Lungenentzündung in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine Infektion der Lunge, bei der sich die kleinen Lungenbläschen (Alveolen) entzünden und mit Flüssigkeit oder Eiter füllen. Während der Schwangerschaft kann dies Mutter und ungeborenes Kind belasten, weil der Körper ohnehin mehr arbeitet.
Wichtige Fakten
- Eine Lungenentzündung kann durch Viren, Bakterien oder andere Erreger verursacht werden.
- In der Schwangerschaft kann eine Lungenentzündung das Risiko für Frühgeburt oder ein niedriges Geburtsgewicht erhöhen.
- Mit frühzeitiger Behandlung erholen sich die meisten Schwangeren gut und bringen ein gesundes Kind zur Welt.
Lungenentzündungen sind in der Schwangerschaft nicht sehr häufig, aber sie können auftreten, vor allem in der Grippesaison oder bei geschwächtem Immunsystem.
Schwangere jeden Alters können betroffen sein, besonders wenn sie Vorerkrankungen wie Asthma, Diabetes oder eine Immunschwäche haben.
Symptome
- Starke Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Blaue Lippen oder blasse Haut
- Starke Brustschmerzen, die nicht nachlassen
- Bewusstseinsstörungen oder extreme Verwirrtheit
- Hohes Fieber, das nicht auf fiebersenkende Maßnahmen anspricht
- ⚠Anhaltendes Fieber über drei Tage
- ⚠Zunehmende Atemnot bei leichter Belastung
- ⚠Husten mit blutigem Auswurf
- ⚠Schmerzen beim tiefen Einatmen
- ⚠Sich plötzlich verschlimmernde Symptome
Häufige Symptome
- Husten, oft mit Auswurf
- Fieber und Schüttelfrost
- Atemnot oder schnelles Atmen
- Brustschmerzen beim Husten oder Atmen
- Müdigkeit und allgemeines Schwächegefühl
Symptome bei Kindern
- Säuglinge und Kleinkinder zeigen oft unspezifische Anzeichen wie Fieber, Trinkunlust, schnelle Atmung oder Erbrechen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Erwachsene können weniger typische Symptome haben, etwa Verwirrtheit, Schwäche und geringes Fieber.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien (zum Beispiel Pneumokokken)
- Viren (wie Grippeviren, Coronaviren)
- Pilze (selten)
- Einatmen von verschluckten Stoffen (Aspiration)
Risikofaktoren
- Schwangerschaft selbst (weil das Immunsystem etwas gedämpft ist)
- Chronische Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Herzkrankheiten
- Rauchen oder Passivrauchen
- Kontakt mit Menschen mit Atemwegsinfektionen
- Ungeschützter Kontakt zu kleinen Kindern
- Unterernährung oder Mangel an Vitaminen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlich auftretende Atemnot
- Hohes Fieber über 38,5 °C
- Husten mit gelbem oder grünem Auswurf und Fieber
- Starkes Krankheitsgefühl mit Schwäche
- Weniger Kindsbewegungen (späte Schwangerschaft) in Verbindung mit Fieber
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Leichter Husten ohne Fieber, der länger als eine Woche anhält
- Leichtes Unwohlsein, das sich nicht innerhalb weniger Tage bessert
- Unsicherheit, ob es sich um eine einfache Erkältung oder etwas Ernstes handelt
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt hört die Lunge mit einem Stethoskop ab und fragt nach den Beschwerden. Oft wird eine Blutprobe entnommen und manchmal eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs gemacht, wobei der Bauch mit einer Bleischürze geschützt wird.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abhören der Lunge
- Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen
- Röntgen-Thorax (mit Bauchschutz)
- Abstriche aus Nase oder Rachen auf Viren
