Asthma bei Kindern – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege – also der Röhren in der Lunge, durch die die Luft ein- und ausströmt. Bei Asthma sind diese Röhren empfindlich, schwellen an, die Muskeln darum verkrampfen und es bildet sich zäher Schleim. Dadurch bekommt das Kind schwerer Luft.
Wichtige Fakten
- Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.
- Die Entzündung der Atemwege lässt sich gut behandeln.
- Mit einem guten Plan und ärztlicher Begleitung können die meisten Kinder ein aktives Leben führen.
Ja. In Deutschland haben etwa 10 von 100 Kindern Asthma. Es ist also keine seltene Erkrankung.
Asthma beginnt häufig im Vorschul- oder Grundschulalter. Jungen sind etwas öfter betroffen als Mädchen. Bei manchen Kindern verschwindet das Asthma später, andere behalten es das ganze Leben.
Symptome
- Schwere Atemnot – das Kind ringt nach Luft und kann kaum noch atmen
- Bläuliche Lippen oder bläuliche Fingernägel
- Das Kind kann nicht mehr sprechen oder ganze Silben nur noch einzeln
- Bewusstseinstrübung oder Ohnmacht
- Wenn ein akuter, schwerer Asthmaanfall auftritt: Sofort 112 anrufen!
- ⚠Die Beschwerden werden trotz der verschriebenen Medikamente immer schlimmer
- ⚠Das Kind hat Fieber und Husten
- ⚠Der Arzt hat einen schriftlichen Notfallplan ausgehändigt, aber das Kind spricht nicht darauf an
- ⚠Das Kind ist ungewöhnlich schlapp, trinkt nicht oder verweigert das Essen
Häufige Symptome
- Husten, oft nachts oder nach dem Aufwachen
- Pfeifendes Atemgeräusch (auch ‚Giemen‘ genannt)
- Kurzatmigkeit oder schnelles Atmen
- Engegefühl in der Brust
Symptome bei Kindern
- Husten beim Lachen, Spielen oder in der Nacht
- Das Kind atmet hörbar schnell oder wird beim Sprechen außer Atem
- Die Haut zwischen den Rippen zieht sich bei jedem Atemzug nach innen
- Das Kind wirkt schlapp und blass
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen (über 55 Jahre): Husten mit Auswurf, Atemnot bei Alltagsbelastung und anhaltende Erschöpfung. Asthma in dieser Altersgruppe ist nicht immer leicht von anderen Lungenerkrankungen zu unterscheiden.
Ursachen
Hauptursachen
- Bei Asthma reagieren die Atemwege überempfindlich auf Reize. Diese Reize nennt man Auslöser oder Trigger.
- Häufige Auslöser sind Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, kalte Luft, Tabakrauch und starke Gerüche.
- Auch körperliche Anstrengung oder eine Atemwegsinfektion können einen Anfall auslösen.
Risikofaktoren
- Allergien in der Familie, zum Beispiel Heuschnupfen oder Neurodermitis
- Passivrauch in der Schwangerschaft oder im Kindesalter
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
- Übergewicht im Kindesalter
- Wiederholte Infektionen der Atemwege in den ersten Lebensjahren
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Kind nachts regelmäßig hustet oder pfeifend atmet
- Wenn Ihr Kind beim Spielen oder Treppensteigen schnell aus der Puste kommt
- Wenn Sie einen Notfallplan haben, aber keine Besserung eintritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie den Verdacht auf Asthma haben, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin bei Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
Diagnose
Die Diagnose braucht eine genaue Untersuchung. Die Ärztin oder der Arzt spricht mit Ihnen und Ihrem Kind über die Beschwerden und führt körperliche Untersuchungen sowie einfache Atemtests durch. Die Behandlung richtet sich nach der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktionstest (Spirometrie): Das Kind pustet kräftig in ein Messgerät, das die Atemstärke und Lungenfunktion misst.
- Allergietest: Ein Haut- oder Bluttest zeigt, ob eine Allergie vorliegt.
- Provokationstest: Die Atemwege werden mit einem harmlosen Reiz getestet, um die Reaktion zu beobachten.
