Schuppenflechte-Schub: Ursachen, Symptome und Selbsthilfe
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Schub bei Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine Phase, in der die Beschwerden der Hauterkrankung plötzlich stärker werden. Die Haut an einzelnen oder vielen Stellen ist entzündet, gerötet und von silbrigen Schuppen bedeckt. Solche Schübe können Wochen oder Monate anhalten und gehen dann oft in eine ruhigere Phase über, in der die Haut weitgehend normal aussieht.
Wichtige Fakten
- Schuppenflechte ist eine Autoimmunerkrankung – sie ist nicht ansteckend.
- Schübe lassen sich durch Behandlung meist deutlich abkürzen und abschwächen.
- Belastende Auslöser wie Stress, Rauchen oder Infekte können Schübe verstärken.
Ja, Schuppenflechte ist eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. In Deutschland sind etwa 2 bis 3 von 100 Menschen betroffen.
Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, zeigt aber zwei Häufigkeitsgipfel: zwischen 20 und 30 Jahren sowie zwischen 50 und 60 Jahren. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen.
Symptome
- Wenn sehr große Hautflächen plötzlich gerötet, heiß und schmerzhaft sind – insbesondere mit starkem Krankheitsgefühl oder Fieber –, rufen Sie sofort die 112.
- Bei Zeichen einer Blutvergiftung wie Schüttelfrost, schnellem Puls, Verwirrtheit oder starker Atemnot wählen Sie ebenfalls die 112.
- Wenn Gesicht, Lippen oder Zunge anschwellen und Atemnot auftritt, nachdem Sie ein neues Medikament benutzt haben, ist das ein Notfall – rufen Sie 112.
- ⚠Bei einer massiven Schuppenflechte, die den ganzen Körper oder große Bereiche bedeckt, ist eine sofortige ärztliche Vorstellung in einer Hautarztpraxis oder Notaufnahme erforderlich.
- ⚠Wenn nässende, eitrige oder sehr schmerzhafte Stellen auf eine Hautinfektion hinweisen, lassen Sie diese noch am selben Tag ärztlich beurteilen.
- ⚠Bei unerträglichem Juckreiz, der Sie am Schlafen oder an normalen Tätigkeiten hindert, ist eine zeitnahe Vorstellung sinnvoll, damit schnell Hilfe erfolgt.
Häufige Symptome
- Scharf begrenzte, rote und entzündete Hautstellen
- Silbrig-weiße, kleieförmige Schuppen auf den Flecken
- Juckreiz, der von leicht bis quälend reichen kann
- Trockene, rissige Haut, die auch leicht einreißen kann
- Veränderungen an den Fingernägeln wie Dellen, Flecken oder Verdickungen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Hautstellen häufig kleiner und tropfenförmig – das nennt man Psoriasis guttata.
- Diese Form tritt oft nach einem Infekt wie einer Mandelentzündung auf.
- Im Baby- und Kleinkindalter kann auch der Windelbereich betroffen sein; die Haut dort ist tiefrot und weniger stark schuppig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter ist die Haut insgesamt trockener, dadurch können die Schuppen fester haften und die Haut schneller einreißen.
- Ältere Menschen haben häufiger Nagelveränderungen und begleitende Gelenkschmerzen.
- Die Selbstpflege ist aufwendiger, weil Vorsicht bestimmten Cremes und Medikamenten der anderen Erkrankungen berücksichtigt werden muss.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Anlage ist vererbbar – Psoriasis tritt in manchen Familien gehäuft auf.
- Durch eine Fehlregulation des Immunsystems entstehen Entzündungen in der Haut und die Hautzellen erneuern sich zu schnell.
- Schübe werden häufig von bestimmten Auslösern wie Stress, Infekten (z. B. Erkältung, Halsschmerzen), Hautverletzungen, Sonnenbrand, Rauchen und übermäßigem Alkohol begünstigt.
- Auch manche Arzneimittel, etwa gegen Bluthochdruck oder seelische Beschwerden, können einen Schub auslösen – dazu berät Sie Ihr Arzt.
