Nephritis (Nierenentzündung) – Was der Ultraschall zeigt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Nephritis ist eine Entzündung der Nieren. Die Nieren sind zwei bohnenförmige Organe, die das Blut filtern und Abfallstoffe als Urin ausscheiden. Bei einer Entzündung arbeiten die Nieren nicht richtig. Ein Ultraschall ist eine schmerzfreie Untersuchung, bei der mit Schallwellen Bilder der Nieren erstellt werden. Der Arzt kann damit sehen, ob die Nieren geschwollen oder verändert sind.
Wichtige Fakten
- Nephritis kann akut (plötzlich) oder chronisch (langsam fortschreitend) auftreten.
- Ein Nieren-Ultraschall ist oft der erste Schritt, um die Nieren zu beurteilen.
- Die Untersuchung ist strahlenfrei und dauert etwa 15–30 Minuten.
Nephritis ist nicht sehr häufig, aber auch nicht selten. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 2 bis 3 von 10.000 Menschen an einer akuten Nierenentzündung.
Nephritis kann Menschen jeden Alters betreffen. Besonders häufig tritt sie nach einer bakteriellen Infektion (z.B. Mandelentzündung) auf. Auch Menschen mit Autoimmunerkrankungen oder Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder Brustschmerzen
- Krampfanfälle
- Kein Urin über 12 Stunden (auch bei Kindern)
- Bewusstlosigkeit
- ⚠Fieber über 39 °C mit Schüttelfrost
- ⚠Starke Schmerzen im Rücken oder Unterbauch
- ⚠Blut im Urin (sichtbar rot)
- ⚠Starke Schwellungen in den Beinen oder im Gesicht
Häufige Symptome
- Schmerzen im Rücken oder in der Flanke (Seite des Rückens)
- Geschwollene Beine, Knöchel oder Augenlider (Ödeme)
- Trüber oder rötlicher Urin (Blut im Urin)
- Wenig Urin oder häufiger Harndrang
- Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl
Symptome bei Kindern
- Fieber und Schüttelfrost
- Erbrechen oder Übelkeit
- Schmerzhaftes Wasserlassen
- Blasse Haut
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche geistige Trübung
- Wenig Urinproduktion
- Starke Wassereinlagerungen in den Beinen
- Blutdruckabfall
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterielle Infektionen, z.B. nach einer nicht behandelten Mandelentzündung (Poststreptokokken-Glomerulonephritis)
- Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem die Nieren angreift (z.B. Lupusnephritis)
- Bestimmte Medikamente oder Giftstoffe
- Viren wie Grippe oder Hepatitis
Risikofaktoren
- Vor kurzem überstandene Infektion, besonders mit Streptokokken (z.B. Scharlach)
- Bestehende Nierenerkrankungen oder Diabetes
- Hoher Blutdruck
- Familienanamnese von Nierenerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei den genannten Notfallsymptomen sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei Anzeichen einer schweren Nierenentzündung (z.B. kein Urin, starke Schmerzen) noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie neu auftretende Rückenschmerzen, Schwellungen oder Veränderungen des Urins bemerken, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin bei Ihrem Hausarzt.
- Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, lassen Sie Ihre Nieren regelmäßig von Ihrem Arzt überprüfen.
Diagnose
Der Arzt stellt die Verdachtsdiagnose aufgrund Ihrer Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Zur Bestätigung werden Urin- und Bluttests durchgeführt. Ein Nieren-Ultraschall ist ein wichtiges bildgebendes Verfahren: Er zeigt, ob die Nieren vergrößert, geschwollen oder von Narben verändert sind.
