Bipolare Störung
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- NICE—Bipolar disorder. NG185(2023)
- NHS—Bipolar disorder(2023)
- WHO—Bipolar disorder fact sheet(2023)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die bipolare Störung ist eine psychische Erkrankung, bei der die Stimmung stark schwankt. Es gibt Phasen mit übermäßiger Hochstimmung (manische Phasen) und Phasen mit tiefer Traurigkeit (depressive Phasen). Diese Stimmungsschwankungen sind viel stärker als normale Höhen und Tiefen im Leben.
Wichtige Fakten
- Die bipolare Störung ist eine behandelbare Erkrankung.
- Sie verläuft in Schüben – zwischen den Phasen kann die Stimmung ausgeglichen sein.
- Medikamente und Psychotherapie helfen, die Phasen zu verhindern oder abzumildern.
Etwa 1 bis 2 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer bipolaren Störung.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber meist im jungen Erwachsenenalter. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Die Person äußert, sich selbst oder anderen etwas antun zu wollen.
- Die Person ist in einer schweren manischen Phase, verliert die Kontrolle und gefährdet sich oder andere.
- Akute Psychose (z.B. Halluzinationen oder Wahnvorstellungen).
- Suizidgedanken und konkrete Absichten. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- ⚠Sehr starke Stimmungsschwankungen, die den Alltag unmöglich machen.
- ⚠Hinweise auf eine beginnende manische Phase (z.B. stundenlanger Schlafmangel ohne Müdigkeit, extreme Pläne).
- ⚠Tiefe Depression mit Antriebslosigkeit und sozialem Rückzug seit mehreren Tagen.
Häufige Symptome
- In einer manischen Phase: Übermäßig gute Stimmung, stark gereizt, wenig Schlafbedürfnis, übermäßige Aktivität, schnelle Reden, riskantes Verhalten (z.B. große Geldausgaben).
- In einer depressiven Phase: Tiefe Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Schlafstörungen, Appetitveränderungen, Gefühle der Wertlosigkeit, Gedanken an den Tod.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern und Jugendlichen können die Symptome anders aussehen: Starke Reizbarkeit, Wutausbrüche, schnelle Stimmungswechsel, hyperaktives Verhalten, die mit ADHS verwechselt werden können.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Symptome einer Depression im Vordergrund stehen und mit Demenz verwechselt werden. Manische Phasen sind oft weniger ausgeprägt, zeigen sich aber z.B. durch Ruhelosigkeit oder Reizbarkeit.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Es spielen mehrere Faktoren zusammen: genetische Veranlagung, veränderte Botenstoffe im Gehirn und belastende Lebensereignisse.
- Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko.
Risikofaktoren
- Familienmitglieder mit bipolarer Störung.
- Starke Belastungen wie Verlust, Trennung oder Traumata.
- Drogen- oder Alkoholkonsum.
- Schlafmangel oder starke Schlafrhythmus-Störungen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid sofort den Notruf 112 wählen oder die nächste psychiatrische Notaufnahme aufsuchen.
- Bei schweren manischen Symptomen, die zu gefährlichem Verhalten führen.
- Bei neu auftretenden psychotischen Symptomen (Halluzinationen, Wahn).
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Stimmungsschwankungen das tägliche Leben beeinträchtigen (Arbeit, Beziehungen, Alltag).
- Wenn depressive oder manische Phasen länger als ein paar Tage andauern.
- Bei wiederholten Episoden von Hoch- und Tiefphasen.
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Facharzt für Psychiatrie oder einem Psychotherapeuten gestellt. Es gibt keinen einfachen Labor- oder Bildgebungstest. Der Arzt führt ein ausführliches Gespräch über Ihre Symptome, die Krankengeschichte und die Familienanamnese. Oft wird auch eine Stimmungstabelle (Tagebuch) geführt, um Schwankungen zu erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung und Blutuntersuchungen, um andere Ursachen auszuschließen (z.B. Schilddrüsenprobleme, Vitaminmangel).
- Fragebögen zur Stimmung und zum Verhalten.