- Sauerstoffsättigungsmessung am Finger (Pulsoxymetrie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und schnell. Eine Röntgenuntersuchung wird nur durchgeführt, wenn es unbedingt nötig ist, und Ihr Baby wird bestmöglich geschützt. Meist kann die Ärztin oder der Arzt ohne aufwändige Tests eine Diagnose stellen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Eine bakterielle Lungenentzündung wird mit Antibiotika behandelt, die in der Schwangerschaft sicher sind. Bei Viren helfen oft fiebersenkende Maßnahmen und Ruhe. Wichtig ist, die Anweisungen der Ärztin oder des Arztes genau zu befolgen. Niemals eigenmächtig zu Medikamenten greifen, ohne Rücksprache zu halten.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken (Wasser, Kräutertees)
- Sich ausruhen und Schlaf nachholen
- Leichte, nahrhafte Kost zu sich nehmen
- Regelmäßig lüften und für feuchte Raumluft sorgen
- Fieber kontrollieren und Wadenwickel zur Senkung nutzen, aber nicht frieren
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Ihnen ein Antibiotikum verschreiben, das für Mutter und Kind unbedenklich ist. Bei starkem Husten kann ein schleimlösendes Mittel helfen. Bei niedriger Sauerstoffsättigung kann vorübergehend Sauerstoff gegeben werden. In schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, um Mutter und Kind engmaschig zu überwachen. Alle Medikamente während der Schwangerschaft müssen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Lungenentzündung brauchen Sie viel Ruhe. Planen Sie genug Pausen ein und lassen Sie sich im Haushalt unterstützen. Hören Sie auf Ihren Körper – Überanstrengung kann die Heilung verzögern.
Tipps für den Alltag
- Meiden Sie Menschen mit Erkältungen oder Grippe.
- Rauchen Sie nicht und meiden Sie verrauchte Räume.
- Schlafen Sie genug und achten Sie auf Stressabbau.
- Tragen Sie in der Erkältungszeit eine Maske, wenn Sie sich in vollen Räumen aufhalten.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen mit viel Obst, Gemüse und Eiweiß. Trinken Sie mindestens zwei Liter pro Tag. Leichte Bewegung wie Spaziergänge an der frischen Luft sind nach ärztlicher Rücksprache gut, aber vermeiden Sie Anstrengung, solange Sie sich schwach fühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Erkrankung in der Schwangerschaft kann Ängste auslösen. Sorgen um das Baby sind normal. Sprechen Sie offen mit Ihrer Hebamme, Ihrer Ärztin oder Ihrem Partner über Ihre Gefühle. Bei anhaltenden Ängsten oder gedrückter Stimmung kann eine psychologische Beratung helfen.
Vorbeugung
Einer Lungenentzündung kann man zu einem gewissen Grad vorbeugen. Eine Grippeimpfung wird allen Schwangeren ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft empfohlen, da Grippeviren eine häufige Ursache sind. Auch eine Impfung gegen Pneumokokken kann bei bestimmten Risikofaktoren sinnvoll sein (fragen Sie Ihren Arzt).
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung für alle Schwangeren ab dem 4. Monat. Die Pneumokokken-Impfung wird unter bestimmten Umständen empfohlen, zum Beispiel bei Asthma oder Diabetes. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Eine gezielte Vorsorgeuntersuchung auf Lungenentzündung gibt es nicht. Achten Sie auf die genannten Symptome und suchen Sie bei Verdacht frühzeitig ärztlichen Rat.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Lungenentzündung kann sich verschlimmern und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
- Es kann zu Atemnot kommen, die eine künstliche Beatmung nötig machen könnte.
- Das Risiko für eine Frühgeburt oder eine Wachstumsverzögerung des ungeborenen Kindes steigt.
- In seltenen Fällen kann es zu einer Fehlgeburt kommen.
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger und richtiger Behandlung heilt eine Lungenentzündung in der Schwangerschaft meist gut aus. Die meisten Frauen bringen ein gesundes Baby zur Welt. Wichtig ist, schnell zu handeln und ärztlichen Rat einzuholen. Die moderne Medizin hat viele sichere Möglichkeiten, Sie und Ihr Kind zu schützen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.