Rippenfellentzündung: So bleiben Sie sicher in Bewegung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Rippenfellentzündung (Pleuritis) ist das feine Gewebe entzündet, das wie eine Haut die Lunge und die Innenseite des Brustkorbs umgibt. Diese Haut nennt man Brustfell oder Rippenfell. Ist sie entzündet, reiben die beiden Schichten beim Atmen aneinander und verursachen einen stechenden Schmerz.
Wichtige Fakten
- Eine Rippenfellentzündung verursacht meist stechende Schmerzen, die beim tiefen Einatmen, Husten oder Bewegen stärker werden.
- Die Entzündung heilt oft aus, wenn die zugrunde liegende Ursache behandelt wird – zum Beispiel eine Lungenentzündung.
- Schonende Atemübungen und langsame Bewegung können den Heilungsprozess unterstützen, sollten aber immer mit Fachpersonal abgestimmt werden.
Eine Rippenfellentzündung kommt heute deutlich seltener vor als vor vielen Jahrzehnten, weil viele zugrunde liegende Erkrankungen – etwa Lungenentzündungen – besser behandelt werden können. In Deutschland ist sie aber weiterhin ein bekanntes Krankheitsbild, das häufig zusammen mit einer Atemwegsinfektion auftritt.
Grundsätzlich kann eine Rippenfellentzündung in jedem Alter entstehen. Sie tritt besonders häufig als Begleiterkrankung einer Lungenentzündung auf, aber auch bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen, einem geschwächten Immunsystem oder nach Operationen im Brustbereich.
Symptome
- Starke Atemnot oder das Gefühl, zu ersticken.
- Starke Schmerzen in der Brust, die wie ein Druck oder eine Enge wirken.
- Aushusten von Blut.
- Blaue Lippen oder Fingernägel.
- Bewusstlosigkeit oder Kollaps.
- ⚠Hohes Fieber (über 39 Grad Celsius) mit Schüttelfrost.
- ⚠Schmerzen, die es unmöglich machen, tief zu atmen oder sich zu bewegen.
- ⚠Rasender Herzschlag oder ein Gefühl von Schwäche.
- ⚠Wenn bestehende Symptome trotz Behandlung deutlich schlechter werden.
Häufige Symptome
- Stechender oder ziehender Brustschmerz, der sich beim tiefen Atmen, Husten, Niesen oder Bewegen verschlimmert.
- Schmerzen können bis in die Schulter, den Rücken oder den Bauch ausstrahlen.
- Kurzatmigkeit oder das Gefühl, nicht richtig Luft zu bekommen.
- Trockener Husten oder Husten mit Auswurf – je nach Ursache.
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl, besonders bei einer Infektion.
Symptome bei Kindern
- Kinder zeigen oft zunächst Bauchschmerzen oder erbrechen sich.
- Sie wirken gereizt oder schläfrig und möchten nicht mehr spielen.
- Die Atmung kann schneller und flacher werden als gewöhnlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen verspüren den typischen Brustschmerz manchmal weniger stark.
- Stattdessen fallen Verwirrtheit, Appetitlosigkeit oder ein allgemeiner Rückgang der Kräfte auf.
- Kurzatmigkeit kann das erste und wichtigste Zeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterielle oder virale Lungenentzündung (häufigste Ursache).
- Lungenembolie – ein Blutgerinnsel, das ein Lungengefäß verschließt.
- Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder rheumatoide Arthritis.
- Verletzungen des Brustkorbs nach einem Unfall oder Sturz.
- Operationen am Herzen oder an der Lunge.
- Andere Auslöser wie Tuberkulose oder Asbestbelastung sind in Deutschland selten, kommen aber vor.
Risikofaktoren
- Eine kürzliche Atemwegsinfektion oder Lungenentzündung.
- Rauchen, weil es die Lunge reizt und anfälliger für Infektionen macht.
- Ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel nach einer Krankheit oder durch Medikamente.
