PCOS und Röntgen: Was Sie über die Diagnose wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist eine häufige hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter. „Polyzystisch“ bedeutet „viele kleine Bläschen“ – diese entstehen, wenn Eibläschen nicht regelmäßig heranreifen und in den Eierstöcken verbleiben. Ein Röntgenbild ist zur Diagnose nicht geeignet: Es zeigt Knochen und dichte Gewebe, aber keine Eierstöcke. Stattdessen werden Ultraschall (Sonografie) und Blutuntersuchungen eingesetzt.
Wichtige Fakten
- Röntgen spielt bei der PCOS-Diagnose keine Rolle.
- PCOS betrifft etwa 5 bis 10 von 100 Frauen im gebärfähigen Alter.
- Eine frühe Erkennung und Behandlung kann langfristige Beschwerden wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.
Ja, PCOS ist eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen. Schätzungsweise 5–10 % der Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen.
PCOS kann jede Frau nach der ersten Regelblutung betreffen – meist stellen sich die ersten Anzeichen in der späten Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter ein. Auch Mädchen vor dem 16. Lebensjahr können betroffen sein, aber viele Symptome treten erst ab der Pubertät auf.
Symptome
- Starke, plötzlich einsetzende Unterleibsschmerzen (mögliches Zeichen für eine Eileiterschwangerschaft oder geplatzte Zyste)
- Ohnmacht oder sehr starkes Schwächegefühl
- Sehr starke, anhaltende Scheidenblutung (mehr als 1 Binde oder Tampon pro Stunde wird nass) – rufen Sie den Notruf 112, wenn Sie sich nicht sicher sind
- ⚠Fieber zusammen mit Unterleibsschmerzen (mögliches Zeichen einer Infektion)
- ⚠Anzeichen einer Depression oder Gedanken an Selbstverletzung – suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe oder rufen Sie die Telefonseelsorge an
- ⚠Wenn Sie mehrere Monate keine Monatsblutung hatten und eine Schwangerschaft möglich ist
Häufige Symptome
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationsblutungen (weniger als 8 Zyklen pro Jahr)
- Erhöhte männliche Geschlechtshormone (Androgene), erkennbar an vermehrter Körper- und Gesichtsbehaarung, Akne oder fettiger Haut
- Schwierigkeiten, schwanger zu werden (unerfüllter Kinderwunsch)
- Gewichtszunahme, besonders am Bauch (viszerales Fett)
- Viele kleine Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken, die im Ultraschall sichtbar werden (nicht im Röntgen)
Symptome bei Kindern
- Bei Mädchen vor der Pubertät ist PCOS selten. Erste Anzeichen können unregelmäßige Monatsblutungen nach der ersten Periode sein.
- Auch übermäßige Körperbehaarung oder starke Akne können in der Pubertät auf hormonelle Veränderungen hinweisen.
- Ein Röntgenbild wird hier nie verwendet – auch bei Mädchen nicht.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Frauen in den Wechseljahren lassen die typischen PCOS-Beschwerden oft nach, weil die Hormonproduktion abnimmt.
- Langzeitfolgen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen können aber bestehen bleiben und sollten ärztlich überwacht werden.
- Eine Röntgenuntersuchung der Eierstöcke ist auch in diesem Alter nicht sinnvoll.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von PCOS ist noch nicht vollständig geklärt.
- Eine familiäre Veranlagung spielt eine Rolle: PCOS tritt in manchen Familien gehäuft auf.
- Bei PCOS reagiert der Körper weniger empfindlich auf das Hormon Insulin (Insulinresistenz) – das begünstigt vermehrte Androgenbildung und das Entstehen vieler kleiner Follikel.
Risikofaktoren
- Übergewicht oder starkes Untergewicht
- Familiäre Vorgeschichte von PCOS oder Typ-2-Diabetes
- Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung (können die Insulinresistenz verstärken)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig sehr starke Schmerzen im Unterleib haben, insbesondere wenn sie plötzlich auftreten und nicht nachlassen
- Wenn Sie mehrere Monate keine Monatsblutung hatten und eine Schwangerschaft möglich ist – das kann auch auf andere Probleme hinweisen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihr Zyklus anhaltend unregelmäßig ist (z. B. länger als 35 Tage oder weniger als 8 Zyklen pro Jahr)
- Wenn Sie vermehrte Körperbehaarung, Akne oder Haarausfall am Kopf bemerken
- Wenn Sie einen unerfüllten Kinderwunsch haben und schon seit 12 Monaten regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten
Diagnose
Die Diagnose PCOS wird anhand der sogenannten Rotterdam-Kriterien gestellt. Es müssen mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sein: (1) unregelmäßige oder ausbleibende Eisprünge, (2) im Ultraschall sichtbar viele Follikel in den Eierstöcken oder erhöhte Androgen-Werte im Blut, (3) typische Androgen-Symptome wie vermehrte Körperbehaarung oder Akne. Ein Röntgenbild ist für die Diagnose nicht notwendig und wird nicht verwendet. Die Ultraschalluntersuchung ist strahlungsfrei und kann die Struktur der Eierstöcke genau darstellen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Sonografie) der Eierstöcke – entweder von außen auf dem Bauch oder als vaginaler Ultraschall
- Blutuntersuchungen: Hormonstatus (z. B. LH, FSH, Testosteron, DHEAS) und Zuckerstoffwechselwerte (z. B. Nüchtern-Blutzucker und Insulinwert)
- Ausschluss anderer Ursachen: Schilddrüsenwerte und Prolaktin (werden per Bluttest bestimmt)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Beim Arztbesuch werden zuerst Ihre Krankengeschichte und Zyklusbeschwerden aufgenommen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der Blutdruck, Gewicht und Haarwuchs beurteilt werden können. Die Ultraschalluntersuchung dauert nur wenige Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Ein Röntgenbild ist nicht Teil dieses Ablaufs.
