Die Beckensonografie (Ultraschall des Beckens) einfach erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Beckensonografie – auch Beckenultraschall genannt – ist eine schmerzfreie Untersuchung mit Schallwellen. Dabei werden die Organe im unteren Bauchraum (Becken) sichtbar gemacht: bei Frauen Gebärmutter und Eierstöcke, bei Männern Prostata und Samenblasen, außerdem Blase, Teile des Darms und die umliegenden Muskeln. Das Gerät sendet unhörbare Schallwellen aus, die von den Organen zurückgeworfen werden. Ein Computer wandelt diese Echos in ein Bild um. So kann die Ärztin oder der Arzt Größe, Form und Struktur der Organe beurteilen, ohne in den Körper schneiden zu müssen.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung ist schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung.
- Es gibt zwei Wege: über die Bauchdecke oder über die Scheide (bei Frauen).
- Die Beckensonografie hilft, Ursachen von Schmerzen, Blutungen oder Blasenbeschwerden zu finden.
Ja, die Beckensonografie gehört zu den häufigsten Ultraschalluntersuchungen. Sie wird in Arztpraxen, Kliniken und Notaufnahmen täglich eingesetzt, um schnell erste Hinweise auf mögliche Erkrankungen zu bekommen.
Die Untersuchung kann bei Menschen jeden Alters durchgeführt werden – von Kindern bis zu älteren Erwachsenen. Sie wird besonders oft bei Frauen im gebärfähigen Alter eingesetzt, aber auch bei Männern, zum Beispiel bei Prostata- oder Blasenbeschwerden.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen im Bauch oder Becken
- Sehr starke vaginale oder rektale Blutungen
- Ohnmachtsgefühl oder Bewusstlosigkeit
- Zeichen eines Schocks, zum Beispiel kalter Schweiß, schneller Puls, Verwirrtheit
- ⚠Starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Fieber zusammen mit Bauchschmerzen
- ⚠Anhaltende Blutungen, die nicht aufhören
- ⚠Einseitige starke Schmerzen im Unterleib, die in den Rücken oder das Bein ausstrahlen
Häufige Symptome
- Schmerzen im Unterbauch oder im Becken
- Unregelmäßige oder schmerzhafte Regelblutung
- Blutungen zwischen den Perioden oder nach den Wechseljahren
- Schmerzen oder Druckgefühl beim Wasserlassen
- Unterleibsschmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Gefühl einer tastbaren oder sichtbaren Schwellung im Bauch
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen im unteren Bauchbereich
- Ein tastbarer Knoten oder eine Schwellung im Bauch
- Schmerzen oder Schwellung im Hodenbereich bei Jungen
- Ungewöhnlicher Ausfluss oder frühe Pubertätszeichen bei Mädchen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Blut im Urin oder Stuhlgang
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder schwacher Harnstrahl (möglicher Hinweis auf Prostatavergrößerung)
- Neu aufgetretene Blutungen nach den Wechseljahren
- Druckgefühl im Becken oder das Gefühl, dass sich etwas vorwölbt
Ursachen
Hauptursachen
- Verdacht auf Veränderungen an Gebärmutter oder Eierstöcken, zum Beispiel Zysten oder Myome
- Abklärung von Unterleibsschmerzen unklarer Ursache
- Verlaufskontrolle bei bekannten Erkrankungen wie Endometriose oder gutartigen Tumoren
- Abklärung von Blutungsstörungen oder Ausfluss
- Kontrolle der Blase bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten oder Blasenschwäche
- Bei Männern: Abklärung von Beschwerden beim Wasserlassen oder Prostataveränderungen
Risikofaktoren
- Erblich belastete Krebserkrankungen im Beckenbereich in der Familie
- Alter – manche Veränderungen betreffen eher jüngere oder eher ältere Menschen
- Bekannte gutartige Veränderungen wie Myome oder Zysten machen Kontrolluntersuchungen nötig
- Rauchen und starkes Übergewicht sind allgemeine Risikofaktoren für viele Krebs- und Gefäßerkrankungen, auch im Beckenbereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Akute, starke oder zunehmende Schmerzen im Unterbauch, die nicht weggehen
- Fieber mit Schüttelfrost und Bauchschmerzen
- Massive oder anhaltende Blutungen
- Wenn Sie nach einer Verletzung im Beckenbereich starke Schmerzen haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen Unterleibsschmerzen oder Druckgefühl haben
- Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen
- Bei unerklärlichen Veränderungen des Monatszyklus