Risikofaktoren
- Familienmitglieder mit Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis
- Hautreizungen durch Reibung, Schnitte oder Sonnenbrand
- Chronischer Stress oder seelische Krisen
- Rauchen und starkes Übergewicht
- Wiederkehrende Infekte, besonders in der Kindheit
- Sehr trockene Raumluft oder kalte Jahreszeit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder starke Schmerzen in der Haut bemerken
- Wenn die Haut sehr großflächig betroffen ist und Sie sich körperlich schwer krank fühlen
- Wenn sich Anzeichen einer Infektion wie Eiter, Krusten oder starke Rötung um eine Wunde zeigen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal verdächtige Hautveränderungen bemerken, die länger als zwei Wochen bestehen
- Wenn Ihre bisherige Behandlung die Schuppenflechte nicht mehr ausreichend lindert
- Wenn auch Gelenke, Nägel oder die Kopfhaut betroffen sind oder die Schuppenflechte Sie seelisch stark belastet
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Hautärztin oder ein Hautarzt, oft schon anhand des typischen Hautbilds. Sie schaut sich die geröteten, schuppenden Stellen genau an und tastet die Haut ab. Bei Unsicherheit kann eine winzige Hautprobe unter dem Mikroskop untersucht werden.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über Beschwerden, Beginn, Auslöser und familiäre Vorbelastung
- Untersuchung der Haut, Kopfhaut und Nägel
- Bei unklarem Befund: kleine Hautbiopsie (Probeentnahme unter örtlicher Betäubung)
- Bei Verdacht auf Gelenkbeteiligung zusätzlich bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Beim Arztbesuch können Sie alle Fragen rund um Pflege, Behandlung und Auslöser stellen. Der Arzt erstellt eine auf Sie zugeschnittene Behandlungsstrategie. Für die Behandlung gelten in Deutschland die aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Behandlung
Die Behandlung von Schuppenflechte-Schüben verfolgt zwei Ziele: Die Entzündung zu dämpfen und die Hauterneuerung zu normalisieren. Was im Einzelfall hilft, hängt vom Schweregrad, der Ausdehnung und Ihrer persönlichen Situation ab. Ein Leitlinien-gestützter Behandlungsplan kann Schübe deutlich abkürzen.
Selbsthilfe zu Hause
- Reinigen Sie die Haut jeden Tag sanft mit lauwarmem Wasser und einer milden, parfümfreien Waschlotion.
- Trocknen Sie die Haut ab – nicht rubbeln – und tragen Sie direkt danach eine rückfettende Pflegecreme oder -salbe auf.
- Lösen Sie Schuppen nie durch Kratzen oder Schaben. Fein abgehobene Schuppen können Sie nach dem Eincremen mit einem weichen Tuch abtupfen.
- Nehmen Sie kurze, warme Bäder (nicht heiß) und meiden Sie aggressive Duschgele.
- Suchen Sie sich Entspannungstechniken wie Yoga oder Atemübungen – Stress gehört zu den stärksten Schubauslösern.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Therapie beginnt meist mit äußerlich aufgetragenen Präparaten wie Salben, Cremes oder Lotionen. Sie enthalten entzündungshemmende Wirkstoffe oder Stoffe, die das Zellwachstum der Haut bremsen. Bei mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte kann eine Lichttherapie mit UV-Strahlen zum Einsatz kommen, die die Entzündung in der Haut reduziert. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, stehen systemische Medikamente zur Verfügung – Tabletten oder Injektionen –, die das Immunsystem gezielt regulieren. Welche Substanz für Sie infrage kommt, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen im Detail. Nehmen Sie keine selbst gewählten Medikamente ein und ändern Sie nie eigenmächtig die Dosierung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist für die Schuppenflechte selbst nicht erforderlich. Nur bei einer zusätzlichen Psoriasis-Arthritis kann in sehr fortgeschrittenen Fällen ein orthopädischer Eingriff erwogen werden – das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Rheumatologen oder Ihrer Rheumatologin.
