Lungen-Schübe: Was bei plötzlicher Atemnot hilft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Lungenschub (auch Exazerbation genannt) ist eine plötzliche Verschlechterung von Beschwerden bei einer bereits bestehenden Lungenerkrankung wie COPD oder Asthma. Dabei werden die Atemwege stärker entzündet und verengt, sodass das Atmen schwerer fällt. Oft sind Atemnot, Husten und vermehrter Auswurf die Hauptzeichen.
Wichtige Fakten
- Lungenschübe lassen sich oft durch frühzeitiges Handeln abmildern.
- Häufigste Auslöser sind Atemwegsinfekte oder Luftverschmutzung.
- Ein Schub muss immer ernst genommen werden – schnelle Behandlung beugt Krankenhausaufenthalten vor.
Ja, Lungenschübe sind vor allem bei Menschen mit COPD, Asthma oder Bronchiektasen häufig. Schätzungsweise erlebt mehr als die Hälfte der Menschen mit COPD mindestens einen Schub pro Jahr.
Betroffen sind hauptsächlich Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen. Auch Raucherinnen und Raucher, ehemalige Raucher, ältere Menschen und Personen mit häufig wiederkehrenden Atemwegsinfektionen haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Sehr schwere Atemnot, bei der Sie kaum noch sprechen oder gehen können
- Lippen, Gesicht oder Fingerspitzen färben sich bläulich
- Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit oder Ohnmacht
- Anhaltender starker Schmerz oder Druck in der Brust
- Atmung setzt aus (kein Atemzug mehr)
- ⚠Beschwerden, die sich trotz der vom Arzt verordneten Bedarfsmedikation nicht bessern
- ⚠Hohes Fieber (über 38,5 °C) mit Husten und Auswurf
- ⚠Blutiges oder auffällig dunkles Sekret beim Husten
- ⚠Ständig zunehmende Atemnot schon bei leichter Belastung
- ⚠Schwere Erschöpfung oder Schwindel mit Atemnot
Häufige Symptome
- Zunehmende Kurzatmigkeit (Atemnot)
- Stärkerer Husten als sonst
- Vermehrter Auswurf, eventuell verfärbt
- Keuchendes oder pfeifendes Atemgeräusch (Giemen)
- Engegefühl in der Brust
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Schlechterer Schlaf durch Atemnot
Symptome bei Kindern
- Schnelle oder angestrengte Atmung
- Einziehungen an Brustkorb oder Hals (die Haut „saugt“ sich beim Einatmen ein)
- Verweigerung des Trinkens oder Essens
- Ungewöhnliche Unruhe oder Müdigkeit
- Blasse oder bläuliche Lippen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Benommenheit
- Starke Schlappheit und Teilnahmslosigkeit
- Weniger Appetit oder Trinken
- Verschlechterung der Mobilität
- Zunahme von Husten oder Auswurf (manchmal auch schleichend)
Ursachen
Hauptursachen
- Virusinfektionen der Atemwege (z. B. Erkältung, Grippe)
- Bakterielle Atemwegsinfektionen (z. B. Lungenentzündung)
- Allergene wie Pollen, Hausstaub oder Tierhaare
- Luftverschmutzung, Smog oder Feinstaub
- Tabakrauch, auch Passivrauchen
- Kalte oder sehr trockene Luft, Wetterwechsel
Risikofaktoren
- Bekannte Lungenerkrankung wie COPD oder Asthma
- Rauchen oder früheres Rauchen
- Alter über 60 Jahre
- Ungentigend eingestellte Grunderkrankung
- Frühere Lungenschübe in der Vorgeschichte
- Abgeschwächtes Immunsystem durch Medikamente oder Krankheit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Schwierigkeiten beim Atmen, die sich verschlimmern
- Symptome, die trotz Ihrer Notfallmedikamente nicht nachlassen
- Wenn Sie mehr oder farblich veränderten Auswurf haben als üblich
- Wenn Sie sich sehr krank, verwirrt oder ausgelaugt fühlen
- Wenn Ihre Messung der Sauerstoffsättigung (falls vorhanden) unter den von Ihrem Arzt festgelegten Wert fällt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei einem ersten, noch leichten Schub ohne Notfallzeichen
- Wenn Sie an den meisten Tagen Husten oder Auswurf haben
- Um Ihre Inhalationstechnik überprüfen zu lassen
- Vor der Grippesaison wegen einer Impfung, falls empfohlen
Diagnose
Ein Lungenschub wird anhand Ihrer Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung festgestellt. Die Ärztin oder der Arzt achtet auf Atemgeräusche und misst den Sauerstoffgehalt im Blut. Auch Ihre bisherige Lungenerkrankung und Ihre Medikamente sind wichtige Hinweise.
Mögliche Untersuchungen
- Messung der Sauerstoffsättigung (Pulsoxymetrie)
- Lungenfunktionstest (Spirometrie oder Peak-Flow-Messung)
- Blutuntersuchung, ggf. mit Entzündungswerten
- Röntgen des Brustkorbs, um z. B. eine Lungenentzündung auszuschließen
- Abstrich von den Atemwegen bei Verdacht auf Infektion
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei einem leichten Schub kann die Abklärung in der Hausarztpraxis oder bei einer Lungenfachärztin oder einem Lungenfacharzt passieren. Bei mittleren bis schweren Beschwerden ist auch ein Krankenhausbesuch möglich. Dort bleibt man oft für einige Tage zur Beobachtung und Behandlung – das ist ganz normal und hilft, den Schub gut zu überwinden.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Ziele: den akuten Schub abfangen und erneuten Schüben vorbeugen. Je früher Sie handeln, desto besser ist die Lunge danach oft wieder. In vielen Fällen können Sie auch zuhause behandelt werden; bei schweren Schüben ist eine Krankenhausbehandlung nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente regelmäßig ein, auch wenn Sie sich zunächst nicht besser fühlen.
