Sehkraft: Bedeutung der Ergebnisse
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ihre Sehkraft wird mit verschiedenen Tests überprüft. Ein Sehtest misst, wie gut Sie in verschiedenen Entfernungen sehen können. Die Ergebnisse helfen Ihrem Arzt oder Augenarzt, die richtige Brille oder Behandlung für Sie zu finden.
Wichtige Fakten
- Sehtestergebnisse werden oft als Bruch angegeben, z. B. 20/20 (oder 1,0 in Deutschland). Das bedeutet, dass Sie auf 6 Meter Entfernung so gut sehen wie ein Mensch mit normaler Sehkraft.
- Ein Wert von 20/40 bedeutet, dass Sie auf 6 Meter sehen, was ein Mensch mit normaler Sehkraft auf 12 Meter sieht.
- Es gibt verschiedene Arten von Sehtests: für die Ferne, für die Nähe, für das Farbsehen und für das Gesichtsfeld (wie weit Sie sehen können).
Sehtests werden sehr häufig durchgeführt – bei jedem Besuch beim Augenarzt oder Optiker. Fast jeder Mensch benötigt im Laufe seines Lebens eine Sehhilfe wie Brille oder Kontaktlinsen.
Menschen jeden Alters können von veränderter Sehkraft betroffen sein. Kinder werden oft auf Sehschwächen getestet, Erwachsene auf Alterssichtigkeit oder Erkrankungen wie Grauer Star.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge
- Plötzliches Auftreten von Lichtblitzen oder Schatten im Gesichtsfeld (kann auf Netzhautablösung hindeuten)
- Augenverletzung mit Chemikalien oder spitzen Gegenständen – sofort 112 anrufen!
- ⚠Augenschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Rötung des Auges verbunden mit Sehverschlechterung
- ⚠Plötzliche Doppelbilder
- ⚠Verlust des peripheren Sehens (Tunnelblick)
Häufige Symptome
- Verschwommenes Sehen in der Ferne oder Nähe
- Doppelbilder sehen
- Augenbelastung oder Kopfschmerzen nach längerem Lesen
- Schwierigkeiten, nachts zu sehen
- Blendempfindlichkeit
Symptome bei Kindern
- Kind blinzelt häufig oder reibt die Augen
- Kind hält Bücher sehr nah ans Gesicht
- Kind klagt über Kopfschmerzen oder hat Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule
- Ein Auge wandert nach innen oder außen (Schielen)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Probleme beim Lesen trotz bisher guter Sehkraft
- Farben erscheinen blasser oder gelblicher
- Langsame Anpassung an Helligkeitswechsel
- Häufiges Stolpern oder Unsicherheit beim Treppensteigen
Ursachen
Hauptursachen
- Kurzsichtigkeit (Myopie): Sie sehen in der Nähe gut, in der Ferne unscharf.
- Weitsichtigkeit (Hyperopie): Sie sehen in der Ferne gut, in der Nähe unscharf (besonders beim Lesen).
- Hornhautverkrümmung (Astigmatismus): Das Bild ist auf allen Entfernungen verzerrt.
- Alterssichtigkeit (Presbyopie): Die natürliche Linse wird ab etwa 40 Jahren weniger elastisch, das Lesen in der Nähe wird schwieriger.
Risikofaktoren
- Familiäre Veranlagung für Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit
- Häufiges Arbeiten am Bildschirm oder Lesen bei schlechtem Licht
- Alter über 40 Jahren (Alterssichtigkeit)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – kann die Netzhaut schädigen
- Frühere Augenoperationen oder Verletzungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Sehverschlechterung innerhalb von Stunden oder Tagen
- Augenschmerzen, die anhalten
- Veränderungen im Gesichtsfeld (z. B. Schatten oder fehlende Bereiche)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Jährliche Kontrolluntersuchung beim Augenarzt, auch wenn Sie keine Beschwerden haben
- Vor dem Führerscheinerwerb oder bei Berufen mit besonderen Sehanforderungen
- Bei Kindern: Sehtest vor der Einschulung oder bei Schulproblemen
Diagnose
Der Sehtest wird meist von einem Augenarzt oder Optiker durchgeführt. Dabei wird Ihre Sehschärfe mit einer Sehtafel gemessen, die Buchstaben oder Symbole in verschiedenen Größen zeigt.
Mögliche Untersuchungen
- Visusbestimmung (Sehschärfe): Sie lesen Buchstaben oder Symbole von einer Tafel in 5 bis 6 Metern Entfernung.
- Refraktion: Durch Vorsetzen verschiedener Gläser wird die optimale Korrektur für Ihre Brille ermittelt.
