Lungenentzündung: Was Sie selbst tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Lungenentzündung ist eine Entzündung des Lungengewebes. Meist wird sie durch Bakterien oder Viren verursacht. Die winzigen Lungenbläschen, in denen normalerweise Sauerstoff ins Blut gelangt, sind entzündet und mit Flüssigkeit oder Schleim gefüllt. Dadurch fällt das Atmen schwer und der Körper bekommt weniger Sauerstoff. In der Fachsprache heißt die Krankheit Pneumonie.
Wichtige Fakten
- Eine Lungenentzündung kann Menschen jeden Alters betreffen.
- Sie ist in Deutschland eine der häufigsten Atemwegserkrankungen, die ärztlich behandelt wird.
- Die meisten Menschen erholen sich vollständig, wenn die Krankheit rechtzeitig behandelt wird.
- Bei einem milden Verlauf kann man sich zu Hause mit Ruhe und selbstfürsorglichen Maßnahmen erholen.
- Impfungen, Händewaschen und ein gesunder Lebensstil können das Risiko senken.
Ja, eine Lungenentzündung kommt häufig vor. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehrere hunderttausend Menschen daran. Die genauen Zahlen schwanken je nach Saison, Region und Alter.
Grundsätzlich kann jede Person an einer Lungenentzündung erkranken. Besonders häufig betroffen sind ältere Menschen ab 60 Jahren, kleine Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Diabetes. Auch Raucherinnen und Raucher haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Schwere Atemnot: Sie können kaum noch Luft holen, sprechen oder sich bewegen – rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- Lippen oder Fingerspitzen werden blau oder grau – rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- Kreislaufprobleme: Ihnen wird schwindelig, Sie fühlen sich ohnmächtig oder der Blutdruck fällt stark ab – wählen Sie die 112.
- Bewusstseinstrübung: Sie sind sehr schwer wach zu halten oder verhalten sich verwirrt – sofort den Notruf rufen.
- Starke Schmerzen in der Brust, die in den Rücken, Arm oder Kiefer ausstrahlen – rufen Sie umgehend die 112.
- ⚠Anhaltendes Fieber über 39 °C über mehr als drei Tage – suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
- ⚠Atemnot, die sich auch bei leichter Anstrengung verschlechtert – bitte zeitnah ärztlich abklären lassen.
- ⚠Husten mit blutigem Auswurf – lassen Sie das noch am selben Tag abklären.
- ⚠Bei älteren Menschen: neue Verwirrtheit oder auffällige Schwäche – ärztliche Vorstellung am gleichen Tag nötig.
- ⚠Bei Kindern: Fieber mit schneller Atmung oder Trinkverweigerung – suchen Sie am Tag der Symptome eine Praxis oder Klinik auf.
Häufige Symptome
- Husten, oft mit Auswurf
- Fieber und Schüttelfrost
- Atemnot oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
- Starke Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Schmerzen in der Brust, besonders beim Einatmen oder Husten
Symptome bei Kindern
- Fieber und schnelle Atmung
- Hartnäckiger Husten
- Das Kind wirkt schlapp, teilnahmslos oder ungewöhnlich unruhig
- Kinder können auch Bauchschmerzen oder Erbrechen haben
- Säuglinge trinken weniger und sind auffällig apathisch
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft ist Atemnot das Hauptzeichen
- Neu auftretende Verwirrtheit oder Verlangsamung
- Weniger ausgeprägtes Fieber oder gar kein Fieber
- Allgemeine Schwäche und plötzlicher Verlust der Selbstständigkeit im Alltag
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, am häufigsten Pneumokokken
- Viren, zum Beispiel Grippeviren oder das Coronavirus SARS-CoV-2
- Seltener Pilze, besonders bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem
- Einatmen von Speichelresten oder Fremdkörpern, die dann eine Entzündung in der Lunge auslösen
Risikofaktoren
- Alter über 60 oder unter 5 Jahren
- Chronische Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Nierenerkrankungen
- Rauchen oder starker Alkoholkonsum
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Medikamente oder eine HIV-Infektion
- Schlechter Ernährungszustand oder Untergewicht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie haben Atemnot oder ein sehr starkes Krankheitsgefühl.
- Ihr Fieber steigt über 39 Grad und sinkt nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen.
- Sie husten blutigen Schleim aus.
- Sie sind deutlich verwirrt oder wirken teilnahmslos.
- Bei Kindern: Das Kind trinkt nicht ausreichend, wirkt sehr schläfrig oder atmet schnell.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ihr Husten und Fieber gehen nach einigen Tagen nicht zurück oder werden schlimmer.
- Sie gehören zu einer Risikogruppe und haben erste Anzeichen wie Husten, Fieber oder Abgeschlagenheit.
- Sie sind unsicher, ob Ihre Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Sie hört oder er hört die Lunge und das Herz ab, misst Fieber und Sauerstoffgehalt im Blut. Schon dabei lässt sich eine Lungenentzündung oft gut erkennen. Um die Diagnose zu sichern, folgen bei Bedarf weitere Untersuchungen.
