Hormonuntersuchungen beim Mann – ein Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hormonuntersuchungen beim Mann sind Bluttests, die die Mengen verschiedener Hormone im Körper messen. Hormone sind Botenstoffe, die viele Körperfunktionen steuern, wie zum Beispiel den Stoffwechsel, die Stimmung und die Fortpflanzung. Die wichtigsten männlichen Hormone sind Testosteron und seine Vorstufen.
Wichtige Fakten
- Der Testosteronspiegel schwankt im Laufe des Tages – morgens ist er am höchsten.
- Eine einzelne Blutabnahme reicht oft nicht aus; manchmal sind mehrere Messungen nötig.
- Niedriger Testosteronspiegel (Hypogonadismus) kann mit oder ohne Beschwerden auftreten.
- Die besten Referenzwerte hängen vom Alter und Tageszeit der Blutabnahme ab.
Hormonuntersuchungen beim Mann werden häufig durchgeführt, vor allem bei Verdacht auf einen Testosteronmangel. Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel bei vielen Männern, aber nicht jeder entwickelt Beschwerden.
Betroffen sind in erster Linie Männer, die Symptome eines Hormonungleichgewichts haben – etwa verminderte Libido, Müdigkeit oder Probleme mit der Fruchtbarkeit. Auch Männer mit bestimmten Grunderkrankungen wie Diabetes oder Übergewicht lassen häufiger ihre Hormone kontrollieren.
Symptome
- Plötzlich auftretende starke Hoden- oder Unterleibsschmerzen (kann auf Hodentorsion hinweisen – dann sofort 112 anrufen)
- Akute Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen (nicht typisch für Hormonprobleme, aber immer Notfall)
- ⚠Schwere oder sich rasch verschlechternde Symptome wie extreme Müdigkeit oder unerklärlicher Gewichtsverlust
- ⚠Erektionsstörungen, die plötzlich nach einem Unfall oder einer Operation auftreten
Häufige Symptome
- Verminderter Geschlechtstrieb (Libidoverlust)
- Erektionsstörungen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit
- Verlust von Muskelmasse und Zunahme von Bauchfett
- Nachlassen der Körperbehaarung (z. B. Brustbehaarung)
Symptome bei Kindern
- Bei Jungen vor der Pubertät kann ein Hormonmangel zu verzögerter oder ausbleibender Pubertät führen.
- Zeichen: kein Stimmbruch, fehlende Bart- und Schambehaarung, Hochwuchs (überdurchschnittliche Körpergröße).
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ähnliche Symptome wie bei jüngeren Männern, oft aber mit altersbedingtem Knochenschwund (Osteoporose) verbunden.
- Auch Gedächtnisprobleme können ein Hinweis sein, sollten aber nicht automatisch auf Hormone zurückgeführt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Alterungsprozess: Der Testosteronspiegel sinkt natürlicherweise ab etwa 40–50 Jahren.
- Primäre Hodeninsuffizienz: Die Hoden selbst produzieren zu wenig Testosteron (z. B. durch Hodenverletzung, Chemotherapie oder Gendefekte wie Klinefelter-Syndrom).
- Sekundärer Hypogonadismus: Problemen in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder im Hypothalamus, die die Testosteronproduktion steuern (z. B. durch Tumore, Entzündungen oder bestimmte Medikamente).
- Übergewicht und ungesunde Lebensweise können den Hormonspiegel negativ beeinflussen.
Risikofaktoren
- Fortgeschrittenes Alter
- Starkes Übergewicht (Adipositas)
- Diabetes mellitus Typ 2
- Bestimmte Medikamente, z. B. Opioide oder Glukokortikoide (Kortison)
- Chronische Nieren- oder Lebererkrankungen
- Bestehende Störungen der Keimdrüsen (z. B. Hodenhochstand in der Kindheit)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Hodenschmerzen oder -schwellung (Dringlichkeit: sofort zum Arzt oder Notaufnahme)
- Akute Bewusstseinsveränderungen oder starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen (kann auf Hypophysenstörung hindeuten)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende, nicht erklärliche Müdigkeit, Libidoverlust oder Erektionsstörungen
- Fruchtbarkeitswunsch und Verdacht auf Hormonstörung
- Verzögerte Pubertät bei Jungen
- Routineuntersuchung bei bestehenden Risikofaktoren (z. B. Diabetes)
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Befragung (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Danach folgen Bluttests, die in der Regel morgens zwischen 8 und 10 Uhr durchgeführt werden, da der Testosteronspiegel dann am höchsten ist.