Mögliche Untersuchungen
- Urintest auf Eiweiß (Protein) und Blut (Erythrozyten)
- Bluttest auf Kreatinin und Harnstoff (Nierenwerte)
- Ultraschall der Nieren (Nierensonographie)
- Gegebenenfalls weiterführende Bildgebung oder Nierenbiopsie (Gewebeprobe)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Beim Nieren-Ultraschall liegen Sie auf einer Liege. Der Arzt trägt etwas Gel auf Ihre Haut und führt einen kleinen Schallkopf über Ihren Rücken und Ihre Seite. Sie spüren leichten Druck, aber keine Schmerzen. Die Untersuchung dauert etwa 20 Minuten. Danach können Sie das Gel abwischen und sofort nach Hause gehen. Sie müssen nicht nüchtern sein, trinken Sie aber vorher genug, damit die Nieren gut gefüllt sind.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Nephritis. Ziel ist es, die Entzündung zu stoppen, die Nierenfunktion zu erhalten und Komplikationen zu vermeiden. Viele Formen der Nierenentzündung heilen mit Medikamenten und Ruhe aus. Chronische Nephritis erfordert oft eine langfristige Betreuung.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel Ruhe und Schonung, besonders in der akuten Phase
- Ausreichend trinken (mindestens 1,5 Liter pro Tag, wenn vom Arzt nicht anders verordnet)
- Auf salzreiche Nahrung verzichten (schont die Nieren)
- Regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Urin zu Hause
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache können Antibiotika gegen bakterielle Infektionen, entzündungshemmende Medikamente oder Immunsuppressiva (Mittel, die die Immunreaktion dämpfen) zum Einsatz kommen. Bei Autoimmunerkrankungen kann eine Therapie mit Kortison oder anderen Immunmodulatoren nötig sein. Wichtig: Alle Medikamente werden streng ärztlich verordnet und überwacht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Nephritis nur in seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn sich ein Nierenabszess (Eiteransammlung) bildet oder die Nierenarterie verengt ist. In der Regel wird die Nephritis medikamentös behandelt.
Leben mit der Erkrankung
Wenn die Entzündung abgeklungen ist, können Sie Ihren Alltag meist wieder normal gestalten. Achten Sie darauf, Ihre Nieren nicht zu überfordern: Meiden Sie starke körperliche Anstrengung und Stress in der Genesungsphase. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wann Sie wieder Sport treiben dürfen.
Tipps für den Alltag
- Bluthochdruck vermeiden – regelmäßig messen
- Nicht rauchen und wenig Alkohol trinken
- Auf eine ausgewogene, salzarme Ernährung achten
- Infektionen frühzeitig behandeln lassen (z.B. Harnwegsinfekte)
Ernährung und Bewegung
Eine nierenschonende Ernährung enthält wenig Salz und ausreichend Flüssigkeit (es sei denn, der Arzt rät zu einer Trinkmengebeschränkung). Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren fördert die Durchblutung. Vermeiden Sie jedoch Sport mit starken Stößen (z.B. Joggen auf hartem Boden) in der akuten Phase.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Nierenerkrankung kann Ängste und Unsicherheit auslösen. Viele Menschen machen sich Sorgen um die Nierenfunktion. Es ist normal, sich verunsichert zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Psychologen – Unterstützung hilft.
Vorbeugung
Nicht alle Formen der Nephritis lassen sich verhindern. Sie können das Risiko aber senken, indem Sie Infekte wie Mandelentzündungen frühzeitig behandeln lassen und auf eine gute Hygiene achten. Bei Autoimmunerkrankungen ist eine enge ärztliche Kontrolle wichtig.
Impfungen
Impfen lassen gegen Grippe und Pneumokokken kann schwere Infektionen verhindern, die eine Nephritis auslösen können. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (z.B. Diabetes, Bluthochdruck), sollten Sie regelmäßig Ihre Nierenwerte und Ihren Blutdruck kontrollieren lassen. Ein einfacher Urintest kann Frühzeichen erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) – die Nieren verlieren allmählich ihre Filterfunktion
- Nierenversagen – die Nieren stellen ganz die Arbeit ein
- Bluthochdruck, der schwer einzustellen ist
- Eiweißverlust über den Urin (nephrotisches Syndrom)
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger Behandlung ist bei den meisten Formen der Nephritis eine vollständige Heilung möglich. Bei chronischen Verläufen kann die Nierenfunktion oft über Jahre stabil gehalten werden. Die Medizin hat heute viele wirksame Möglichkeiten, die Nieren zu schützen. Auch wenn eine Nierenersatztherapie (Dialyse) nötig wird, können Betroffene ein erfülltes Leben führen. Bleiben Sie zuversichtlich – Ihr Behandlungsteam begleitet Sie.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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