Ekzemschübe: So gehen Sie richtig damit um
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einem Ekzemschub entzündet sich die Haut an einer oder mehreren Stellen. Sie wird rot, juckt, schuppt und kann nässen. Ein Ekzem ist nicht ansteckend, sondern eine Reaktion der Haut. Am häufigsten ist das atopische Ekzem, das auch Neurodermitis genannt wird. Manche Menschen haben nur gelegentlich ein kleines Ekzem an der Hand, andere haben immer wieder Schübe am ganzen Körper.
Wichtige Fakten
- Ein Ekzem ist nicht ansteckend.
- Kratzen verstärkt den Juckreiz und kann die Haut zusätzlich verletzen.
- Regelmäßige Hautpflege ist das A und O – auch in beschwerdefreien Phasen.
Ja. Ekzeme gehören zu den häufigsten Hauterkrankungen. Das atopische Ekzem (Neurodermitis) betrifft in Deutschland etwa 10 bis 15 von 100 Kindern und auch viele Erwachsene.
Ekzeme können in jeder Lebensphase auftreten. Sie beginnen oft im Säuglings- und Kleinkindalter. Auch Erwachsene, besonders Menschen, die selbst an Allergien oder Asthma leiden oder in deren Familie diese Erkrankungen vorkommen, sind häufiger betroffen. Im höheren Alter wird die Haut dünner und trockener, dadurch kommt es leichter zu Ekzemschüben.
Symptome
- Wenn sich die Haut plötzlich großflächig rötet und anschwillt – besonders im Gesicht, rund um den Mund oder an den Augenlidern
- Wenn Atemnot, Engegefühl im Hals oder Schwindel dazukommen
- Wenn die Person sehr hohes Fieber, Schüttelfrost und einen schlechten Allgemeinzustand hat
- ⚠Wenn sich die Haut entzündet und gelbe Krusten, eitrige Bläschen oder starke Schmerzen auftreten
- ⚠Wenn sich eine Rötung schnell ausbreitet und möglicherweise rote Streifen auf der Haut zu sehen sind
- ⚠Wenn nässende Stellen im Gesicht, an den Händen oder im Genitalbereich auftreten
- ⚠Wenn ein Ekzemschub trotz guter Pflege länger als eine Woche nicht besser wird
Häufige Symptome
- Starker Juckreiz, oft vor allem abends und nachts
- Rötung und Schwellung der Hautstellen
- Trockene, schuppige Haut
- Kleine Bläschen, die nässen können
- Krusten und Schuppen an den betroffenen Stellen
- Verdickte, raue Haut durch häufiges Reiben oder Kratzen
Symptome bei Kindern
- Rote, nässende Stellen an Wangen, Kopfhaut, Hals und in den Beugen von Ellbogen und Knien
- Unruhe und schlechter Schlaf wegen des Juckreizes
- Kinder reiben das Gesicht an Kissen oder Schultern, um den Juckreiz zu lindern
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Haut wirkt sehr trocken, dünn und glanzlos
- Schübe betreffen oft Hände, Unterarme und Schienbeine
- Der Juckreiz kann stark sein, ohne dass ein deutlicher Ausschlag sichtbar ist
- Es können rissige, schmerzhafte Hautstellen entstehen
Ursachen
Hauptursachen
- Die Hautbarriere ist geschwächt – sie verliert zu viel Feuchtigkeit, Reizstoffe können leichter eindringen
- Das Immunsystem reagiert überempfindlich auf Reize wie Schweiß, Wolle oder bestimmte Allergene und löst eine Entzündungsreaktion aus
- In der Haut werden Botenstoffe freigesetzt, die Juckreiz und Rötung verursachen
Risikofaktoren
- Trockene Haut durch häufiges Händewaschen oder aggressive Seifen
- Schweiß, starke Hitze oder trockene Heizungsluft
- Kleidung aus Wolle oder Synthetik, die direkt auf der Haut liegt
- Stress und seelische Belastungen
- Kontakt mit Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaaren oder Schimmelpilzen
- Bei manchen Menschen bestimmte Lebensmittel – das ist individuell und keine allgemeingültige Regel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Anzeichen einer Hautinfektion: gelbe Krusten, eitrige Bläschen, zunehmende Schmerzen oder schnell wachsende Rötung
- Wenn ein großflächiger, plötzlicher Schub auftritt und Sie unsicher sind
- Bei nässenden, offenen Stellen – besonders im Gesicht, an den Händen oder im Genitalbereich
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig unter Ekzemschüben leiden und noch keine klare Diagnose oder Behandlung haben
- Wenn der Juckreiz Sie im Alltag, in der Arbeit oder beim Schlafen stark einschränkt
- Wenn Sie Fragen zu Hautpflegeprodukten oder Auslösern haben
- Wenn sich die Haut auch mit Basispflege nach zwei Wochen nicht beruhigt
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Ärztin oder ein Arzt – oft eine Fachärztin für Hautkrankheiten (Dermatologie). Die Ärztin oder der Arzt schaut sich die betroffenen Hautstellen genau an und stellt Fragen zu Ihren Beschwerden, Allergien, Familienkrankheiten und persönlichen Auslösern.
Mögliche Untersuchungen
- Ein Allergietest – zum Beispiel ein Prick-Test auf dem Unterarm – wenn der Verdacht auf eine Allergie besteht
- Eine Blutuntersuchung – zum Beispiel auf Antikörper der Klasse IgE, die bei Allergien erhöht sein können
- In unklaren Fällen kann eine Hautprobe entnommen werden (Biopsie), um andere Erkrankungen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie bitten, die betroffenen Stellen zu zeigen, und möchte wissen, seit wann der Juckreiz und die Rötung bestehen. Haben Sie neue Pflegeprodukte, Waschmittel oder Medikamente verwendet? Was hat sich in Ihrem Alltag verändert? Auch Fragen zu Stress, Schlaf und Ernährung können helfen, Auslöser zu erkennen.
