Ekzem-Komplikationen: Worauf Sie achten sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Ekzem (auch Neurodermitis oder atopische Dermatitis genannt) ist eine entzündliche Hauterkrankung, die juckende, trockene und manchmal nässende Hautstellen verursacht. Bei Komplikationen kommen zusätzliche Probleme hinzu, wie zum Beispiel eine Infektion der Haut oder eine Verschlechterung der Entzündung.
Wichtige Fakten
- Bei Ekzemen ist die Hautbarriere geschwächt, dadurch dringen Reizstoffe und Keime leichter ein.
- Kratzen kann die Haut weiter verletzen und Bakterien den Weg in tiefere Hautschichten erleichtern.
- Eine frühzeitige Behandlung und gute Hautpflege können das Risiko für Komplikationen deutlich senken.
Ja, Ekzeme sind weit verbreitet. In Deutschland sind etwa 15 bis 20 Prozent der Kinder und rund 2 bis 4 Prozent der Erwachsenen betroffen. Komplikationen wie Hautinfektionen kommen vor allem vor, wenn die Haut stark aufgekratzt ist oder die Behandlung nicht konsequent erfolgt.
Ekzeme beginnen häufig im Säuglings- und Kleinkindalter. Sie können aber auch im Erwachsenenalter neu auftreten oder bis dahin bestehen bleiben. Menschen mit Neurodermitis in der Familie haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzlich auftretende Atemnot oder Schwellungen im Gesicht oder am Hals (kann auf eine schwere allergische Reaktion hinweisen)
- Hohes Fieber in Verbindung mit einer sich rasch ausbreitenden, schmerzhaften Hautrötung
- Anzeichen einer Blutvergiftung wie Verwirrtheit, niedriger Blutdruck oder Kreislaufversagen
- ⚠Mit Eiter gefüllte Bläschen oder goldgelbe Krusten, die auf eine bakterielle Infektion hindeuten
- ⚠Starke Rötung, Schwellung, Wärmegefühl und zunehmender Schmerz an einer Ekzemstelle
- ⚠Fieber über 38 Grad Celsius in Verbindung mit einem aufflammenden Ekzem
- ⚠Ausbreitende Bläschen, die wie Windpocken oder Herpes aussehen (besonders bei Kindern)
- ⚠Anhaltender, sehr starker Juckreiz, der mit der bisherigen Pflege nicht nachlässt
Häufige Symptome
- Starker Juckreiz, besonders nachts
- Rote, entzündete Hautstellen, oft in Ellenbeugen, Kniekehlen, im Gesicht oder an den Händen
- Trockene, schuppige oder rissige Haut
- Nässende oder verkrustete Stellen
- Verdickte Haut, wenn der Juckreiz über längere Zeit besteht
Symptome bei Kindern
- Hautausschläge im Gesicht, an der Kopfhaut oder an den Streckseiten der Arme und Beine
- Starker Juckreiz, der Kinder unruhig macht und den Schlaf stört
- Kratzspuren und offene Stellen, die schnell infizieren können
- Bei Säuglingen oft nässende, krustige Bereiche auf den Wangen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Haut ist oft besonders trocken und schuppig
- Ekzeme treten häufiger an Händen, Füßen oder den Augenlidern auf
- Die Haut dünnt mit dem Alter aus, dadurch ist die Barriere noch anfälliger für Reizstoffe
- Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen können die Wundheilung erschweren
Ursachen
Hauptursachen
- Eine erbliche Veranlagung, die die Hautbarriere schwächt
- Ein überreagierendes Immunsystem, das auf harmlose Reize wie Pollen, Hausstaub oder bestimmte Lebensmittel reagiert
- Trockene, gereizte Haut, die anfällig für Risse und Keime macht
- Kratzen, das die Entzündung verstärkt und neue Eintrittspforten für Bakterien schafft
Risikofaktoren
- Familienmitglieder mit Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma
- Häufiges Waschen mit zu heißem Wasser und aggressiven Seifen
- Starke Temperaturwechsel, Schwitzen oder trockene Heizungsluft
- Wolle und synthetische Kleidung, die direkt auf der Haut reibt
- Stress und psychische Belastungen
- Bestimmte Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Haut plötzlich sehr schmerzhaft wird, stark anschwillt oder Fieber auftritt
- Wenn gelbe Krusten, Eiterbläschen oder nässende Stellen auf eine Infektion hindeuten
- Wenn sich ein Ekzem trotz Behandlung innerhalb weniger Tage deutlich verschlechtert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der Juckreiz regelmäßig den Schlaf stört oder den Alltag stark beeinträchtigt
- Wenn die gewohnte Pflege ohne Rezept nicht mehr hilft
- Wenn Sie unsicher sind, ob die Hautveränderung wirklich ein Ekzem ist
- Bei wiederkehrenden Ekzemen: zur Kontrolle und Anpassung der Behandlung mindestens einmal pro Jahr
Diagnose
Die Diagnose wird meist durch eine ausführliche Befragung und eine gründliche Untersuchung der Haut gestellt. Die Ärztin oder der Arzt achtet auf typische Zeichen wie Rötung, Schuppung, Nässen und die Verteilung der Ekzemstellen.
