Asthma: Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Asthma ist eine chronische Erkrankung der Atemwege. Das sind die Röhren, durch die die Luft in die Lunge strömt. Bei Asthma sind diese Atemwege dauerhaft entzündet und empfindlich. Sie reagieren übermäßig auf bestimmte Reize, verengen sich und erschweren so das Atmen.
Wichtige Fakten
- Asthma lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln.
- Eine gute Behandlung kann Anfälle verhindern und die Beschwerden stark reduzieren.
- Asthma ist eine langfristige Erkrankung, aber sie bedeutet nicht, dass Sie auf vieles verzichten müssen.
Ja. Asthma ist eine der häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen in Deutschland. Man schätzt, dass etwa 5 bis 10 von 100 Kindern und 4 bis 6 von 100 Erwachsenen betroffen sind. Allerdings gibt es verschiedene Formen und Schweregrade, und manche Menschen haben nur selten Beschwerden.
Asthma kann in jedem Lebensalter auftreten – vom Säugling bis zum hohen Alter. Besonders häufig beginnt es im Kindes- und Jugendalter. Bei Erwachsenen kann Asthma aber auch erst nach dem 40. Lebensjahr neu auftreten. Im Kindesalter sind Jungen etwas häufiger betroffen, im Erwachsenenalter eher Frauen.
Symptome
- Schwere Atemnot, die auch nach Anwendung des Notfallmedikaments nicht besser wird
- Sprechen ist nur noch in einzelnen Worten möglich
- Bläuliche Verfärbung von Lippen, Zunge oder Fingernägeln
- Starke Unruhe, Angst oder Verwirrtheit
- Bewusstlosigkeit
- ⚠Die Beschwerden nehmen trotz Behandlung zu
- ⚠Sie müssen Ihren Bedarfsinhalator häufiger verwenden als sonst
- ⚠Sie wachen nachts wegen Husten oder Luftnot auf
- ⚠Sie haben Fieber oder fühlen sich insgesamt schwer krank
- ⚠Sie haben das Gefühl, ein Asthmaanfall könnte beginnen
Häufige Symptome
- Pfeifendes Geräusch beim Ausatmen, auch ‚Giemen' genannt
- Husten, häufig nachts, früh morgens oder nach Belastung
- Atemnot oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
- Engegefühl oder Druck in der Brust
- Verlängerter Husten, der über Wochen nicht verschwindet
Symptome bei Kindern
- Husten oder Atemnot beim Spielen, Lachen oder Weinen
- Schnelle, angestrengte Atmung
- Hörbares Pfeifen beim Ausatmen
- Müdigkeit, weil das Atmen mehr Kraft kostet
- Probleme beim Trinken oder Essen, wenn die Atmung angestrengt ist
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen fällt Atemnot manchmal weniger auf, weil sie sich unbewusst weniger anstrengen.
- Häufige Begleiterkrankungen wie Herzkrankheiten können die Symptome verstärken.
- Husten und Kurzatmigkeit bei leichter Belastung – zum Beispiel beim Treppensteigen.
- Verstärkte Beschwerden nach Erkältungen.
Ursachen
Hauptursachen
- Allergene: Zum Beispiel Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze – sie lösen bei manchen Menschen eine Entzündungsreaktion in den Atemwegen aus.
- Reizstoffe: Tabakrauch, kalte Luft, starke Gerüche (Parfüm, Putzmittel) oder Abgase können die Atemwege reizen.
- Körperliche Anstrengung: Sport und schnelle Bewegungen können bei manchen Menschen zu vorübergehender Atemnot führen – man spricht dann von Belastungsasthma.
- Atemwegsinfekte: Besonders Erkältungs- oder Grippeviren können einen Asthmaanfall auslösen oder eine bestehende Erkrankung verschlimmern.
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Schmerzmittel, können bei empfindlichen Menschen Asthmaanfälle auslösen. Sprechen Sie immer mit Ihrem Behandlungsteam, bevor Sie neue Medikamente einnehmen.
Risikofaktoren
- Asthma oder Allergien in der Familie
- Eigene Allergien wie Heuschnupfen oder ein allergisches Ekzem (Neurodermitis)
- Frühere schwere Atemwegserkrankungen in der Kindheit
- Rauchen und Passivrauchen
- Übergewicht
- Arbeitsplatzbelastungen durch Stäube, Dämpfe oder chemische Stoffe
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal anhaltende Atemnot oder einen pfeifenden Atem haben – suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis oder die Notaufnahme auf.
