Erektile Dysfunktion: Übersicht der Untersuchungen und Tests
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Erektile Dysfunktion (ED) bedeutet, dass ein Mann über einen längeren Zeitraum hinweg Schwierigkeiten hat, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreicht. Die Untersuchungen helfen herauszufinden, ob die Ursache körperlich (z. B. Durchblutung, Nerven) oder psychisch (z. B. Stress) ist.
Wichtige Fakten
- Erektile Dysfunktion ist sehr häufig – etwa jeder zweite Mann über 40 ist zeitweise betroffen.
- Die meisten Ursachen sind behandelbar, oft mit einfachen Maßnahmen.
- Spezielle Tests können helfen, die genaue Ursache zu finden und die beste Behandlung zu wählen.
Ja, erektile Dysfunktion ist eine der häufigsten sexuellen Störungen bei Männern. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, aber auch jüngere Männer können betroffen sein.
Erektile Dysfunktion betrifft hauptsächlich Männer. Sie kann in jedem Alter auftreten, wird aber mit steigendem Lebensalter häufiger. Auch Männer mit bestimmten Grunderkrankungen (wie Diabetes, Bluthochdruck) oder psychischen Belastungen sind häufiger betroffen.
Symptome
- Plötzliche, schmerzhafte Dauererektion (Priapismus) – eine Erektion, die länger als 4 Stunden anhält und sehr schmerzhaft ist. Rufen Sie sofort den Notruf 112!
- Plötzlicher Verlust der Erektion zusammen mit starken Schmerzen im unteren Rücken, Bauch oder in den Hoden – kann auf eine ernste Durchblutungsstörung oder einen Notfall hinweisen.
- ⚠Erektionsprobleme, die nach einer Verletzung im Genitalbereich oder Becken auftreten
- ⚠Erektionsprobleme zusammen mit Taubheitsgefühl oder Schwäche in den Beinen
- ⚠Wenn Sie plötzlich überhaupt keine Erektion mehr bekommen können, vor allem wenn Sie vorher keine Probleme hatten
Häufige Symptome
- Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen
- Schwierigkeiten, eine Erektion während des Geschlechtsverkehrs aufrechtzuerhalten
- Verringertes sexuelles Verlangen (Libido)
- Erektionen, die nicht fest genug für den Geschlechtsverkehr sind
Symptome bei Kindern
- Dieses Thema betrifft in der Regel Kinder nicht. Bei Jungen vor der Pubertät treten Erektionen normalerweise nicht im sexuellen Kontext auf. Wenn Eltern Bedenken haben, sollten sie einen Kinderarzt aufsuchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter kann es länger dauern, bis eine Erektion eintritt, und sie kann weniger fest sein. Das ist oft normal. Wenn die Erektionsprobleme aber plötzlich auftreten oder sich stark verschlimmern, sollte man einen Arzt aufsuchen.
Ursachen
Hauptursachen
- Durchblutungsstörungen (z. B. verengte Blutgefäße durch Arteriosklerose)
- Nervenschäden (z. B. durch Diabetes, Bandscheibenvorfall oder Operationen im Beckenbereich)
- Hormonelle Störungen (z. B. niedriger Testosteronspiegel)
- Psychische Faktoren (z. B. Stress, Angst vor Versagen, Depressionen)
- Medikamente (z. B. Blutdrucksenker, Antidepressiva) – als mögliche Nebenwirkung
Risikofaktoren
- Alter (über 50 Jahre)
- Rauchen
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Psychische Belastungen (z. B. Beziehungsprobleme, Arbeitsstress)
- Alkohol- oder Drogenkonsum
- Bestimmte Operationen oder Bestrahlungen im Beckenbereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Erektionsprobleme plötzlich und ohne erkennbaren Grund auftreten
- Wenn Sie gleichzeitig starke Schmerzen im Rücken, Bauch oder Hoden haben
- Wenn Sie nach einer Verletzung keine Erektion mehr bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Erektionsprobleme länger als drei Monate andauern
- Wenn Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin nicht mehr sexuell zufriedenstellen können
- Wenn Sie sich wegen der Probleme unwohl fühlen oder sie Ihre Beziehung belasten
- Wenn Sie eine Grunderkrankung wie Diabetes oder Herzkrankheit haben
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Krankengeschichte, Ihre sexuellen Probleme, Ihren Lebensstil und mögliche Grunderkrankungen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Je nach Verdacht werden weitere Tests durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung (z. B. Blutzucker, Cholesterin, Testosteron, Schilddrüsenwerte)
- Urinuntersuchung (zum Ausschluss von Infektionen oder Zucker im Urin)
- Ultraschall der Penisschlagadern (Doppler-Sonographie) – misst die Durchblutung
- Nächtliche Erektionstest (mit einem kleinen Gerät zu Hause, das die nächtlichen Erektionen aufzeichnet)
- Injektionstest (der Arzt spritzt ein Medikament in den Penis, um die Erektionsfähigkeit zu prüfen – nur unter Aufsicht)
- Psychologische Befragung oder Fragebögen (z. B. IIEF-Fragebogen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist ambulant und schmerzarm. Der Arzt wird Sie über jeden Schritt aufklären. Manchmal sind mehrere Termine nötig. Bei manchen Tests (z. B. Injektionstest) kann es zu einer vorübergehenden Erektion kommen. Lassen Sie sich alle Fragen beantworten, die Sie haben. Die Diagnostik folgt den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Oft helfen schon Lebensstiländerungen. Es gibt verschiedene wirksame Behandlungen, die Ihr Arzt mit Ihnen besprechen kann. Keine Behandlung wird ohne Ihre Zustimmung durchgeführt.
