Cellulitis – bakterielle Hautinfektion verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Cellulitis ist eine bakterielle Infektion der tieferen Hautschichten. Sie entsteht, wenn Bakterien durch eine kleine Hautverletzung eindringen und sich in der Haut ausbreiten. Die Haut wird rot, schwillt an, fühlt sich warm an und schmerzt. Nicht zu verwechseln mit „Cellulite“, den harmlosen Dellen in der Haut, die viele Menschen an Oberschenkeln oder Gesäß haben.
Wichtige Fakten
- Cellulitis ist eine ernstzunehmende bakterielle Infektion, die schnell behandelt werden sollte.
- Sie tritt häufig an Beinen oder Armen auf, kann aber überall am Körper vorkommen.
- Mit einer rechtzeitigen Behandlung ist Cellulitis in den meisten Fällen gut heilbar.
Cellulitis gehört zu den häufigsten bakteriellen Hautinfektionen, die in Arztpraxen und Krankenhäusern behandelt werden.
Cellulitis kann Menschen jeden Alters betreffen. Häufiger sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Diabetes, Lymphödemen oder Hauterkrankungen wie Fußpilz. Auch ältere Menschen erkranken öfter.
Symptome
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost – rufen Sie sofort die Notrufnummer 112
- Die Rötung breitet sich innerhalb weniger Stunden schnell aus
- Atemnot oder Herzrasen
- Starke Schmerzen an der betroffenen Stelle
- Blasen mit dunklem Inhalt oder schwarze Hautstellen
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung
- ⚠Die Rötung wird über einen Tag hinweg deutlich größer
- ⚠Fieber bleibt trotz fiebersenkender Maßnahmen hoch
- ⚠Die Schwellung wird so stark, dass Sie die Stelle kaum bewegen können
- ⚠Übelkeit oder Erbrechen im Zusammenhang mit der Hautinfektion
- ⚠Keine Besserung nach 24 bis 48 Stunden Behandlung
Häufige Symptome
- Rötung der Haut, die sich ausbreitet
- Schwellung und Spannungsgefühl
- Die Haut fühlt sich warm an
- Schmerzen oder Druckempfindlichkeit an der betroffenen Stelle
- Fieber und Schüttelfrost bei schwereren Verläufen
- Blasenbildung oder dunkle Hautverfärbungen in fortgeschrittenen Stadien
Symptome bei Kindern
- Reizbarkeit und vermehrtes Weinen
- Rötung und Schwellung, oft im Gesicht oder am Windelbereich
- Fieber
- Geringerer Appetit oder verminderte Trinkbereitschaft
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Benommenheit – das kann ein Zeichen einer schweren Infektion sein
- Rötung ist manchmal schwächer ausgeprägt, die Schwellung jedoch deutlich sichtbar
- Allgemeine Schwäche und Müdigkeit
- Schmerzen sind oft weniger deutlich, deshalb wird die Infektion später bemerkt
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, meist Streptokokken oder Staphylokokken, dringen durch kleine Hautrisse ein
- Hautverletzungen wie Schürfwunden, Schnitte, Insektenstiche oder Operationswunden
- Fußpilz, der winzige Risse zwischen den Zehen verursacht
- Chronische Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Schuppenflechte
Risikofaktoren
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch bestimmte Medikamente oder Krankheiten
- Diabetes mellitus, besonders wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist
- Lymphödem, also geschwollene Arme oder Beine durch gestörten Lymphfluss
- Übergewicht
- Durchblutungsstörungen
- Trockene, rissige Haut oder Fußpilz
- Alter über 60 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Die Rötung breitet sich schnell aus
- Die Stelle ist sehr schmerzhaft oder fühlt sich taub an
- Sie haben Fieber über 38,5 °C oder Schüttelfrost
- Die Rötung betrifft das Gesicht oder die Augenpartie
- Sie haben eine Vorerkrankung wie Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Die Rötung ist klein, begrenzt und wächst nicht
- Sie haben keine Fieber oder andere Allgemeinsymptome
- Sie können innerhalb von 24 bis 48 Stunden einen Termin bekommen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Haut genau und fragt nach Ihren Beschwerden und möglichen Verletzungen. Die Diagnose wird meist anhand des typischen Hautbildes gestellt. Die Behandlung folgt in Deutschland den Empfehlungen der medizinischen Leitlinien (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen
- Abstrich der Wunde, wenn Flüssigkeit austritt
- Ultraschall, um Abszesse oder Flüssigkeitsansammlungen zu erkennen
- Bei schweren oder unklaren Fällen werden Blutkulturen angelegt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist nur wenige Minuten. Der Arzt oder die Ärztin markiert die Rötung oft mit einem Stift, damit Sie zu Hause sehen können, ob sich die Entzündung ausbreitet. Sie können diese Markierung selbst mit einem Kugelschreiber nachzeichnen.
