Atemnot und pfeifende Atmung: Was Sie bei einem Wheeze-Schub tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Wheeze ist ein pfeifendes Geräusch, das beim Ausatmen entsteht. Es klingt, als ob die Luft durch einen engen Schlauch strömt. Ein Wheeze-Schub bedeutet, dass dieses Pfeifen plötzlich stärker auftritt und das Atmen schwerer fällt. Das passiert oft bei Asthmapatienten oder Menschen mit anderen Lungenerkrankungen. Die kleinen Atemwege sind verengt und die Muskulatur um die Atemwege verkrampft sich.
Wichtige Fakten
- Ein Wheeze-Schub ist ein Zeichen, dass die Atemwege verengt sind.
- Auch wenn es sich beängstigend anfühlt: Mit der richtigen Behandlung wird es meist schnell besser.
- Schnelles Handeln ist wichtig – Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann einen Notfallplan mit Ihnen erstellen.
Ja, pfeifende Atmung kommt häufig vor. Besonders bei Menschen mit Asthma oder COPD (chronisch verengte Atemwege). Kinder haben oft pfeifende Atmung bei Atemwegsinfekten. Schätzungsweise jedes dritte Kind pfeift mindestens einmal in den ersten Lebensjahren. Die meisten Wheeze-Schübe sind nicht gefährlich, wenn sie früh behandelt werden.
Bekommen können Wheeze-Schübe Menschen jeden Alters: Kleinkinder mit Bronchitis, Erwachsene mit Asthma, ältere Menschen mit COPD oder Herzproblemen. Auch allergische Reaktionen oder starke körperliche Anstrengung können einen Schub auslösen. Bei manchen Menschen tritt Wheeze nur bei Erkältungen auf, bei anderen immer wieder ohne klaren Auslöser.
Symptome
- Starke Atemnot, sodass Sie nicht sprechen können
- Lippen oder Gesicht werden bläulich
- Sie fühlen sich ohnmächtig oder werden bewusstlos
- Die Notfallmedizin hat nicht geholfen und die Beschwerden werden schlimmer
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Person erstickt – handeln Sie sofort. In Deutschland den Notruf 112 wählen.
- ⚠Das Pfeifen wird trotz normaler Anwendung Ihres Notfallsprays nicht besser
- ⚠Sie müssen das Notfallspray häufiger anwenden als im Plan vorgesehen
- ⚠Starker Husten mit Fieber oder gelb-grünem Schleim
- ⚠Sie haben starke Schmerzen im Brustkorb oder zwischen den Schulterblättern
Häufige Symptome
- Pfeifendes oder zischendes Geräusch beim Ausatmen
- Gefühl der Enge in der Brust
- Kurzatmigkeit oder erschwertes Atmen
- Husten, manchmal mit Schleim
- Schnelleres, flacheres Atmen
Symptome bei Kindern
- Beim Kind ist die Atmung schnell und das Einziehen der Haut zwischen den Rippen sichtbar
- Das Kind trinkt oder isst weniger als üblich
- Das Kind wird ungewöhnlich still oder wirkt schlapp
- Das Pfeifen ist auch ohne Stethoskop zu hören
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Schwierigkeiten beim Sprechen in Sätzen
- Die Lippen oder Fingernägel verfärben sich bläulich oder grau
- Alte Menschen verfallen oft schnell und werden schläfrig oder unruhig
- Die Atmung ist trotz Notfallspray nicht besser geworden
Ursachen
Hauptursachen
- Asthma – eine entzündliche Erkrankung der Atemwege, oft mit Allergien verbunden
- COPD – dauerhaft verengte Atemwege meist durch Rauchen verursacht
- Atemwegsinfektionen wie Bronchitis oder Erkältungen
- Allergien zum Beispiel auf Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare
- Reizstoffe wie Tabakrauch, Staub, Abgase oder starke Gerüche
- Körperliche Anstrengung oder kalte Luft
Risikofaktoren
- Bekannte Asthma- oder COPD-Erkrankung
- Rauchen oder Passivrauchen
- Allergien
- Zu frühe Geburt oder Lunge nicht vollständig ausgereift
- Schlechte Luftqualität
- Stress oder starke emotionale Belastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Ihre Notfallmedikation häufig brauchen und es nicht besser wird
- Wenn Sie Fieber über 38,5 °C mit Atemnot haben
- Wenn Sie nur noch kurze Sätze sprechen können, ohne Luft zu bekommen
- Wenn sich Ihre Lippen oder Fingernägel verfärben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn zum ersten Mal pfeifende Atmung auftritt
- Wenn Wheeze-Schübe öfter als zwei Mal pro Woche auftreten
- Wenn Sie regelmäßig Ihren Bedarfspray brauchen oder dieser nicht mehr wirkt
- Wenn Sie Ihren Asthma- oder COPD-Selbstmanagementplan anpassen möchten
