Lungenentzündung bei Kindern
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Lungenentzündung ist eine Infektion der Lunge. Die kleinen Luftbläschen, in denen der Sauerstoff ins Blut gelangt, entzünden sich und füllen sich mit Flüssigkeit. Dadurch fällt das Atmen schwer.
Wichtige Fakten
- Lungenentzündung kann durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden. In den meisten Fällen sind Viren die Ursache.
- Die meisten Kinder werden zu Hause gesund und haben keine langfristigen Folgen.
- In Deutschland gibt es Impfungen, die vor einigen Erregern schützen können.
Lungenentzündungen sind bei Kindern jeden Alters häufig. In Deutschland erkranken viele Kinder jedes Jahr daran, aber dank guter Behandlung heilt sie meist vollständig.
Kinder aller Altersgruppen können betroffen sein. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder. Auch Kinder mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Sehr starke Atemnot oder das Gefühl zu ersticken
- Bläuliche Lippen oder bläuliche Haut
- Bewusstlosigkeit oder ein Kind, das nicht mehr aufweckbar ist
- Atemaussetzer oder sichtbares Aussetzen der Atmung
- ⚠Hohes Fieber über 39 °C, das nicht sinkt
- ⚠Schnelles Atmen, auch in Ruhe
- ⚠Das Kind zieht beim Einatmen die Haut zwischen den Rippen oder am Hals sichtbar nach innen
- ⚠Das Kind verweigert das Trinken und hat weniger nasse Windeln
Häufige Symptome
- Fieber und Schüttelfrost
- Husten, manchmal mit Auswurf
- Schnelle oder angestrengte Atmung
- Schmerzen in der Brust oder im Bauch
Symptome bei Kindern
- Bei Kleinkindern kann die Lungenentzündung mit Erbrechen oder Bauchschmerzen beginnen.
- Säuglinge oder Babys wirken oft schlapp, trinken schlecht und wirken teilnahmslos.
- Die Nasenflügel können beim Atmen stark beben – ein Zeichen für Atemnot.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann sich eine Lungenentzündung durch Verwirrtheit, Stürze oder verschlechterte Mobilität bemerkbar machen. Oft ist das typische Fieber nicht vorhanden.
Ursachen
Hauptursachen
- Viren (z.B. Grippeviren oder das RS-Virus) – sie sind bei Kindern die häufigste Ursache.
- Bakterien (z.B. Pneumokokken) – sie können allein oder nach einem viralen Infekt auftreten.
- Eine Übertragung erfolgt meist durch Tröpfchen beim Husten oder Niesen.
Risikofaktoren
- Ein sehr junges Alter (insbesondere unter 6 Monaten)
- Eine Immunschwäche durch Krankheit oder Medikamente
- Chronische Grunderkrankungen wie Asthma oder angeborene Herzfehler
- Passivrauchen in der Wohnung oder im Auto
- Ein Aufenthalt in einer Kinderklinik oder in einer Gemeinschaftseinrichtung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Kind sichtbar um Luft ringt oder die Haut zwischen den Rippen sich beim Einatmen stark nach innen zieht, wählen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn das Kind bläulich aussieht oder bewusstlos wird, ist dies ein Notfall.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Suchen Sie innerhalb von 24 Stunden ärztlichen Rat, wenn Ihr Kind über 38,5 °C Fieber hat, Husten kaum abklingt oder es deutlich weniger trinkt.
- Wenn Ihr Kind jünger als 6 Monate ist und Atemprobleme oder Fieber zeigt, lassen Sie es am selben Tag untersuchen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach den Beschwerden und dem Verlauf. Danach wird die Lunge mit dem Stethoskop abgehört und der Sauerstoffgehalt des Bluts gemessen. Bei unklaren Fällen können weitere Untersuchungen folgen.
