Asthma im Alter: Beschwerden lindern und sicher leben
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Die Atemwege – das sind die feinen Röhren, durch die die Luft in die Lunge fließt – sind bei Asthma dauerhaft leicht gereizt. Bei einem Asthma-Schub werden sie enger, die Schleimhaut schwillt an und es bildet sich zäher Schleim. Dadurch fällt das Atmen schwer.
Wichtige Fakten
- Asthma ist nicht nur eine Kinderkrankheit – es kann auch im Rentenalter neu auftreten.
- Typische Zeichen sind Atemnot, Husten, Engegefühl in der Brust und manchmal ein pfeifendes Geräusch beim Atmen.
- Bei älteren Menschen wird Asthma oft nicht erkannt, weil auch das Herz oder das Alter Atemnot verursachen kann.
- Mit einer guten Behandlung lassen sich Beschwerden meist gut kontrollieren.
Asthma ist eine der häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen. Bei Menschen über 60 Jahren wird die Diagnose allerdings oft übersehen, weil die Symptome wie Husten und Atemnot auch andere Ursachen haben können.
Asthma kann in jedem Alter auftreten. Bei älteren Erwachsenen sind oft Menschen betroffen, die früher schon Asthma hatten, oder auch Menschen, die zum ersten Mal im höheren Lebensalter erkranken. Auch wer über viele Jahre geraucht hat oder beruflich Schadstoffen ausgesetzt war, hat ein höheres Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Sehr schwere Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Sie können nur noch in einzelnen Worten sprechen
- Lippen oder Fingernägel werden bläulich
- Das verordnete Notfallmedikament wirkt nicht oder die Beschwerden kommen schnell wieder zurück
- ⚠Zunehmende Atemnot, die den Alltag deutlich einschränkt
- ⚠Fieber zusammen mit Husten oder Atemnot
- ⚠Husten mit gelblichem, grünlichem oder rötlichem Auswurf
- ⚠Beschwerden, die trotz Behandlung über mehrere Tage schlechter werden
Häufige Symptome
- Atemnot, vor allem bei Belastung oder nachts
- Husten, der häufig trocken ist und sich nachts oder morgens verstärkt
- Engegefühl in der Brust
- Pfeifendes oder brummendes Geräusch beim Ausatmen
- Das Gefühl, nicht tief genug Luft zu bekommen
Symptome bei Kindern
- Husten beim Spielen, Lachen oder Sport
- Schnelle Atmung oder sichtbare Anstrengung beim Atmen
- Nächtlicher Husten, der den Schlaf stört
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Atemnot schon bei leichter Anstrengung, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Müdigkeit und schnelle Erschöpfung
- Verwirrtheit oder Konzentrationsschwierigkeiten bei schlechter Sauerstoffversorgung
- Husten, der oft fälschlich als Raucherhusten eingestuft wird
- Seltener ein deutliches Pfeifen – die Beschwerden sind oft unauffälliger
Ursachen
Hauptursachen
- Eine chronische Entzündung der Atemwege – die Bronchien reagieren empfindlicher als gesunde Atemwege.
- Auslöser, sogenannte Trigger, können einen Asthma-Schub anstoßen, zum Beispiel Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze.
- Auch Atemwegsinfekte wie eine Erkältung oder Grippe können Asthma verschlechtern.
- Reizstoffe wie Tabakrauch, Abgase, Parfum, Reinigungsmittel oder kalte Luft können die Atemwege zusätzlich reizen.
Risikofaktoren
- Früheres Asthma oder allergische Erkrankungen in der Familie
- Langjähriges Rauchen oder Passivrauchen
- Berufliche Belastung durch Stäube, Dämpfe oder Chemikalien
- Andere Lungenerkrankungen wie COPD
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die die Atmung zusätzlich belasten
- Bestimmte Medikamente – sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie nachts regelmäßig mit Atemnot aufwachen
- Wenn sich Ihre Beschwerden trotz Behandlung verschlimmern
- Wenn Sie nur noch wenig Luft bekommen und der Alltag leidet
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Husten oder Atemnot länger als ein paar Wochen anhalten
- Wenn Sie schon früher Asthma hatten und eine neue Behandlung oder einen neuen Plan brauchen
- Zur regelmäßigen Kontrolle von Lungenfunktion und Inhalationstechnik – mindestens einmal im Jahr
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und möglichen Auslösern. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Wichtig sind vor allem Lungenfunktionstests: Sie zeigen, wie gut die Luft ein- und ausströmen kann. Mit einer Sonderform der Untersuchung lässt sich prüfen, ob sich die Atemwege nach einer Behandlung mit einem Medikament weiten. Die deutsche S3-Leitlinie Asthma empfiehlt dafür klare Standards.
Mögliche Untersuchungen
- Spirometrie: Sie atmen in ein Gerät, das Luftmenge und -geschwindigkeit misst.
- Peak-Flow-Messung: Ein kleines Gerät zeigt an, wie kräftig Sie ausatmen können – oft auch zu Hause.
- Allergietest: Er hilft herauszufinden, ob Allergien die Beschwerden auslösen.
