Arterielle Blutgasanalyse
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein arterieller Blutgastest (auch Blutgasanalyse genannt) ist eine Blutuntersuchung. Dabei wird Blut aus einer Schlagader (Arterie) entnommen. Mit dem Test misst man, wie viel Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut sind. Außerdem zeigt er den Säure-Basen-Haushalt (pH-Wert) des Körpers an. Ärzte nutzen diesen Test, um die Funktion von Lunge und Nieren zu prüfen, zum Beispiel bei schweren Atemproblemen oder bei Vergiftungen.
Wichtige Fakten
- Der Test misst Sauerstoff-, Kohlendioxid- und pH-Wert im Blut.
- Das Blut wird meist aus der Schlagader am Handgelenk entnommen.
- Er hilft, die Ursache von Atemnot oder Stoffwechselproblemen zu finden.
- Die Blutgasanalyse ist ein wichtiger Notfalltest, zum Beispiel bei schwerer Lungenentzündung oder Asthmaanfall.
Die Blutgasanalyse ist in Krankenhäusern und Notaufnahmen ein häufiger Test. Sie wird aber nur eingesetzt, wenn der Arzt eine ernste Störung des Sauerstoff- oder Säure-Basen-Haushalts vermutet. Bei gesunden Menschen wird sie selten durchgeführt.
Der Test kann bei Menschen jeden Alters durchgeführt werden – bei Neugeborenen, Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen. Besonders häufig betroffen sind Patienten mit Lungenkrankheiten (z. B. COPD, Asthma), Nierenversagen oder schweren Infektionen (Sepsis).
Symptome
- Starke Atemnot, die sich nicht bessert
- Bewusstlosigkeit
- Bläuliche Lippen oder Zunge
- ⚠Leichte bis mäßige Atemnot
- ⚠Verwirrtheit ohne akute Lebensgefahr
- ⚠Husten mit blutigem Auswurf
Häufige Symptome
- Starke Atemnot oder Kurzatmigkeit
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
- Schnelle oder sehr langsame Atmung
- Bläuliche Verfärbung der Lippen oder Finger (Zyanose)
Symptome bei Kindern
- Ungewöhnlich schnelle Atmung
- Einziehungen der Haut zwischen den Rippen beim Atmen
- Trinkverweigerung oder Schläfrigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Plötzliche Verwirrtheit oder Unruhe
- Schwäche oder Schwindel
- Verschlechterung einer bestehenden Lungenerkrankung
Ursachen
Hauptursachen
- Die Blutgasanalyse selbst ist kein Zustand, sondern ein Test. Ursachen für die Notwendigkeit des Tests sind: Sauerstoffmangel (Hypoxie) durch Lungen- oder Herzerkrankungen
- Störungen des Säure-Basen-Haushalts (z. B. Übersäuerung oder Überbasung) durch Nierenversagen, Diabetes oder Vergiftungen
- Schweres Asthma oder COPD-Verschlechterung
- Lungenentzündung oder Lungenembolie
Risikofaktoren
- Rauchen oder chronische Lungenerkrankung
- Schwere Nierenerkrankung
- Unkontrollierter Diabetes (z. B. Ketoazidose)
- Schlafapnoe oder Übergewicht
- Aufenthalt in großen Höhen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher schwerer Atemnot
- Bei Bewusstseinsstörungen oder blauen Lippen
- Bei Verdacht auf eine Vergiftung (z. B. Kohlenmonoxid)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wegen einer chronischen Lungen- oder Nierenerkrankung in Behandlung sind und neue Symptome wie Müdigkeit, leichte Atemnot oder Verwirrtheit bemerken
- Vor einer Operation, wenn Sie Risikofaktoren haben
Diagnose
Der Arzt entnimmt mit einer dünnen Nadel Blut aus einer Schlagader, meist am Handgelenk. Die Stelle wird zuvor betäubt. Das Blut wird sofort in einem Gerät (Blutgasanalysegerät) untersucht. Die Ergebnisse zeigen Sauerstoff-, Kohlendioxid- und pH-Wert an.