Behandlung
Die Behandlung von Ekzemschüben verfolgt drei Ziele: die Haut mit Feuchtigkeit versorgen, Entzündungen beruhigen und Auslöser vermeiden. Im Mittelpunkt steht eine tägliche, konsequente Hautpflege. Zusätzlich gibt es äußerlich anwendbare Medikamente, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt passend zur Schwere des Ekzems verschreiben kann.
Selbsthilfe zu Hause
- Cremen Sie die Haut mindestens ein- bis zweimal täglich mit einer rückfettenden, duftstofffreien Creme oder Lotion ein
- Duschen Sie kurz und lauwarm – möglichst nicht heiß und nicht länger als 5 bis 10 Minuten
- Verwenden Sie milde, seifenfreie Waschlotionen
- Nach dem Duschen die Haut sanft abtupfen, nicht rubbeln, und direkt eincremen
- Kühlen Sie juckende Stellen mit Kühlpacks oder feuchten Umschlägen
- Halten Sie die Fingernägel kurz und tragen Sie bei nächtlichem Juckreiz weiche Baumwollhandschuhe
Medizinische Behandlungen
Wenn die Basispflege allein nicht ausreicht, kann die Ärztin oder der Arzt entzündungshemmende Cremes oder Salben verschreiben – dazu gehören auch äußerlich angewendete Glukokortikoide (eine Art Kortison). Diese werden meist nur für einige Tage oder Wochen auf die entzündeten Stellen aufgetragen. Es gibt auch moderne Medikamente zum Auftragen, die nicht auf Kortison basieren, und in schweren Fällen können Medikamente zum Einnehmen oder eine Lichttherapie (UV-Licht) zum Einsatz kommen. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, hängt vom Schweregrad und Verlauf ab. Sprechen Sie offen über Ihre Wünsche und Fragen – die Behandlung wird individuell abgestimmt.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit einem Ekzem bedeutet: die Haut regelmäßig pflegen, früh reagieren und Auslöser meiden. Stellen Sie sich einen festen Tagesablauf vor: morgens nach dem Aufstehen eincremen, abends vor dem Schlafengehen noch einmal. Wenn Sie bemerken, dass eine Stelle anfängt zu jucken oder zu röten, behandeln Sie sie frühzeitig – das kann einen größeren Schub verhindern.
Tipps für den Alltag
- Stress ist ein häufiger Auslöser – finden Sie Wege, zur Ruhe zu kommen, zum Beispiel durch Spazierengehen, Musik, Atemübungen oder Meditation
- Tragen Sie bei Haus- oder Gartenarbeit Handschuhe, um die Haut vor Reizstoffen zu schützen
- Nutzen Sie duftstofffreie Pflegeprodukte und Waschmittel
- Tragen Sie weiche Baumwollkleidung auf der Haut – auch im Bett
- Achten Sie im Schlafzimmer auf eine kühle, gut belüftete Umgebung und bei trockener Heizungsluft auf ausreichende Luftfeuchtigkeit
Ernährung und Bewegung
Eine besondere Diät ist bei Ekzemen nicht generell zu empfehlen. Essen Sie ausgewogen und trinken Sie ausreichend Wasser. Manche Menschen stellen fest, dass zum Beispiel scharf gewürzte Speisen oder Zitrusfrüchte den Juckreiz verstärken können. Führen Sie am besten ein kleines Notizbuch, um solche Zusammenhänge zu erkennen. Sport ist erlaubt und sinnvoll – duschen Sie sich aber nach dem Schwitzen bald ab und cremen Sie die Haut danach ein, damit Schweiß nicht zu lange auf der Haut bleibt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständiger Juckreiz und sichtbare Hautstellen können sehr belastend sein. Das kann zu Scham, Schlaflosigkeit und gedrückter Stimmung führen. Nehmen Sie das ernst – es ist in Ordnung, sich deswegen Hilfe zu holen. Ein offenes Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt kann der erste Schritt sein. Auch eine psychologische Beratung kann helfen, mit der Belastung umzugehen. In einer akuten seelischen Krise können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden oder im Notfall die 112 rufen – das gilt auch für seelische Notlagen.
Vorbeugung
Ein Ekzem lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können viel dafür tun, dass Schübe seltener und schwächer ausfallen. Die wichtigsten Bausteine sind: eine gute Basispflege, das Meiden persönlicher Auslöser, ein möglichst stabiler Lebensstil und ein rechtzeitiges Gegensteuern bei den ersten Anzeichen. Viele Menschen mit Neurodermitis erstellen gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt einen individuellen Behandlungs- und Präventionsplan.
Komplikationen
Unbehandelt
- Durch Kratzen können kleine Wunden entstehen und Bakterien in die Haut eindringen – das kann zu einer Hautinfektion führen
- Die betroffene Haut kann sich verdicken, dunkler werden oder ledrig aussehen – das bildet sich bei guter Behandlung meist zurück
- Dauerhafter Juckreiz kann den Schlaf stören und die Lebensqualität stark einschränken
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Mit der richtigen Pflege und einer passenden Behandlung lassen sich die meisten Ekzemschübe gut kontrollieren. Bei Kindern bessern sich die Beschwerden häufig im Laufe der Jahre, und auch im Erwachsenenalter können viele Menschen die Schübe deutlich reduzieren – auch wenn die Haut manchmal empfindlich bleibt. Sie sind mit Ihrer Haut nicht allein, und es gibt wirksame Wege, Erleichterung zu finden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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