Mögliche Untersuchungen
- Abhören von Lunge und Herz (Auskultation)
- Messung des Sauerstoffgehalts im Blut per Pulsoxymeter
- Röntgenbild des Brustkorbs
- Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen und mögliche Erreger
- Bei schwerem Verlauf: Untersuchung von ausgehustetem Schleim (Sputum) oder eine Computertomografie der Lunge
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist nicht lange. Die Ärztin oder der Arzt bespricht die Befunde mit Ihnen und schlägt eine passende Behandlung vor. Bei einem leichten Verlauf können Sie nach Hause gehen. Bei schwereren Beschwerden kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob Bakterien oder Viren die Lungenentzündung ausgelöst haben und wie schwer Sie erkrankt sind. In Deutschland richten sich Ärztinnen und Ärzte dabei nach der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Das Ziel ist, die Entzündung zu bekämpfen, Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie sich aus und gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Schlaf.
- Trinken Sie ausreichend, am besten Wasser oder ungesüßte Kräutertees, um den Schleim zu lösen.
- Lüften Sie regelmäßig und sorgen Sie für frische, nicht zu trockene Luft.
- Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper – das kann das Atmen erleichtern.
- Verzichten Sie auf Rauchen und meiden Sie verrauchte oder staubige Räume.
- Nehmen Sie nur Medikamente ein, die Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ausdrücklich empfohlen hat.
- Steigern Sie körperliche Aktivität nur langsam – geben Sie Ihrem Körper mehrere Wochen Zeit.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen unterschiedliche Medikamente infrage. Bei einer bakteriellen Lungenentzündung werden häufig Antibiotika eingesetzt, die Sie meist als Tabletten zu Hause einnehmen. Wichtig ist, sie genau nach Anweisung und über den gesamten Zeitraum einzunehmen. Bei einer viralen Lungenentzündung gibt es andere antivirale Mittel. Zusätzlich können fiebersenkende Maßnahmen und ausreichend Flüssigkeit helfen. In schweren Fällen wird die Behandlung im Krankenhaus durchgeführt, zum Beispiel mit Sauerstoffgabe, Infusionen und engmaschiger Überwachung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Lungenentzündung nur in sehr seltenen Fällen nötig, etwa wenn sich eine Eiteransammlung im Brustraum bildet. Dann wird der Eingriff von Spezialistinnen und Spezialisten geplant und erklärt.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie sich in den ersten Tagen viel Zeit für Ruhe. Bleiben Sie im Bett oder auf dem Sofa und hören Sie auf Ihren Körper. Nach wenigen Tagen können Sie kurze Spaziergänge machen, wenn Sie sich wohl fühlen. Ihre volle Kraft haben Sie oft erst nach drei bis sechs Wochen wieder. Planen Sie den Alltag Schritt für Schritt und erwarten Sie nicht zu viel zu schnell.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie ausreichend und legen Sie sich bei Müdigkeit hin.
- Trinken Sie regelmäßig – etwa eineinhalb bis zwei Liter am Tag, sofern Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nichts anderes empfiehlt.
- Halten Sie Ihre Wohnung kühl und gut gelüftet.
- Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände und benutzen Sie Einmaltaschentücher.
- Reduzieren Sie Stress, wo es möglich ist, und planen Sie Pausen ein.
Ernährung und Bewegung
Eine leichte, vitaminreiche Ernährung unterstützt die Heilung. Gut geeignet sind Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, mageres Fleisch oder Hülsenfrüchte. Vermeiden Sie schwere, fettige Speisen, die den Körper zusätzlich belasten. Bei Bewegung gilt: langsam starten, kurze Spaziergänge zuerst, dann allmählich belasten. Besprechen Sie den Aufbau mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders bei sportlicher Aktivität.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Lungenentzündung kann körperlich und seelisch fordern. Viele Menschen fühlen sich nach der Krankheit erschöpft, niedergeschlagen oder ängstlich, besonders wenn die Atemnot belastend war. Das ist normal. Sprechen Sie darüber mit Angehörigen oder Freunden. Wenn die Stimmung über Wochen gedrückt bleibt, holen Sie sich ärztliche Unterstützung – das ist ein sinnvoller Schritt.
Vorbeugung
Eine Lungenentzündung lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Dazu gehören gründliches Händewaschen, ein gesunder Lebensstil, ausreichend Schlaf und Schutzimpfungen. Wer chronisch krank ist, sollte die ärztlichen Kontrollen wahrnehmen.
Impfungen
Es gibt Impfungen gegen Pneumokokken, also gegen die häufigsten bakteriellen Erreger. Auch die Grippeimpfung kann vor einer schweren Lungenentzündung durch Grippeviren schützen. Empfehlungen zur Impfung finden Sie bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt in Deutschland hierzu klare Empfehlungen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Flüssigkeits- oder Eiteransammlung im Brustraum (Pleuraerguss oder Empyem)
- Bakterien gelangen in die Blutbahn und verursachen eine Blutvergiftung (Sepsis)
- Atemversagen, weil die Lunge nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen kann
- Entzündung des Herzmuskels oder Herzbeutels
- Langwieriger Verlauf mit erhöhtem Rückfallrisiko, besonders bei geschwächten Personen
Langzeitprognose
Bei rechtzeitiger und richtiger Behandlung erholen sich die meisten Menschen vollständig von einer Lungenentzündung. Auch ältere Menschen haben gute Chancen, wenn die Krankheit früh erkannt wird. Manche brauchen etwas länger und können von einer Rehabilitationsmaßnahme profitieren. Bleiben Sie in ärztlicher Begleitung und geben Sie Ihrem Körper die Zeit, die er braucht – dann ist die Prognose in der Regel gut.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.