Cellulitis: Behandlung im Überblick – was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Cellulitis ist eine bakterielle Hautinfektion. Sie betrifft die tiefere Hautschicht und das Unterhautgewebe. Die Haut wird rot, warm, geschwollen und schmerzt. Manche Menschen haben auch Fieber. Cellulitis ist nicht dasselbe wie Cellulite (Orangenhaut). Eine Cellulitis muss behandelt werden, damit sie nicht schlimmer wird.
Wichtige Fakten
- Cellulitis ist eine ernstzunehmende Infektion, aber gut behandelbar.
- Sie entsteht meist durch kleine Hautverletzungen, durch die Bakterien eindringen.
- Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antibiotika, die die Ärztin oder der Arzt verschreibt.
Ja, Cellulitis kommt häufig vor. Jedes Jahr erkranken in Deutschland viele Menschen daran. Sie ist eine der häufigeren Hautinfektionen.
Eine Cellulitis kann jede Person treffen. Häufiger betroffen sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Diabetes, Lymphödemen, Venenschwäche oder mit Hautverletzungen. Auch ältere Menschen und Säuglinge können betroffen sein.
Symptome
- Die Rötung breitet sich sehr schnell aus, zum Beispiel innerhalb von Stunden
- Fieber über 39,5 Grad Celsius oder Schüttelfrost
- Starke Schmerzen oder kalte, bläuliche Haut an der betroffenen Stelle
- Schwierigkeiten beim Atmen oder ein Gefühl von Ohnmacht
- Bei Bewusstlosigkeit oder sehr starkem Krankheitsgefühl: Sofort den Notruf 112 wählen
- ⚠Wenn Sie eine rote, warme, schmerzhafte Hautstelle bemerken, die größer wird
- ⚠Wenn Sie Fieber haben und die Hautrötung zunimmt
- ⚠Wenn bei einem Kind oder älteren Menschen eine Hautrötung auffällt und sie sich deutlich unwohl fühlen
- ⚠Wenn die Rötung auf dem Weg zur Ärztin oder zum Arzt weiter wächst
Häufige Symptome
- Rote, warme und geschwollene Hautstelle, oft an einem Bein
- Starke Schmerzen oder Spannungsgefühl in der betroffenen Stelle
- Die Rötung kann sich rasch ausbreiten
- Fieber, Schüttelfrost und allgemeines Krankheitsgefühl
- Manchmal Bläschen, Einblutungen oder gelbliche Krusten
Symptome bei Kindern
- Fieber und Unwohlsein sind oft deutlicher
- Die betroffene Stelle wirkt häufig stärker geschwollen
- Manche Kinder wirken teilnahmslos und mögen nicht mehr spielen
- Die Hautrötung kann sich schneller ausbreiten als bei Erwachsenen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Symptome können schwächer sein, die Infektion aber dennoch schwer
- Ältere Menschen zeigen manchmal keine starken Schmerzen, sondern Verwirrtheit
- Es kann zu Verwirrtheit oder einem plötzlichen Rückgang des Allgemeinzustands kommen
- Die Rötung kann bei dünner Haut eher übersehen werden
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien (meist Streptokokken oder Staphylokokken) gelangen durch kleine Risse in der Haut in den Körper
- Häufige Eintrittspforten sind Fußpilz, Schürfwunden, Insektenstiche oder trockene, eingerissene Haut
- Eine geschwächte Abwehrlage begünstigt die Ausbreitung
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Durchblutungsstörungen oder Venenschwäche (Krampfadern, Besenreiser)
- Lymphödeme (geschwollene Arme oder Beine durch gestörten Lymphfluss)
- Übergewicht
- Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Fußpilz
- Immundefekte, etwa durch Medikamente oder HIV
- Zustand nach einer Operation oder Strahlentherapie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie eine sich ausbreitende Rötung der Haut bemerken, sollten Sie noch am gleichen Tag eine ärztliche Praxis aufsuchen
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder starke Schmerzen haben, ist eine rasche Vorstellung wichtig
- Wenn die Rötung im Gesicht oder rund um ein Auge auftritt, suchen Sie schnell eine Notfallambulanz auf
- Wenn Sie Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem haben, handeln Sie lieber frühzeitig
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Kleinere Hautverletzungen können Sie beobachten, sofern keine Warnzeichen auftreten
- Wenn Sie regelmäßig Hautinfektionen haben, sprechen Sie bei einer Routinekonsultation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch die ärztliche Untersuchung gestellt. Die Ärztin oder der Arzt schaut sich die Haut an und tastet die betroffene Stelle. Auch das Gespräch über Ihre Beschwerden und die Krankengeschichte ist wichtig. Die Beurteilung folgt den medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- In der Regel sind keine Apparateuntersuchungen nötig
- Manchmal wird eine Blutprobe entnommen, um Entzündungszeichen zu messen
- Bei Zweifeln kann ein Abstrich der Haut oder eines Bläschens zur Bestimmung der Bakterien helfen
- In seltenen Fällen wird eine Ultraschalluntersuchung der Hautschichten gemacht, um eine tiefere Infektion auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist unangenehm, weil die Stelle beim Anfassen schmerzt, aber sie dauert nur wenige Minuten. Nach der Diagnose bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen die Behandlung. Sie können Fragen stellen. Wenn Sie möchten, können Sie eine Begleitperson mitnehmen.
