Bluttest bei Lymphödem: Was er aussagt und wann er sinnvoll ist
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn die Lymphflüssigkeit nicht richtig abfließen kann. Die Lymphflüssigkeit transportiert Abfallstoffe aus dem Gewebe. Ein Bluttest allein kann ein Lymphödem nicht nachweisen. Aber Ärzte nutzen Bluttests, um andere Ursachen für die Schwellung auszuschließen oder um Begleiterkrankungen zu erkennen.
Wichtige Fakten
- Es gibt keinen spezifischen Bluttest, der ein Lymphödem direkt anzeigt.
- Bluttests helfen vor allem, andere Erkrankungen wie Herz-, Nieren- oder Venenprobleme auszuschließen.
- Bei Verdacht auf ein Lymphödem stützt sich die Diagnose meist auf die körperliche Untersuchung und Bildgebung wie Ultraschall oder Lymphszintigrafie.
- Ein Bluttest kann zudem Hinweise auf Entzündungen (z. B. Wundrose) oder genetische Formen des Lymphödems geben.
Lymphödeme sind nicht selten. Schätzungsweise sind in Deutschland mehrere Hunderttausend Menschen betroffen, vor allem nach Krebsbehandlungen oder Operationen.
Ein Lymphödem kann jeden treffen. Besonders häufig tritt es nach Krebsoperationen (z. B. Brustkrebs) auf, bei angeborenen Fehlbildungen des Lymphsystems oder nach Verletzungen. Auch Übergewicht erhöht das Risiko.
Symptome
- Plötzliche, starke Schwellung eines Arms oder Beins – das kann auf eine tiefe Beinvenenthrombose hinweisen
- Die geschwollene Stelle wird plötzlich rot, heiß und schmerzhaft – das sind Zeichen einer akuten Infektion (Wundrose)
- Fieber mit Schüttelfrost gemeinsam mit der Schwellung
- ⚠Die Schwellung nimmt trotz Behandlung schnell zu
- ⚠Offene Stellen oder Blasen auf der geschwollenen Haut
- ⚠Starke Schmerzen oder Taubheitsgefühl in der betroffenen Gliedmaße
Häufige Symptome
- Schwellung eines Arms oder Beins, die meist einseitig ist
- Schwere- oder Spannungsgefühl in der betroffenen Region
- Die Haut fühlt sich fest an, ein Eindrücken hinterlässt oft keine Delle
- Eingeschränkte Beweglichkeit oder Unbehagen im Gelenk
- Wiederholte Infektionen (Wundrose) in der geschwollenen Stelle
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigt sich ein angeborenes Lymphödem oft an Füßen oder Händen
- Die Schwellung kann von Geburt an oder in den ersten Lebensjahren auftreten
- Wachstumsstörungen oder vermehrte Infektionen sind möglich
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann ein Lymphödem leichter mit anderen Schwellungsursachen (z. B. Herzschwäche) verwechselt werden
- Die Haut wird dünner und anfälliger für Verletzungen und Infektionen
- Die Mobilität kann durch die Schwellung zusätzlich eingeschränkt sein
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Störungen des Lymphsystems (primäres Lymphödem)
- Schädigung der Lymphbahnen durch Operationen, Bestrahlung oder Unfälle (sekundäres Lymphödem)
- Infektionen, die die Lymphgefäße verengen oder zerstören
- Tumore, die auf Lymphknoten drücken
Risikofaktoren
- Krebserkrankungen und deren Behandlungen (Operation, Bestrahlung)
- Übergewicht (Adipositas) – das zusätzliche Gewebe erschwert den Lymphabfluss
- Wiederholte Hautentzündungen (Wundrosen)
- Langes Stehen oder Sitzen ohne Bewegung
- Vererbung (in manchen Familien tritt ein Lymphödem gehäuft auf)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie eine plötzliche Schwellung bemerken – vor allem nach einer Operation oder Reise (Risiko für Thrombose)
- Bei Fieber, Rötung und Schmerzen in der geschwollenen Stelle (Verdacht auf Infektion)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine anhaltende Schwellung an Arm oder Bein haben, die nicht von allein zurückgeht
- Nach einer Krebsbehandlung zur Früherkennung eines Lymphödems
- Bei wiederholten Hautinfektionen an derselben Stelle
Diagnose
Die Diagnose eines Lymphödems erfolgt in erster Linie durch die körperliche Untersuchung und die Krankengeschichte (Anamnese). Der Arzt oder die Ärztin tastet die Schwellung ab, prüft die Hautbeschaffenheit und sucht nach Anzeichen einer Entzündung. Ein Bluttest kann dabei helfen, andere Ursachen wie eine Herz- oder Nierenschwäche auszuschließen. Falls nötig, werden bildgebende Verfahren eingesetzt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Sie kann Entzündungswerte, Nieren- und Leberfunktion sowie Eiweißwerte messen, um andere Erkrankungen auszuschließen
- Lymphszintigrafie: Dabei wird eine schwach radioaktive Substanz gespritzt und mit einer Kamera der Abfluss der Lymphflüssigkeit verfolgt
- Ultraschall (Sonografie): Er zeigt die Weichteilstrukturen und kann Flüssigkeitsansammlungen sichtbar machen
- Bei Verdacht auf eine Venenthrombose wird zusätzlich eine Venenuntersuchung (Duplexsonografie) durchgeführt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Beim Arztbesuch werden Sie zu Ihren Beschwerden und Vorerkrankungen befragt. Für die Blutentnahme wird Ihnen eine kleine Menge Blut abgenommen – das ist meist schnell und unkompliziert. Bei der Lymphszintigrafie müssen Sie nach der Injektion etwa eine Stunde warten, während die Aufnahmen gemacht werden. Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei oder nur kurz unangenehm.
