Leben mit Schuppenflechte (Psoriasis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische Hauterkrankung, bei der sich Hautzellen zu schnell erneuern. Dadurch entstehen rote, schuppige Stellen auf der Haut. Die Erkrankung ist nicht ansteckend.
Wichtige Fakten
- Psoriasis ist nicht ansteckend.
- Sie verläuft in Schüben – Phasen mit stärkeren und schwächeren Beschwerden wechseln sich ab.
- Es gibt wirksame Behandlungen, die die Beschwerden deutlich lindern oder sogar zum Verschwinden bringen können.
Schätzungsweise zwei Prozent der Menschen in Deutschland haben Schuppenflechte. Damit ist sie eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen.
Schuppenflechte kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber meist im jungen Erwachsenenalter. Auch Kinder und ältere Menschen können betroffen sein.
Symptome
- Wenn sich plötzlich ein Großteil der Haut rot färbt, schmerzt und Fieber oder ein starkes Krankheitsgefühl auftritt (möglicherweise eine akute Psoriasis am ganzen Körper) – dann rufen Sie sofort die 112.
- ⚠Wenn Sie Anzeichen einer Hautinfektion bemerken, zum Beispiel geschwollene, heiße oder nässende Stellen.
- ⚠Wenn die Beschwerden sich plötzlich sehr stark ausbreiten und Sie im Alltag stark einschränken.
Häufige Symptome
- Rote oder rosafarbene Hautstellen mit silbrig-weißen Schuppen
- Juckreiz, manchmal auch Schmerzen oder Spannungsgefühl
- Verdickte, verformte oder brüchige Fingernägel
- Trockene oder rissige Haut, die leicht bluten kann
Symptome bei Kindern
- Häufig sind Kopfhaut, Windelbereich und Hautfalten betroffen.
- Die Stellen können klein und wenig auffällig sein – das macht die Diagnose manchmal nicht ganz einfach.
- Juckreiz kann bei Kindern besonders stark ausgeprägt sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft weniger Schuppen, dafür stärkere Rötungen.
- Die Haut ist dünner, dadurch können Verletzungen oder Infektionen leichter entstehen.
- Gelenkbeschwerden (Psoriasis-Arthritis) treten bei älteren Erwachsenen häufiger auf als bei Jüngeren.
Ursachen
Hauptursachen
- Das Immunsystem greift fälschlicherweise gesunde Hautzellen an und beschleunigt ihre Erneuerung.
- Die Veranlagung ist vererbbar: Menschen mit bestimmten Genen haben ein höheres Risiko.
- Symptome werden oft durch Auslöser aktiviert – zum Beispiel Stress, Infektionen, Hautreizungen oder bestimmte Medikamente.
Risikofaktoren
- Familiengeschichte von Psoriasis
- Stress und seelische Belastungen
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht, besonders viel Bauchfett
- Wiederkehrende Infektionen, etwa der Atemwege oder Mandeln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Gelenkschmerzen oder Gelenkschwellungen bemerken – das kann auf eine begleitende Psoriasis-Arthritis hinweisen.
- Wenn sich die Hautstellen stark ausbreiten oder sehr schmerzen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Beim ersten Auftreten von Hautveränderungen, die Sie unsicher machen.
- Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre bisherige Behandlung nicht mehr ausreichend wirkt.
Diagnose
In der Regel reicht eine gründliche Betrachtung der Haut, Kopfhaut und Nägel durch eine Hautärztin oder einen Hautarzt, um die Diagnose zu stellen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Blick auf Haut, Kopfhaut und Nägel
- Fragen zu Krankengeschichte, Familienanamnese und möglichen Auslösern
- Bei unklaren Fällen: Entnahme einer Hautprobe (Biopsie) und Untersuchung im Labor
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt wird Sie fragen, wann die Stellen aufgetreten sind, ob es in der Familie Psoriasis gibt und ob Sie Gelenkbeschwerden haben. Danach wird gemeinsam ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Behandlung
Es gibt keine Heilung, aber eine gute Behandlung kann die Beschwerden weitgehend kontrollieren und die Haut oft wieder fast vollständig klar machen. Die Therapie richtet sich nach Schweregrad, betroffenen Körperstellen und persönlichen Wünschen.