- Schonen Sie sich, haben Sie aber keine Angst vor leichten Bewegungen, wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen.
- Lüften Sie regelmäßig, aber ziehen Sie sich warm an, wenn es kalt ist.
- Trinken Sie ausreichend (z. B. Wasser und Kräutertee), um das Sekret zu verflüssigen – besprechen Sie die Menge mit Ihrem Arzt.
- Vermeiden Sie Rauch und Reizstoffe in der Luft.
- Notieren Sie Ihre Beschwerden, um sie bei der Kontrolle zu besprechen.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung wird individuell verschrieben und umfasst meist Inhalationssprays, die die Bronchien erweitern und Entzündungen hemmen. Bei einer bakteriellen Infektion kann ein Antibiotikum eingesetzt werden, bei stärkerer Entzündung ein Kortison-Präparat (vorübergehend). In der Klinik ist manchmal eine Sauerstoffgabe nötig. Ihr Behandlungsteam entscheidet, was für Sie am besten ist – wichtiger als Markennamen ist, dass Sie Ihre Medikamente richtig anwenden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei fortgeschrittener COPD kommt in seltenen Fällen ein chirurgischer Eingriff wie eine Lungenvolumenreduktion oder eine Lungentransplantation infrage. Diese Option wird nur nach gründlicher Untersuchung und nicht als erste Maßnahme empfohlen.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit einer Lungenerkrankung heißt, den Alltag so zu gestalten, dass Sie aktiv bleiben können. Lernen Sie, Ihre Atmung bewusst einzusetzen, planen Sie Pausen und halten Sie Ihre Medikamente immer griffbereit. Ein gutes Verhältnis zu Ihrer Arztpraxis gibt Sicherheit.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufzugeben oder gar nicht erst zu beginnen – der wichtigste Schritt für Ihre Lunge.
- Verzichten Sie auf Passivrauchen und halten Sie sich von starken Dämpfen fern.
- Bewegen Sie sich regelmäßig im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, z. B. kleine Spaziergänge oder Atemübungen.
- Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper, wenn Atemnot im Liegen auftritt.
- Halten Sie Ausweichpläne für schlechte Tage bereit (z. B. kurze Erledigungen, Hilfe von Angehörigen).
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Vollkorn und gesunden Fetten kann das Immunsystem stärken. Dehydrierung macht Sekret zäh – trinken Sie genug, am besten Wasser oder Tee. Leichte Bewegung wie Nordic Walking, selbst kurzes Gehen, kann die Muskulatur trainieren und die Atemnot reduzieren. Beginnen Sie langsam und hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige Atemnot ist belastend und kann Angst, Niedergeschlagenheit oder sogar Depressionen auslösen. Das ist verständlich. Ein Lungenschub bedeutet immer eine Ausnahmesituation. Es ist wichtig, sich seelische Unterstützung zu holen, zum Beispiel durch Gespräche mit Angehörigen, psychologische Beratung oder den Hausarzt. Das schützt die psychische Gesundheit und hilft, mit der Krankheit besser zu leben. Wenn Sie akut in eine seelische Krise geraten, wenden Sie sich vertraulich an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Vorbeugung
Lungenschübe lassen sich nicht immer verhindern, aber ihr Risiko lässt sich deutlich senken: durch eine gute, langfristige Einstellung der Lungenerkrankung, konsequente Medikamenteneinnahme, Vermeidung von Rauchen und Schadstoffen sowie regelmäßige Bewegung und Impfungen.
Impfungen
Lassen Sie sich regelmäßig gegen Grippe (Influenza) und nach ärztlicher Empfehlung gegen Lungenentzündung (Pneumokokken) und COVID-19 impfen. Ob auch eine Impfung gegen Keuchhusten möglich ist, können Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt klären. Impfungen reduzieren schwere Infekte und damit auch das Risiko eines Lungenschubs.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie bereits eine Lungenerkrankung haben, empfiehlt der Arzt regelmäßige Kontrollen der Lungenfunktion. Das ist eine Art „Screening“ zur Früherkennung von Verschlechterungen. Manche Praxen bieten auch ein Lungengesundheits-Check-up an, wenn Sie Risikofaktoren haben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Schübe können die Lungenfunktion dauerhaft verschlechtern
- Stationäre Krankenhausbehandlung mit Sauerstofftherapie
- Entstehung einer Lungenentzündung
- Belastung für Herz und Kreislauf, im schlimmsten Fall Herzschwäche
- Langfristig geringere Belastbarkeit im Alltag
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Wenn Sie einen Lungenschub früh behandeln und die Grunderkrankung gut einstellen, zeigt die Prognose deutlich nach oben. Die meisten Menschen erholen sich vollständig oder zumindest weitgehend. Auch wenn die Lunge empfindlich bleibt, gibt es viele Möglichkeiten, den Alltag aktiv zu gestalten. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam – Sie sind damit nicht allein.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.