- FeNO-Messung: Sie zeigt, wie stark die Entzündung in den Atemwegen ist.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist nicht lange. Sie müssen für den Test kräftig in ein Mundstück atmen. Danach besprechen Sie gemeinsam, ob Asthma vorliegt und wie die Behandlung aussehen kann. Bei älteren Menschen achten Ärztinnen und Ärzte besonders darauf, ob andere Erkrankungen wie COPD oder eine Herzschwäche die Beschwerden mitverursachen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist, die Entzündung in den Atemwegen zu beruhigen, Beschwerden zu lindern und akute Notfälle zu vermeiden. Die Behandlung erfolgt in Stufen: Sie richtet sich danach, wie stark die Beschwerden sind. Wichtig sind eine gute Inhalationstechnik, das Vermeiden von Auslösern und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei Asthma eine entzündungshemmende Dauertherapie, meistens mit Medikamenten zum Inhalieren.
Selbsthilfe zu Hause
- Lassen Sie sich beim Inhalieren genau anleiten und zeigen Sie die Technik regelmäßig in der Praxis.
- Führen Sie einen einfachen Plan für den Alltag: Wann Medikamente anwenden, wann zusätzlich vorgehen?
- Vermeiden Sie Tabakrauch – auch zu Hause.
- Sorgen Sie für gute Luft in der Wohnung, aber vermeiden Sie starke Duftstoffe.
- Lassen Sie sich bei Atemwegsinfekten früh ärztlich beraten.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt individuell und stufenweise. Grundlage sind meistens entzündungshemmende Medikamente, die als Spray oder Pulver inhaliert werden. Dazu kommen bei Bedarf kurzwirksame Mittel, die die Bronchien schnell erweitern und so akute Atemnot lösen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wählt die Mittel passend zu Ihren Beschwerden, Ihrem Alter und möglichen anderen Erkrankungen. Auch regelmäßige Schulungen gehören zur Behandlung – dort lernen Sie, Ihre Krankheit besser zu verstehen und sicher mit Ihren Medikamenten umzugehen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operative Eingriffe sind bei Asthma in der Regel nicht notwendig. Nur bei bestimmten Formen oder Komplikationen kann ein Spezialzentrum weitere Behandlungsmöglichkeiten anbieten.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit Asthma ist gut möglich, wenn Sie Ihren Alltag auf Ihre Atmung abstimmen. Nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig, auch wenn Sie gerade keine Beschwerden haben. Halten Sie Notfallmittel griffbereit und üben Sie, es im Ernstfall sicher anzuwenden. Ein schriftlicher Asthma-Plan hilft, im Alltag und in Ausnahmesituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber mit Pausen und nach Absprache mit Ihrem Arzt.
- Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper, wenn Sie nachts Atemnot bekommen.
- Kleiden Sie sich im Winter in Schichten, damit kalte Luft weniger an die Atemwege gelangt.
- Lüften Sie Wohnräume regelmäßig, besonders bei trockener Heizungsluft.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Ballaststoffen und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Lunge. Bei Bewegung ist Ausdauertraining wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen sinnvoll – am besten in einem Tempo, in dem Sie sich dabei noch unterhalten können. Besprechen Sie den Sportplan vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Asthma kann Ängste auslösen, vor allem bei Atemnotattacken. Das ist verständlich. Auch Schlafprobleme und Erschöpfung belasten die Stimmung. Es hilft, über diese Gefühle zu sprechen – mit der Familie, der Ärztin oder in einer Selbsthilfegruppe. Wenn Sie sich sehr überfordert fühlen oder Gedanken haben, sich selbst zu verletzen, suchen Sie sofort Hilfe: Rufen Sie den Notruf 112 oder wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Vorbeugung
Asthma selbst lässt sich nicht immer verhindern, besonders wenn eine Neigung dazu besteht. Aber Sie können einiges tun, um Asthma-Schübe zu vermeiden: Auslöser erkennen und meiden, Medikamente regelmäßig anwenden und Infekte vermeiden.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19 nach den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) impfen. Infekte der Atemwege sind ein häufiger Auslöser für Asthma-Schübe – Impfungen können Sie gut dabei unterstützen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening für Asthma. Aber wenn bei Ihnen Atemnot, Husten oder Engegefühl häufiger auftreten, lassen Sie frühzeitig die Lunge untersuchen. Gerade im höheren Alter lohnt sich das, weil eine frühe Behandlung den Verlauf günstig beeinflusst.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Asthma-Anfälle, die die Lunge dauerhaft schwächen können
- Krankenhausaufenthalte wegen akuter Atemnot
- Schlafmangel, Erschöpfung und eingeschränkte Mobilität
- Zusätzliche Belastung für Herz und Kreislauf
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung, guter Inhalationstechnik und regelmäßiger Kontrolle ist die Prognose auch im höheren Alter gut. Viele Menschen mit Asthma bleiben aktiv und selbstständig. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hilft Ihnen dabei, die Behandlung an Ihre Lebenssituation anzupassen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB) ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.