Zellulitis (Hautinfektion): Selbstpflege einfach erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Zellulitis ist eine bakterielle Infektion der tieferen Hautschichten. Sie entsteht, wenn Bakterien durch eine kleine Wunde in die Haut eindringen. Die Haut wird rot, warm, geschwollen und schmerzhaft. Anders als die harmlose Cellulite (Dellen in der Haut) ist eine Zellulitis eine ernste Erkrankung, die behandelt werden muss.
Wichtige Fakten
- Eine Zellulitis wird immer von einer Ärztin oder einem Arzt behandelt – Selbstpflege ersetzt das nicht.
- Die übliche Behandlung sind Antibiotika, meist als Tablette.
- Mit schneller Hilfe heilt sie meist folgenlos aus.
Zellulitis ist eine häufige Hautinfektion. Schätzungsweise erkranken in Deutschland jedes Jahr viele Tausende Menschen daran. Sie kann in jedem Alter auftreten, ist aber bei Erwachsenen und älteren Menschen häufiger.
Zellulitis kann grundsätzlich jeden treffen. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit offenen Wunden, Diabetes, geschwächten Abwehrkräften, Lymphödem (Wassereinlagerungen im Gewebe) oder einer vorhandenen Hauterkrankung wie Fußpilz oder Neurodermitis.
Symptome
- Wenn die Rötung sehr schnell größer wird – zum Beispiel mehrere Zentimeter pro Stunde – rufen Sie sofort 112.
- Wenn Sie hohes Fieber über 39 Grad Celsius haben und sich schwer krank fühlen, rufen Sie sofort 112.
- Wenn ausgedehnte Blasen oder dunkel verfärbte Hautstellen auftreten, rufen Sie sofort 112.
- Bei schwerer Atemnot rufen Sie sofort 112.
- Bei Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung oder Ohnmacht rufen Sie sofort 112.
- ⚠Rötung, die trotz Antibiotika weiter wächst
- ⚠Fieber, das nach zwei Tagen nicht sinkt
- ⚠Schmerzen, die immer stärker werden
- ⚠Eiter oder stark nässende Haut
- ⚠Taubheitsgefühl oder Kribbeln an der betroffenen Stelle
Häufige Symptome
- Meist beginnt es mit einer kleinen Rötung, die größer wird.
- Die Stelle ist geschwollen, fühlt sich warm an und schmerzt.
- Die Haut kann glänzen oder Blasen bilden.
- Bei vielen Menschen kommt Fieber hinzu.
- Manchmal fühlen Sie sich schlapp oder haben Schüttelfrost.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist die Infektion oft im Gesicht oder rund um den Po.
- Typisch sind hohes Fieber und auffallende Müdigkeit.
- Kinder weinen mehr als sonst oder wollen nicht laufen und spielen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft weniger deutliche Rötung – dafür können Verwirrtheit oder Benommenheit auftreten.
- Die Stelle kann sich eher wie ein blauer Fleck oder eine Schwellung zeigen.
- Ein plötzlicher Sturz oder plötzliche Schwäche kann ein Hinweis sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien – meist Streptokokken oder Staphylokokken – dringen durch eine Hautverletzung ein.
- Trockene, rissige Haut erleichtert das Eindringen.
- Auch ein Insektenstich, ein kleiner Schnitt oder Fußpilz kann als Eintrittspforte dienen.
Risikofaktoren
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Medikamente, Krankheit oder Alter)
- Diabetes mellitus
- Lymphödem oder geschwollene Beine
- Durchblutungsstörungen der Beine
- Übergewicht
- Hauterkrankungen mit Juckreiz und Kratzen
- Injektionen mit nicht sterilen Nadeln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Rötung sich schnell ausbreitet
- Wenn Sie Fieber haben
- Wenn starke Schmerzen oder ein starkes Krankheitsgefühl auftreten
- Wenn Sie Diabetes, ein schwaches Immunsystem oder Durchblutungsstörungen haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine rote, warme, geschwollene Stelle an der Haut bemerken
- Wenn die Stelle größer wird oder nach 2 Tagen nicht besser wird
- Wenn Sie unsicher sind, was die Veränderung ist
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Haut, tastet die Stelle ab und fragt nach Begleiterscheinungen wie Fieber. Meist reicht das für die Diagnose. In unsicheren Fällen können zusätzliche Untersuchungen helfen.
Mögliche Untersuchungen
- Ein Bluttest misst die Entzündungswerte (z. B. CRP und Blutbild).
- Ein Abstrich von der Haut kann den Erreger bestimmen, ist aber selten nötig.
- Eine Ultraschalluntersuchung schließt andere Ursachen aus, zum Beispiel eine Venenthrombose im Bein.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nach der Diagnose erhalten Sie meist ein Rezept für Antibiotika. In leichten Fällen reichen Tabletten. Bei schwereren Verläufen, Fieber oder geschwächtem Allgemeinzustand kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein, bei der das Antibiotikum über eine Infusion gegeben wird.
