Augenbelastung durch Bildschirmarbeit – Ursachen, Symptome und Tipps für den Alltag
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Augenbelastung durch Bildschirmarbeit (auch „Asthenopie“ genannt) ist das Gefühl von müden, trockenen oder gereizten Augen, das entsteht, wenn Sie lange auf einen Bildschirm schauen. Es ist keine Augenkrankheit, sondern eine Beschwerde, die meist wieder verschwindet, wenn Sie Ihren Augen Pausen geben und den Arbeitsplatz anpassen.
Wichtige Fakten
- Wenn Sie auf den Bildschirm schauen, blinzeln Sie weniger – das macht die Augen trocken.
- Die 20-20-20-Regel hilft: Alle 20 Minuten 20 Sekunden in die Ferne schauen.
- Augenbelastung am Bildschirm ist meist harmlos und gut behandelbar.
Ja, sehr verbreitet. Viele Menschen, die täglich vor dem Computer oder Laptop arbeiten, kennen müde oder brennende Augen. Experten gehen davon aus, dass 50 bis 70 von 100 Bildschirm-Nutzenden mindestens einmal pro Woche Beschwerden haben.
Vor allem Menschen mit langer Bildschirmzeit – etwa Büroarbeit, Softwareentwicklung oder Studium. Auch Jugendliche und Kinder, die viel Zeit mit Tablets oder Handys verbringen, können betroffen sein. Mit zunehmendem Alter lässt die natürliche Befeuchtung nach und die Augen trocknen schneller aus.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen – wählen Sie sofort die 112.
- Sehr starke Augenschmerzen, die mit Ruhe nicht nachlassen – wählen Sie die 112.
- Plötzliches Auftreten von Doppelbildern oder Lähmungserscheinungen im Gesicht – wählen Sie die 112.
- Verletzungen des Auges, etwa durch Fremdkörper oder Chemikalien – wählen Sie die 112.
- ⚠Starke Rötung des Auges mit Schmerzen und Lichtscheue – suchen Sie noch am gleichen Tag eine Augenärztin auf.
- ⚠Schwellung oder Austritt von Flüssigkeit oder Eiter aus dem Auge – suchen Sie noch am gleichen Tag medizinische Hilfe.
- ⚠Plötzlich auftretende Sehstörungen, die nach 20 Minuten nicht verschwinden – wenden Sie sich an einen augenärztlichen Notdienst.
- ⚠Kopfschmerzen mit Fieber oder Nackensteifigkeit – suchen Sie umgehend eine Notaufnahme auf.
Häufige Symptome
- Brennende, müde oder gereizte Augen
- Verschwommenes Sehen, das kurz nach dem Wegschauen wieder besser wird
- Kopfschmerzen, besonders im Stirn- oder Schläfenbereich
- Trockenheitsgefühl oder tränende Augen
- Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht
- Schwierigkeiten, die Augen dauerhaft zu fokussieren
Symptome bei Kindern
- Reiben der Augen
- Kopfschmerzen beim Lernen oder Spielen am Tablet
- Vorbeugen des Kopfes oder Zusammenkneifen der Augen
- Nachlassende Aufmerksamkeit oder Unruhe bei Bildschirmaufgaben
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schnellere Ermüdung der Augen bei Bildschirmarbeit
- Stärkeres Trockenheitsgefühl, weil die Tränenproduktion mit dem Alter abnimmt
- Lesen oder Erkennen von Zeichen am Bildschirm fällt schwerer
- Zunehmende Blendung, auch im Innenraum
Ursachen
Hauptursachen
- Langes konzentriertes Schauen auf den Bildschirm, bei dem die Augen seltener blinzeln
- Schlechte Bildschirmposition, spiegelnde Lichtquellen oder falsche Helligkeit
- Unkorrigierte Sehfehler wie Kurzsichtigkeit oder Alterssichtigkeit
- Trockene Raumluft oder Zugluft am Arbeitsplatz
- Zu geringer Abstand zum Bildschirm oder zu kleine Schriftgröße
Risikofaktoren
- Mehr als 6 Stunden Bildschirmarbeit pro Tag
- Kontaktlinsenträger und Menschen mit trockenen Augen
- Ungünstiges Arbeitslicht oder Reflexionen auf dem Monitor
- Bestehende Sehfehler, die nicht ausgeglichen werden
- Nicht angepasste Lesebrille oder zu alte Brillenwerte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starken Schmerzen, Rötung oder Sehverschlechterung, die nicht nachlassen
- Wenn trotz Pausen und angepasster Arbeitsplatz-Einstellung die Beschwerden länger als eine Woche anhalten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig müde Augen haben und unsicher sind, ob Ihre Brille noch passt
- Im Rahmen der gesetzlichen Angebote zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (G25) – sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arbeitgeber an
- Wenn Kinder über Kopfschmerzen oder Augenbrennen klagen, beim nächsten Besuch der Kinderärztin ansprechen
Diagnose
Eine Augenärztin oder ein Optiker kann durch eine Untersuchung feststellen, ob die Beschwerden vom Bildschirm oder von einem Sehfehler kommen. Sie fragen nach Ihren Arbeitsgewohnheiten und schauen, wie gut Ihre Augen sehen.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest (Visusprüfung) – jeder Abstand und Kontrast wird geprüft
- Messung der Fehlsichtigkeit mithilfe automatischer Geräte
- Tränenfilm-Test: Prüfen, ob die Augen ausreichend befeuchtet sind
- Untersuchung der Augenoberfläche mit einer Spaltlampe
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist 20 bis 30 Minuten. Sie erhalten danach eine Empfehlung, etwa eine Bildschirmbrille, künstliche Tränen oder Übungen für die Augen. Eine behandlungsbedürftige Augenkrankheit kann dabei ausgeschlossen werden. Die empfohlenen Maßnahmen orientieren sich an den Leitlinien der AWMF und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.