Mögliche Untersuchungen
- Allergietests, zum Beispiel Pricktest oder Epikutantest, um mögliche Auslöser zu finden
- Ein Hautabstrich, wenn der Verdacht auf eine bakterielle oder virale Infektion besteht
- Eine Blutuntersuchung kann erhöhte Entzündungswerte oder Antikörper zeigen – sie ist aber nicht immer nötig
- Bei unklaren Fällen kann eine kleine Hautprobe (Biopsie) entnommen werden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Besuch in der Arztpraxis beginnt mit dem Gespräch über Ihre Beschwerden, Ihren Alltag und Ihre bisherige Hautpflege. Danach schaut sich die Ärztin oder der Arzt Ihre Haut genau an. Möglicherweise werden weitere Tests empfohlen, aber Sie müssen keine Angst haben: Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nicht lange. Sie erhalten anschließend eine individuelle Beratung zu Pflege und Behandlung.
Behandlung
Die Behandlung eines Ekzems hat zwei Hauptziele: die Entzündung beruhigen und die Hautbarriere stärken. Die Basis ist eine konsequente, rückfettende und feuchtigkeitsspendende Hautpflege. Bei Schüben kommen entzündungshemmende Mittel zum Einsatz, die direkt auf die Haut aufgetragen werden. In schweren Fällen können auch lichttherapeutische Verfahren oder systemische Medikamente eingesetzt werden – immer nach ärztlicher Verordnung.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliches Eincremen mit einer medizinischen Hautpflege ohne Duftstoffe, auch an erscheinungsfreien Tagen
- Kurzes Duschen oder Baden mit lauwarmem Wasser (nicht länger als 10 bis 15 Minuten)
- Sanftes Abtrocknen ohne Rubbeln, die Haut danach sofort eincremen
- Lose, weiche Kleidung aus Baumwolle tragen
- Juckreiz vermeiden: kühle Umschläge, Lockern der Fingernägel und kurze Nägel helfen
- Auf stark duftende Seifen, Duschgele und Waschmittel verzichten
- Stress reduzieren durch Entspannungsübungen, Spaziergänge oder ausreichend Schlaf
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte verschreiben je nach Schweregrad entzündungshemmende Cremes oder Salben, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Darunter sind auch abgestufte Präparate, die nur kurzfristig angewendet werden. Bei ausgeprägten Ekzemen kann eine Lichttherapie erwogen werden – das bedeutet, die Haut wird mit einer bestimmten Wellenlänge von UV-Licht bestrahlt. In schweren Fällen oder wenn die Behandlung mit äußeren Mitteln nicht reicht, gibt es auch systemische Medikamente, also Tabletten oder Injektionen, die das Immunsystem beeinflussen. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, gehört in die Hände einer Fachärztin oder eines Facharztes.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Ekzemen in der Regel nicht erforderlich. Sie kann nur dann eine Rolle spielen, wenn sich eine schwere Komplikation wie ein Abszess (Eiteransammlung) entwickelt, der ärztlich eröffnet werden muss.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit einem ekzematösen Hautzustand bedeutet vor allem: regelmäßige Pflege, Reize vermeiden und im Schub schnell reagieren. Planen Sie feste Zeiten für das Eincremen ein, zum Beispiel morgens und abends. Führen Sie ein kleines Tagebuch, wenn Sie den Verdacht haben, dass bestimmte Situationen oder Lebensmittel den Juckreiz auslösen. Sie sind mit dieser Erkrankung nicht allein – viele Menschen finden einen guten Umgang damit, auch wenn es Phasen mit Rückschlägen gibt.
