Pleuritis und Ultraschall: Eine schonende Untersuchung der Lungenentzündung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Pleuritis, auch Rippenfellentzündung genannt, ist eine Entzündung der dünnen Haut (des Rippenfells oder Brustfells), die die Lunge und die Innenseite des Brustkorbs auskleidet. Diese Entzündung kann sehr schmerzhaft sein. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt oder die Ärztin das Rippenfell und mögliche Flüssigkeitsansammlungen dahinter (Erguss) genau darstellen – ganz ohne Röntgenstrahlen.
Wichtige Fakten
- Pleuritis bedeutet eine Entzündung des Rippenfells – der dünnen Schicht zwischen Lunge und Brustkorb.
- Ultraschall ist eine schmerzfreie, strahlenfreie Methode, um das Rippenfell und Flüssigkeit im Brustkorb zu beurteilen.
- Bei einer Pleuritis kann sich Flüssigkeit zwischen den Rippenfellblättern ansammeln (Pleuraerguss).
- Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, z. B. einer Infektion oder einer Grunderkrankung.
Pleuritis kommt nicht selten vor, besonders als Begleiterscheinung einer Lungenentzündung oder einer Lungenembolie. Etwa 1 von 1000 Menschen erkrankt pro Jahr daran. Mit Ultraschall lässt sich die Diagnose heute oft schnell und sicher stellen.
Pleuritis kann in jedem Alter auftreten. Häufiger betroffen sind Menschen mit Lungeninfektionen, Autoimmunerkrankungen (wie Lupus oder rheumatoider Arthritis) oder nach Operationen am Brustkorb. Auch Raucher oder Menschen mit Herz- oder Nierenproblemen haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- plötzliche, starke Atemnot
- graue oder bläuliche Haut (Lippen, Fingernägel)
- Brustschmerz mit Schwindel oder Ohnmacht
- ⚠anhaltender, starker Schmerz, der die Atmung einschränkt
- ⚠Fieber über 39°C
- ⚠Husten mit blutigem Auswurf
- ⚠Schmerzen, die nach einigen Tagen nicht nachlassen
Häufige Symptome
- stechender Schmerz beim Atmen oder Husten (sogenannter Rippenfellschmerz)
- trockener Husten
- Luftnot oder Kurzatmigkeit
- schmerzbedingt flachere Atmung
- allgemeines Krankheitsgefühl, eventuell leichtes Fieber
Symptome bei Kindern
- Kinder zeigen oft Bauchschmerzen oder Weinen beim Atmen
- schnelle, flache Atmung
- Unfähigkeit, tief Luft zu holen
- eventuell Fieber und verminderter Appetit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- die Schmerzen können dumpfer sein als bei jüngeren Menschen
- häufiger Luftnot und Verwirrtheit durch den Sauerstoffmangel
- oft langsamerer Krankheitsverlauf, der leicht übersehen wird
Ursachen
Hauptursachen
- Viren- oder Bakterieninfektion, besonders im Rahmen einer Lungenentzündung (Pneumonie)
- Lungenembolie – ein Blutgerinnsel in der Lunge kann eine Entzündungsreaktion auslösen
- Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Rheuma, bei denen das Immunsystem das Rippenfell angreift
- Nierenerkrankungen mit Flüssigkeitsansammlung (Urämie)
- Krebserkrankungen, die sich auf das Rippenfell ausbreiten (z. B. Lungenkrebs, Brustkrebs)
Risikofaktoren
- Lungenentzündung oder andere Lungeninfektionen
- Rauchen und Passivrauchen
- geschwächtes Immunsystem (z. B. durch HIV, Chemotherapie oder Medikamente)
- Voroperationen am Brustkorb oder am Herzen
- Lungenembolie in der Vorgeschichte
- bestimmte Autoimmunerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Atemnot oder bläulicher Haut sofort den Notruf 112 wählen.
- Starke Schmerzen, die das Atmen oder Husten extrem erschweren – noch am gleichen Tag ärztliche Hilfe suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schmerzen länger als zwei Tage anhalten oder wiederkommen.
- Bei anhaltendem Husten, Müdigkeit oder unklarem Fieber.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin stellt die Verdachtsdiagnose aufgrund der typischen Schmerzen und des Abhörens der Lunge (Knistern, abgeschwächtes Atemgeräusch). Zur Bestätigung wird meist eine Ultraschalluntersuchung des Brustkorbs durchgeführt. Dabei kann man das entzündete Rippenfell, Flüssigkeitsansammlungen (Pleuraerguss) und sogar Luft hinter dem Rippenfell (Pneumothorax) sehr gut erkennen. Manchmal ist auch ein Röntgenbild oder eine Computertomografie (CT) notwendig.