Behandlung
Die Behandlung besteht aus Antibiotika, die die Bakterien abtöten. Bei milden Verläufen werden Tabletten verordnet. Bei schweren Fällen oder bei geschwächtem Immunsystem kann eine Behandlung im Krankenhaus mit Antibiotika über die Vene nötig sein. Wichtig ist, die Behandlung genau nach Anweisung durchzuführen und nicht vorzeitig abzubrechen.
Selbsthilfe zu Hause
- Lagern Sie das betroffene Bein oder den Arm hoch, um die Schwellung zu verringern
- Kühlen Sie die Stelle mit feuchten Umschlägen – aber nicht direkt mit Eis
- Trinken Sie ausreichend Wasser
- Schonen Sie sich und gönnen Sie sich Ruhe
- Beobachten Sie die Rötung täglich und markieren Sie die Grenze mit einem Stift
- Reinigen Sie die Stelle vorsichtig mit milder Seife und trocknen Sie sie gut ab
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt wird Ihnen ein Antibiotikum verschreiben, das Sie zu Hause einnehmen. Bei schweren Infektionen kann die Behandlung im Krankenhaus über die Vene erfolgen. Im Allgemeinen dauert die Behandlung 5 bis 10 Tage, kann aber je nach Schweregrad auch länger sein. Nehmen Sie das Medikament immer genau nach ärztlicher Anweisung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen bildet sich ein Abszess, also eine Eiteransammlung. Dann ist ein kleiner Eingriff nötig, um den Eiter abzulassen. Dieser Eingriff ist meist unkompliziert und erfolgt unter örtlicher Betäubung.
Leben mit der Erkrankung
Während der Behandlung ist es wichtig, die betroffene Stelle zu schonen und auf Warnzeichen zu achten. In der Regel bessern sich die Beschwerden nach einigen Tagen. Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt, wenn Sie unsicher sind.
Tipps für den Alltag
- Waschen Sie die betroffene Stelle täglich mit milder Seife und trocknen Sie sie vorsichtig ab
- Tragen Sie lockere Kleidung und atmungsaktive Stoffe, um Druck auf die Haut zu vermeiden
- Verzichten Sie vorläufig auf Schwimmbad, Sauna oder Sport, bis die Haut abgeheilt ist
- Achten Sie konsequent auf Fußpilz und behandeln Sie ihn frühzeitig
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Bewegung ist in der Regel erlaubt, aber Sie sollten die betroffene Stelle nicht belasten. Fragen Sie Ihren Arzt, wann Sie wieder mit dem Sport beginnen können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Hautinfektion kann schmerzhaft und beunruhigend sein. Es ist völlig normal, sich Sorgen zu machen. Wenn die Anspannung oder die Angst überhandnimmt, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder suchen Sie eine psychologische Beratung.
Vorbeugung
Eine Cellulitis lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken: Reinigen Sie kleine Hautverletzungen sofort und desinfizieren Sie sie. Pflegen Sie trockene Haut regelmäßig und behandeln Sie Fußpilz frühzeitig.
Impfungen
Eine spezielle Impfung gegen die häufigsten Erreger der Cellulitis gibt es nicht. Bestimmte Impfungen, wie die gegen Grippe oder Pneumokokken, können bei Risikopersonen Folgeinfektionen vorbeugen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre persönliche Impfempfehlung.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie immer wieder Cellulitis bekommen, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll. Dabei können Ursachen wie Lymphödeme, Durchblutungsstörungen oder ein schlecht eingestellter Blutzucker erkannt und behandelt werden. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind bei Diabetes wichtig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Infektion kann sich in tiefere Gewebeschichten ausbreiten und einen Abszess bilden
- Bakterien können ins Blut gelangen und eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) verursachen
- Das Gewebe kann dauerhaft geschädigt werden, zum Beispiel Narben oder Lymphschäden
- Die Infektion kann auf Gelenke, Knochen oder andere Organe übergreifen
Langzeitprognose
Richtig behandelt heilt Cellulitis in den allermeisten Fällen vollständig aus. Die meisten Menschen sind nach ein bis zwei Wochen beschwerdefrei. Wichtig ist, die Therapie nicht zu unterbrechen und bei Warnzeichen sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Gehen Sie sorgsam mit Ihrer Haut um, dann ist die Prognose sehr gut.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.