- Wenn ein Kind wiederholt pfeifende Atmung hat, sollten Sie das Kinderarztteam kontaktieren
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und hört Ihre Lunge ab. Wichtig ist, zu beschreiben, wann das Pfeifen auftritt: nachts, nach Sport, bei Kontakt mit Tieren oder bei Infekten. Die Diagnose wird meist durch Lungenfunktionstests gesichert. Dabei wird gemessen, wie viel Luft Sie in welcher Zeit ausatmen können. Oft wird auch eine Messung mit einem Pulsoximeter gemacht, um den Sauerstoffgehalt im Blut zu prüfen.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktion (Spirometrie): Sie blasen in ein Gerät, das die Lungenleistung misst
- FeNO-Messung: Eine Messung der Atemluft, um Entzündungen in den Atemwegen zu erkennen
- Peak-Flow-Messung: Ein Kleingerät zu Hause, das den Atemfluss misst
- Allergietest, wenn ein allergischer Auslöser vermutet wird
- Blutbild oder Entzündungswerte, wenn ein Infekt zur Sprache kommt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein Lungenfunktionstest ist schmerzfrei und dauert etwa 15 Minuten. Sie sitzen dabei und atmen durch ein Mundstück. Die Ergebnisse zeigen, ob die Atemwege verengt sind und wie gut sie auf Medikamente reagieren. Bei einem akuten Schub wird oft schon nach den ersten Sekunden klar, wie schwer er ist. Sie erhalten dann einen Behandlungsplan – manchmal inklusive eines kurzen Testers, ob eine Überweisung zu einer Lungenspezialistin oder einem Lungenspezialisten sinnvoll ist.
Behandlung
Beim Wheeze-Schub geht es zuerst darum, die Atemwege schnell zu öffnen und wieder beruhigt atmen zu können. Die Behandlung hängt von der Ursache und der Schwere ab. Sie bekommen meist eine sogenannte Atemwegserweiterung per Spray oder Vernebler. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Bei einem leichten Schub hilft oft schon, ruhig zu sitzen und die Notfallmedikation Ihres Arztes zu verwenden. Bei einem schweren Schub muss die Behandlung im Krankenhaus erfolgen.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie alles enge Kleidungsstück ab – zum Beispiel Schal, BH oder Krawatte
- Setzen Sie sich aufrecht hin, stützen Sie sich mit den Armen auf den Oberschenkeln oder einem Tisch ab
- Atmen Sie langsam durch die Nase ein und durch die ausgestülpten Lippen wieder aus
- Trinken Sie in kleinen Schlucken warmes Wasser, um den Schleim zu lösen
- Bleiben Sie ruhig – ruhiges Atmen hilft besser als hektisches Atmen
- Falls Sie einen persönlichen Notfallplan von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt haben: Folgen Sie diesem Plan
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Medikamente verordnen, die als Spray oder Tabletten eingenommen werden. Manche Medikamente wirken schnell, öffnen die Atemwege innerhalb weniger Minuten und sind für Notfälle gedacht. Andere reduzieren die Entzündung in den Bronchien und werden täglich angewendet, um Schüben vorzubeugen. Spezifische Namen und Dosierungen sollten Sie immer mit einer Fachperson besprechen. In schweren Fällen bekommen Sie im Krankenhaus Sauerstoff oder stärkere Behandlungen über eine Atemmaske. Zur Anwendung Ihres Sprays sollte Ihnen eine Fachperson die richtige Technik zeigen – eine falsche Technik ist häufig, sieht aber einfach aus.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist fast nie notwendig bei Wheeze-Schüben. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn die Atemwege durch eine Verletzung, Tumore oder angeborene Fehlbildungen blockiert sind, könnte eine operative Untersuchung oder Behandlung erforderlich sein. Ihr Arzt wird Ihnen diese Möglichkeit im Gespräch erklären – sie ist in den allermeisten Fällen nicht nötig.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Lungenerkrankung zu leben, bedeutet, aufmerksam zu sein: Achten Sie auf Ihre Auslöser und führen Sie ein kleines Tagebuch, wenn Sie wiederkehrende Wheeze-Schübe haben. So finden Sie heraus, ob bestimmte Situationen die Beschwerden fördern. Bessern sich Symptome zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung, kaltem Wetter oder in bestimmten Räumen, können Sie gezielt gegensteuern. Ein regelmäßiger Check bei Ihrer Hausarztpraxis ist genauso wichtig wie ein gesunder Schlaf und genug Trinken.
