Keuchen in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Keuchen – auch Giemen genannt – ist ein pfeifendes Geräusch beim Atmen. Es entsteht, wenn die Atemwege in der Lunge verengt sind. In der Schwangerschaft macht es sich oft beim Ausatmen bemerkbar. Keuchen sollte immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn es nur gelegentlich auftritt.
Wichtige Fakten
- Keuchen ist kein normales Schwangerschaftssymptom – auch wenn Hormone und das wachsende Baby die Atmung beeinflussen können.
- Die häufigste Ursache ist Asthma, das sich während der Schwangerschaft verändern kann.
- Mit guter ärztlicher Begleitung ist eine Schwangerschaft mit Asthma in den meisten Fällen unkompliziert.
Keuchen in der Schwangerschaft ist nicht selten. Besonders betroffen sind Frauen, die bereits ein Asthma haben oder zu Allergien neigen. Auch bei Erkältungen oder Atemwegsinfekten kann es vorübergehend auftreten.
Es betrifft vor allem schwangere Frauen mit vorbestehendem Asthma. Aber auch Frauen mit Allergien, Übergewicht oder einer akuten Atemwegsinfektion können in der Schwangerschaft keuchen.
Symptome
- Plötzliche und starke Atemnot – Sie können kaum noch sprechen oder nur in kurzen Sätzen atmen
- Bläulich verfärbte Lippen, Zunge oder Fingerspitzen
- Starke Schmerzen in der Brust, die in Arm, Rücken oder Kiefer ausstrahlen
- Bewusstlosigkeit oder starke Verwirrtheit
- ⚠Keuchen, das nicht besser wird oder zunimmt – rufen Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt an
- ⚠Zusätzliches Fieber ab 38,5 °C oder eitriger Auswurf beim Husten
- ⚠Schwindelgefühl, Herzrasen oder starke Angst, nicht genug Luft zu bekommen
- ⚠Spürbar weniger Bewegungen Ihres Kindes – wenden Sie sich umgehend an Ihre Klinik
Häufige Symptome
- Ein pfeifendes oder zischendes Geräusch beim Ausatmen
- Ein Gefühl von Enge oder Druck in der Brust
- Kurzatmigkeit, besonders bei körperlicher Anstrengung
- Trockener Husten, oft nachts oder beim Lachen
- Schnellere und flachere Atmung
Ursachen
Hauptursachen
- Asthma: Die häufigste Ursache für wiederkehrendes Keuchen in der Schwangerschaft
- Atemwegsinfekte: Eine Erkältung oder Bronchitis kann die Atemwege vorübergehend verengen
- Allergien: Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare reizen die Bronchien
- Schwangerschaftsbedingungen: Hormone und das wachsende Baby drücken auf das Zwerchfell – typisches Keuchen entsteht dadurch aber nur selten
Risikofaktoren
- Asthma oder Allergien in der eigenen Krankengeschichte
- Rauchen oder regelmäßige Belastung durch Passivrauch
- Übergewicht vor der Schwangerschaft
- Arbeitsplatz mit reizenden Stäuben, Dämpfen oder Chemikalien
- Häufige Atemwegsinfekte, zum Beispiel in den Wintermonaten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Keuchen tritt zum ersten Mal mitten in der Schwangerschaft auf
- Bekanntes Asthma verschlechtert sich und die übliche ärztlich verordnete Behandlung hilft nicht mehr ausreichend
- Sie haben zusätzlich Fieber, Husten mit Auswurf oder Schmerzen beim Atmen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie keuchen immer wieder – zum Beispiel nachts, beim Treppensteigen oder bei Allergenen
- Sie sind unsicher, ob Ihre Asthmamedikamente in der Schwangerschaft weiter angewendet werden dürfen
- Sie möchten wissen, welche Atemübungen oder welche Bewegung für Sie gut sind
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst ausführlich nach Ihren Beschwerden und hört danach Lunge und Herz mit dem Stethoskop ab. Mit einer kleinen Klemme am Finger wird die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen. Das zeigt schnell, ob Sie ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktionstest (Spirrometrie): Sie atmen kräftig in ein Gerät, das die Lungengröße und den Luftfluss misst
- Peak-Flow-Messung: Ein kleines Handgerät zeigt, wie schnell Sie ausatmen können – das können Sie später zu Hause selbst wiederholen
- Allergietest: Wenn eine Allergie vermutet wird, reicht oft eine Blutprobe oder ein Hauttest
- Blutuntersuchung: Sie zeigt Entzündungszeichen und bei starker Atemnot die Blutgase
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Alle genannten Untersuchungen sind für Sie und Ihr ungeborenes Kind sicher. Sie bekommen genügend Zeit für Fragen. Nach der Untersuchung bespricht das Team mit Ihnen, ob eine Behandlung sinnvoll ist und wie die Schwangerschaftsvorsorge am besten darauf abgestimmt wird.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei Asthma ist das Ziel eine gute Kontrolle: Sie sollen nachts durchschlafen, sich körperlich belasten können und keine Notfälle erleben. Eine schlecht eingestellte Asthmaerkrankung ist für Mutter und Kind gefährlicher als eine gut überwachte Behandlung. Deshalb wird die Therapie individuell und in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt angepasst.
