Cellulitis – Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Cellulitis ist eine bakterielle Infektion der Haut und des Gewebes direkt darunter. Sie macht die Haut rot, heiß und schmerzhaft. Die Bakterien gelangen meist durch eine kleine Wunde in die Haut. Cellulitis ist nicht dasselbe wie das sogenannte Cellulite (Dellen in der Haut an Oberschenkeln und Po). Cellulitis ist eine ernsthafte Erkrankung und sollte schnell behandelt werden.
Wichtige Fakten
- Eine Cellulitis ist eine tiefe Hautinfektion, die sich ohne Behandlung ausbreiten kann.
- Sie wird in der Regel mit Antibiotika behandelt.
- Bei Anzeichen einer schweren Ausbreitung, wie hohem Fieber oder schnell wachsender Rötung, rufen Sie sofort die 112.
Ja, Cellulitis ist eine verbreitete Hautinfektion. Jedes Jahr sind viele Menschen davon betroffen, manche davon müssen im Krankenhaus behandelt werden.
Cellulitis kann jeden treffen. Bestimmte Menschen haben ein höheres Risiko, zum Beispiel Menschen mit Diabetes, mit geschwächtem Immunsystem oder mit Lymphödemen (geschwollenen Armen oder Beinen durch gestörten Lymphabfluss). Auch ältere Menschen und Menschen mit Hautverletzungen sind häufiger betroffen.
Symptome
- Hohes Fieber über 39 Grad
- Schnell wachsende Rötung, die innerhalb von Stunden größer wird
- Starke Schmerzen
- Blasen oder dunkle, violette Flecken auf der Haut
- Schweres Krankheitsgefühl, Schüttelfrost oder Verwirrtheit
- Wenn die betroffene Stelle sich kalt anfühlt oder das Gefühl verloren geht
- ⚠Rötung, die größer wird, aber langsam
- ⚠Fieber ohne Notfallzeichen
- ⚠Starke Schwellung
- ⚠Wenn Sie Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem haben und Hautveränderungen bemerken
- ⚠Wenn die Beschwerden nach 24 Stunden nicht besser werden
Häufige Symptome
- Rote, heiße, geschwollene Haut
- Schmerzen oder Druckgefühl in der betroffenen Stelle
- Fieber
- Schüttelfrost
- Rötung, die sich ausbreitet
- Bläschen oder offene Stellen auf der Haut
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kann die Infektion oft am Gesicht oder am Po auftreten.
- Sie wirken oft teilnahmslos oder sind ungewöhnlich müde.
- Die Hautstelle kann schnell größer werden.
- Fieber und Weinen können Zeichen sein, auch wenn das Kind Ihnen die Stelle nicht genau zeigen kann.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Rötung ist manchmal schwerer zu erkennen, weil die Haut dünner oder trockener ist.
- Ältere Menschen können verwirrt oder schläfrig werden.
- Eine Verschlechterung ist oft schneller da – aufmerksam beobachten.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, meist Streptokokken oder Staphylokokken, die in die Haut gelangen
- Kleine Verletzungen wie Schnitte, Kratzer, Insektenstiche oder Fußpilz-Risse
- Geschwächte Hautstellen, zum Beispiel bei Ekzemen oder trockener Haut
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Geschwächtes Immunsystem, z.B. durch Medikamente oder Krankheiten
- Chronische Schwellungen (Lymphödem)
- Übergewicht
- Durchblutungsstörungen
- Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis
- Drogenkonsum mit Injektionsnadeln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Rötung größer wird oder sich ausbreitet
- Wenn Sie Fieber bekommen
- Wenn die Schmerzen schlimmer werden
- Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (z.B. Diabetes, Immunschwäche)
- Wenn sich die Hautstelle nach zwei Tagen nicht bessert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine rote, warme Stelle an Ihrer Haut bemerken, die wehtut – auch ohne Fieber
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um eine harmlose Hautirritation oder eine Infektion handelt
- Wenn Sie wiederholt Hautinfektionen haben und darüber sprechen möchten
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin schaut sich die Hautstelle an und fragt nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Oft reicht das für die Diagnose. Eine typische Cellulitis zeigt sich durch Rötung, Wärme, Schwellung und Schmerz.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung, wenn die Infektion schwer wirkt
- Abstrich der Wunde, um den Erreger zu bestimmen (nicht immer nötig)
- Ultraschall (Sonografie), um einen Abszess (Eiterhöhle) auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten. Der Arzt oder die Ärztin kann mit einem Stift die Rötung markieren, damit Sie am nächsten Tag sehen können, ob sie größer geworden ist. Falls unsicher ist, ob eine tiefe Venenthrombose vorliegt, kann auch eine Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße erfolgen.