Tipps für den Alltag
- Beim Wäschewaschen mit wenig, geruchsneutralem Waschmittel und am besten einem Extra-Spülgang
- Schlafzimmer kühl halten und auf weiche, atmungsaktive Bettwäsche achten
- Handschuhe tragen bei Haushalt und Gartenarbeit, wenn die Hände betroffen sind
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, aber nach dem Schwitzen abwaschen und eincremen
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle „Ekzem-Diät“ gibt es nicht. Für manche Menschen können bestimmte Nahrungsmittel den Juckreiz verstärken – das ist sehr individuell. Besprechen Sie den Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas weglassen. Bewegung ist wichtig und fördert die Durchblutung und das Wohlbefinden. Achten Sie darauf, nach dem Sport zu duschen und lasse Sie die Haut nicht zu lange mit Schweiß in Kontakt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der ständige Juckreiz und das Aussehen der Haut können sehr belastend sein. Viele Menschen mit Ekzemen fühlen sich unsicher, schämen sich oder schlafen schlecht. Das ist verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Psychische Unterstützung – etwa durch Patientenschulungen, Beratungsstellen oder eine Psychotherapie – kann helfen, besser mit dem Stress umzugehen. Auch ein offenes Gespräch im Freundes- oder Familienkreis tut oft gut.
Vorbeugung
Ein Ekzem selbst kann nicht immer verhindert werden, weil die Veranlagung in den Genen liegt. Aber Sie können viel tun, um Schübe und Komplikationen zu vermeiden. Am wichtigsten ist eine konsequente Hautpflege mit rückfettenden Produkten. Zusätzlich hilft es, bekannte Reizstoffe und Allergene zu meiden. Je besser die Haut gepflegt ist, desto seltener kommt es zu Entzündungen, Rissen und Infektionen.
Impfungen
Für Menschen mit Ekzemen gelten die allgemeinen Impfempfehlungen. Bei einer ausgeprägten Hautentzündung oder einer Behandlung mit starken Immunsuppressiva sollte die Impfung mit Ihrem Arzt besprochen werden. Ihr medizinisches Fachpersonal oder Ihre Ärztin/ Ihr Arzt geben Ihnen dazu konkrete Empfehlungen – insbesondere zu Impfstoffen, die Lebendimpfstoffe enthalten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bakterielle Infektionen, vor allem mit Staphylokokken – erkennbar an gelben Krusten oder Pusteln
- Ekzema herpeticatum, eine ernste Ausbreitung von Herpesviren auf entzündeter Haut – das ist ein Notfall
- Pilzinfektionen der Haut, die sich als ringförmige Rötungen zeigen können
- Verdickung der Haut (Lichenifikation) durch ständiges Kratzen – dieser Zustand ist schwer zu behandeln
- Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und geringeres Selbstwertgefühl durch den anhaltenden Juckreiz
Langzeitprognose
Mit einer guten Pflege und der richtigen ärztlichen Behandlung können die meisten Menschen ein weitgehend normales Leben führen. Ekzeme verlaufen oft in Schüben, aber viele Kinder wachsen aus der Erkrankung heraus oder haben im Erwachsenenalter deutlich weniger Beschwerden. Auch für Erwachsene gibt es heute viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Auch bei Komplikationen ist die Prognose gut, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Lassen Sie sich unterstützen – Sie müssen das nicht allein bewältigen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Neurodermitis Bund e.V. · Deutschland
- Neurodermitis Selbsthilfe – lokale Gruppen in Ihrer Nähe (über Ihrer Ärztin/Ihren Arzt zu erfragen) · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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