Behandlung
Die Behandlung einer Cellulitis zielt darauf ab, die Bakterien zu bekämpfen und die Entzündung zu stoppen. Je früher behandelt wird, desto schneller heilt die Haut und desto geringer ist das Risiko für Komplikationen. Meist wird eine Antibiotika-Behandlung durchgeführt. Diese kann als Tablette oder – bei schweren Fällen – im Krankenhaus über die Vene erfolgen. Welche Form für Sie passend ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand der Schwere, Ihrer Vorerkrankungen und der Ausbreitung.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhe und Hochlagern des betroffenen Arms oder Beins hilft gegen Schwellung
- Die Stelle kühlen, aber nicht direkt mit Eis, um die Haut nicht zu schädigen
- Ausreichend trinken, wenn Sie Fieber haben
- Die Haut beobachten und bei größerer Rötung oder stärkeren Schmerzen ärztliche Hilfe holen
- Bläschen oder Krusten nicht selbst öffnen oder entfernen
Medizinische Behandlungen
Die Standardbehandlung ist eine Antibiotika-Therapie. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wählt ein geeignetes Medikament und die richtige Dosis für Sie. Sie sollten das Antibiotikum so lange einnehmen, wie verordnet, auch wenn Sie sich besser fühlen. Bei schwerer Infektion, Fieber oder wenn Tabletten nicht ausreichen, kann eine Behandlung im Krankenhaus mit Antibiotika per Infusion notwendig sein. In manchen Fällen werden zusätzlich Schmerzmittel eingesetzt – auch hier entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, etwa wenn sich ein Abszess (eine Eiteransammlung) gebildet hat. Dann kann eine kleine Öffnung und Entlastung in örtlicher Betäubung erfolgen. Eine Operation wird nicht als Erstmaßnahme durchgeführt, sondern nur bei Vorliegen bestimmter Befunde.
Leben mit der Erkrankung
Während der Behandlung ist es wichtig, auf den Körper zu hören. Planen Sie Ruhepausen, lagern Sie die betroffene Stelle hoch und gehen Sie nicht unnötig lange stehen. Solange die Entzündung abheilt, schonen Sie sich. Nach der Behandlung können Sie Ihren Alltag schrittweise wieder aufnehmen.
Tipps für den Alltag
- Die Haut pflegen und trocken halten, um rissige Stellen zu vermeiden
- Fußpilz konsequent behandeln, da er eine häufige Eintrittspforte ist
- Bei Kratzern oder kleinen Wunden eine Wundsalbe auftragen und mit einem Pflaster abdecken
- Bei Lymphödemen Kompressionsstrümpfe tragen, wie von der Ärztin oder dem Arzt verordnet
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf unterstützen das Immunsystem. Leichte Bewegung ist in Ordnung, sobald die Schwellung zurückgeht und Sie sich kräftig fühlen. In der akuten Phase ist es besser, das betroffene Glied ruhigzustellen und nicht zu belasten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Hautinfektion kann Angst machen, besonders wenn sie Fieber verursacht. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Gut ist, dass die Behandlung gute Erfolgsaussichten hat. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre Fragen. Bei anhaltenden Sorgen können Sie sich an eine psychologische Beratung wenden.
Vorbeugung
Sie können das Risiko senken, an Cellulitis zu erkranken. Achten Sie auf gesunde Haut. Auch wenn Sie einmal betroffen waren, können Sie durch sorgfältige Hautpflege und schnelle Behandlung von kleinen Verletzungen das Risiko für erneute Infektionen mindern.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die speziell vor Cellulitis schützt. Gegen die häufigsten Erreger (Streptokokken und Staphylokokken) existiert keine vorbeugende Impfung. Wichtig sind vorbeugende Maßnahmen der Hautpflege.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening für Cellulitis. Menschen mit wiederkehrenden Infektionen sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, ob zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sind, um Risikofaktoren wie Durchblutungsstörungen aufzudecken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Infektion kann sich in tiefere Gewebeschichten ausbreiten und zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen
- Es können Abszesse entstehen, die chirurgisch geöffnet werden müssen
- Wiederkehrende Infektionen können das Lymphsystem dauerhaft schädigen und zu Lymphödemen führen
- In seltenen Fällen kann es zu Nekrosen (Absterben von Hautgewebe) kommen
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung ist die Prognose sehr gut. Die meisten Menschen erholen sich vollständig. Eine vollständige Heilung dauert meist ein bis zwei Wochen; die Rötung kann noch einige Zeit sichtbar sein. Ein kleines Risiko für erneute Infektionen bleibt, aber mit guter Hautpflege und aufmerksamem Beobachten lässt sich das Risiko senken. Ihr medizinisches Team begleitet Sie dabei.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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