Bluttest bei Unfruchtbarkeit des Mannes – einfach erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unfruchtbarkeit beim Mann bedeutet, dass ein Mann trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr innerhalb eines Jahres kein Kind zeugen kann. Ein Bluttest hilft, mögliche Ursachen zu finden, indem er die Menge bestimmter Hormone misst. Hormone sind Botenstoffe im Körper, die viele Vorgänge steuern – auch die Bildung von Spermien.
Wichtige Fakten
- Bei etwa jedem dritten Paar mit unerfülltem Kinderwunsch liegt die Ursache beim Mann.
- Ein Bluttest auf Hormone wie Testosteron oder FSH kann wichtige Hinweise geben.
- Die Untersuchung ist einfach, schmerzarm und wird meist beim Arzt oder im Labor durchgeführt.
- Die Ergebnisse helfen dem Arzt, die richtige Behandlung einzuleiten.
Ja, männliche Unfruchtbarkeit kommt häufig vor. Etwa 10 bis 15 Prozent der Paare in Deutschland haben ungewollt kinderlos, und bei etwa 30 bis 40 Prozent dieser Paare spielt der Mann eine Rolle.
Betroffen sind Männer jeden Alters, vor allem aber im Alter zwischen 20 und 45 Jahren, wenn der Kinderwunsch besteht. Auch jüngere Männer können betroffen sein, etwa nach Infektionen oder durch angeborene Faktoren.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Hodenbereich.
- Schwellung oder Verhärtung eines Hodens ohne erkennbare Ursache.
- Hodenverletzung nach einem Unfall.
- ⚠Anhaltende Hodenschmerzen, die nicht von selbst verschwinden.
- ⚠Fieber mit Hodenschwellung – könnte eine Entzündung sein.
- ⚠Blut im Urin oder im Samenerguss.
Häufige Symptome
- Keine Symptome – oft besteht nur der unerfüllte Kinderwunsch.
- Veränderungen der Hoden (z. B. Schwellung, Schmerzen).
- Probleme mit der Erektion oder dem Samenerguss.
- Verringertes sexuelles Verlangen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassende Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter (meist ab 40–45 Jahren).
- Häufiger auftretende Erektionsstörungen.
Ursachen
Hauptursachen
- Hormonelle Störungen: zu wenig Testosteron oder zu viel Prolaktin.
- Krampfadern im Hodensack (Varikozele) – sie können die Spermienproduktion beeinträchtigen.
- Infektionen: etwa Mumps nach der Pubertät oder Geschlechtskrankheiten.
- Genetische Ursachen: z. B. Veränderungen an den Geschlechtschromosomen.
- Bestehen von Hodenhochstand in der Kindheit, der nicht behandelt wurde.
Risikofaktoren
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum.
- Übergewicht oder starkes Untergewicht.
- Dauerhafter Stress.
- Bestimmte Medikamente (z. B. gegen Krebs, Haarausfall oder Depressionen).
- Hitze: häufiges Saunieren, enge Unterwäsche oder langes Sitzen.
- Umweltgifte, z. B. Pestizide oder Schwermetalle.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche starke Hodenschmerzen oder -schwellung.
- Fieber mit Hodenschmerzen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie mit Ihrer Partnerin seit mindestens einem Jahr regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ohne dass eine Schwangerschaft eintritt.
- Wenn Sie frühere Hodenverletzungen oder -infektionen hatten.
- Wenn Sie eine Behandlung mit möglicherweise unfruchtbarkeitsfördernden Medikamenten beginnen oder beendet haben.
Diagnose
Der Arzt beginnt mit einem Gespräch (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Der Bluttest bei männlicher Unfruchtbarkeit misst Hormone wie Testosteron, FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon). Diese Hormone geben Aufschluss über die Funktion der Hoden und der Hirnanhangdrüse (Hypophyse).
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Bestimmung verschiedener Hormonspiegel.
- Spermiogramm: Untersuchung des Samenergusses auf Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien.
- Ultraschall der Hoden und des Hodensacks.
