Schuppenflechte und Familienleben – gut informiert gemeinsam leben
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische Hauterkrankung. Bei ihr erneuert sich die Haut viel zu schnell, dadurch entstehen gerötete, schuppige Stellen. Sie ist nicht ansteckend und hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.
Wichtige Fakten
- Schuppenflechte ist nicht ansteckend – man kann sie niemandem übertragen
- Sie verläuft in Schüben: Es gibt bessere und schlechtere Phasen
- Sie kann neben der Haut auch Nägel und manchmal Gelenke betreffen
Ja, in Deutschland leben etwa 2 bis 3 von 100 Menschen mit Schuppenflechte. Das sind rund 2 Millionen Betroffene.
Schuppenflechte kann in jedem Alter auftreten. Besonders oft beginnt sie bei jungen Erwachsenen, aber auch Kinder und ältere Menschen können betroffen sein.
Symptome
- Wenn plötzlich großflächig gerötete Haut mit kleinen eitrigen Pusteln auftritt, begleitet von Fieber und starkem Krankheitsgefühl – dann sofort den Notruf 112 anrufen. Das kann ein seltener, aber ernster Notfall sein.
- ⚠Wenn sich Hautstellen stark entzünden, nässen oder sehr schmerzen – noch am selben Tag ärztliche Hilfe oder eine Notfallambulanz aufsuchen.
- ⚠Wenn Gelenke plötzlich stark schwellen, heiß werden und sehr schmerzen – ebenfalls umgehend ärztlichen Rat einholen.
Häufige Symptome
- Gerötete Stellen mit silbrig weißen Schuppen, oft an Ellbogen, Knien, Kopfhaut oder am unteren Rücken
- Juckreiz und Spannungsgefühl auf der Haut
- Trockene, rissige Haut, die bei Bewegung leicht einreißen kann
- Kleine Grübchen oder Verfärbungen an den Fingernägeln
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Flecken oft kleiner und unauffälliger
- Besonders häufig sind Kopfhaut und Windelbereich betroffen
- Starker Juckreiz kann Kinder unruhig machen und den Schlaf stören
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Hautstellen können ausgeprägter und trockener sein
- Gelenkbeschwerden kommen im Alter häufiger vor
- Die Haut braucht meist besonders viel Feuchtigkeit und Pflege
Ursachen
Hauptursachen
- Die Ursache liegt im Immunsystem: Es greift fälschlicherweise die eigenen Hautzellen an und beschleunigt deren Neubildung.
- Die Veranlagung ist angeboren und wird in Familien weitergegeben.
- Erst durch bestimmte Auslöser wie Infekte, Stress oder Hautverletzungen kommt es zur sichtbaren Schuppenflechte.
Risikofaktoren
- Schuppenflechte bei Verwandten – das erhöht das eigene Risiko
- Stress und psychische Belastung
- Infekte, zum Beispiel eine Mandelentzündung oder ein schwerer grippaler Infekt
- Hautverletzungen, Schnitte oder Reibung
- Übergewicht
- Rauchen und ein hoher Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zusätzlich Fieber, Schüttelfrost oder starke Schmerzen bekommen
- Wenn sich die Haut plötzlich extrem schnell weiter ausbreitet
- Wenn Gelenke anschwellen und Bewegungen wehtun
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn ein Ausschlag länger als zwei Wochen anhält und nicht von allein verschwindet
- Wenn Sie Nagelveränderungen bemerken
- Wenn Sie dauerhaft Juckreiz haben oder Ihre Haut sehr trocken und rissig ist
- Wenn Sie Fragen zu Pflege und Behandlung haben
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt erkennt Schuppenflechte meist schon am typischen Hautbild und an den Veränderungen der Nägel. Dazu kommen ein Gespräch über Ihre Beschwerden, Ihre Krankengeschichte und mögliche Fälle in der Familie.
Mögliche Untersuchungen
- In unsicheren Fällen wird eine winzige Hautprobe entnommen und im Labor untersucht (Biopsie).
- Bei Gelenkbeschwerden können zusätzlich Blutuntersuchungen oder eine Ultraschall- beziehungsweise Röntgenuntersuchung helfen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung tut in der Regel nicht weh. Sie werden gebeten, die betroffenen Hautstellen zu zeigen. Die Diagnose wird Ihnen in verständlichen Worten erklärt, und gemeinsam besprechen Sie die nächsten Schritte. Die Behandlung richtet sich in Deutschland nach den Leitlinien der AWMF, also nach aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen.
