Röntgenuntersuchung bei Harnwegsinfekt (HWI) – einfach erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Harnwegsinfekt (HWI) ist eine Entzündung im Bereich der Harnwege, meist verursacht durch Bakterien. Eine Röntgenuntersuchung (Bildgebung) wird bei einem HWI nicht routinemäßig eingesetzt, sondern nur dann, wenn der Arzt oder die Ärztin weitere Informationen braucht – zum Beispiel bei wiederkehrenden Infekten, um Steine oder andere Hindernisse in den Harnwegen zu erkennen.
Wichtige Fakten
- Röntgen oder andere bildgebende Verfahren (wie Ultraschall oder CT) helfen, die Ursache eines komplizierten Harnwegsinfekts zu finden – zum Beispiel Nierensteine oder Verengungen.
- Die erste Diagnose eines HWI erfolgt meist mit einem Urintest; eine Bildgebung wird nur bei bestimmten Beschwerden oder wiederholten Infekten empfohlen.
- Die deutsche AWMF-Leitlinie empfiehlt bildgebende Verfahren vor allem bei Kindern mit Fieberinfekten oder bei Erwachsenen mit unklaren Befunden.
Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten Infektionen überhaupt, vor allem bei Frauen. Eine Röntgenuntersuchung im Zusammenhang mit einem HWI ist dagegen seltener und wird gezielt eingesetzt.
Harnwegsinfekte können Menschen jeden Alters betreffen, kommen aber bei Frauen deutlich häufiger vor. Männer sind seltener betroffen, dafür ist bei ihnen eine Bildgebung öfter nötig.
Symptome
- Hohes Fieber (über 39 °C) mit Schüttelfrost
- Starke Schmerzen im Rücken oder in der Flanke (Nierengegend)
- Blut im Urin, das mit bloßem Auge sichtbar ist
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung
- ⚠Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, die nach 1–2 Tagen nicht besser werden
- ⚠Wiederholte Harnwegsinfekte (mehr als 2 pro Jahr)
- ⚠Schwangerschaft mit HWI-Symptomen
Häufige Symptome
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Häufiger Harndrang, auch wenn nur wenig Urin kommt
- Trüber oder übelriechender Urin
- Schmerzen im Unterbauch oder Rücken
Symptome bei Kindern
- Fieber ohne erkennbare Ursache
- Erbrechen oder Durchfall
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder Reizbarkeit
- Schmerzen beim Wasserlassen (Kind kann sich nicht gut mitteilen)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche geistige Veränderung
- Fieber oder Untertemperatur
- Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Inkontinenz (unfreiwilliger Harnabgang)
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien (meist E. coli) gelangen über die Harnröhre in die Blase und vermehren sich dort.
- Eine Röntgenuntersuchung dient nicht der Ursachenfindung der Infektion selbst, sondern der Suche nach anatomischen Besonderheiten oder Hindernissen (z. B. Nierensteine, Tumore, Verengungen).
Risikofaktoren
- Weibliche Anatomie (kürzere Harnröhre)
- Geschlechtsverkehr
- Verwendung von Spermiziden oder Diaphragma
- Schwangerschaft
- Vergrößerte Prostata bei Männern
- Harnverhalt (Restharn in der Blase)
- Nierensteine oder andere Hindernisse
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38 °C, Schüttelfrost oder starken Rückenschmerzen – sofort ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn ein Kind unter 3 Monaten Fieber hat – immer sofort zum Arzt/zur Ärztin.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei ersten Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen oder häufigem Harndrang innerhalb von 1–2 Tagen.
- Bei wiederholten Infekten (mehr als zwei pro Jahr) – dann kann eine Bildgebung sinnvoll sein.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin stellt die Diagnose eines Harnwegsinfekts meist mit einem Urintest (Urin-Streifentest oder Urinkultur). Eine Röntgenuntersuchung wird nur dann durchgeführt, wenn der Infekt kompliziert verläuft oder die Ursache nicht klar ist.