- Zur Vorsorge bei familiärer Belastung mit gynäkologischen Erkrankungen
Diagnose
Die Beckensonografie ist selbst ein wichtiger Teil der Diagnostik. Sie wird meist nach einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung eingesetzt. Dabei unterscheidet man zwei Verfahren: den Ultraschall über die Bauchdecke (abdominell) und, bei Frauen, den vaginalen Ultraschall (durch die Scheide). Beide Verfahren sind schmerzfrei, ungefährlich und ohne Strahlenbelastung. Bei der Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt auch mithilfe von Farbdoppler den Blutfluss in den Organen beurteilen. Das hilft, Entzündungen, Tumoren oder Gefäßveränderungen zu erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch (Anamnese) zu Beschwerden, Vorerkrankungen, Zyklus oder Medikamenteneinnahme
- Körperliche Untersuchung (Abdominal- und ggf. Tastuntersuchung)
- Bauchultraschall: Der Schallkopf wird auf der Haut des Unterbauchs geführt, die Blase sollte gefüllt sein
- Vaginalultraschall: Ein schmaler Schallkopf wird vorsichtig in die Scheide eingeführt; das liefert oft schärfere Bilder der Gebärmutter und Eierstöcke
- Bei Männern: Ultraschall über den Darm (transrektal) zur Darstellung der Prostata
- Zusätzliche Laboruntersuchungen (z. B. Blutbild, Hormonwerte, Urintest) können die Ursache weiter eingrenzen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist 10 bis 20 Minuten. Sie liegen dabei auf einer Liege. Für die Bauchuntersuchung wird ein Gel auf die Haut aufgetragen und der Schallkopf über den Bauch geführt. Beim vaginalen Ultraschall wird der Schallkopf mit einem Einmal-Überzug und Gleitgel versehen und vorsichtig eingeführt. Das ist meist nicht schmerzhaft, kann sich aber etwas ungewohnt anfühlen. Direkt danach können Sie wieder nach Hause gehen. Den Befund bespricht die Ärztin oder der Arzt in der Regel unmittelbar im Anschluss. Für die Untersuchung über die Bauchdecke soll die Blase möglichst gefüllt sein – trinken Sie etwa eine Stunde vorher ein großes Glas Wasser und gehen Sie erst danach zur Toilette.
Behandlung
Was nach der Beckensonografie geschieht, hängt vollständig vom Befund ab. Bei unauffälligem Ergebnis ist in der Regel keine Behandlung nötig. Bei Auffälligkeiten kann die Ärztin oder der Arzt weitere Untersuchungen empfehlen (z. B. Blutuntersuchung oder Gewebeprobe) oder besprechen, ob eine Behandlung sinnvoll ist. Viele Veränderungen wie kleine Zysten oder Myome sind harmlos und brauchen keine Therapie. Bei manchen Erkrankungen helfen fördernde Maßnahmen wie Arzneimittel, Physiotherapie oder eine Operation – je nach Ursache und Beschwerden. Alle Behandlungen besprechen Sie am besten individuell mit Ihrem Behandlungsteam.
Selbsthilfe zu Hause
- Vor der Untersuchung die Blase gefüllt lassen, damit die Organe besser zu sehen sind. Ein Glas Wasser eine Stunde vorher ist meist ausreichend.
- Bequeme Kleidung tragen, die den Bauch nicht einschnürt.
- Wenn Sie wissen, dass Sie bei einer Untersuchung Angst oder Schmerzen haben, sagen Sie es vorher. Das Team kann Rücksicht nehmen.
- Nach der Untersuchung können Sie ganz normal essen und trinken.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung nach einem auffälligen Befund richtet sich nach der Ursache, der Stärke der Beschwerden, dem Alter und Ihrem Wunsch, eine Schwangerschaft zu bekommen. Möglich sind zum Beispiel vorübergehende Beobachtung, hormonell wirkende Arzneimittel, die den Hormonspiegel verändern, nicht-hormonelle Schmerzmittel, Physiotherapie oder auch minimalinvasive Eingriffe – das sind Operationen mit kleinen Schnitten. Die Entscheidung wird immer gemeinsam in einem verständlichen Gespräch getroffen. In Deutschland helfen ärztliche Leitlinien (z. B. der AWMF), die beste Behandlungsoption zu finden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur bei bestimmten Befunden notwendig – zum Beispiel bei sehr großen oder schmerzhaften Myomen, bei bösartigen Tumoren oder bei akuten Notfällen wie einer gedrehten Eierstockzyste. Auch bei manchen Senkungsbeschwerden kann ein chirurgischer Eingriff helfen. In vielen Fällen kann die Operation ohne großen Bauchschnitt erfolgen, also minimal-invasiv.