Selbsthilfe zu Hause
- Mehr Bewegung (z. B. täglich 30 Minuten zügiges Gehen)
- Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
- Gewicht reduzieren, wenn Sie übergewichtig sind
- Rauchen aufgeben
- Alkoholkonsum einschränken
- Stress reduzieren (z. B. durch Entspannungsübungen, Yoga, ausreichend Schlaf)
- Offene Gespräche mit der Partnerin/dem Partner über Wünsche und Ängste
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann verschiedene Behandlungsansätze vorschlagen: orale Medikamente (sogenannte PDE-5-Hemmer), die die Durchblutung fördern – diese werden nur auf Rezept verschrieben und niemals ohne ärztliche Aufsicht eingenommen. Weitere Optionen sind lokal wirkende Medikamente (z. B. als Creme oder Zäpfchen), Vakuumpumpen oder Schwellkörperinjektionen (der Arzt zeigt Ihnen, wie Sie sich selbst spritzen). Auch eine Hormontherapie (bei Testosteronmangel) oder Psychotherapie (z. B. bei Leistungsangst) kann helfen. Die genaue Auswahl trifft Ihr Arzt mit Ihnen gemeinsam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (z. B. Einsetzen einer Penisprothese) kommt nur in sehr seltenen Fällen in Frage, wenn alle anderen Behandlungen nicht wirken oder nicht möglich sind. Dies wird ausführlich mit einem Facharzt für Urologie besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Männer lernen gut, mit Erektionsproblemen umzugehen. Es ist wichtig, sich nicht unter Druck zu setzen. Sex ist mehr als nur eine Erektion. Kommunikation mit der Partnerin/dem Partner und gemeinsame Zärtlichkeit können die Beziehung stärken.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige körperliche Aktivität (z. B. Radfahren, Schwimmen, Krafttraining für den Beckenboden)
- Gesundes Körpergewicht halten
- Nicht rauchen
- Alkohol in Maßen genießen
- Ausreichend Schlaf und Stressmanagement
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung (z. B. Mittelmeerkost mit viel Fisch, Nüssen, Olivenöl) verbessert die Durchblutung und kann Erektionsproblemen vorbeugen. Tägliche Bewegung von mindestens 30 Minuten ist sehr empfehlenswert – auch einfaches Spazierengehen hilft.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Erektionsprobleme können Selbstvertrauen und Stimmung belasten. Viele Männer fühlen sich beschämt oder unzulänglich. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies kein Zeichen von Schwäche ist. Psychologische Unterstützung oder Paartherapie können sehr helfen. Bei anhaltenden depressiven Gedanken suchen Sie bitte frühzeitig ärztliche Hilfe.
Vorbeugung
Nicht immer, aber ein gesunder Lebensstil kann das Risiko deutlich senken. Dazu gehören: Nichtrauchen, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, normales Körpergewicht, gut eingestellter Blutzucker und Blutdruck sowie Stressvermeidung. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Check-up beim Hausarzt) helfen, Risikofaktoren früh zu erkennen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Screening für erektile Dysfunktion. Aber im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsvorsorge (z. B. alle 2 Jahre Check-up ab 35) werden oft Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes erkannt, die später zu Erektionsproblemen führen können. Sprechen Sie Ihren Arzt bei diesen Vorsorgeterminen direkt auf das Thema an – das ist völlig in Ordnung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Erektionsprobleme können zu psychischen Belastungen führen (z. B. geringes Selbstwertgefühl, Angst, Depressionen)
- Belastung der Partnerschaft bis hin zu Trennung
- Wenn die Ursache eine unbehandelte Grunderkrankung ist (z. B. Diabetes oder Herzkrankheit), kann diese fortschreiten und weitere gesundheitliche Probleme verursachen
Langzeitprognose
Die meisten Fälle von erektiler Dysfunktion sind gut behandelbar. Mit der richtigen Diagnose und Behandlung können viele Männer wieder ein befriedigendes Sexualleben führen. Auch wenn die Ursache nicht vollständig heilbar ist (z. B. bei Nervenschäden), gibt es wirksame Hilfsmittel und Strategien. Eine offene Einstellung und frühzeitige ärztliche Hilfe verbessern die Prognose erheblich. Sie sind nicht allein – viele Männer haben ähnliche Erfahrungen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) ↗ · Deutschland
- Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.