Bluttests während einer Chemotherapie: Was sie über Nebenwirkungen verraten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bluttests während einer Chemotherapie sind regelmäßige Laboruntersuchungen, die zeigen, wie der Körper auf die Behandlung reagiert. Sie helfen Ihrem Behandlungsteam, Nebenwirkungen früh zu erkennen – noch bevor Sie Beschwerden spüren. Dabei werden vor allem die Blutkörperchen (rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen) und die Funktion von Leber und Nieren kontrolliert.
Wichtige Fakten
- Bluttests während einer Chemotherapie sind Routine – sie gehören zur Standardbetreuung.
- Die Tests messen, wie gut Ihr Knochenmark arbeitet und ob Ihre Organe mit der Behandlung zurechtkommen.
- Niedrige Werte können oft mit Medikamenten (z. B. Wachstumsfaktoren) oder Bluttransfusionen ausgeglichen werden.
Ja, fast alle Menschen, die eine Chemotherapie erhalten, bekommen regelmäßig solche Bluttests. Sie sind ein wichtiger Teil der Behandlung.
Jeder, der eine Chemotherapie bekommt – egal, ob wegen Krebs oder anderen Erkrankungen. Die Häufigkeit der Tests hängt von der Art der Chemotherapie und Ihrem Gesundheitszustand ab.
Symptome
- Atemnot oder Brustschmerzen
- Plötzliche Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein (Schlaganfallzeichen)
- Blutiger Durchfall oder Erbrechen von Blut
- Fieber mit Körpertemperatur über 38 °C – sofort den Notruf 112 oder die behandelnde Klinik anrufen
- ⚠Fieber (auch leicht) – noch am selben Tag mit dem Behandlungsteam sprechen
- ⚠Anzeichen einer Infektion: Schüttelfrost, Halsschmerzen, Husten, Brennen beim Wasserlassen
- ⚠Unerklärliche Blutergüsse oder langanhaltende Blutungen
- ⚠Starke Müdigkeit, die den Alltag unmöglich macht
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Schwäche (durch Blutarmut/Anämie)
- Fieber oder Schüttelfrost (kann auf Infektion durch zu wenig weiße Blutkörperchen hinweisen)
- Leichte Blutergüsse oder Nasenbluten (durch niedrige Blutplättchen/Thrombozytopenie)
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können niedrige Blutwerte schneller zu Infektionen führen. Achten Sie auf Fieber, Husten oder auffällige Müdigkeit.
- Auch Appetitlosigkeit oder ungewöhnliche Blässe können auf Blutarmut hinweisen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft weniger Reserve in Knochenmark und Organen. Symptome wie Verwirrtheit oder Schwindel können auf Blutarmut oder Elektrolytstörungen hindeuten.
- Infektionen können ohne typisches Fieber verlaufen – achten Sie auf allgemeines Unwohlsein.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Chemotherapie greift nicht nur Krebszellen an, sondern auch schnell wachsende gesunde Zellen – vor allem im blutbildenden Knochenmark.
- Verschiedene Chemotherapeutika können die Produktion von roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Blutplättchen vorübergehend unterdrücken.
- Manche Chemotherapien belasten auch Leber und Nieren, was in Bluttests sichtbar wird.
Risikofaktoren
- Art und Kombination der Chemotherapie (manche sind stärker knochenmarkschädigend)
- Vorerkrankungen wie chronische Nierenschwäche oder Lebererkrankungen
- Alter – ältere und sehr junge Menschen haben oft weniger Reserven
- Vorhergehende Strahlentherapie (besonders auf große Knochenareale)
- Allgemeiner Gesundheitszustand und Ernährungszustand
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jedem Fieber während der Chemotherapie (auch abends oder am Wochenende)
- Wenn Sie Anzeichen einer Infektion bemerken (z. B. Halsschmerzen, Husten, Durchfall)
- Bei ungewöhnlichen Blutungen oder Blutergüssen
- Bei plötzlicher Atemnot oder starken Schmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Alle Bluttests, die Ihr Behandlungsteam anordnet, sollten eingehalten werden – auch wenn Sie sich wohl fühlen.
- Besprechen Sie jeden auffälligen Wert mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
- Fragen Sie bei der nächsten turnusmäßigen Kontrolle nach Ihren aktuellen Blutwerten und was sie bedeuten.
Diagnose
Die Bluttests werden durch eine Blutabnahme aus der Armvene durchgeführt. Meist wird ein kleines Blutbild (Hämoglobin, Leukozyten, Thrombozyten) plus Leber- und Nierenwerte bestimmt. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb von Stunden vor.
Mögliche Untersuchungen
- Kleines Blutbild: misst rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen
- Differentialblutbild: genaue Aufteilung der weißen Blutkörperchen (z. B. Neutrophile, Lymphozyten)
- Leberwerte (z. B. GOT, GPT, Gamma-GT, Bilirubin)
- Nierenwerte (z. B. Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte wie Kalium und Natrium)
- Gerinnungswerte (z. B. INR, PTT) bei bestimmten Chemotherapien
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme dauert nur wenige Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Vor der Chemotherapie wird oft direkt vor der Gabe Blut abgenommen. Manchmal werden Sie auch ein bis zwei Tage nach der Chemotherapie kontrolliert. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen das genaue Schema.