- Gesichtsfelduntersuchung: Sie schauen auf einen Punkt und geben an, wann Sie seitlich Lichtblitze sehen.
- Spaltlampenuntersuchung: Ein Mikroskop beleuchtet die vorderen und hinteren Teile Ihres Auges.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Test ist schmerzfrei und dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Sie sitzen dabei bequem und schauen durch ein Gerät oder auf eine Tafel. Bei manchen Tests werden Augentropfen verwendet, um die Pupille zu weiten – dann kann das Sehen vorübergehend verschwommen sein. Lassen Sie sich in diesem Fall besser abholen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Sehverschlechterung. In vielen Fällen reicht eine Brille oder Kontaktlinsen aus. Bei bestimmten Erkrankungen können Medikamente oder Operationen helfen.
Selbsthilfe zu Hause
- Gönnen Sie Ihren Augen regelmäßig Pausen, besonders bei Bildschirmarbeit (z. B. die 20-20-20-Regel: alle 20 Minuten 20 Sekunden in die Ferne schauen).
- Sorgen Sie für gute Beleuchtung beim Lesen – vermeiden Sie direktes Sonnenlicht oder grelles Lampenlicht.
- Schützen Sie Ihre Augen mit einer Sonnenbrille vor UV-Strahlung.
- Reiben Sie nicht zu stark an den Augen – das kann die Hornhaut reizen.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Ihnen Augentropfen oder -salben verschreiben, um trockene Augen zu lindern oder Entzündungen zu behandeln. Bei bestimmten Augenerkrankungen wie grünem Star (Glaukom) werden Tropfen eingesetzt, die den Augeninnendruck senken. Diese Medikamente müssen regelmäßig angewendet werden. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker genau erklären, wie Sie sie anwenden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann bei Grauem Star (Katarakt), Grünen Star oder Netzhautproblemen notwendig sein. Auch eine Laser-Operation (wie LASIK) kann Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung korrigieren. Ob ein Eingriff für Sie infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrem Augenarzt.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Sehschwäche lässt es sich meist gut leben. Eine Brille oder Kontaktlinsen gleichen die Fehlsichtigkeit aus. Achten Sie darauf, Ihre Brillengläser regelmäßig zu reinigen und die Kontaktlinsenhygiene einzuhalten.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie bei Bedarf eine Schutzbrille bei Arbeiten mit Chemikalien oder splitternden Materialien.
- Nehmen Sie rechtzeitig Lesebrillen oder Gleitsichtbrillen, wenn die Alterssichtigkeit beginnt.
- Vermeiden Sie Rauchen – es erhöht das Risiko für Netzhauterkrankungen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse (besonders Grünkohl, Spinat) und Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Fisch) kann die Augengesundheit unterstützen. Bewegung fördert die Durchblutung, auch der Augen. Aber: Keine Ernährung kann eine bestehende Sehschwäche heilen. Besprechen Sie Nahrungsergänzungsmittel mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine plötzliche oder fortschreitende Sehverschlechterung kann belastend sein. Sie könnten sich unsicher fühlen oder Angst vor dem Verlust der Selbstständigkeit haben. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder einer Vertrauensperson. Es gibt Hilfsmittel wie vergrößernde Sehhilfen oder Vorlesegeräte, die den Alltag erleichtern.
Vorbeugung
Nicht alle Sehschwächen lassen sich verhindern, vor allem die Alterssichtigkeit. Aber Sie können Ihre Augen schützen: regelmäßige Kontrollen, Sonnenschutz, Rauchverzicht und eine gesunde Lebensweise verringern das Risiko für Augenerkrankungen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die Sehschwächen verhindert. Vorbeugend wirken aber Impfungen gegen Röteln (für Frauen im gebärfähigen Alter), da Röteln in der Schwangerschaft das Kind schädigen können.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Sehtests werden empfohlen: für Kinder vor der Einschulung, für Erwachsene alle 2 Jahre (oder jährlich ab 40 Jahren). Bei Diabetes oder familiärer Vorbelastung für Grünen Star (Glaukom) sind häufigere Kontrollen ratsam.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte starke Kurzsichtigkeit kann das Risiko für Netzhautablösung erhöhen.
- Ein unerkannter Grauer Star kann zu starken Sehbeeinträchtigungen bis zur Erblindung führen.
- Grüner Star (Glaukom) verursacht oft keine Frühsymptome und kann unbehandelt den Sehnerv schädigen.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die meisten Sehprobleme lassen sich heute gut korrigieren oder behandeln. Regelmäßige Kontrollen und eine frühzeitige Behandlung können schwerwiegende Folgen verhindern. Selbst bei fortgeschrittener Sehbehinderung gibt es viele Hilfsmittel, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.