Bildgebung bei Nebenhöhlenentzündung: Was wird gemacht und worauf warten Sie?
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) ist eine Entzündung der Schleimhaut in den kleinen luftgefüllten Räumen rund um die Nase. Eine Bildgebung – zum Beispiel eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) – erstellt genaue Bilder von diesen Räumen. Die Ärztin oder der Arzt kann damit erkennen, ob die Schleimhaut stark geschwollen ist oder ob Flüssigkeit darin sitzt. Auf die Ergebnisse wartet man meist nur wenige Tage. Diese Zeit können Sie dafür nutzen, Ihren Körper mit einfachen Maßnahmen zu unterstützen.
Wichtige Fakten
- Bildgebung ist bei einer Nebenhöhlenentzündung nur in unklaren, schweren oder anhaltenden Fällen nötig.
- Die Ergebnisse liegen in der Regel nach ein bis zwei Tagen vor.
- Ein auffälliges Bild bedeutet nicht automatisch, dass eine ernste Erkrankung vorliegt.
Nebenhöhlenentzündungen sind sehr weit verbreitet – die meisten Menschen erleben sie mindestens einmal im Leben. Eine Bildgebung ist dabei die Ausnahme, nicht die Regel.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen. Besonders häufig sind Personen mit Allergien, Asthma, einer geschwächten Abwehr oder anatomischen Engstellen in der Nase betroffen.
Symptome
- Plötzlich auftretende, sehr starke Kopfschmerzen
- Nackensteifigkeit (das Kinn lässt sich nicht mehr auf die Brust senken)
- Sehstörungen, Doppelbilder oder Augen, die stark gerötet und geschwollen sind
- Bewusstseinstrübung, Ohnmacht oder starke Verwirrtheit
- Hohes Fieber zusammen mit diesen Zeichen – sofort die Notrufnummer 112 wählen.
- ⚠Eine deutliche Schwellung um ein Auge, die zunimmt
- ⚠Gesichtsfeldausfälle oder anhaltende Doppelbilder
- ⚠Schmerzen im Bereich der Stirn oder Wange, die trotz einfacher Maßnahmen nach zwei Tagen schlimmer werden
Häufige Symptome
- Verstopfte oder laufende Nase
- Druck oder Schmerzen in Stirn, Wangen oder hinter den Augen
- Gelblicher oder grünlicher Ausfluss aus der Nase
- Verminderter Geruchssinn
- Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen
Symptome bei Kindern
- Schnupfen, der länger als 10 Tage anhält
- Reizbarkeit und Weinen ohne erkennbaren Grund
- Husten, der nachts schlimmer wird
- Druckgefühl im Gesicht, das Kinder oft als „weh im Kopf“ beschreiben
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger ausgeprägtes Fieber
- Verwirrtheit oder Unruhe
- Schwindel und erhöhte Sturzgefahr
- Oft fehlen typische Schmerzen und Druckgefühl
Ursachen
Hauptursachen
- Viren – in den meisten Fällen, oft im Rahmen einer Erkältung
- Bakterien – manchmal, wenn sich Viren oder eine lange Entzündung ungünstig entwickeln
- Allergien – sie lassen die Schleimhaut anschwellen und verlegen die engen Abflüsse
Risikofaktoren
- Rauchen oder regelmäßiges Passivrauchen
- Trockene oder staubige Raumluft
- Abwehrschwäche, zum Beispiel durch chronische Erkrankungen
- Vergrößerte Nasenmuscheln oder ein gekrümmtes Nasenscheidewand
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Zunahme der Schmerzen im Gesicht
- Anschwellung um das Auge
- Hohes Fieber länger als drei Tage
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden nach 7 Tagen nicht besser sind
- Wenn Sie wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen haben
- Bevor eine Bildgebung geplant wird – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über den Grund
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und Ihrem bisherigen Verlauf. Danach schaut sie oder er sich Nase und Rachen an. Eine Bildgebung wird erst dann veranlasst, wenn der Verlauf unklar ist, eine Komplikation möglich erscheint oder eine chronische Sinusitis abgeklärt werden soll. Die Empfehlungen der deutschen AWMF-Leitlinie unterstützen dabei, keine unnötigen Röntgen- oder CT-Bilder zu machen.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch zum Verlauf
- Untersuchung der Nase mit einem kleinen Leuchtspiegel (Nasenspekulum)
- Endoskopie der Nase: ein dünner Schlauch mit Kamera