Behandlung
Cellulitis wird mit Antibiotika behandelt. Die Behandlung folgt dabei medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der S2k-Leitlinie der AWMF zu bakteriellen Hautinfektionen. Bei schweren Verläufen kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein. Wichtig ist, die Behandlung konsequent durchzuführen und die Haut zu beobachten.
Selbsthilfe zu Hause
- Die betroffene Stelle ruhigstellen und hochlagern, z.B. das Bein auf ein Kissen legen
- Viel Flüssigkeit trinken
- Den Verband oder die Wunde sauber und trocken halten, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin es empfiehlt
- Kühlende Umschläge können den Schmerz lindern – aber nicht direkt auf offene Wunden
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin verschreibt Ihnen ein Antibiotikum. Es ist wichtig, dass Sie es genau nach Anweisung einnehmen, auch wenn Sie sich schon besser fühlen. Bei schweren Verläufen oder wenn eine Einnahme als Tablette nicht möglich ist, kann eine Antibiotikagabe über die Vene im Krankenhaus notwendig sein. Welches Antibiotikum zum Einsatz kommt, hängt von der Schwere, der Lokalisation und möglichen Allergien ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn sich ein Abszess (Eiteransammlung) gebildet hat, muss dieser manchmal chirurgisch eröffnet und entleert werden. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird das mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Während der Behandlung kontrollieren Sie die Hautstelle täglich. Markieren Sie – wenn Ihr Arzt es empfiehlt – den Rand der Rötung mit einem Stift, damit Sie Veränderungen schnell bemerken. Vermeiden Sie enge Kleidung über der Stelle, um die Heilung zu unterstützen.
Tipps für den Alltag
- Tägliches Eincremen, um trockene Haut und Risse zu vermeiden
- Kleine Wunden sofort reinigen und mit einem Pflaster abdecken
- Auf Fußpilz achten und behandeln
- Auf das Rauchen verzichten, da dies die Durchblutung verbessert
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und ausreichend Eiweiß unterstützt das Immunsystem. Bewegung ist gut, aber die akut betroffene Stelle sollten Sie schonen. Nach der Abheilung können Sie wieder normal aktiv werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine sichtbare, schmerzhafte Hautinfektion kann belastend sein und Ängste auslösen, besonders wenn sie schnell auftritt. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und suchen Sie Unterstützung bei Angehörigen oder psychosozialen Beratungsstellen.
Vorbeugung
Sie können das Risiko einer Cellulitis senken, indem Sie Ihre Haut gesund halten. Reinigen und desinfizieren Sie Wunden sofort. Behandeln Sie Hauterkrankungen wie Fußpilz oder Ekzeme. Pflegen Sie trockene Haut mit regelmäßigem Eincremen. Bei wiederkehrender Cellulitis können vorbeugende Maßnahmen helfen – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Impfungen
Eine Impfung gegen Cellulitis selbst gibt es nicht. Aber Sie sollten Ihren Impfschutz regelmäßig auffrischen, zum Beispiel gegen Tetanus, da Wunden eine Eintrittspforte für Bakterien sein können. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis nach Ihrem Impfstatus.
Früherkennungsprogramme
Für Cellulitis gibt es kein spezielles Screening. Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, ist eine regelmäßige Hautkontrolle durch Ihre Hausarztpraxis oder eine dermatologische Praxis sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ausbreitung der Infektion in tiefere Gewebe und in die Blutbahn (Sepsis)
- Abszessbildung – eine Eiteransammlung, die oft geöffnet werden muss
- Schädigung des Lymphsystems, die zu dauerhaften Schwellungen führen kann
- Im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Blutvergiftung
Langzeitprognose
Wenn Cellulitis früh erkannt und richtig behandelt wird, heilt sie in den meisten Fällen vollständig ab. Auch nach einer Behandlung im Krankenhaus erholen sich die meisten Menschen gut. Die Antibiotikatherapie dauert meist ein bis zwei Wochen. Rückfälle sind möglich, aber Sie können selbst viel tun, um sie zu vermeiden. Mit ärztlicher Begleitung und guter Hautpflege ist die Prognose sehr gut.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.