Mögliche Untersuchungen
- Gesamttestosteron im Blut
- Freies Testosteron (der biologisch aktive Anteil) – wird berechnet oder direkt gemessen
- LH und FSH (Hormone der Hirnanhangsdrüse, die die Hoden steuern)
- Prolaktin (wird bei Verdacht auf Hypophysenstörung gemessen)
- Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) – hilft bei der Berechnung des freien Testosterons
- Weitere Hormone wie Östradiol oder Kortisol bei Bedarf
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Für die Blutabnahme sollten Sie nüchtern oder zumindest morgens kommen. Oft werden mehrere Blutproben an verschiedenen Tagen benötigt. Ein normales Ergebnis schließt eine Hormonstörung nicht immer aus – entscheidend sind die Beschwerden. Ihr Arzt wird mit Ihnen die Ergebnisse besprechen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie eine Kernspintomographie der Hypophyse veranlassen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und den Beschwerden. Bei einem nachgewiesenen Testosteronmangel (Hypogonadismus) kann eine Hormonersatztherapie (Testosteron) erwogen werden. Diese sollte jedoch nur nach Ausschluss von Kontraindikationen und unter ärztlicher Überwachung erfolgen. Auch Lebensstiländerungen können den Hormonspiegel verbessern.
Selbsthilfe zu Hause
- Gesunde Ernährung mit ausreichend Eiweiß und gesunden Fetten
- Regelmäßige Bewegung, insbesondere Krafttraining
- Ausreichend Schlaf (7–8 Stunden pro Nacht)
- Stress reduzieren, z. B. durch Entspannungstechniken
- Übergewicht abbauen
- Alkohol- und Nikotinkonsum einschränken
Medizinische Behandlungen
Bei bestätigtem Testosteronmangel können Arzneimittel mit dem Wirkstoff Testosteron in verschiedenen Darreichungsformen eingesetzt werden (z. B. Gel, Injektionen oder Pflaster). Die Therapie wird individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert. Bei sekundärem Hypogonadismus (Hypophysenstörung) kann auch eine Behandlung mit LH oder hCG in Erwägung gezogen werden. All diese Behandlungen erfordern eine genaue ärztliche Abwägung und Überwachung, da es Nebenwirkungen geben kann (z. B. Anstieg der roten Blutkörperchen).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten notwendig, zum Beispiel bei hormonproduzierenden Tumoren der Nebenniere oder der Hypophyse. Bei Hodenkrebs kann die operative Entfernung eines Hodens die Hormonproduktion beeinträchtigen, so dass dann eine Hormonersatztherapie nötig wird.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Männer mit Hormonstörungen können ein normales Leben führen. Die Behandlung – ob mit Medikamenten oder Lebensstiländerungen – erfordert oft etwas Geduld, bis sich die Symptome bessern. Wichtig ist, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen und bei neuen Beschwerden den Arzt zu informieren.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßiger Schlafrhythmus
- Stressmanagement (z. B. Yoga, Meditation, Spaziergänge)
- Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum
- Nicht rauchen
- Bei Testosterongel: Hautkontakt mit Frauen und Kindern vermeiden (Auftragungsstelle abdecken)
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, gesunden Fetten (z. B. aus Nüssen, Avocado, Olivenöl) und ausreichend Eiweiß (Fisch, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch) unterstützt den Hormonhaushalt. Krafttraining besonders an großen Muskelgruppen kann den Testosteronspiegel leicht anheben. Tägliche Bewegung von mindestens 30 Minuten wird empfohlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Hormonungleichgewicht kann die Stimmung beeinträchtigen und zu Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder sogar depressiven Verstimmungen führen. Es ist wichtig, diese psychischen Aspekte ernst zu nehmen und auch mit einem Psychologen oder Psychiater zu besprechen. Die Behandlung der körperlichen Ursache bessert oft auch die psychischen Symptome.
Vorbeugung
Manchen Hormonstörungen lässt sich durch eine gesunde Lebensweise vorbeugen, z. B. durch Normalgewicht, Bewegung und den Verzicht auf Rauchen. Ein natürlicher altersbedingter Abfall des Testosteronspiegels ist jedoch nicht aufzuhalten. Maßnahmen zur Früherkennung von Hoden- oder Hypophysentumoren können helfen, Hormonstörungen frühzeitig zu erkennen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein generelles Screening auf Hormonstörungen bei Männern. Eine Hormonmessung wird nur bei Beschwerden oder Risikofaktoren empfohlen (z. B. bei Fruchtbarkeitsproblemen).
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei unbehandeltem Testosteronmangel: Verlust der Knochendichte (Osteoporose), erhöhtes Risiko für Knochenbrüche
- Verminderte Libido und Potenz können langfristig zu Beziehungsproblemen führen
- Muskelschwund, Fettzunahme und verminderte Lebensqualität
- Bei Kindern: Verzögerung oder Ausbleiben der Pubertät, Kleinwuchs oder Hochwuchs
- Bei sekundärem Hypogonadismus: zugrundeliegende Erkrankung (z. B. Hypophysentumor) kann fortschreiten und Sehstörungen verursachen
Langzeitprognose
Die Prognose bei Hormonstörungen ist in den meisten Fällen gut, insbesondere wenn die Ursache behandelbar ist (z. B. durch Hormonersatztherapie oder Operation eines Tumors). Auch unabhängig von einer Behandlung können viele Männer durch eine gesunde Lebensweise ihre Hormonwerte verbessern. Wichtig ist eine frühzeitige Abklärung, um Spätfolgen zu vermeiden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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