktuellen medizinischen Leitlinie, die in Deutschland von den Fachgesellschaften – darunter auch der AWMF – erstellt wird. Wichtig ist, ein für Sie passendes Behandlungskonzept mit Ihrem Arzt zu besprechen.
Selbsthilfe zu Hause
- Befolgen Sie immer Ihren persönlichen Asthma-Notfallplan
- Nehmen Sie Ihr schnell wirksames Notfallmedikament nach Anweisung ein (in der Regel als Spray)
- Setzen Sie sich aufrecht hin, Oberkörper leicht nach vorne
- Atmen Sie kontrolliert über die Lippenbremse: langsam einatmen durch die Nase, dann mit gespitzten Lippen ausatmen
- Lockern Sie enge Kleidung und bleiben Sie ruhig
- Wenn es nach mehreren Minuten nicht besser wird, rufen Sie den Notruf 112
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung nutzt kurz wirksame Bronchien erweiternde Mittel, um die Atemwegsmuskulatur zu entspannen. Bei einem schwereren Schub kommen zusätzlich entzündungshemmende Kortison-Präparate zum Einsatz – zum Teil als Tabletten, zum Teil zum Einatmen oder als Infusion in der Klinik. Weitere Maßnahmen, zum Beispiel Sauerstoff, können nötig werden. Welche Behandlung geeignet ist, hängt vom Schweregrad ab und wird von Fachleuten entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie auf Ihren eigenen Bestwert und führen Sie ein kurzes Asthma-Tagebuch. Notieren Sie, wann Sie Beschwerden haben und was diese ausgelöst haben könnte. Nehmen Sie Ihre Medikamente auch dann regelmäßig, wenn Sie sich gut fühlen – die meisten Asthmamedikamente wirken dauerhaft entzündungshemmend.
Tipps für den Alltag
- Rauchen Sie nicht – auch Passivrauch meiden
- Reduzieren Sie Allergieauslöser in der Wohnung, zum Beispiel mit spezieller Bettwäsche gegen Hausstaubmilben
- Lüften Sie regelmäßig, um Schimmel zu vermeiden
- Planen Sie Sport mit gezieltem Aufwärmen – am besten mit ärztlicher Empfehlung
- Sorgen Sie für Entspannung, zum Beispiel mit Yoga, autogenem Training oder Muskelentspannung
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt das Immunsystem und hilft, ein gesundes Gewicht zu halten. Körperliche Aktivität ist grundsätzlich sinnvoll: Sie stärkt die Lunge und die Muskulatur. Wenn Sport bei Ihnen einen Schub auslöst, kann ein aufwärmendes Training oder eine angepasste Medikamenteneinnahme helfen – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor der nächsten Atemnot kann sehr belastend sein und den Körper zusätzlich anspannen. Wichtig ist, über diese Gefühle zu sprechen – mit vertrauten Menschen oder mit Ihrem Arzt. Wenn Sie sich häufig niedergeschlagen oder ängstlich fühlen, suchen Sie sich Unterstützung. Ihre Arztpraxis kann Ihnen helfen, geeignete Ansprechpartner zu finden. In einer akuten Krise, in der die Angst oder Panik überhandnimmt, wenden Sie sich bitte an eine Notaufnahme oder den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jeder Asthma-Schub ist vermeidbar, aber das Risiko lässt sich stark senken. Entscheidend sind eine gute Basistherapie, die regelmäßige Kontrolle der Lungenfunktion und das Meiden Ihrer persönlichen Auslöser. So bleiben die Atemwege ruhiger und Schübe werden seltener und milder.
Impfungen
Lassen Sie sich Impfungen anbieten, die das Risiko für Atemwegsinfektionen senken – zum Beispiel gegen Grippe (Influenza), COVID-19 und Pneumokokken. Nach der Impfung kann sich das Immunsystem besser gegen die Erreger wehren. Ob die Impfungen für Sie sinnvoll sind, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Atemnot mit Sauerstoffmangel im Blut
- Erschöpfungszustand oder Lungenüberblähung
- Lungenentzündung bei zusätzlichem Infekt
- Krankenhausaufenthalt und intensive Pflege
- In seltenen Fällen lebensbedrohlicher Asthmaanfall
Langzeitprognose
Die Aussichten bei Asthma sind gut, wenn die Erkrankung ernst genommen wird. Mit der heute verfügbaren Behandlung können die meisten Menschen eine hohe Lebensqualität erreichen. Ein Asthma-Schub ist lehrreich: Er zeigt, wo die Behandlung angepasst werden muss. Je früher man handelt, desto besser sind die Chancen auf eine schnelle Erholung.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.