- Bildgebung durch CT oder MRT nur bei bestimmten Fragestellungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Bildaufnahmen dauern nur wenige Minuten. Ob Sie beim CT liegen oder im MRT ruhig atmen, hängt vom Gerät ab. Danach werden die Bilder von einer speziell ausgebildeten Ärztin oder einem Arzt – der Radiologie – ausgewertet. Das Ergebnis bekommt Ihre behandelnde Praxis meist innerhalb von ein bis zwei Tagen. Sie werden informiert, sobald die Befunde vorliegen. Wenn ein Notfall festgestellt wird, meldet sich die Praxis sofort.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Dauer der Beschwerden. Viele Nebenhöhlenentzündungen heilen von selbst, wenn der Abfluss der Schleimhaut wieder in Gang kommt. Eine Bildgebung ist für die Behandlung oft nicht entscheidend – sie liefert aber zusätzliche Sicherheit.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, zum Beispiel Wasser oder ungesüßten Tee, damit das Sekret flüssiger wird
- Mehrmals täglich über einer Schüssel mit warmem Wasserdampf inhalieren
- Nagelneue Nasenspülung mit einer Salzlösung aus der Apotheke – nicht mit Leitungswasser allein
- Feuchte, kühle Tücher auf Stirn und Wangen legen
- Beim Schlafen den Kopf mit einem zusätzlichen Kissen leicht erhöht lagern
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann für einen begrenzten Zeitraum ein abschwellendes Nasenspray oder ein Kortisonspray verordnen – aber nur nach genauer Anweisung und niemals über mehrere Wochen ohne ärztliche Kontrolle. Auch Schmerzmittel können vorübergehend eingesetzt werden, wenn die Beschwerden es erfordern. Wichtig: Nehmen Sie keine Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrer Praxis oder Apotheke.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation an den Nebenhöhlen wird erst in Betracht gezogen, wenn andere Behandlungen nicht helfen und die Beschwerden chronisch sind. Die Entscheidung dazu besprechen Sie ausführlich mit Ihrer Hals-Nasen-Ohren-Ärztin oder Ihrem HNO-Arzt.
Leben mit der Erkrankung
Während Sie auf die Ergebnisse warten, können Sie mit kleinen Gewohnheiten viel für sich tun. Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe, meiden Sie Anstrengung und halten Sie die Nasenschleimhaut feucht. Ein geregelter Schlaf unterstützt die Erholung.
Tipps für den Alltag
- Rauchige und staubige Räume meiden
- Regelmäßig stoßlüften, damit die Luft nicht austrocknet
- Auf alkoholische Getränke verzichten – sie wirken austrocknend
- Bei Schmerzen im Gesicht sanfte warme Kompressen auflegen
Ernährung und Bewegung
Leichte Bewegung an frischer Luft, zum Beispiel ein Spaziergang, kann das Wohlbefinden verbessern. In der akuten Phase sind anstrengende Sportarten eher ungünstig. Eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Zeit des Wartens kann unangenehm sein – Sie sind nicht allein damit. Ungeduld, Unruhe und Besorgnis sind normale Reaktionen. Es hilft, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen. Wenn die Gedanken sehr belastend werden oder Sie sich hoffnungslos fühlen, ist es wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis oder eine psychologische Beratungsstelle – und in akuten Krisen rufen Sie die 112 oder suchen Sie eine Notaufnahme auf.
Vorbeugung
Eine Nebenhöhlenentzündung lässt sich nicht immer verhindern. Sie können das Risiko aber senken, indem Sie Erkältungen vorbeugen, Ihre Nasenschleimhaut pflegen und Allergien gut behandeln lassen.
Impfungen
Eine Grippeimpfung kann dazu beitragen, Atemwegsinfekte seltener werden zu lassen, und wirkt damit indirekt vorbeugend gegen Nasennebenhöhlen-Entzündungen. Lassen Sie sich individuell zu Impfungen von Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung speziell für Nebenhöhlen gibt es nicht. Bei wiederkehrenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Nebenhöhlenentzündung, bei der die Beschwerden länger als zwölf Wochen andauern
- Sehr selten: Bakterien können sich in die Augenhöhle ausbreiten und dort zu Schwellung und Schmerzen führen
- In extrem seltenen Fällen kann eine Entzündung auf das Gehirn übergehen – das ist ein medizinischer Notfall
Langzeitprognose
Für die allermeisten Menschen verläuft eine Nebenhöhlenentzündung harmlos. Auch wenn eine Bildgebung gemacht wird, zeigen die Ergebnisse häufig nur eine vorübergehende Flüssigkeitsansammlung. Mit der richtigen Behandlung heilt die Entzündung in der Regel vollständig ab. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihr medizinisches Team wird Sie durch die Wartezeit begleiten – Scheuen Sie sich nicht, bei Fragen anzurufen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.