- Bewegungsmangel oder längere Bettruhe: das erhöht das Risiko für Blutgerinnsel.
- Autoimmunerkrankungen, die das Bindegewebe angreifen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Brustschmerzen haben, die mit dem Atmen zusammenhängen und länger als einen Tag anhalten.
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost und ein starkes Krankheitsgefühl haben.
- Wenn Ihnen alltägliche Bewegungen oder tiefes Atmen zunehmend schwerfallen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nach einer Atemwegsinfektion anhaltende Schmerzen beim Atmen bemerken.
- Wenn Sie zusätzlich einen hartnäckigen Husten haben, der nicht besser wird.
- Wenn eine bekannte Autoimmunerkrankung neue Beschwerden im Brustbereich auslöst.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst ein Gespräch mit Ihnen führen und Ihre Lunge mit einem Stethoskop abhören. Bei einer Rippenfellentzündung kann man manchmal ein typisches Reibergeräusch hören. Danach folgen bildgebende Untersuchungen, um die Lunge und das Rippenfell genau zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs.
- Ultraschall der Lunge und des Brustkorbs.
- Blutuntersuchung, um Entzündungszeichen zu erkennen und die Ursache einzugrenzen.
- Bei Bedarf eine Computertomographie, kurz CT, für noch genauere Bilder.
- Eine Gewebeprobe aus der Flüssigkeit zwischen den Rippenfellblättern (Punktion) hilft, die Ursache zu klären.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzarm. Bei einer Punktion sitzen oder liegen Sie, die Haut wird örtlich betäubt, und die Ärztin oder der Arzt entnimmt etwas Flüssigkeit mit einer feinen Nadel. Das klingt unangenehmer, als es ist – und die gewonnene Probe ist sehr wichtig für die richtige Behandlung. Die aktuellen medizinischen Empfehlungen der AWMF legen nahe, diese Diagnostik gründlich und ohne unnötige Verzögerung durchzuführen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Entzündung. Wird die zugrunde liegende Erkrankung behandelt – zum Beispiel eine Lungenentzündung oder eine Autoimmunerkrankung –, bildet sich die Rippenfellentzündung meist mit zurück. Gleichzeitig wird die Schmerzlinderung ernst genommen, damit Sie wieder leichter atmen und sich bewegen können.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie sich aus, aber bleiben Sie nicht völlig bewegungslos – kleine, langsame Spaziergänge können helfen, solange der Schmerz es zulässt.
- Nutzen Sie Atemübungen: Atmen Sie langsam und tief durch die Nase ein, halten Sie kurz inne und atmen Sie ruhig durch den Mund aus. Steigern Sie die Tiefe der Atemzüge allmählich, ohne starke Schmerzen zu erzwingen.
- Lagern Sie sich beim Ruhen so, dass Sie aufrecht oder angewinkelt sitzen – das erleichtert das Atmen.
- Husten Sie morgens möglichst schmerzfrei: Halten Sie sich dabei ein Kissen oder die Hand vor die schmerzende Stelle.
- Besprechen Sie die geeignete Schmerzlinderung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
Medizinische Behandlungen
Medikamente kommen je nach Ursache zum Einsatz: Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika gegeben, bei starken Entzündungen entzündungshemmende Mittel, und bei einer Lungenembolie werden blutverdünnende Medikamente eingesetzt. Auch schmerzlindernde Mittel können verordnet werden, damit das Atmen und Bewegen wieder leichter fällt. Welche Behandlung für Sie persönlich richtig ist, entscheidet allein Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Rücksprache ein. Bei einem größeren Flüssigkeitserguss kann die Flüssigkeit mit einer Nadel oder einem dünnen Schlauch abgelassen werden. Das entlastet die Lunge und nimmt den Druck vom Rippenfell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur in seltenen Fällen ist eine Operation nötig – zum Beispiel, wenn sich eine dicke Eiteransammlung (Empyem) gebildet hat, die sich nicht anders entleeren lässt, oder wenn nach der Entzündung eine dicke Narbenschicht das Ausdehnen der Lunge behindert. Das entscheidet das Behandlungsteam im Krankenhaus.