Mögliche Untersuchungen
- Brustkorb-Ultraschall (Sonografie) – zeigt das Rippenfell und etwaige Flüssigkeit
- Auskultation (Abhören der Lunge mit dem Stethoskop)
- Röntgen-Thorax (Röntgenbild der Lunge)
- Blutuntersuchung (Entzündungswerte, Blutkultur bei Infektion)
- eventuell Punktion des Pleuraergusses (Flüssigkeit mit einer Nadel entnehmen und untersuchen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Ultraschall ist völlig schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung. Sie liegen meist auf dem Rücken oder setzen sich aufrecht hin, der Arzt führt den Schallkopf über die Haut Ihres Brustkorbs. Dabei kann es sich kühl anfühlen. Die Untersuchung dauert etwa 10 bis 15 Minuten. Nach der Untersuchung können Sie sofort nach Hause oder in Ihre Arbeit zurück.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache der Pleuritis. Steht eine Infektion im Vordergrund, werden meist Medikamente gegen die Erreger eingesetzt. Bei Autoimmunerkrankungen kommen entzündungshemmende Mittel in Frage. Wichtig ist auch die Schmerzlinderung, damit Sie wieder tief durchatmen können – das verhindert Komplikationen wie eine Lungenentzündung. In manchen Fällen muss größere Flüssigkeitsansammlung punktiert oder abgelassen werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich, aber atmen Sie regelmäßig tief durch (fraktioniert atmen: mehrfach tief ein- und ausatmen, um das Lungenfell zu dehnen).
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder Tee, um den Schleim flüssig zu halten.
- Ein feuchter, warmer Wickel auf dem Brustkorb (nicht bei offenen Wunden oder Fieber) kann die Muskulatur entspannen.
- Vermeiden Sie starke Reizhustenstiller – Husten hilft, die Lunge zu reinigen, aber fragen Sie Ihren Arzt.
- Wenn der Schmerz zu stark wird, besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin geeignete Schmerzmittel, die die Atmung nicht unterdrücken.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen entzündungshemmende Medikamente (sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika) zum Einsatz, die die Schwellung und den Schmerz reduzieren. Bei bakterieller Infektion sind Antibiotika nötig – die genaue Auswahl richtet sich nach dem Erreger. Bei großen Flüssigkeitsmengen (Pleuraerguss) kann eine Punktion (Entnahme mit einer Nadel) oder eine Drainage (Schlauch zum Abfließen) erforderlich sein. Bei Autoimmunerkrankungen können Kortisonpräparate oder andere immunmodulierende Medikamente verschrieben werden. Die Behandlung wird immer individuell angepasst.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (Thorakoskopie) kann nötig werden, wenn sich Eiter im Brustkorb angesammelt hat (Pleuraempyem) und nicht durch Drainage allein beherrscht werden kann. Auch bei Tumorbefall des Rippenfells oder bei wiederkehrenden Ergüssen (z. B. bei Krebs) kann ein operativer Eingriff erfolgen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Pleuritis sollten Sie sich zunächst körperlich schonen, aber nicht völlig stillhalten. Leichte, langsame Bewegung an der frischen Luft ist erlaubt, solange Sie nicht aus der Puste kommen. Hören Sie auf Ihren Körper und vermeiden Sie alles, was die Schmerzen verstärkt. Bei der Arbeit kann eine Krankschreibung von ein bis zwei Wochen sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Tipps für den Alltag
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – das ist das Wichtigste für Ihre Lunge.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und vermeiden Sie Stress, der die Entzündung verstärken kann.
- Achten Sie auf eine gute Haltung, um die Atmung zu erleichtern.
- Wechselduschen oder kalte Wickel können das Immunstoffsystem anregen – aber nur, wenn Sie sich fit fühlen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Trinken Sie ausreichend (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag, wenn keine Herz- oder Nierenprobleme bestehen). Während der akuten Phase ist nur leichte Bewegung sinnvoll – z. B. Spazierengehen oder Atemübungen. Nach Abklingen der Entzündung können Sie wieder langsam mit normaler Bewegung starten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Schmerzen und Atemnot können ängstlich machen und die Stimmung drücken. Es ist völlig normal, sich während einer Pleuritis unsicher oder ängstlich zu fühlen. Atemübungen, Achtsamkeit oder ein Gespräch mit einer vertrauten Person können helfen. Wenn die Niedergeschlagenheit länger anhält, zögern Sie nicht, mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber zu sprechen – es gibt gute Unterstützungsmöglichkeiten.
Vorbeugung
Eine Pleuritis lässt sich nicht immer verhindern. Wichtig ist, Infektionen der Atemwege frühzeitig zu behandeln und Lungenentzündungen vorzubeugen. Dazu gehören auch allgemeine Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und das Meiden von rauchigen Räumen.
Impfungen
Die jährliche Grippeimpfung und die Impfung gegen Pneumokokken können das Risiko für Lungenentzündungen senken, die oft eine Pleuritis auslösen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob diese Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Vorsorgeuntersuchung für Pleuritis. Wenn Sie jedoch eine Grunderkrankung haben (z. B. Rheuma, Lupus, Niereninsuffizienz), sollten Sie regelmäßig Ihren Facharzt aufsuchen, um das Risiko im Auge zu behalten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenentzündung, wenn die Entzündung auf das Lungengewebe übergreift
- Pleuraempyem eine Eiteransammlung im Brustkorb, die eine Drainage oder Operation erfordert
- Vernarbungen des Rippenfells (Pleuraschwielen), die die Atmung dauerhaft einschränken können
- Blutvergiftung (Sepsis) bei schweren bakteriellen Infektionen
- Lungenkollaps (Pneumothorax), wenn Luft in den Pleuraspalt eintritt
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen und richtigen Behandlung heilt die Pleuritis bei den meisten Menschen vollständig aus, ohne bleibende Schäden. Die Schmerzen klingen meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ab. Bei schweren oder wiederkehrenden Fällen kann die Prognose von der Grunderkrankung abhängen, aber die moderne Medizin bietet sehr gute Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Bleiben Sie zuversichtlich und halten Sie den Kontakt zu Ihrem Arzt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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