Behandlung
Die Behandlung besteht darin, die Bakterien abzutöten und die Haut zu entlasten. Antibiotika sind das Herzstück der Therapie – sie werden von einem Arzt verordnet. Ärztinnen und Ärzte folgen dabei der aktuellen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Ergänzend hilft Selbstpflege: Ruhe, Hochlagern und eine gute Beobachtung der Haut fördern die Heilung.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie die betroffene Stelle ruhig und legen Sie sie im Alltag so oft wie möglich hoch.
- Kühlen Sie die Stelle mit einem feuchten, sauberen Tuch – aber nicht längere Zeit mit Eis.
- Trinken Sie reichlich Wasser, um den Körper zu unterstützen.
- Beobachten Sie die Stelle täglich: Zeichnen Sie den Rand der Rötung mit einem Stift ein, damit Sie sehen, ob sie wächst.
- Achten Sie auf gute Hygiene und wechseln Sie eventuelle Verbände regelmäßig.
- Nehmen Sie Antibiotika exakt nach ärztlicher Anweisung – auch wenn Sie sich schon besser fühlen.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt verschreibt ein Antibiotikum, das die Bakterien abtötet. Es wird als Tablette oder in schwereren Fällen als Infusion gegeben. Manchmal werden zusätzlich entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Alle Medikamente müssen ärztlich verordnet werden – nehmen Sie niemals Antibiotika auf eigene Faust ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur nötig, wenn sich ein Abszess gebildet hat – also eine abgekapselte Eiteransammlung. Dann wird der Abszess aufgeschnitten und der Eiter abgelassen. Das ist ein kleiner Eingriff und geschieht meist unter örtlicher Betäubung.
Leben mit der Erkrankung
Bis zur Ausheilung vergehen meist 7 bis 14 Tage. Die Rötung kann noch länger sichtbar bleiben, auch wenn die Infektion vorbei ist. Wichtig ist, die Antibiotika-Therapie zu Ende zu führen und die Haut weiter zu beobachten. Falls neue Beschwerden auftreten, suchen Sie ärztlichen Rat.
Tipps für den Alltag
- Pflegen Sie trockene Haut mit Feuchtigkeitscreme, um Risse zu vermeiden.
- Schützen Sie offene Stellen mit Pflastern – wechseln Sie diese regelmäßig.
- Behandeln Sie Fußpilz konsequent, auch zwischen den Zehen.
- Vermeiden Sie Kratzen bei Juckreiz – kühlen Sie stattdessen sanft.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse und ausreichend Eiweiß stärkt die Abwehr. Bewegung ist erlaubt, solange Sie den betroffenen Bereich nicht überlasten. Bei Zellulitis an den Beinen ist Hochlagern in Ruhepausen wichtig. Ihren individuellen Rat gibt die Ärztin oder der Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine sichtbare Hautinfektion kann verunsichern, vor allem wenn sie lange dauert oder Narben hinterlässt. Es ist in Ordnung, sich Sorgen zu machen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer vertrauten Person darüber zu sprechen. Im Bedarfsfall hilft auch eine psychologische Beratung – z. B. über den Hausarzt oder die Krankenkasse.
Vorbeugung
Nicht jede Zellulitis lässt sich verhindern, aber Sie können das Risiko senken: Pflegen Sie Ihre Haut, halten Sie Wunden sauber, desinfizieren Sie kleine Verletzungen mit einem Mittel aus der Apotheke und behandeln Sie Fußpilz konsequent.
Impfungen
Eine Impfung gegen Zellulitis selbst gibt es nicht. Die regulären Impfungen, zum Beispiel gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), sind trotzdem wichtig – besonders nach Verletzungen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihren Impfstatus.
Früherkennungsprogramme
Eine Früherkennung durch regelmäßige Hautchecks ist bei Zellulitis nicht vorgesehen. Wenn Sie ein hohes Risiko haben (z. B. durch Lymphödem oder Diabetes), lohnt es sich, die Haut sorgfältig zu beobachten und Veränderungen frühzeitig abklären zu lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Infektion kann in tiefere Gewebe vordringen.
- Es kann sich ein Abszess (Eiteransammlung) bilden.
- Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Sepsis (Blutvergiftung).
- Das Gewebe kann dauerhaft geschädigt werden.
- Wiederholte Zellulitis-Episoden können auftreten.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung heilt eine Zellulitis in den meisten Fällen vollständig und ohne Folgen ab. Selbst schwere Verläufe können in der Klinik meist gut behandelt werden. Wenn Sie die Empfehlungen der Ärztinnen und Ärzte befolgen und Ihre Haut weiter pflegen, ist die Prognose sehr gut.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.