Leben mit der Erkrankung
Geben Sie Ihrem Körper Zeit. Hören Sie auf Ihr Schmerzempfinden: Schmerz ist ein Zeichen, dass das Rippenfell noch gereizt ist. Planen Sie Ihren Tag mit genügend Ruhephasen. Vermeiden Sie schweres Heben und starke körperliche Anstrengung, bis die Beschwerden deutlich besser sind.
Tipps für den Alltag
- Wenn Sie rauchen, suchen Sie Unterstützung, um mit dem Rauchen aufzuhören – das reduziert die Belastung der Lunge sofort.
- Lüften Sie Ihre Wohnung regelmäßig, aber vermeiden Sie Zugluft.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung, um Ihr Immunsystem zu unterstützen.
- Meiden Sie enge Räume mit Rauch, Staub oder chemischen Dämpfen.
Ernährung und Bewegung
Sobald die akuten Schmerzen nachgelassen haben, sind sanfte Bewegung und Atemübungen ausdrücklich erwünscht. Langes Stillliegen kann sogar dazu führen, dass sich Lungenbereiche stärker verschleimen und das Atmen langfristig erschweren. Beginnen Sie mit einfachen Atemübungen, die Ihre Physiotherapeutin oder Ihr Physiotherapeut mit Ihnen übt. Gehen Sie kurze Strecken an der frischen Luft, wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen. Vermeiden Sie bis zur ärztlichen Freigabe Sportarten mit starker Erschütterung oder hoher Atemanstrengung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Schmerzen und Atemnot sind belastend – sowohl körperlich als auch seelisch. Es ist verständlich, wenn Sie sich ängstlich oder gereizt fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über diese Gefühle zu sprechen. Wenn Sie schwere Angst oder depressive Gedanken bemerken, suchen Sie schnell fachliche Hilfe. In einer akuten Krise rufen Sie den Rettungsdienst unter 112 oder begeben Sie sich in die nächste Notaufnahme.
Vorbeugung
Nicht jede Rippenfellentzündung lässt sich verhindern, weil sie oft Folge eines Infekts oder einer Grunderkrankung ist. Sie können aber das Risiko senken: Waschen Sie regelmäßig die Hände, halten Sie Abstand zu erkrankten Personen und pflegen Sie einen gesunden Lebensstil, der das Immunsystem stärkt.
Impfungen
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Impfungen gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken. Diese Impfungen können schwere Lungeninfektionen verhindern, die zu einer Rippenfellentzündung führen können.
Früherkennungsprogramme
Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung für Rippenfellentzündung gibt es nicht. Aber wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (z. B. wegen einer Autoimmunerkrankung), wird Ihr Behandlungsteam die Lunge regelmäßig kontrollieren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb (Pleuraerguss) – der Druck auf die Lunge wächst.
- Infizierte Flüssigkeit (Empyem), die eine langwierige Behandlung erfordert.
- Narbenbildung und Verwachsungen des Rippenfells, die die Lungendehnung einschränken können.
- Ein Teil der Lunge kann sich zusammenziehen (Atelektase), was die Atmung dauerhaft beeinträchtigen kann.
- In seltenen Fällen kann sich der Zustand zu einer Blutvergiftung (Sepsis) verschlimmern.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Wenn die Ursache erkannt und richtig behandelt wird, heilt die Rippenfellentzündung in den meisten Fällen vollständig aus. Auch mit Atemübungen und einer langsamen Rückkehr zur Bewegung können Sie selbst viel für eine gute Erholung tun. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei – Schritt für Schritt und in dem Tempo, das Ihr Körper vertragen kann.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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