- Genetische Tests: z. B. auf Veränderungen im Y-Chromosom.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Bluttest wird meist morgens nüchtern durchgeführt. Die Blutentnahme dauert nur wenige Minuten und ist kaum schmerzhaft. Die Ergebnisse liegen meist nach einigen Tagen vor. Der Arzt bespricht sie mit Ihnen und erklärt die nächsten Schritte. Einen Bluttest müssen Sie nicht selbst bezahlen, wenn er medizinisch notwendig ist – die Krankenkasse übernimmt die Kosten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Unfruchtbarkeit. Manchmal reicht schon eine Änderung der Lebensgewohnheiten, manchmal sind medikamentöse oder operative Eingriffe nötig. Auch Verfahren wie künstliche Befruchtung (z. B. ICSI) können helfen.
Selbsthilfe zu Hause
- Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung.
- Auf Rauchen und übermäßigen Alkohol verzichten.
- Stress reduzieren – z. B. durch Entspannungstechniken oder Sport.
- Hoden nicht überhitzen: lockere Unterwäsche tragen, heiße Bäder meiden.
Medizinische Behandlungen
Bei hormonellen Störungen können Medikamente zum Einsatz kommen, die die Hormonproduktion anregen oder ersetzen. Bei Infektionen werden Antibiotika eingesetzt. Bei einer Varikozele (Krampfader im Hodensack) kann eine Operation durchgeführt werden. Bei schweren Fällen stehen unterstützte Befruchtungsverfahren (z. B. In-vitro-Fertilisation – IVF) zur Verfügung. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet der Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein bei einer Varikozele, einem Hodenhochstand, der nicht von selbst zurückgegangen ist, oder bei einer Samenleiterverstopfung. Auch bei Verdacht auf bösartige Veränderungen kann eine Operation erforderlich sein.
Leben mit der Erkrankung
Viele Männer mit unerfülltem Kinderwunsch fühlen sich unter Druck gesetzt. Offene Gespräche mit der Partnerin oder mit Freunden können entlasten. Planen Sie gemeinsam Arztbesuche und Behandlungen – das stärkt die Beziehung.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
- Vermeiden Sie übermäßige Hitze für die Hoden (z. B. Sauna, enge Hosen).
- Reduzieren Sie Stress durch Sport, Hobbys oder Entspannungsübungen.
- Schlafen Sie ausreichend – guter Schlaf fördert die Hormonproduktion.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z. B. aus Nüssen oder Fisch) kann die Spermienqualität verbessern. Moderater Ausdauersport (z. B. Joggen, Radfahren) ist förderlich. Übertreiben Sie es nicht mit intensivem Ausdauertraining, das kann die Fruchtbarkeit vorübergehend verschlechtern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Unfruchtbarkeit kann stark belasten. Gefühle wie Traurigkeit, Wut oder Scham sind normal. Eine Paar- oder Einzelpsychotherapie kann helfen. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit oder Schlafstörungen sollten Sie Ihren Hausarzt ansprechen.
Vorbeugung
Manche Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit lassen sich nicht verhindern (z. B. genetische). Aber ein gesunder Lebensstil kann die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Vermeiden Sie Nikotin, übermäßigen Alkohol und Drogen. Lassen Sie sich frühzeitig impfen, z. B. gegen Mumps – Mumps in der Pubertät kann die Hoden schädigen.
Impfungen
Die Mumps-Impfung wird für alle Kinder empfohlen. Auch Erwachsene ohne Impfschutz sollten die Impfung nachholen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening für männliche Fruchtbarkeit. Wenn Sie keine Kinder planen, ist das auch nicht nötig. Bei Kinderwunsch ist der erste Schritt ein Gespräch mit dem Hausarzt oder Urologen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Unfruchtbarkeit: Ohne Behandlung bleibt der Kinderwunsch möglicherweise unerfüllt.
- Psychische Belastungen für den Mann und die Partnerschaft.
- Bei behandelbaren Ursachen (z. B. einer Varikozele) kann die Verzögerung die Spermienqualität weiter verschlechtern.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Heute können viele Formen der männlichen Unfruchtbarkeit erfolgreich behandelt werden. Selbst bei schweren Fällen helfen moderne Fortpflanzungstechniken. Der erste Schritt ist der Bluttest – er liefert wertvolle Hinweise. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten. Mit Geduld und den richtigen Maßnahmen haben Sie gute Chancen, Ihren Kinderwunsch zu erfüllen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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