Leben mit der Erkrankung
Wenn bei Ihnen eine Beckenerkrankung festgestellt wurde, kann die erste Zeit verunsichern. Lassen Sie sich Zeit, den Befund und die nächsten Schritte genau zu verstehen. Stellen Sie Fragen, wenn etwas unklar ist. Sie können jederzeit eine zweite Meinung einholen, wenn Sie unsicher sind. Im Alltag hilft eine gute Selbstbeobachtung: Führen Sie ein Symptomtagebuch, in dem Sie Schmerzen, Blutungen oder Beschwerden festhalten. Das hilft Ihnen und dem Behandlungsteam, den Verlauf zu bewerten.
Tipps für den Alltag
- Bei chronischen Beckenschmerzen kann Wärme – zum Beispiel eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen – entspannend wirken. Vorsicht: keine Wärme bei akuten Entzündungen oder offenen Blutungen – im Zweifel fragen.
- Sanfte Bewegung wie Spazierengehen oder Yoga fördert die Durchblutung und das Wohlbefinden.
- Entspannungsübungen wie autogenes Training oder Meditation können Schmerzen nicht heilen, aber sie können helfen, mit ihnen besser umzugehen.
- Ausreichend Schlaf unterstützt die Regeneration des Körpers.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die allgemeine Gesundheit. Bei manchen Erkrankungen wie Endometriose oder Reizdarm können sich scharfe Gewürze, Kaffee oder Alkohol ungünstig auf die Beschwerden auswirken – probieren Sie selbst, was Ihnen guttut. Körperliche Aktivität ist grundsätzlich empfehlenswert, solange sie keine Schmerzen verursacht. Bei starken Beschwerden kann eine Physiotherapie helfen, die Beckenbodenmuskulatur zu kräftigen und Schmerzen zu lindern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Vorstellung, eine Untersuchung im Beckenbereich zu benötigen, oder eine unerwartete Diagnose kann Ängste auslösen. Es ist ganz normal, unsicher zu sein. Oft hilft es, mit einer Vertrauensperson oder in einer Selbsthilfegruppe zu sprechen. Wenn die Belastung sehr groß wird oder Sie sich niedergeschlagen fühlen, wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Sie können Sie an eine psychologische Beratung vermitteln. Eine seelische Krise ist kein Zeichen von Schwäche – Hilfe zu suchen ist ein starker und mutiger Schritt.
Vorbeugung
Eine Beckensonografie ist eine Untersuchung, aber keine Maßnahme, die Krankheiten verhindern kann. Sie dient der Früherkennung und Abklärung. Manche Krankheiten im Beckenbereich lassen sich nicht sicher verhindern. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können jedoch helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Besonders wichtig sind ein gesunder Lebensstil, keine starke Gewichtszunahme und eine achtsame Selbstwahrnehmung – gehen Sie bei neuen Beschwerden rechtzeitig zur Ärztin oder zum Arzt.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die eine Beckensonografie ersetzen oder speziell Beckenerkrankungen verhindern würde. Allgemeine Impfempfehlungen – wie die HPV-Impfung, die vor Gebärmutterhalskrebs schützen kann – besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland bietet die gesetzliche Krankenversicherung regelmäßige Krebsfrüherkennungsuntersuchungen an – zum Beispiel die Tastuntersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcke im Rahmen des Screenings auf Gebärmutterhalskrebs. Eine Ultraschalluntersuchung des Beckens ist aber nicht automatisch in jedem Rahmen enthalten. Die Entscheidung für eine zusätzliche Beckensonografie – zum Beispiel bei familiärer Vorbelastung oder anhaltenden Beschwerden – wird Ihr Behandlungsteam mit Ihnen gemeinsam besprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unentdeckte bösartige Tumoren im Bereich von Gebärmutter, Eierstöcken, Blase oder Prostata können sich ausbreiten, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden.
- Eine unbehandelte, eitrige Entzündung im Becken (Beckenentzündung) kann zu Narbenbildung und Unfruchtbarkeit führen.
- Bei starken Blutungen über längere Zeit kann eine Blutarmut (Anämie) entstehen, die zu Müdigkeit und Schwäche führt.
- Bei einer stark vergrößerten Prostata können Blase und Nieren geschädigt werden, wenn der Harnabfluss dauerhaft behindert wird.
Langzeitprognose
Die allermeisten Befunde, die auf einer Beckensonografie sichtbar werden, sind gutartig – zum Beispiel harmlose Zysten oder kleine Myome, die keine Beschwerden machen. Mit einer frühen Erkennung und einer guten Zusammenarbeit mit Ihrem Ärzteteam sind die Chancen sehr gut, Erkrankungen erfolgreich zu behandeln oder gut zu begleiten. Moderne Therapien sind in den meisten Fällen sanft und gut verträglich. Sie sind nicht allein – für fast jede Situation gibt es Hilfe und Unterstützung.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften ↗
- DEGUM – Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin ↗
Lokale Organisationen
- Patientenberatung Deutschland ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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