- Manchmal ein Elektroenzephalogramm (EEG) oder eine Bildgebung des Gehirns, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie nach Ihrer aktuellen Stimmung, Ihren Gedanken, Ihrem Schlaf, Ihrem Appetit und Ihrer Energie fragen. Auch Familienangehörige können einbezogen werden, wenn Sie einverstanden sind. Die Diagnose erfordert Geduld, da die Erkrankung schubweise verläuft.
Behandlung
Die Behandlung der bipolaren Störung zielt darauf ab, Stimmungsschwankungen zu verhindern oder abzumildern und ein stabiles Leben zu ermöglichen. Sie erfolgt nach den Leitlinien der AWMF und umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten, Psychotherapie und Selbstmanagement. Die Behandlung ist langfristig angelegt.
Selbsthilfe zu Hause
- Führen Sie ein Stimmungstagebuch, um Frühwarnzeichen zu erkennen.
- Halten Sie einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus ein.
- Vermeiden Sie Alkohol und Drogen, da sie die Erkrankung verschlechtern.
- Bauen Sie Stress ab durch Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga.
- Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig – auch in guten Phasen.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung umfasst stimmungsstabilisierende Medikamente (Phasenprophylaxe). Diese helfen, manische und depressive Phasen zu verhindern oder abzuschwächen. In akuten Phasen können auch vorübergehend andere Arzneimittel wie Antipsychotika oder Antidepressiva eingesetzt werden. Die genaue Auswahl und Dosierung wird individuell vom Arzt festgelegt. Es ist wichtig, die Medikamente nicht eigenmächtig abzusetzen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operative Eingriffe sind in der Regel nicht Teil der Behandlung der bipolaren Störung.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit einer bipolaren Störung kann herausfordernd sein, aber mit der richtigen Behandlung und Unterstützung ist ein erfülltes Leben möglich. Es ist wichtig, auf Frühwarnzeichen zu achten und einen stabilen Alltag zu gestalten. Viele Menschen führen ein normales Berufs- und Familienleben.
Tipps für den Alltag
- Feste Schlafenszeiten – auch am Wochenende.
- Tägliche Routine für Mahlzeiten und Aktivitäten.
- Vermeiden von Drogen, Nikotin und übermäßigem Koffein.
- Regelmäßige Pausen zur Stressbewältigung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die allgemeine Gesundheit. Regelmäßige Bewegung, wie Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren, hilft, die Stimmung zu stabilisieren. Achten Sie darauf, nicht zu exzessiv zu trainieren, da zu viel Aktivität manische Phasen auslösen kann.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erkrankung kann Scham- oder Schuldgefühle auslösen. Stigma und Unverständnis im Umfeld belasten zusätzlich. Psychotherapie kann helfen, mit den emotionalen Folgen umzugehen und das Selbstwertgefühl zu stärken. Es ist wichtig, sich Hilfe zu suchen und offen über die Erkrankung zu sprechen.
Vorbeugung
Eine bipolare Störung kann nicht vollständig verhindert werden. Aber eine frühzeitige Behandlung und ein stabiler Lebensstil können die Häufigkeit und Schwere der Phasen reduzieren. Es ist wichtig, persönliche Frühwarnzeichen zu erkennen und früh zu handeln.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßigen Screening-Untersuchungen auf bipolare Störung. Bei Menschen mit familiärer Vorbelastung oder wiederholten Stimmungsschwankungen kann ein Psychiater eine Früherkennung anbieten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Beeinträchtigung von Beruf, Beziehungen und Lebensqualität.
- Erhöhtes Risiko für Substanzmissbrauch (Alkohol, Drogen).
- Erhöhtes Risiko für selbstverletzendes Verhalten und Suizid.
- Chronischer Verlauf mit häufigen und schweren Phasen.
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung und einem guten Selbstmanagement haben die meisten Menschen mit bipolarer Störung eine positive Prognose. Viele können ein stabiles, erfülltes Leben führen, haben Beruf und Familie. Rückschläge gehören dazu – wichtig ist, nicht aufzugeben und Unterstützung anzunehmen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. ↗ · Deutschland
- Deutsche Depressionshilfe ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.