- Fragebogen: Die Ärztin erfragt Symptome, Auslöser und Familiengeschichte.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Alle Untersuchungen sind schmerzfrei. Der Lungenfunktionstest ist eine kleine Anstrengung für das Kind, dauert aber nur wenige Minuten. Die Ärztin oder der Arzt erklärt jeden Schritt altersgerecht. Bei kleinen Kindern ist die Untersuchung nicht immer einfach, und es kann mehrere Besuche brauchen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung in den Atemwegen zu beruhigen, Beschwerden zu lindern und Anfälle zu verhindern. Es gibt verschiedene Medikamente und Therapien. Die richtige Behandlung wird mit der Ärztin oder dem Arzt gemeinsam geplant und regelmäßig überprüft.
Selbsthilfe zu Hause
- Auslöser meiden: Allergene wie Pollen, Milben oder Tierhaare reduziert man so gut es geht im Alltag.
- Mit einem schriftlichen Notfallplan wissen Sie genau, was bei einem Anfall zu tun ist.
- Körperliche Aktivität ist wichtig – aber mit ausreichend Aufwärmphase und Pausen.
- Zu Hause und im Auto herrscht striktes Rauchverbot.
Medizinische Behandlungen
Die Arzneimittel werden meist als Spray oder Pulver eingeatmet. Es gibt zwei Grundarten: entzündungshemmende Mittel, die täglich angewendet werden, um die Atemwege zu beruhigen, und kurz wirksame Mittel, die bei akuter Atemnot die Muskeln der Atemwege entspannen. Zusätzlich werden Schulungen angeboten, in denen Kinder und Eltern den richtigen Umgang mit den Mitteln und Atemtechniken lernen. Die Ärztin oder der Arzt nennt die konkreten Produkte und erklärt das Vorgehen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Asthma in der Regel nicht notwendig. Nur bei sehr seltenen schweren Verläufen kommen spezielle Verfahren in Frage – das entscheidet die Ärztin oder der Arzt in einer Spezialklinik.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag ist es hilfreich, einen festen Tagesrhythmus zu haben. Das Kind sollte ausreichend schlafen und wissen, wer ihm bei Beschwerden hilft. In der Schule können Lehrkräfte informiert werden, damit sie im Notfall richtig handeln. Auch die Schule sollte über den Notfallplan Bescheid wissen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, altersgerechte Bewegung und Sport – mit ärztlicher Freigabe
- Stress vermeiden und auf Entspannung achten
- Konsistent mit dem Medikamentenplan umgehen
- Allergenarme Umgebung schaffen, zum Beispiel durch spezielle Bezüge für Matratzen
- Rauchfreies Zuhause
Ernährung und Bewegung
Eine besondere ‚Asthmadiät‘ gibt es nicht. Vollwertige Kost mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn stärkt das Immunsystem. Bewegung ist für Kinder mit Asthma gut, sofern das Asthma gut behandelt ist. Bei Anstrengungsasthma hilft ein langsames Aufwärmen. Schwimmen und Radfahren werden oft gut vertragen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Asthma kann Ängste und Sorgen auslösen. Kinder fürchten manchmal, dass sie beim Sport nicht mitkommen oder dass ein Anfall im Unterricht passiert. Eltern und Schule können helfen, indem sie offen darüber reden und dem Kind das Gefühl geben, dass es gut versorgt ist. Bei anhaltenden Ängsten kann eine psychologische Beratung sinnvoll sein.
Vorbeugung
Asthma lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich senken: Verzichten Sie auf Rauchen in der Schwangerschaft und in der Umgebung Ihres Kindes. Halten Sie die Wohnung möglichst schimmelfrei. Lassen Sie Allergien früh abklären und behandeln.
Impfungen
Grippeimpfungen können schwere Atemwegsinfekte vermeiden, die bei Asthma Auslöser sein können. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über die empfohlenen Impfungen für Ihr Kind.
Früherkennungsprogramme
Es gibt in Deutschland kein allgemeines Screening für Asthma im Kindesalter. Die Diagnose wird gezielt gestellt, wenn Symptome oder ein Verdacht vorliegen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Entwicklung der Lungenfunktion kann sich verschlechtern.
- Es treten häufiger akute Asthmaanfälle auf, die eine Notfallbehandlung benötigen.
- Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme können Folgen unkontrollierter Beschwerden sein.
Langzeitprognose
Die Nachricht Asthma ist kein Grund zur Sorge: Mit einer guten Behandlung und einem klaren Plan lässt sich die Erkrankung meist sehr gut kontrollieren. Viele Kinder wachsen aus dem Asthma heraus oder verspüren deutlich weniger Beschwerden. Die Prognose ist bei Kindern besonders gut, wenn frühzeitig gehandelt wird.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.