Schuppenflechte: Komplikationen erkennen und richtig handeln
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, ist eine chronische Entzündungserkrankung der Haut. Das Immunsystem greift fälschlich körpereigene Hautzellen an, sodass die Haut sich viel zu schnell erneuert. Es entstehen rote, schuppige Stellen, die jucken können. Psoriasis beschränkt sich aber nicht immer auf die Haut – auch Gelenke, Nägel und innere Organe können betroffen sein. Deshalb ist es wichtig, mögliche Komplikationen früh zu erkennen und behandeln zu lassen.
Wichtige Fakten
- Psoriasis ist eine Entzündungserkrankung, die nicht ansteckend ist und oft in Schüben verläuft.
- Mögliche Komplikationen betreffen vor allem Gelenke (Psoriasis-Arthritis), Herz-Kreislauf-System und die seelische Gesundheit.
- Mit guter Behandlung und gesundem Lebensstil lassen sich Risiken und Krankheitsaktivität deutlich senken.
Ja, Schuppenflechte ist häufig: In Deutschland sind ungefähr 2 bis 3 von 100 Menschen betroffen.
Psoriasis kann in jedem Alter auftreten. Am häufigsten beginnt sie zwischen 20 und 40 Jahren oder etwas später ab dem 50. Lebensjahr. Auch Kinder können erkranken. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Plötzliche starke Brustschmerzen, Atemnot oder Engegefühl in der Brust – mögliche Anzeichen eines Herzinfarkts
- Plötzliche Schwäche, Taubheitsgefühl einer Körperseite, Sprach- oder Sehstörungen – mögliche Anzeichen eines Schlaganfalls
- Schnell zunehmende Rötung fast der gesamten Haut mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl – möglich bei einer schweren Psoriasis-Form
- ⚠Neue oder stark zunehmende Gelenkschwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkung eines Gelenks
- ⚠Großflächige, stark entzündete Hautpartien mit Blasen oder Nässen
- ⚠Schwere Erschöpfung, ungewollter Gewichtsverlust oder anhaltendes Fieber ohne erkennbare Infektion
Häufige Symptome
- Scharf begrenzte, gerötete Hautstellen mit silbrig-weißen Schuppen – typischerweise an Ellbogen, Knien, Kopfhaut und am unteren Rücken
- Juckreiz, Spannungsgefühl oder Brennen der Haut
- Veränderungen der Finger- oder Zehennägel, zum Beispiel Dellen, Verfärbungen oder Ablösungen
- Gelenkschmerzen, Schwellungen oder Morgensteifigkeit – Warnzeichen für Gelenkbeteiligung
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit bei entzündlicher Aktivität
Symptome bei Kindern
- Schuppige Kopfhaut, die an starke Schuppen erinnert
- Hartnäckiger Windelausschlag, der nicht abheilen will
- Rötliche, schuppende Stellen an Körper und Gesicht
- Veränderungen an den Nägeln, oft gemeinsam mit Hautstellen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger typische Hautbilder – zum Beispiel dünnere, glatte Rötungen ohne starke Schuppung
- Häufiger Juckreiz und trockene Haut, besonders an den Beinen
- Gelenkbeschwerden, die mitunter auch ohne sichtbare Hautveränderungen auftreten
- Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen und Medikamenten im Alter
Ursachen
Hauptursachen
- Fehlsteuerung des Immunsystems: Abwehrzellen greifen Haut- und manchmal Gelenkzellen an
- Vererbung: Psoriasis tritt in manchen Familien gehäuft auf
- Auslöser wie Infekte (zum Beispiel Mandelentzündung), Stress, Hautverletzungen, Alkohol oder bestimmte Medikamente
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung – ein Elternteil oder Geschwister mit Psoriasis
- Rauchen und starkes Übergewicht
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Diabetes mellitus
- Wiederkehrende Hautinfektionen oder Infekte im Hals-Nasen-Ohren-Bereich
- Dauerhafter psychischer Stress
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich auftretenden Gelenkschwellungen mit Steifigkeit, besonders wenn sie mehrere Gelenke betreffen
- Wenn die Hautstellen sich entzünden, stark nässen oder sich sehr schnell ausbreiten
- Bei Fieber oder starkem Krankheitsgefühl in Zusammenhang mit Hautveränderungen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Psoriasis haben und merken, dass Gelenke morgens länger als 30 Minuten steif sind
- Wenn sich das Hautbild trotz Behandlung nicht bessert oder häufiger Schübe auftreten
- Wenn Sie riskante Veränderungen wie Blutdruckanstieg, Blutzucker- oder Cholesterinprobleme bemerken
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Hautärztin oder ein Hautarzt durch eine genaue Betrachtung der Haut, Kopfhaut und Nägel. Da Psoriasis auch Gelenke betreffen kann, bezieht die Ärztin oder der Arzt auch Schilderungen zu Gelenkschmerzen und Steifigkeit mit ein.
Mögliche Untersuchungen
- Hautprobe (Biopsie): Eine kleine Hautstelle wird entnommen und unter dem Mikroskop untersucht – zum Beispiel bei unklarem Hautbild
- Blutuntersuchung: Kann Entzündungszeichen oder zusätzliche Stoffwechselrisiken zeigen
- Ultraschall oder Röntgen von Gelenken, wenn eine Gelenkentzündung vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Beim ersten Termin fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und ob Psoriasis in Ihrer Familie vorkommt. Es folgt eine gründliche Untersuchung von Haut, Nägeln und Gelenken. Meist lässt sich Psoriasis danach klar feststellen. Bei Komplikationen kann sie oder er Sie an weitere Fachleute überweisen, zum Beispiel an eine rheumatologische Praxis.