Behandlung
Die Behandlung hängt von Ihren Symptomen und davon ab, ob Sie sich ein Kind wünschen. Grundpfeiler sind ein gesunder Lebensstil und bei Bedarf medikamentöse Unterstützung. Ziel ist es, die Hormone ins Gleichgewicht zu bringen und Folgeerkrankungen vorzubeugen. PCOS ist nicht heilbar, aber die Beschwerden lassen sich in den meisten Fällen gut behandeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung (z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen) an den meisten Tagen der Woche
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und mäßig Zucker
- Stressabbau, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder ausreichend Schlaf
- Gewicht stabil halten – bereits 5 % Gewichtsverlust können den Zyklus spürbar verbessern
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung richtet sich danach, ob Sie schwanger werden möchten oder nicht. Zum Einsatz können Hormonpräparate zur Zyklusregulation, Medikamente zur Auslösung des Eisprungs oder – bei Insulinresistenz – Wirkstoffe kommen, die die Zuckerverwertung verbessern. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird gemeinsam mit Ihnen die geeignete Option auswählen. (Auf spezifische Medikamentennamen wird hier bewusst verzichtet.)
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei PCOS nur in Ausnahmefällen nötig – zum Beispiel, um sehr große, schmerzhafte Zysten zu entfernen. Meist kommt hier eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) zum Einsatz. Ein Röntgen ist dafür nicht nötig.
Leben mit der Erkrankung
PCOS ist eine chronische, aber behandelbare Erkrankung. Im Alltag helfen ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Schlafzeiten, Bewegung und eine klare Struktur. Sie können lernen, die eigenen Symptome zu beobachten und bei Veränderungen rechtzeitig zu reagieren – zum Beispiel, wenn der Zyklus stark unregelmäßig wird.
Tipps für den Alltag
- Feste Mahlzeiten mit hochwertigen Kohlenhydraten und viel Ballaststoffen
- Tägliche Bewegung in den Alltag einbauen, z. B. die Treppe statt den Aufzug nehmen
- Auf übermäßigen Alkohol und Rauchen verzichten
- Zykluskalender oder App nutzen, um Regelblutungen zu dokumentieren
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit einem maßvollen Anteil an Kohlenhydraten kann den Blutzuckerspiegel stabilisieren und die Insulinempfindlichkeit verbessern. Kombinieren Sie das mit etwa 30 Minuten Bewegung pro Tag, zum Beispiel einem flotten Spaziergang. Vermeiden Sie extreme Diäten, sondern setzen Sie auf langfristige, kleine Veränderungen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
PCOS kann das Selbstwertgefühl belasten – besonders wenn Akne, vermehrter Haarwuchs oder Gewichtszunahme das äußere Erscheinungsbild verändern. Auch unerfüllter Kinderwunsch kann seelisch belastend sein. Es ist wichtig, Hilfsangebote anzunehmen. Ein Gespräch mit einer psychologischen Fachperson oder einer Beratungsstelle kann helfen. Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden oder Gedanken an Selbstverletzung haben, suchen Sie sofort Hilfe: über die Telefonseelsorge, Ihre örtliche psychiatrische Notaufnahme oder im Notfall über den Notruf 112.
Vorbeugung
PCOS selbst kann man nicht sicher verhindern, da die Veranlagung von Geburt an vorhanden ist. Sie können aber das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich senken: durch ein gesundes Körpergewicht, ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Das verbessert die Insulinwirkung und kann Symptome lindern.
Impfungen
Eine Impfung gegen PCOS gibt es nicht. Eine Schutzimpfung gegen HPV kann das Risiko für Gebärmutterhalskrebs senken – das ist jedoch nicht direkt mit PCOS verbunden. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Impfungen für Sie empfehlenswert sind.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Röntgen-Screening für PCOS. Frauen mit PCOS sollten jedoch regelmäßig die Frauenärztin oder den Frauenarzt aufsuchen, um Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte überprüfen zu lassen. Auch eine Ultraschalluntersuchung in bestimmten Abständen kann sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, weil häufig eine Insulinresistenz besteht
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen)
- Unfruchtbarkeit – ein unregelmäßiger Eisprung erschwert die Empfängnis, bleibt aber oft behandelbar
- Langfristig erhöhtes Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs, wenn die Gebärmutterschleimhaut über Jahre nicht regelmäßig abgestoßen wird
Langzeitprognose
Auch wenn PCOS nicht geheilt werden kann, lassen sich die meisten Beschwerden heute gut behandeln. Mit einer gesunden Lebensweise, bei Bedarf medikamentöser Unterstützung und – falls gewünscht – Kinderwunschbehandlungen haben viele Frauen mit PCOS ein erfülltes Leben und können Mutter werden. Es lohnt sich, geduldig mit sich selbst zu sein und eng mit dem Behandlungsteam zusammenzuarbeiten. Eine Röntgenuntersuchung ist bei dieser Erkrankung nicht erforderlich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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