Röntgenuntersuchung bei männlicher Unfruchtbarkeit: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Männliche Unfruchtbarkeit bedeutet, dass ein Mann trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über ein Jahr hinweg keine Schwangerschaft erzielt. Eine Röntgenuntersuchung ist ein Verfahren, das mit Röntgenstrahlen Bilder aus dem Körper erstellt. Bei der Abklärung von Unfruchtbarkeit wird sie gezielt eingesetzt – zum Beispiel, um verstopfte Samenwege zu erkennen.
Wichtige Fakten
- Eine Röntgenaufnahme ist nicht der erste Schritt bei der Abklärung von Kinderwunsch – sie folgt erst nach anderen Untersuchungen.
- Mit einem Kontrastmittel im Röntgenbild kann man feine Kanäle im Hoden- und Samenbereich sichtbar machen.
- Ein einzelnes Röntgenbild im Rahmen der Diagnostik ist in der Regel strahlenarm und die Strahlenbelastung ist gering.
Unfruchtbarkeit beim Mann ist keine Seltenheit. Etwa jedes fünfte Paar mit Kinderwunsch bleibt zunächst kinderlos, und in etwa der Hälfte dieser Fälle spielt der Mann eine Rolle mit. Eine Röntgenuntersuchung ist dabei jedoch selten notwendig.
Betroffen sind Männer jeden Alters, die sich ein Kind wünschen. Im höheren Alter lässt die Fruchtbarkeit nach, aber eine Röntgenuntersuchung zur Abklärung wird unabhängig vom Alter nur nach bestimmten Vorbefunden durchgeführt.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen oder Schwellung im Hoden – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Eine Hodenverdrehung (Hodentorsion) ist ein Notfall – sie macht sich durch heftige Schmerzen und eine Rötung bemerkbar.
- Wenn der Hoden anschwillt und Übelkeit oder Erbrechen dazukommt, handeln Sie sofort.
- ⚠Blut in der Samenflüssigkeit – suchen Sie am selben Tag einen Arzt auf.
- ⚠Ein neu entdeckter Knoten oder eine harte Stelle am Hoden – das sollte innerhalb eines Tages abgeklärt werden.
- ⚠Fieber zusammen mit Schmerzen im Genitalbereich – das spricht für eine Infektion und gehört zeitnah in ärztliche Behandlung.
Häufige Symptome
- Das auffälligste Zeichen ist: Eine Schwangerschaft bleibt trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über zwölf Monate aus.
- Manchmal gibt es zusätzlich sichtbare oder tastbare Veränderungen am Hoden, wie eine Schwellung oder einen Knoten.
- Auch Schmerzen oder ein Ziehen im Unterbauch oder im Hodenbereich können auftreten – müssen es aber nicht.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird keine Unfruchtbarkeit festgestellt. Eine Röntgenaufnahme der Hoden kann aber nach einem Unfall oder bei einem Hodenhochstand nötig sein – dann geht es um die Entwicklung, nicht um Fruchtbarkeit.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern sind Ursachen wie Diabetes oder eine Prostataerkrankung häufiger. Eine Röntgenuntersuchung wird, wenn nötig, nach denselben Regeln durchgeführt wie bei jüngeren Männern.
Ursachen
Hauptursachen
- Verstopfte Samenwege: Ein Verschluss kann verhindern, dass Spermien ausgeschieden werden – das lässt sich mit einem Röntgen-Kontrastmittel erkennen.
- Hormonstörungen: Botenstoffe im Körper sind aus dem Gleichgewicht, was die Spermienproduktion beeinträchtigt.
- Krampfadern am Hoden (Varikozele): Sie können den Hoden aufwärmen und die Samenqualität stören.
- Infektionen oder frühere Operationen im Genitalbereich können Narben hinterlassen.
Risikofaktoren
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Längerer Aufenthalt in sehr warmer Umgebung (Sauna, heiße Bäder, Laptop auf dem Schoß)
- Stress und Schlafmangel
- Bestimmte Medikamente, Drogen oder eine Chemotherapie
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen starken Schmerzen oder Schwellungen am Hoden
- Bei Blut in der Samenflüssigkeit
- Bei Fieber zusammen mit Schmerzen im Genitalbereich
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie und Ihre Partnerin seit mindestens einem Jahr ungeschützt Geschlechtsverkehr haben, ohne dass eine Schwangerschaft eintritt
- Wenn Sie eine Vorerkrankung haben, die die Fruchtbarkeit beeinflusst (zum Beispiel Diabetes, Hodenhochstand in der Kindheit)
- Bevor Sie eine Kinderwunschklinik aufsuchen, für eine erste Abklärung
Diagnose
Die Diagnose über männliche Unfruchtbarkeit beginnt nicht mit dem Röntgen. Zuerst werden die Krankengeschichte aufgenommen, die Geschlechtsorgane untersucht und eine Samenprobe im Labor analysiert. Erst wenn der Verdacht auf eine Verstopfung der Samenwege besteht, kann eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel – die Vasographie – sinnvoll sein. Dabei wird ein Kontrastmittel in die Samenleiter gespritzt und dann ein Röntgenbild erstellt.