Leben mit der Erkrankung
Mit Schuppenflechte ist der Alltag gut zu bewältigen, wenn Sie Ihre Hautpflege als festen Bestandteil einplanen. Lockere Kleidung aus Baumwolle reduziert Scheuern und Schwitzen. Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst – Ruhe und Achtsamkeit wirken sich häufig positiv auf die Haut aus.
Tipps für den Alltag
- Rauchstopp: Rauchen begünstigt Schübe und erschwert die Behandlung.
- Alkohol in Maßen oder am besten meiden, wenn Sie merken, dass er Schübe triggert.
- Stress abbauen: Meditation, Spaziergänge oder ein Hobby helfen, die innere Anspannung zu senken.
- Ausreichend schlafen und regelmäßige Essenszeiten einhalten.
- Sport mit Vorsicht: Gehen Sie Verletzungen und Scheuerstellen aus dem Weg, meiden Sie Kratzer beim Joggen oder im Fitnessstudio.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Psoriasis-Diät, aber eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkorn und gesunden Fetten aus Fisch oder Nüssen kann Entzündungen günstig beeinflussen. Manche Menschen bemerken, dass bestimmte Lebensmittel ihre Schuppenflechte verstärken – beobachten Sie das in Ruhe. Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga ist gut für Körper und Psyche; achten Sie nur darauf, die Haut nicht übermäßig zu reizen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schuppenflechte ist nicht nur eine Hautsache – sie kann auch das seelische Wohlbefinden erheblich belasten. Sichtbare Herde, Juckreiz und Unverständnis aus dem Umfeld können zu Scham, Rückzug und Stimmungsschwankungen führen. Diese Reaktion ist normal. Suchen Sie sich frühzeitig Unterstützung, zum Beispiel bei einer Psychologin oder einem Psychologen mit Erfahrung in Hauterkrankungen. In akuten seelischen Krisen können Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge anrufen – kostenlos und anonym: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (Deutschland).
Vorbeugung
Psoriasis selbst lässt sich nicht verhindern, da die Erkrankung in den Genen liegt. Sie können aber Ihr persönliches Schubrisiko senken, indem Sie bekannte Auslöser meiden, die Haut pflegen und einen gesunden Lebensstil pflegen. Wer früh behandelt, kann eine Verschlimmerung und Folgeerkrankungen wie Gelenkbeteiligung häufig verhindern.
Impfungen
Impfungen sind auch bei Schuppenflechte im Allgemeinen möglich und empfehlenswert. Wenn Sie eine immunsuppressive Therapie erhalten, sollten Sie zeitliche Abstände und Art der Impfung vorher mit Ihrem Arzt besprechen.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie eine familiäre Vorbelastung haben, beobachten Sie Ihre Haut regelmäßig. Lassen Sie neue oder veränderte Hautstellen zeitnah von einer Hautärztin abklären. Auch eine frühzeitige Vorstellung bei Gelenkbeschwerden hilft, eine begleitende Gelenkentzündung rechtzeitig zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei unbehandelter starker Schuppenflechte können sich großflächige Entzündungen ausbreiten und die Haut deutlich schädigen.
- Etwa 20 bis 30 % der Betroffenen entwickeln eine Psoriasis-Arthritis – eine entzündliche Gelenkerkrankung mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung.
- Ausgeprägte Entzündungsprozesse in der Haut können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes erhöhen.
- Anhaltende seelische Belastung kann zu Depressionen führen und die Lebensqualität stark einschränken.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute deutlich besser als früher: Auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist, lassen sich Schübe in den meisten Fällen gut kontrollieren und zurückdrängen. Viele Betroffene erleben lange beschwerdearme Phasen und können Beruf, Sport und Privatleben aktiv gestalten. Eine gute Arzt-Patienten-Beziehung und eigene Achtsamkeit sind der Schlüssel zum langfristigen Wohlbefinden.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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