- Wenn Ihre Beschwerden schlimmer werden und Sie häufiger Ihr Bedarfsmedikament brauchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, auch wenn Ihre Beschwerden nur gelegentlich auftreten – zum Beispiel nur bei Sport oder nur in der Pollenzeit.
- Wenn Sie bereits eine Asthmadiagnose haben, ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig – mindestens einmal im Jahr, auch wenn es Ihnen gut geht.
Diagnose
Asthma wird von einer Ärztin oder einem Arzt festgestellt. Dazu werden die Krankengeschichte genau erhoben und Lungenfunktionstests durchgeführt. Die genaue Abklärung hilft, andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden auszuschließen. Die Leitlinien der deutschen Fachgesellschaften (AWMF) geben vor, welche Untersuchungen sinnvoll sind.
Mögliche Untersuchungen
- Spirometrie: Sie atmen kräftig in ein Messgerät, das die Lungenfunktion überprüft.
- FeNO-Messung: Dabei wird die Menge an Stickstoffmonoxid in Ihrer Atemluft gemessen – ein erhöhter Wert kann auf eine Entzündung der Atemwege hinweisen.
- Allergietest: Haut- oder Bluttests, um eine allergische Ursache zu finden.
- Peak-Flow-Messung: Ein einfaches Gerät für zu Hause, das die maximale Ausatmungsgeschwindigkeit misst.
- Bronchiale Provokation: Bei unklaren Befunden wird getestet, wie empfindlich Ihre Atemwege auf bestimmte Reize reagieren.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nicht lange. Sie werden aufgefordert, tief ein- und wieder kräftig auszuatmen – das kostet etwas Kraft, ist aber gut machbar. Nach allen Messungen bespricht die Ärztin oder der Arzt die Ergebnisse mit Ihnen und schlägt die nächsten Schritte vor. Es ist hilfreich, wenn Sie zu dem Termin eine Liste Ihrer Beschwerden und möglicher Auslöser mitbringen.
Behandlung
Die Behandlung von Asthma hat zwei Ziele: Erstens, die akuten Beschwerden schnell zu lindern, und zweitens, weitere Anfälle zu verhindern. Dafür werden mehrere Bausteine kombiniert: Medikamente, die Sie inhalieren, das Meiden von Auslösern, eine Asthmaschulung und ein persönlicher Asthmaplan. Die Behandlung folgt einem Stufenschema, das in den nationalen und internationalen Leitlinien (unter anderem der AWMF) festgelegt ist. Ihr Behandlungsteam passt die Therapie regelmäßig an – je nachdem, wie gut Ihr Asthma kontrolliert ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Führen Sie über ein bis zwei Wochen ein Asthma-Tagebuch: Notieren Sie Beschwerden, mögliche Auslöser und die Anwendung Ihres Bedarfsmedikaments.
- Lassen Sie sich zeigen, wie Sie Ihr Inhalationsgerät richtig anwenden. Eine falsche Technik kann die Wirkung stark vermindern.
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente auch in beschwerdefreien Zeiten regelmäßig ein – sie schützen vor Anfällen.
- Vermeiden Sie bekannte Auslöser, soweit möglich. Wenn Sie unsicher sind, was Sie meiden sollten, sprechen Sie es in Ihrer Arztpraxis an.
- Achten Sie auf Warnzeichen: Zunehmender Husten oder nächtliches Erwachen können eine Verschlechterung ankündigen.
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung stehen verschiedene Medikamente in Form von Inhalatoren, Tabletten oder auch Injektionen zur Verfügung. Es gibt im Wesentlichen zwei Arten: Bedarfsmedikamente, die bei auftretender Atemnot schnell die verengten Atemwege erweitern, und Dauermedikamente, die die Entzündung in den Atemwegen dämpfen und so Anfälle verhindern. Welche Kombination für Sie die richtige ist, hängt von der Häufigkeit und Schwere Ihrer Symptome ab. In manchen Fällen kommen zusätzlich Medikamente infrage, die gezielt in das Immunsystem eingreifen (sogenannte Biologika) oder eine allergenspezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Diese werden nur von spezialisierten Arztpraxen oder Kliniken verordnet. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen alle Möglichkeiten und stimmt den Plan gemeinsam mit Ihnen ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Asthma in aller Regel nicht erforderlich. Nur wenn zum Beispiel schweres Asthma mit wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen verbunden ist, kann ein chirurgischer Eingriff an den Nebenhöhlen die Beschwerden verbessern. Mehr dazu erfahren Sie von Ihrer Lungenfachärztin oder Ihrem Lungenfacharzt.