Behandlung
Es gibt noch keine Heilung für Schuppenflechte, aber die Behandlungen sind heute sehr wirksam. Schuppen gehen zurück, Haut und Gelenke beruhigen sich, und die Schübe werden seltener. Welche Therapie passt, hängt von der Schwere, der Lage und Ihrem Leben ab – das entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich eincremen mit feuchtigkeitsspendenden Produkten ohne Duftstoffe
- Milde Reinigung – lieber lauwarm kurz duschen statt heiße Vollbäder
- Weiche, nicht scheuernde Kleidung und Handtücher verwenden
- Stress reduzieren: Pausen einplanen, entspannende Hobbys pflegen
- Rauchen und Alkohol vermeiden – das kann Schübe deutlich verringern
Medizinische Behandlungen
Je nach Schweregrad gibt es verschiedene Behandlungen: Cremes und Salben, die auf die Hautstellen aufgetragen werden, eine Lichttherapie mit UV-Licht sowie innerlich wirkende Medikamente, die das überschießende Immunsystem dämpfen. Für schwere Fälle gibt es inzwischen auch hochwirksame Mittel, die gezielt in die Entzündungsreaktion eingreifen. Keines dieser Mittel sollte ohne ärztliche Verordnung angewendet werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Schuppenflechte in der Regel nicht nötig. Sie wird nur dann erwogen, wenn eine ganz andere Begleiterkrankung behandelt werden muss – also nicht gegen die Hautveränderungen selbst.
Leben mit der Erkrankung
Bauen Sie feste Pflegezeiten in den Tag ein – einen ruhigen Moment zum Cremen, am besten nach dem Duschen. Erkennen Sie Ihren persönlichen Rhythmus: Stress und Schlafmangel tun oft nicht gut, während frische Luft und Bewegung die Haut durchbluten. Sprechen Sie offen in der Familie darüber, was Schuppenflechte ist und was nicht: Sie ist nicht ansteckend, und niemand muss sich anstecken oder etwas Schlimmes befürchten.
Tipps für den Alltag
- Informieren Sie Partner, Kinder und Freunde – das nimmt Unsicherheit und Vorurteile
- Tragen Sie luftige, weite Kleidung aus Baumwolle oder anderen glatten Stoffen
- Schützen Sie die Haut im Winter vor trockener Heizungsluft
- Gönnen Sie sich im Sommer etwas Sonne – aber vorsichtig und mit Sonnenschutz, damit Hautverbrennungen keinen Schub auslösen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und guten Fetten unterstützt die Haut von innen. Bewegung hält das Gewicht stabil und baut Stress ab. Wer auf starke Auslöser wie Alkohol und Nikotin verzichtet, tut seiner Haut einen nachweislichen Gefallen – und verringert so möglicherweise die Schübe.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schuppenflechte kann Scham, Schamgefühle und manchmal sogar Wut oder Traurigkeit auslösen. Das ist verständlich und keine Schwäche. Reden Sie darüber – mit der Familie, engen Freunden, einer ärztlichen Praxis für Psychotherapie oder einer Beratungsstelle. Wenn Sie merken, dass die Belastung zu groß wird oder sogar Gedanken an Selbsttötung auftauchen, nehmen Sie das ernst und holen Sie sofort Hilfe – zum Beispiel über das kostenlose Krisentelefon, das Ihre örtliche Beratungsstelle nennt. Ihre Gefühle sind wichtig und dürfen gehört werden.
Vorbeugung
Schuppenflechte selbst lässt sich nicht verhindern, weil die Veranlagung in den Genen liegt. Aber Sie können viel dafür tun, dass die Krankheit seltener oder milder auftritt: Auslöser erkennen, Stress abbauen, gesund essen, sich bewegen und nicht rauchen.
Impfungen
Schutzimpfungen sind wichtig, denn Infekte können Schuppenflechte-Schübe auslösen. Die regulären Impfungen – zum Beispiel gegen Grippe oder Pneumokokken – werden von Ihrer Hausarztpraxis oder dem Gesundheitsamt empfohlen. Sprechen Sie Ihre Impfungen dort offen an.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Früherkennungsprogramm für Schuppenflechte. Eine routinemäßige Hautkontrolle durch die Dermatologie kann aber helfen, Hautveränderungen früh zu erkennen. Lassen Sie also verdächtige Hautstellen nicht zu lange unbeachtet.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei manchen Menschen entsteht im Laufe der Zeit eine Schuppenflechte-Arthritis – eine entzündliche Gelenkerkrankung mit Schwellung, Steifigkeit und Schmerz.
- Starker Juckreiz und sichtbare Hautstellen können Schlafprobleme, sozialen Rückzug und depressive Verstimmungen verursachen.
- Anhaltende Entzündungen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung haben Sie sehr gute Chancen, lange beschwerdefrei zu sein und ein aktives, unbelastetes Familienleben zu führen. Die medizinische Forschung verbessert die Therapien ständig – und viele Menschen kommen heute mit ein wenig Pflege und der passenden Behandlung sehr gut zurecht. Auch wenn es eine chronische Erkrankung ist: Sie ist kein Schicksal, sondern eine gut begleitbare Aufgabe.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.