Selbsthilfe zu Hause
- Auslöser meiden: Rauch, Staub, starke Parfums, Haustiere oder Pollen möglichst reduzieren
- Oberkörper leicht erhöht schlafen, damit die Luft besser ein- und ausströmen kann
- Ruhige Atemübungen – zum Beispiel langsam durch leicht geöffnete Lippen ausatmen
- Ausreichend trinken, am besten Wasser oder ungesüßter Tee, um die Schleimhäute feucht zu halten
- Stress reduzieren: Pausen einplanen, spazieren gehen und bei Bedarf Unterstützung annehmen
Medizinische Behandlungen
Wenn ein Asthma die Ursache ist, werden in der Regel inhalierbare Medikamente eingesetzt. Sie wirken direkt in den Atemwegen und nur wenig im übrigen Körper. Es gibt Wirkstoffe, die akut die verengten Atemwege erweitern, und Wirkstoffe, die eine Entzündung in den Bronchien dauerhaft hemmen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wählt das passende Medikament für die Schwangerschaft aus und erklärt die Anwendung. Bei einem schweren Schub kann im Krankenhaus zusätzlich Sauerstoff gegeben werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Keuchen in der Schwangerschaft so gut wie nie nötig. Nur in sehr seltenen Notfällen – zum Beispiel bei einer Lungenembolie – kann ein Eingriff erforderlich werden. Das bespricht das Krankenhausteam dann ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie Ihr Keuchen ernst, aber lassen Sie nicht die Angst den Alltag bestimmen. Führen Sie ein kleines Tagebuch: Wann tritt das Keuchen auf? Was hat geholfen? Das hilft der Ärztin oder dem Arzt bei der Behandlung. Halten Sie Ihre verordneten Medikamente bereit und setzen Sie sie genau nach Absprache ein.
Tipps für den Alltag
- Verzichten Sie auf Zigaretten und meiden Sie Räume, in denen geraucht wird
- Sorgen Sie für gute Luft zu Hause: regelmäßig stoßlüften, keine starken Lufterfrischer oder Reinigungsmittel im Schlafzimmer
- Wechseln Sie Anstrengung und Pausen bewusst ab, um Überlastung zu vermeiden
- Suchen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel im Haushalt oder bei Besorgungen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn unterstützt Ihr Immunsystem. Leichte Bewegung – wie Spazierengehen, Schwimmen oder sanftes Yoga – kann die Atmung kräftigen. Hören Sie auf Ihren Körper und machen Sie sofort eine Pause, wenn Sie keuchen oder aus der Puste geraten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Keuchen in der Schwangerschaft verursacht oft Sorgen – um die eigene Gesundheit und die des Kindes. Das ist verständlich. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme. Falls Ängste oder eine gedrückte Stimmung länger anhalten, ist professionelle Unterstützung ein wichtiger und mutiger Schritt. In akuten Krisen können Sie in Deutschland rund um die Uhr die Telefonseelsorge anrufen – die Nummer finden Sie kostenlos im Internet oder im Telefonbuch.
Vorbeugung
Keuchen lässt sich nicht immer vollständig verhindern. Sie können das Risiko aber deutlich senken: durch konsequente Asthmakontrolle, Rauchverzicht und das Meiden bekannter Allergieauslöser. Auch eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf und Bewegung stärkt die Atemwege.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission empfiehlt allen Schwangeren eine Grippeimpfung (Influenza-Impfung). Sie schützt Sie und über die Übertragung von Antikörpern auch Ihr Baby in den ersten Lebensmonaten. Besprechen Sie den aktuellen Impfschutz am besten bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung.
Früherkennungsprogramme
Im Rahmen der Vorsorge werden Blutdruck, Urin und das Wachstum des Kindes regelmäßig überwacht. Bei Atemwegsbeschwerden sollten zusätzlich die Lungenfunktion und die Sauerstoffsättigung überprüft werden – das kann auch in einer Lungenfachpraxis passieren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine unzureichende Sauerstoffversorgung kann das Wohlbefinden des ungeborenen Kindes beeinträchtigen
- Unbehandeltes Asthma erhöht das Risiko für Schwangerschaftshochdruck oder eine Frühgeburt
- Wiederholte Atemwegsinfekte können die Lunge dauerhaft empfindlich machen
Langzeitprognose
Die allermeisten Frauen mit Keuchen oder Asthma erleben eine gesunde Schwangerschaft und bekommen ein gesundes Kind. Wichtig ist die regelmäßige ärztliche Kontrolle und die Bereitschaft, die Behandlung den Veränderungen der Schwangerschaft anzupassen. Gut behandelt ist gut geschützt – und das ist ein starkes und positives Ziel.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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