Tipps für den Alltag
- Wenn Sie rauchen: Suchen Sie Unterstützung beim Aufhören – dies ist der wichtigste Schritt bei Asthma oder COPD
- Halten Sie Ihr Gewicht im gesunden Bereich, da Überdruck auf den Bauch die Atmung erschwert
- Vermeiden Sie starke Gerüche, Rauch in Räumen und Luftfeuchtigkeit in der Wohnung
- Stauben Sie regelmäßig und waschen Sie Bettwäsche heiß, wenn Hausstauballergie eine Rolle spielt
- Planen Sie bei Pollenflug oder starker Kälte Ihre Aktivitäten um
- Lassen Sie eventuell eine Inhalationstechnik für Ihre Sprays einmal in der Arztpraxis kontrollieren
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Bei einer Allergie auf bestimmte Lebensmittel sollten Sie diese meiden – aber handeln Sie dabei nicht ohne Rücksprache, weil unnötige Einschränkungen zu Nährstoffmangel führen können. Bewegung ist ausdrücklich erlaubt! Laufen, Radfahren, Schwimmen – solange Sie auf Ihre Atmung achten und die Intensität langsam steigern. Ihr Arzt kann Ihnen sagen, ob Sie vor dem Sport Ihr Bedarfsspray verwenden sollen. Ein Lungenfunktionstest unter Belastung kann zeigen, wie weit Sie gehen können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Atemnot löst bei fast allen Menschen Angst aus. Es ist ein normales Gefühl, sich Sorgen zu machen – aber Angst kann selbst die Atemnot verstärken. Viele Menschen mit Lungenerkrankungen schämen sich für ihr Husten oder Pfeifen, oder vermeiden soziale Situationen. Das ist verständlich. Sprechen Sie offen darüber mit Ihrem Umfeld. Geistige Entspannungsübungen, Atemtherapie oder eine verhaltenstherapeutische Begleitung können helfen, Sicherheit zurückzugewinnen. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann Sie hier beraten.
Vorbeugung
Wheeze-Schübe lassen sich nicht immer zu 100 % verhindern, aber mit einer guten Basistherapie oft deutlich reduzieren. Wichtig ist, die regelmäßige tägliche Medikation, die Ihr Arzt verordnet hat, auch dann einzunehmen, wenn Sie gerade keine Beschwerden haben. Zusätzlich hilft es, Ihre Auslöser zu meiden und einen schriftlichen Notfallplan zu haben. Wenn ein Wetterumschwung kommt oder eine Erkältung beginnt, handeln Sie schneller – zum Beispiel, indem Sie frühzeitig Ihren Arzt ansprechen.
Impfungen
Impfungen sind wichtig, weil Atemwegsinfektionen Wheeze-Schübe auslösen können. Die ständige Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen meist jährlich. Eine Impfung gegen Pneumokokken wird ebenfalls oft empfohlen. Auch eine COVID-19-Impfung ist für Menschen mit Atemwegserkrankungen sinnvoll – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihren Impfstatus.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie bereits eine Lungenerkrankung haben, gehören regelmäßige Lungenfunktionskontrollen zu Ihrem Behandlungsplan – zum Beispiel einmal jährlich. Bei anhaltendem Husten oder wiederholten Wheeze-Schüben kann Ihr Arzt eine Röntgenaufnahme der Lunge oder eine CT-Untersuchung anordnen. Bei Erwachsenen mit neu aufgetretenem Wheeze und ohne Asthma in der Vorgeschichte ist ein Gesundheitscheck sinnvoll, um eine Herzbeteiligung auszuschließen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwerer Asthma-Anfall, der zu Sauerstoffmangel im Körper führt
- Bei COPD: wiederkehrende Verschlechterungen, die Krankenhausaufenthalte nötig machen
- Überblähung der Lunge oder Lungenentzündung
- Chronische Atemschwäche, die im Alltag einschränkt
- Bei Kindern: Entwicklungsverzögerung oder deformierte Brustwand durch dauerhaft schweres Atmen
Langzeitprognose
Auch wenn Wheeze-Schübe beängstigend sein können: Die meisten Menschen haben gute Chancen, mit der richtigen Behandlung stabil zu werden. Ein Schub muss auf Dauer kein Zeichen einer Verschlechterung sein – wichtig ist, die Ursachen zu verstehen und die Basistherapie konsequent durchzuführen. Die Lunge erholt sich oft gut, und viele Menschen führen ein aktives Leben mit einem gut eingestellten Asthma oder einer gut behandelten COPD. Die Medizin hat große Fortschritte gemacht, sodass schwere Schübe heutzutage selten zu dauerhaften Schäden führen. Sie haben es in der Hand – zusammen mit Ihrem Behandlungsteam.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.