Mögliche Untersuchungen
- Spermiogramm: Untersuchung der Samenprobe auf Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien
- Tastuntersuchung der Hoden und Nebenhoden durch den Arzt
- Ultraschall des Hodens und der Prostata
- Blutuntersuchung der Hormone (z.B. Testosteron, FSH und LH)
- Vasographie: Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel bei Verdacht auf verstopfte Samenwege
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Eine Vasographie wird ambulant durchgeführt. Sie erhalten eine örtliche Betäubung. Ein dünner Schlauch wird in den Samenleiter eingeführt, dann injiziert der Arzt ein Kontrastmittel. Dabei spüren Sie möglicherweise ein leichtes Druckgefühl. Danach wird das Röntgenbild ausgewertet. Der Eingriff dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten. Im Anschluss können Sie nach Hause gehen, sollten aber am Tag danach nicht schwer heben oder Sport treiben.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Eine Röntgenuntersuchung liefert nur eine Diagnose – die Therapie richtet sich danach. Verstopfte Samenwege lassen sich unter Umständen operativ öffnen. Bei Hormonstörungen kann eine Hormontherapie helfen, bei Infektionen werden – nach ärztlicher Anweisung – Medikamente eingesetzt. Wenn eine natürliche Schwangerschaft nicht möglich ist, gibt es moderne Verfahren der künstlichen Befruchtung.
Selbsthilfe zu Hause
- Auf Zigaretten verzichten, Alkohol nur gelegentlich
- Stress bewusst abbauen, z.B. durch Spaziergänge oder Entspannungsübungen
- Lockere Unterwäsche tragen und übermäßige Hitze im Hodenbereich vermeiden
- Bei Kinderwunsch den Zeitpunkt des Eisprungs der Partnerin berücksichtigen
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache eingesetzt werden. Dazu gehören Hormonpräparate, die die Spermienproduktion anregen, Medikamente gegen Infektionen oder – bei verstopften Samenwegen – eine operative Korrektur. Zusätzlich kommen assistierte Fortpflanzungsverfahren in Betracht, bei denen Spermien in der Klinik aufbereitet und für eine Befruchtung verwendet werden. Die genaue Behandlungsstrategie wird immer individuell abgestimmt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn eine Verstopfung vorliegt, die chirurgisch geöffnet werden kann, oder bei einer ausgeprägten Krampfader am Hoden. Auch wenn ein früherer Eingriff zu Verklebungen geführt hat, kann eine Operation die Spermienwege wieder durchgängig machen.
Leben mit der Erkrankung
Die Diagnose unerfüllter Kinderwunsch belastet viele Paare. Es hilft, sich feste Gesprächszeiten mit der Partnerin zu nehmen und sich auch schöne Aktivitäten zu gönnen. Nach einer Röntgenuntersuchung können Sie sofort wieder normal essen und sich bewegen. Sollten an der Einstichstelle kleine Beschwerden auftreten, klingt das meist schnell ab.
Tipps für den Alltag
- Tägliche Bewegung einplanen, z.B. Spaziergänge oder Radfahren
- Ausreichend schlafen und Stress vermeiden
- Zigaretten und Alkohol reduzieren
- Bei Medikamenten Rücksprache mit dem Arzt halten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn und Nüssen unterstützt die Spermienqualität. Gute Nährstoffe sind Zink, Selen und Folsäure – diese kommen in einem gesunden Speiseplan meist natürlicherweise vor. Moderater Ausdauersport wie Schwimmen oder Nordic Walking hält das Gewicht stabil und tut der Seele gut.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann Trauer, Wut und Scham auslösen. Diese Gefühle sind normal und gehören zur Belastung dazu. Es ist wichtig, sich nicht zu isolieren. Psychologische Beratung kann helfen, den Druck zu verringern. Wenn die Krise sehr stark wird oder Gedanken an Selbstverletzung auftauchen, wenden Sie sich bitte sofort an einen Arzt oder rufen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Eine männliche Unfruchtbarkeit lässt sich nicht in jedem Fall verhindern, weil auch genetische oder angeborene Ursachen eine Rolle spielen. Ein gesunder Lebensstil und der Verzicht auf schädliche Substanzen können die Chancen auf eine gute Spermienqualität jedoch verbessern.
Früherkennungsprogramme
Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung speziell zur Früherkennung von Unfruchtbarkeit gibt es nicht. Erst wenn ein Kinderwunsch besteht und die Schwangerschaft ausbleibt, beginnt die Abklärung. Dabei wird auch auf mögliche Ursachen geachtet, die behandelt werden können.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine unbehandelte Verstopfung der Samenwege verschwindet nicht von allein – dadurch bleibt der Kinderwunsch möglicherweise unerfüllt.
- Eine Infektion im Genitalbereich kann sich unbehandelt ausbreiten und dauerhafte Schäden verursachen.
- Unbehandelte Hormonstörungen können das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen, z.B. durch Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Viele Formen von männlicher Unfruchtbarkeit sind behandelbar. Selbst wenn auf natürlichem Weg keine Schwangerschaft entsteht, ist die Wahrscheinlichkeit mit Unterstützung einer Kinderwunschklinik heute oft hoch. Lassen Sie sich fachkundig beraten – es gibt gute Perspektiven.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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