Mögliche Untersuchungen
- Abhören der Lunge mit dem Stethoskop (Auskultation)
- Messung der Sauerstoffsättigung mit einem kleinen Klemmsensor am Finger
- Bluttest auf Entzündungszeichen
- Röntgenbild des Brustkorbs, wenn der Verdacht gesichert wird
- Abstrich aus Nase oder Rachen zur Erregerbestimmung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nur 15–30 Minuten. Blutentnahme und Abstriche sind kurz ein wenig unangenehm, aber sehr schnell vorbei. Bei einem Röntgenbild liegt das Kind für einige Sekunden still – oft hilft es, die Eltern mit ins Untersuchungszimmer zu nehmen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob die Infektion durch Viren oder Bakterien ausgelöst wurde. Viele Kinder können zu Hause gesund werden. In manchen Fällen – besonders bei Säuglingen – ist eine kurze Behandlung im Krankenhaus sinnvoll, um Sauerstoff und Flüssigkeit zu geben.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken: Wasser, ungesüßter Tee oder Brühe, damit der Schleim in der Lunge flüssig bleibt
- Ausreichend Ruhe und Schlaf – das Kind braucht Energie zur Heilung
- Auf Rauch und andere Reizstoffe in der Umgebung verzichten
- Bei Fieber: das Kind leicht anziehen, Wadenwickel nur wenn das Kind das als angenehm empfindet
- Kopf hoch lagern und für frische Raumluft sorgen
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können fiebersenkende Medikamente verschreiben oder empfehlen – immer in der richtigen Dosis für das Alter und Gewicht des Kindes. Bei einer bakteriellen Lungenentzündung kommt ein Antibiotikum zum Einsatz, das genau auf den Erreger abgestimmt ist. Bei viralen Infekten reicht meist eine reine Linderung der Beschwerden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Lungenentzündung in der Regel nicht nötig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn sich Eiter in der Lunge oder im Brustkorb sammelt, kann ein kleiner Eingriff notwendig werden, um den Eiter abzuleiten.
Leben mit der Erkrankung
In der ersten Woche braucht das Kind viel Ruhe und Nähe. Sobald das Fieber seit mindestens zwei Tagen weg und das Kind wieder fit ist, kann es langsam in den Alltag zurück. Es muss nicht mehr zu Hause bleiben, sobald es sich erholt hat.
Tipps für den Alltag
- Für eine rauchfreie Umgebung sorgen – das ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren
- Häufiges Händewaschen, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen
- Ein gesundes Raumklima, nicht zu trocken, nicht zu warm
- Das Kind an der frischen Luft bewegen, sobald es wieder kräftig genug ist
Ernährung und Bewegung
Wichtig ist, dass das Kind genug trinkt. Leichte Mahlzeiten wie Suppen, Obst oder Joghurt sind gut, wenn der Appetit fehlt. Bewegung ist nach der Genesung erwünscht, aber nicht in der akuten Krankheitsphase.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Lungenentzündung kann für ein Kind beängstigend sein, vor allem weil das Atmen anstrengend ist. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit durch ruhiges Zureden, Nähe und feste Tagesabläufe. Erklären Sie ihm, dass Sie da sind und dass die Ärztin oder der Arzt helfen kann.
Vorbeugung
Nicht jede Lungenentzündung ist vermeidbar, aber ein gesunder Lebensstil, Händehygiene und Impfungen senken das Risiko deutlich.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission empfiehlt für alle Säuglinge und Kleinkinder eine Schutzimpfung gegen Pneumokokken. Auch die jährliche Grippeimpfung kann helfen, da Grippeviren eine Lungenentzündung auslösen können. Fragen Sie Ihre Kinderarztpraxis nach dem aktuellen Impfplan.
Früherkennungsprogramme
Für Lungenentzündung gibt es keine ambulante Vorsorgeuntersuchung. Bestimmte Risiken können aber schon bei der Vorsorge in der Schwangerschaft erkannt werden. Regelmäßige U-Untersuchungen beim Kinderarzt unterstützen die Gesundheitsvorsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Bakterienansammlung oder Eiterbildung im Brustkorb (Pleuraempyem)
- Langwieriger Husten über Wochen und geschwächte Abwehrkräfte
- In schweren Fällen: Atemversagen, das lebensbedrohlich sein kann
Langzeitprognose
Die große Mehrheit der Kinder erholt sich vollständig von einer Lungenentzündung. Mit rechtzeitiger Behandlung sind schwere Komplikationen selten. Die meisten Kinder spielen und lachen innerhalb von zwei bis vier Wochen wieder ganz normal – das ist keine leere Versprechung, sondern die Erfahrung aus der Kinderheilkunde.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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