Behandlung
Die Behandlung von Augenbelastung am Bildschirm beginnt meist mit einfachen Maßnahmen am Arbeitsplatz und im Alltag. Wenn eine Fehlsichtigkeit die Ursache ist, hilft eine passende Brille. Medikamente kommen nur bei massiven Beschwerden zum Einsatz – und immer in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie alle 20 Minuten kurze Pausen ein und schauen Sie für 20 Sekunden in die Ferne (20-20-20-Regel)
- Blinzeln Sie bewusst, zum Beispiel bei jedem Satzwechsel am Bildschirm
- Stellen Sie den Monitor so auf, dass die Oberkante auf Augenhöhe liegt und Sie leicht nach unten schauen
- Reduzieren Sie Blendeffekte durch Vorhänge, Jalousien oder eine spezielle Bildschirmfolie
- Vergrößern Sie die Schrift und passen Sie Helligkeit und Kontrast an die Umgebung an
- Halten Sie ausreichend Abstand zum Bildschirm (mindestens eine Armlänge) und nutzen Sie bei Bedarf eine höhen- und neigungsverstellbare Tastatur
Medizinische Behandlungen
Falls die Augen trocken sind, helfen in der Apotheke erhältliche Benetzungsmittel („künstliche Tränen“) – ohne Konservierungsstoffe sind sie für Daueranwendung besonders geeignet. Bei einer unerkannten Fehlsichtigkeit verschreibt die Augenärztin eine Brille mit entspiegelten Gläsern für die Bildschirmdistanz. Auch Augentrainings oder spezielle Software, die Pausen ins Gedächtnis ruft, können Teil des Behandlungsplans sein – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was für Sie geeignet ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei reiner Augenbelastung durch Bildschirmarbeit normalerweise nicht nötig. Sie kommt nur in Betracht, wenn eine andere Augenkrankheit (zum Beispiel Grauer Star) behandelt werden muss – das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach genauer Untersuchung.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie auf einen festen Rhythmus: Arbeit, kurze Augenpausen, frische Luft. Halten Sie Ihre Brille sauber und denken Sie daran, häufiger zu blinzeln. Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, geben Sie den Augen regelmäßig eine Pause mit der Brille.
Tipps für den Alltag
- Richten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch ein: Monitor mindestens eine Armlänge entfernt, Oberkante unter Augenhöhe
- Sorgen Sie für gleichmäßiges, nicht blendendes Licht und vermeiden Sie direktes Fensterlicht im Rücken
- Lüften Sie regelmäßig und verwenden Sie bei trockener Luft einen Luftbefeuchter oder eine kleine Wasserquelle im Raum
- Machen Sie kurze Spaziergänge in der Pause, um die Augen von der Nähe zu entlasten
- Reduzieren Sie die Bildschirmzeit außerhalb der Arbeit, wo es möglich ist
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Omega-3-Fettsäuren (zum Beispiel aus fettem Fisch oder Leinsamen) unterstützt die Augengesundheit. Trinken Sie ausreichend Wasser, damit die Tränenproduktion gut bleibt. Bewegung hilft, indem sie die Durchblutung verbessert und Verspannungen im Nacken und Kopf abbaut – das entlastet auch die Augen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige müde Augen können körperlich unangenehm sein und die Konzentration stören – manche Menschen reizt das, andere machen sich Sorgen oder fühlen sich im Job belastet. Das ist verständlich. Es hilft, mit dem Umfeld oder dem betrieblichen Gesundheitsmanagement über die Beschwerden zu sprechen. Falls sich Erschöpfung oder Antriebslosigkeit in den Alltag schleicht, können Sie das ebenfalls bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ansprechen.
Vorbeugung
Ja, weitgehend. Regelmäßige Bildschirmpausen, eine gute Bildschirmposition und ein heller, blendfreier Raum beugen wirksam vor. Lassen Sie außerdem in regelmäßigen Abständen Ihre Augen auch ohne Beschwerden untersuchen – dann werden Sehfehler frühzeitig erkannt.
Impfungen
Für Augenbelastung durch Bildschirmarbeit gibt es keine Impfung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Screening für diese Belastung, aber regelmäßige Sehtests gehören zur Vorsorge – nutzen Sie zum Beispiel die Angebote zur arbeitsmedizinischen Vorsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Kopfschmerzen und Verspannungen im Nacken oder Rücken
- Reduzierte Sehleistung bei langer Bildschirmarbeit, die die Arbeit erschwert
- Zunahme von trockenen Augen oder Entzündungen der Augenoberfläche (Bindehautentzündung)
- Verschlechterung der Konzentration und damit höhere Fehlerquote am Arbeitsplatz
Langzeitprognose
Die bildschirmbedingte Augenbelastung ist in den allermeisten Fällen gut behandelbar und oft schon mit kleinen Veränderungen in der Bildschirm- und Licht-Einstellung verbessert. Wenn Sie früh handeln, müssen Sie keine bleibenden Schäden befürchten – es ist ein lästiges, aber sehr gut beherrschbares Problem.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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