Behandlung
Ein Lymphödem ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Das Ziel ist, die Schwellung zu reduzieren und Komplikationen wie Infektionen zu vermeiden. Die Behandlung wird individuell angepasst und umfasst meist eine Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompression, Bewegung und Hautpflege. Bluttests spielen bei der Behandlungssteuerung eine untergeordnete Rolle, können aber helfen, den Verlauf zu überwachen.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie Kompressionsstrümpfe oder -ärmel, wie vom Arzt verordnet – genau jeden Tag anziehen
- Bewegen Sie die betroffene Gliedmaße regelmäßig, z. B. leichte Übungen wie Faustöffnen oder Fußkreisen
- Pflegen Sie die Haut täglich mit einer rückfettenden Lotion, um Risse und Infektionen zu vermeiden
- Vermeiden Sie enge Kleidung oder Schmuck an der geschwollenen Seite
- Halten Sie die betroffene Stelle sauber und schützen Sie sie vor Verletzungen
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung besteht aus physiotherapeutischen Maßnahmen wie manueller Lymphdrainage (eine spezielle Massagetechnik) und Kompressionstherapie mit Bandagen oder maßgefertigten Strümpfen. In manchen Fällen kommen medikamentöse Therapien zum Einsatz, die die Flüssigkeitsausscheidung fördern (Diuretika) – diese werden jedoch nur kurzzeitig und unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt. Neue Ansätze wie die Liposuktion (Fettabsaugung) können bei bestimmten Formen des Lymphödems helfen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu den Optionen beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt selten in Frage, meist erst wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Verfahren wie die lymphovenöse Anastomose (Umleitung von Lymphflüssigkeit in Venen) oder die Liposuktion können in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Die Entscheidung trifft der Arzt nach sorgfältiger Abwägung.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem Lymphödem können Sie gut leben – es erfordert aber tägliche Aufmerksamkeit. Planen Sie Zeit für die Hautpflege und das Anlegen der Kompressionsstrümpfe ein. Viele Menschen gewöhnen sich schnell daran. Achten Sie darauf, die betroffene Stelle nicht zu verletzen (z. B. beim Rasieren, Ausschneiden von Hühneraugen). Informieren Sie andere Ärzte, dass Sie ein Lymphödem haben – zum Beispiel vor einer Blutdruckmessung oder Impfung.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie in Bewegung – Schwimmen, Spazierengehen oder Radfahren sind besonders geeignet
- Vermeiden Sie extremes Heben oder Überlastung der betroffenen Gliedmaße
- Tragen Sie locker sitzende Kleidung und bequeme Schuhe
- Achten Sie auf Ihr Gewicht, denn Übergewicht verschlechtert den Lymphabfluss
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz kann helfen, die Schwellung zu verringern. Trinken Sie ausreichend Wasser. Spezielle Diäten sind nicht nötig. Regelmäßige Bewegung fördert die Lymphdrainage – besonders Übungen, bei denen die Muskeln die Lymphgefäße massieren (z. B. leichtes Krafttraining, Yoga).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Lymphödem kann das Körperbild verändern und manchmal zu Unwohlsein oder Scham führen. Das ist normal. Es hilft, sich über die Behandlung zu informieren und eine positive Einstellung zu entwickeln. Suchen Sie sich Unterstützung – bei Freunden, in Selbsthilfegruppen oder bei einem Psychologen, falls die seelische Belastung groß wird.
Vorbeugung
Ein angeborenes Lymphödem lässt sich nicht verhindern. Bei erworbenem Lymphödem (z. B. nach Krebsoperation) können Sie das Risiko senken, indem Sie die betroffene Gliedmaße schonen, Übergewicht vermeiden und auf gute Hautpflege achten. Nach einer Operation kann eine frühzeitige Lymphdrainage helfen. Lassen Sie sich von Ihrem medizinischen Team beraten.
Impfungen
Impfungen sind wichtig – fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie Impfungen in die betroffene Gliedmaße vermeiden sollten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein generelles Screening auf Lymphödem. Wenn Sie zur Risikogruppe gehören (z. B. nach Brustkrebs), sollten Sie regelmäßig Ihre Arme und Beine kontrollieren und bei ersten Anzeichen einer Schwellung einen Arzt aufsuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Hautinfektionen (Wundrose), die schwer verlaufen können
- Vernarbung und Verhärtung des Gewebes (Fibrose)
- Eingeschränkte Beweglichkeit und Funktion der Gliedmaße
- Selten: Lymphangiosarkom – eine bösartige Tumorerkrankung im geschwollenen Bereich
Langzeitprognose
Die Prognose eines Lymphödems ist bei konsequenter Behandlung gut. Die Schwellung lässt sich meist deutlich reduzieren und Komplikationen vermeiden. Ein erfülltes Leben mit vielen Aktivitäten ist möglich – viele Menschen lernen, gut mit ihrem Lymphödem umzugehen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Lymphologie (DGL) · Deutschland
- Lymphnetzwerk e.V. · Deutschland
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.