Mögliche Untersuchungen
- Arterielle Blutgasanalyse (ABG)
- Pulsoxymetrie (Sauerstoffsättigung am Finger)
- Lungenfunktionstest (Spirometrie)
- Röntgen-Thorax (Lungenbild)
- Blutuntersuchung auf Nierenwerte und Blutzucker
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor dem Test müssen Sie nichts Besonderes tun. Die Blutentnahme aus der Arterie kann etwas unangenehmer sein als aus der Vene, ähnlich wie ein kurzer stechender Schmerz. Danach drückt der Arzt die Einstichstelle einige Minuten ab, um Nachblutungen zu vermeiden. Der Test dauert nur wenige Minuten, die Ergebnisse sind meist sofort da.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nicht nach dem Test selbst, sondern nach der zugrundeliegenden Erkrankung. Die Blutgasanalyse hilft dem Arzt, die richtige Therapie zu wählen – zum Beispiel Sauerstoffgabe, Medikamente zur Atemunterstützung oder eine Korrektur des Säure-Basen-Haushalts.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei chronischen Lungenerkrankungen: Atemübungen und regelmäßige Bewegung nach Anleitung
- Rauchen aufgeben oder reduzieren
- Ausreichend trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten
- Vorsorgeuntersuchungen bei Lungen- oder Nierenproblemen wahrnehmen
Medizinische Behandlungen
Mögliche Behandlungen sind: Sauerstofftherapie (über Nasenbrille oder Maske), Medikamente zur Erweiterung der Atemwege (Inhalation), Medikamente zur Regulierung des Säure-Basen-Haushalts (z. B. bei Nierenversagen), Dialyse bei schweren Nierenschäden oder Antibiotika bei Infektionen. Die genaue Behandlung legt der Arzt individuell fest.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten notwendig, etwa bei schweren Lungenembolien oder angeborenen Herzfehlern, die den Sauerstoffaustausch beeinträchtigen. Die Blutgasanalyse dient dann der Vorbereitung und Kontrolle.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Sie eine chronische Erkrankung haben, die regelmäßige Blutgasanalysen nötig macht, werden Sie sich an die Routine gewöhnen. Die Tests helfen, Ihre Therapie anzupassen und Komplikationen zu vermeiden.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse
- Bewegen Sie sich regelmäßig, sofern es Ihre Gesundheit erlaubt
- Vermeiden Sie Schadstoffe wie Rauch und Feinstaub
- Lernen Sie Entspannungstechniken, um bei Atemnot ruhig zu bleiben
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt Lunge und Nieren. Vermeiden Sie stark salzhaltige Speisen bei Nierenerkrankungen. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren kann die Lungenfunktion verbessern. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Aktivitäten für Sie geeignet sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung, die regelmäßige Tests erfordert, kann belastend sein. Es ist normal, sich manchmal ängstlich oder traurig zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Atemnot kann Angst auslösen – seien Sie geduldig mit sich selbst.
Vorbeugung
Die Blutgasanalyse selbst ist ein Test, den man nicht 'verhindern' kann. Die Erkrankungen, die den Test nötig machen, lassen sich teilweise vermeiden: Mit einem gesunden Lebensstil, Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken sowie dem Vermeiden von Rauchen und Umweltgiften können Sie Lungen- und Nierenproblemen vorbeugen.
Impfungen
Eine Grippeimpfung und eine Impfung gegen Pneumokokken werden vor allem für Menschen mit chronischen Lungen- oder Nierenerkrankungen empfohlen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob die Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Für gesunde Menschen ist kein routinemäßiges Screening mit einer Blutgasanalyse nötig. Bei Risikopatienten (z. B. chronische Bronchitis) kann der Arzt im Rahmen der Vorsorge eine Lungenfunktionsprüfung oder Pulsoxymetrie durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte Sauerstoffmangelzustände können zu Organschäden (z. B. Herz, Gehirn) führen
- Schwere Übersäuerung (Azidose) kann zu Bewusstlosigkeit oder Herzrhythmusstörungen führen
- Chronische Lungenerkrankungen können sich verschlimmern und die Lebensqualität stark einschränken
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung haben die meisten Menschen mit Erkrankungen, die eine Blutgasanalyse erfordern, eine gute Prognose. Der Test hilft, die Therapie genau auf Sie abzustimmen. Auch ernste Zustände wie eine Übersäuerung lassen sich meist gut behandeln. Bleiben Sie in regelmäßigem Kontakt mit Ihrem Arzt – so können Komplikationen früh erkannt werden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Patientenleitlinie der AWMF zur Blutgasanalyse ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
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