Mögliche Untersuchungen
- Urin-Streifentest (misst Entzündungszeichen, Nitrit und Blut)
- Urinkultur (bestimmt den genauen Erreger und die Wirksamkeit von Antibiotika)
- Ultraschall der Nieren und Blase (oft erste Bildgebung, kein Röntgen)
- Röntgen (z. B. Ausscheidungsurogramm oder CT) bei V. a. Steine, Tumore oder Fehlbildungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn Ihr Arzt eine Röntgenuntersuchung anordnet, erhalten Sie vorab genauere Anweisungen (z. B. nüchtern kommen oder vorher viel trinken). Die Untersuchung selbst ist schmerzfrei. Bei einer CT kann es sein, dass Sie ein Kontrastmittel über die Vene bekommen – das fühlt sich manchmal warm an. Die Strahlenbelastung ist gering, aber nicht ohne Risiko; daher wird sie nur bei begründetem Verdacht eingesetzt.
Behandlung
Die Behandlung eines Harnwegsinfekts erfolgt in der Regel mit Antibiotika – welches Antibiotikum genau, bestimmt Ihr Arzt aufgrund des Urintests. Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten reichen oft kurze Behandlungen. Zusätzlich können Sie selbst viel tun, um die Beschwerden zu lindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken (Wasser oder ungesüßter Kräutertee) – mindestens 1,5–2 Liter am Tag.
- Wärme auf den Unterbauch legen, zum Beispiel mit einer Wärmflasche.
- Auf stark gewürzte Speisen, Kaffee und Alkohol verzichten – sie reizen die Blase.
- Blaubeersaft (Cranberrysaft) kann helfen, Bakterien am Anhaften zu hindern – aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.
Medizinische Behandlungen
Bei einem nachgewiesenen Harnwegsinfekt verschreibt der Arzt ein Antibiotikum, das auf den gefundenen Erreger abgestimmt ist. Die Dauer der Einnahme hängt von der Schwere der Infektion ab. Bei wiederholten Infekten kann eine vorbeugende Einnahme (Prophylaxe) oder eine niedrig dosierte Kur in Betracht gezogen werden – das besprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur sehr selten nötig, zum Beispiel wenn ein Stein oder eine Engstelle die Ursache für wiederholte Harnwegsinfekte ist. Dieser Eingriff wird dann geplant und nicht als Notfall durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Harnwegsinfekt fühlen sich die meisten Menschen bald wieder wohl. Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken und die Blase regelmäßig zu entleeren. Wenn Sie zu wiederholten Infekten neigen, kann es hilfreich sein, ein Tagebuch über Ihre Symptome zu führen.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie genug – Wasser ist am besten.
- Urinieren Sie nach dem Geschlechtsverkehr.
- Achten Sie auf eine gute Intimhygiene (von vorne nach hinten wischen).
- Tragen Sie locker sitzende, atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Bestimmte Lebensmittel wie Cranberries oder Preiselbeeren können vorbeugend wirken. Bewegung an der frischen Luft fördert die Durchblutung und das Wohlbefinden, aber vermeiden Sie Unterkühlung (z. B. auf kalten Steinen sitzen).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederholte Harnwegsinfekte können belastend sein – sie beeinträchtigen den Alltag, den Schlaf und manchmal auch die Partnerschaft. Es ist normal, sich darüber Sorgen zu machen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre Ängste. Bei anhaltenden Sorgen kann auch eine psychologische Beratung helfen.
Vorbeugung
Nicht alle Harnwegsinfekte lassen sich verhindern, aber Sie können das Risiko senken: viel trinken, regelmäßig urinieren, nach dem Sex Wasserlassen und auf eine gute Hygiene achten.
Impfungen
Es gibt derzeit keine Impfung gegen Harnwegsinfekte.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Screening auf Harnwegsinfekte ist nicht empfohlen. Bei Schwangeren wird jedoch regelmäßig der Urin untersucht, um eine Infektion früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Aufsteigen der Bakterien in die Nieren (Nierenbeckenentzündung) – das kann zu starken Schmerzen und Fieber führen.
- Nierenabszess (Eiteransammlung in der Niere) – selten, aber ernst.
- Sepsis (Blutvergiftung) – lebensbedrohlich, wenn Bakterien in die Blutbahn gelangen.
Langzeitprognose
Die meisten Harnwegsinfekte heilen mit einer einfachen Behandlung problemlos aus. Auch wenn eine Röntgenuntersuchung nötig war, ist die Prognose in der Regel gut. Wichtig ist, die Beschwerden ernst zu nehmen und rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen. Bei wiederholten Infekten lässt sich oft eine zugrunde liegende Ursache finden und behandeln.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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