Behandlung
Die Behandlung der Psoriasis hat drei Ziele: Entzündung unterdrücken, Hautsymptome lindern und Folgeerkrankungen vorbeugen. Je nach Schweregrad kommen verschiedene Behandlungen zum Einsatz – von äußerlichen Mitteln bis zu modernen Therapien, die ins Immunsystem eingreifen. Die Therapie wird individuell an Ihren Hautzustand, mögliche Gelenkbeteiligung und Begleiterkrankungen angepasst – zusammen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Cremen Sie die Haut regelmäßig mit rückfettenden, parfümfreien Pflegeprodukten ein
- Vermeiden Sie starkes Kratzen und Reiben, auch bei Juckreiz
- Nutzen Sie milde, pH-neutrale Waschlotionen und lauwarmes Duschen
- Reduzieren Sie Stress durch Entspannungsübungen, Spaziergänge oder Atemtechniken
- Verzichten Sie aufs Rauchen und begrenzen Sie Alkohol – beides kann Schübe fördern
Medizinische Behandlungen
Medizinische Behandlungen umfassen äußerlich angewendete Cremes, Salben, Lotionen und Shampoos mit entzündungshemmenden Wirkstoffen. Dazu kommt die Lichttherapie, bei der die Haut in kontrollierter Weise mit UV-Licht bestrahlt wird. Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis werden auch systemische Medikamente eingesetzt – das sind Tabletten oder Spritzen, die auf das Immunsystem wirken. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt abhängig von Schweregrad, Gelenkbeteiligung und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist zur Behandlung der Psoriasis selbst in der Regel nicht erforderlich. Nur bei fortgeschrittener Gelenkzerstörung durch Psoriasis-Arthritis kann ein orthopädischer Eingriff als letzte Option sinnvoll sein – darüber spricht Sie eine Fachärztin oder ein Facharzt individuell.
Leben mit der Erkrankung
Psoriasis verläuft oft in Schüben: Phasen mit starker Hautaktivität wechseln sich mit ruhigeren Phasen ab. Lernen Sie frühzeitig zu erkennen, was bei Ihnen Schübe auslöst – zum Beispiel Stress, bestimmte Infekte oder Hautverletzungen. Ein Schub ist keine Schwäche und kein Fehler. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam und passen Sie die Behandlung bei Bedarf gemeinsam an.
Tipps für den Alltag
- Bewegung und Sport helfen, Entzündungen zu reduzieren und Gelenke beweglich zu halten
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht – Übergewicht verstärkt Entzündungen
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und regelmäßige Erholungsphasen
- Rauchstopp und reduzierter Alkoholkonsum sind besonders wirksam, um Herz-Kreislauf-Risiken zu senken
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die Behandlung – sie ersetzt sie aber nicht. Regelmäßige Bewegung wie Radfahren, Schwimmen oder Spazierengehen hat doppelten Nutzen: Sie wirkt entzündungshemmend und beugt Herzkreislauf- und Gelenkproblemen vor. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, welches Sportangebot zu Ihren Gelenken und Ihrer Haut passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Psoriasis betrifft nicht nur die Haut, sondern auch das seelische Wohlbefinden. Scham, Angst vor Ablehnung, Dauerstress und depressive Verstimmungen kommen häufig vor. Diese Gefühle sind ernst zu nehmen. Wer sich dauerhaft belastet fühlt, sollte das beim Behandlungsteam ansprechen – es gibt dafür Unterstützung und Therapien.
Vorbeugung
Psoriasis selbst lässt sich nicht verhindern, weil die Veranlagung erblich ist. Sie können aber viel dafür tun, dass die Erkrankung milder verläuft und seltener Komplikationen auftreten: konsequente Behandlung, ein gesunder Lebensstil und ein guter Umgang mit Stress.
Impfungen
Lassen Sie sich nach den aktuellen Empfehlungen impfen, insbesondere gegen Grippe und Lungenentzündung. Infekte können nämlich Psoriasis-Schübe auslösen. Fragen Sie am besten in Ihrer ärztlichen Praxis nach, ob Ihr Impfschutz vollständig ist – das ist in der Regel ohne Probleme möglich.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie regelmäßig Blutdruck, Blutzucker und Blutfette überprüfen. Denn Menschen mit Psoriasis – besonders mit schweren Verläufen – haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und erhöhte Blutfettwerte. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann solche Kontrollen unkompliziert durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Psoriasis-Arthritis – eine schmerzhafte Gelenkentzündung, die zu dauerhaften Gelenkschäden führen kann
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, besonders bei schwerer, unbehandelter Entzündung
- Höhere Wahrscheinlichkeit für Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen
- Depressionen, Angststörungen und soziale Isolation durch seelische Belastung und Stigmatisierung
- Nierenerkrankungen und chronische Entzündungen im ganzen Körper bei anhaltend hoher Krankheitsaktivität
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute sehr viel besser als noch vor einigen Jahrzehnten. Pünktliche Behandlung kann Haut und Gelenke weitgehend beruhigen und Entzündungen im Körper reduzieren. Viele Menschen mit Psoriasis führen ein aktives und erfülltes Leben. Auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist – Komplikationen lassen sich in den meisten Fällen verhindern oder gut behandeln.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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