Leben mit der Erkrankung
Gut eingestelltes Asthma ist mit einem normalen Tagesablauf vereinbar. Wichtig ist, dass Sie Ihren persönlichen Asthmaplan kennen und wissen, was bei einer Verschlechterung zu tun ist. Planen Sie Zeiten für Medikamente ein und nehmen Sie Ihr Notfallmedikament mit, wenn Sie unterwegs sind. Wenn Sie Ihren Plan befolgen, können Sie die meisten Aktivitäten – auch Sport – genießen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung hält die Lunge fit. Wählen Sie eine Sportart, die Ihnen Freude macht, und steigern Sie die Belastung langsam.
- Verzichten Sie auf Rauchen und meiden Sie Räume, in denen geraucht wird – das ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren.
- Sorgen Sie für ein angenehmes Raumklima: Nicht zu trockene, nicht zu feuchte Luft, regelmäßiges Stoßlüften und möglichst wenig Staubfänger.
- Behandeln Sie eine allergische Begleiterkrankung wie Heuschnupfen, denn sie kann Asthma beeinflussen.
- Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf, denn Schlafmangel kann die Beschwerden verstärken.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine Wunderdiät für Asthma. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Ölen unterstützt die allgemeine Gesundheit. Manche Menschen reagieren auf bestimmte Zusatzstoffe empfindlich – das ist individuell verschieden. Wenn Sie bei bestimmten Lebensmitteln Beschwerden bemerken, sprechen Sie darüber mit Ihrem medizinischen Team. Sport ist bei Asthma ausdrücklich erwünscht. Am besten starten Sie mit moderater Bewegung wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Wärmen Sie sich vorher gründlich auf – das verringert die Gefahr von Belastungsasthma.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Asthma kann auch die Seele belasten. Die Angst vor einem Anfall, Schlafstörungen und das Gefühl, nicht alles tun zu können, machen vielen Menschen zu schaffen. Das ist verständlich und ernst zu nehmen. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Umfeld hilft oft schon. Wenn die Belastung anhält, kann eine psychologische Beratung oder Psychotherapie sinnvoll sein. Auch eine Asthmaschulung stärkt das Selbstvertrauen im Umgang mit der Erkrankung.
Vorbeugung
Nicht jede Form von Asthma lässt sich verhindern. Die Neigung zu Asthma ist oft erblich und kann nicht beeinflusst werden. Aber Sie können sehr viel tun, um Asthmaanfälle zu vermeiden und den Verlauf günstig zu beeinflussen: durch konsequente ärztliche Behandlung, Meiden von Auslösern, einen gesunden Lebensstil und eine gute Asthmaschulung.
Impfungen
Impfungen sind ein wichtiger Schutz – auch bei Asthma. Besonders empfohlen werden die jährliche Grippeimpfung und die COVID-19-Impfung. Zudem können Impfungen gegen Keuchhusten und Lungenentzündung (Pneumokokken) sinnvoll sein. Lassen Sie Ihre Impfungen regelmäßig in der Hausarztpraxis überprüfen und erneuern.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening für Asthma in der gesamten Bevölkerung. Wenn Sie jedoch typische Anzeichen wie wiederholten Husten, Kurzatmigkeit oder pfeifende Atmung bemerken, ist eine ärztliche Untersuchung der richtige Weg. Je früher Asthma erkannt wird, desto besser kann man behandeln und Folgen vermeiden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Häufigere und schwerere Asthmaanfälle, die zu einem Notfall führen können.
- Eine dauerhafte Einschränkung der Lungenfunktion durch Umbauprozesse der Atemwege.
- Schlafmangel und Tagesmüdigkeit wegen nächtlicher Atemnot.
- Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit und Teilhabe am Alltag.
Langzeitprognose
Die Prognose bei Asthma ist heute sehr gut. Mit einer angepassten Behandlung, regelmäßiger Kontrolle und einem guten Verständnis der Erkrankung sind die meisten Menschen weitgehend beschwerdefrei. Manche Kinder werden mit zunehmendem Alter sogar weitgehend symptomfrei. Entscheidend ist eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem medizinischen Team – dann können Sie ein erfülltes, aktives Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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