Behandlung
Blutauffälligkeiten werden je nach Schwere und Ursache behandelt. Ziel ist es, Nebenwirkungen zu lindern und die Chemotherapie so sicher wie möglich fortzusetzen.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf eine gute Hygiene – regelmäßiges Händewaschen schützt vor Infektionen.
- Vermeiden Sie Kontakt zu kranken Personen oder Menschen, die kürzlich geimpft wurden (z. B. Lebendimpfungen).
- Ernähren Sie sich ausgewogen, wenn möglich; viel trinken (besonders bei Nierenbelastung).
- Ruhen Sie sich bei Müdigkeit aus, aber bewegen Sie sich auch sanft, z. B. kurze Spaziergänge.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch – notieren Sie Fieber, Blutergüsse oder andere Auffälligkeiten.
Medizinische Behandlungen
Bei zu niedrigen weißen Blutkörperchen kann Ihr Arzt Wachstumsfaktoren (sogenannte G-CSF-Präparate) verschreiben, die die Bildung neuer Abwehrzellen anregen. Bei Blutarmut können Eisenpräparate oder Bluttransfusionen helfen. Sind die Blutplättchen stark abgefallen, werden ebenfalls Thrombozytenkonzentrate gegeben. Infektionen werden mit Antibiotika behandelt, die genau auf die Erreger abgestimmt sind. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet Ihr Behandlungsteam individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen werden bei niedrigen Blutwerten (v. a. Thrombozyten <50.000/µl oder Neutrophile <1.000/µl) nach Möglichkeit verschoben, da das Blutungs- und Infektionsrisiko erhöht ist. Ihr Chirurg und Anästhesist besprechen mit Ihnen den besten Zeitpunkt.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Alltag flexibel – manche Tage sind besser, andere schlechter. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich Ruhepausen. Bitten Sie Familie oder Freunde um Hilfe bei Haushalt oder Einkäufen, wenn Sie sich schwach fühlen.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Rauchen und Alkohol, da sie Leber und Knochenmark zusätzlich belasten.
- Stress reduzieren – leichte Entspannungsübungen wie Meditation oder Atemtechniken können helfen.
- Bleiben Sie sozial verbunden, aber vermeiden Sie große Menschenmengen bei niedrigen Abwehrwerten.
- Sonnencreme und Hautpflege sind wichtig, da Chemotherapie die Haut empfindlich macht.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn und magerem Eiweiß unterstützt Ihren Körper. Vermeiden Sie rohe Lebensmittel (z. B. rohes Fleisch, Rohmilchkäse) bei geschwächtem Immunsystem. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder sanftes Yoga kann Müdigkeit lindern und die Stimmung heben. Fragen Sie Ihren Arzt, was für Sie geeignet ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die regelmäßigen Bluttests können Ängste auslösen – das ist ganz normal. Viele Menschen fühlen sich unsicher, ob die Werte in Ordnung sind. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über Ihre Sorgen. Psychoonkologische Beratung oder Gespräche mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen können sehr helfen.
Vorbeugung
Nicht alle Nebenwirkungen der Chemotherapie lassen sich verhindern, aber die regelmäßigen Bluttests helfen, sie früh zu erkennen und zu behandeln. So können schwere Komplikationen oft vermieden werden.
Impfungen
Besprechen Sie vor Beginn der Chemotherapie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen (z. B. gegen Grippe oder Pneumokokken) sinnvoll sind. Lebendimpfungen (wie Masern oder Gelbfieber) sind während der Chemotherapie meist nicht erlaubt.
Früherkennungsprogramme
Vor und während der Chemotherapie werden routinemäßig Bluttests durchgeführt – das ist das wichtigste Screening. Lassen Sie außerdem regelmäßig Ihren Haut- und Mundschleimhautzustand kontrollieren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Infektionen (Sepsis) durch stark erniedrigte weiße Blutkörperchen
- Blutarmut (Anämie) mit starker Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Herz-Kreislauf-Problemen
- Blutungsneigung (z. B. innere Blutungen) bei Thrombozytenmangel
- Nieren- oder Leberschäden, die die Chemotherapie gefährden
- Verzögerung oder Dosisreduktion der Chemotherapie, was den Therapieerfolg mindern kann
Langzeitprognose
Dank moderner Blutkontrollen und unterstützender Therapien können die meisten Nebenwirkungen gut gemanagt werden. Ihr Behandlungsteam wird alles dafür tun, dass Sie die Chemotherapie sicher und so gut wie möglich durchstehen. Bleiben Sie zuversichtlich – es gibt viele Möglichkeiten, Sie zu unterstützen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Krebshilfe ↗ · Deutschland
- Deutsche Krebsgesellschaft ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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