Selbsthilfe zu Hause
- Haut täglich eincremen, am besten mit feuchtigkeitsspendenden, parfümfreien Produkten.
- Milde, rückfettende Wasch- und Duschprodukte verwenden.
- Kratzen vermeiden – Kühlen oder sanfter Druck hilft gegen Juckreiz.
- Persönliche Auslöser wie starken Stress oder Hautverletzungen so weit wie möglich meiden.
Medizinische Behandlungen
Je nach Schweregrad gibt es verschiedene Ansätze: äußerliche Behandlungen als Cremes, Salben oder Lösungen, die direkt auf die Hautstellen aufgetragen werden; Lichttherapie, bei der die Haut kontrolliert mit UV-Licht bestrahlt wird; und systemische Therapien als Tabletten oder Spritzen, die in das Krankheitsgeschehen eingreifen. Welche Behandlung infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell und begleitet die Therapie engmaschig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Schuppenflechte nicht notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Etablieren Sie eine feste Hautpflege-Routine. Tragen Sie weiche, nicht einengende Kleidung und schützen Sie Ihre Haut vor Verletzungen. Planen Sie feste Zeiten zum Eincremen ein – genauso selbstverständlich wie Zähneputzen.
Tipps für den Alltag
- Stress reduzieren, zum Beispiel durch Entspannungsübungen, Yoga oder Spaziergänge.
- Wenn Sie rauchen: Versuchen Sie, das Rauchen aufzugeben – das kann Schübe reduzieren.
- Alkohol nur in Maßen oder gar nicht trinken.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Regelmäßige Bewegung und Sport helfen, Stress abzubauen und ein gesundes Gewicht zu halten. Es gibt keine Wunder-Diät, aber ein gesunder Lebensstil kann Schübe abschwächen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schuppenflechte kann das Selbstwertgefühl belasten, besonders wenn die Haut sichtbar betroffen ist. Es ist völlig normal, sich manchmal unsicher oder niedergeschlagen zu fühlen. Sprechen Sie über Ihre Gefühle – mit vertrauten Menschen, in einer Selbsthilfegruppe oder mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn die seelische Belastung sehr stark wird, suchen Sie sich professionelle Unterstützung, zum Beispiel bei einer psychotherapeutischen Beratungsstelle oder der örtlichen Telefonseelsorge. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Die Erkrankung selbst kann man nicht verhindern, weil die Veranlagung in den Genen liegt. Aber Sie können Schübe seltener machen, indem Sie persönliche Auslöser meiden und konsequent auf eine gute Hautpflege achten.
Impfungen
Halten Sie sich bei Impfungen an die allgemeinen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berücksichtigt dabei, dass Sie Schuppenflechte haben, und berät Sie individuell.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Routine-Screening für Schuppenflechte. Lassen Sie jedoch Gelenkbeschwerden frühzeitig abklären, damit eine begleitende Psoriasis-Arthritis rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann.
Komplikationen
Unbehandelt
- Entzündungen der Gelenke (Psoriasis-Arthritis), die zu dauerhaften Gelenkschäden führen können.
- Hautinfektionen durch Kratzen oder eingerissene Stellen.
- Starke seelische Belastung, die bis zu Rückzug und Depression reichen kann.
Langzeitprognose
Auch wenn Schuppenflechte nicht heilbar ist: Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut. Viele Menschen erreichen eine fast vollständig klare Haut und können ein normales, aktives Leben führen. Mit guter ärztlicher Begleitung und einer passenden Therapie können Sie langfristig stabil bleiben.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutscher Psoriasis Bund e.V. ↗ · Deutschland
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.