Lymphödem: Sicher und gut verreist
Übersicht
Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn die Lymphflüssigkeit nicht richtig abfließt. Das passiert häufig nach einer Krebsbehandlung, wenn Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden.
Wichtige Fakten
- Es ist keine ansteckende Krankheit.
- Mit Planung können Sie trotz Lymphödem gut reisen.
- Bei Rötung, Fieber oder plötzlicher Zunahme der Schwellung sollten Sie sofort medizinische Hilfe holen.
Lymphödeme sind nicht selten. Schätzungsweise jeder vierte bis sechste Mensch, der wegen Krebs behandelt wurde, entwickelt im Laufe der Zeit ein Lymphödem.
Besonders betroffen sind Menschen nach Brustkrebs-, Gebärmutterkrebs-, Prostata- oder Hautkrebsoperationen. Aber auch Unfälle oder andere Erkrankungen können ein Lymphödem auslösen.
Symptome
- Plötzliche starke Schwellung zusammen mit hohem Fieber
- Atemnot oder Schüttelfrost
- Bewusstseinstrübung oder starkes Krankheitsgefühl
- ⚠Rötung und Überwärmung der Haut (Verdacht auf eine Infektion)
- ⚠Starke Schmerzen in der geschwollenen Stelle
- ⚠Die Schwellung nimmt trotz Hochlagern und Ruhe deutlich zu
Häufige Symptome
- Schwere- oder Spannungsgefühl in Arm oder Bein
- Schwellung, die bei Druck eine Delle hinterlässt
- Haut spannt, glänzt oder fühlt sich dick an
Symptome bei Kindern
- Ein Lymphödem ist bei Kindern selten, kann aber nach Krebsbehandlungen im Kindesalter auftreten. Achten Sie auf einseitig dickere Arme oder Beine.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen bemerken eine Schwellung oft erst spät. Auch eine plötzlich zu eng sitzende Uhr oder ein enger Schuh kann ein Hinweis sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Schädigung oder Entfernung von Lymphknoten durch Operation oder Bestrahlung bei Krebs
- Angeborene Fehlanlage des Lymphsystems (selten)
- Infektionen oder Verletzungen, die die Lymphbahnen schädigen
Risikofaktoren
- Krebsoperation mit Entfernung von Lymphknoten
- Strahlentherapie im Bereich der Lymphknoten
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Wunden oder Hautinfektionen im betroffenen Bereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich die Schwellung plötzlich verschlechtert, vor allem mit Fieber oder Rötung – dann sofort ärztliche Hilfe holen oder im Notfall 112 anrufen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schwellung allmählich zunimmt oder Beschwerden den Alltag stören, vereinbaren Sie einen Termin in Ihrer Praxis oder bei einer lymphologischen Fachpraxis.
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt (zum Beispiel Fachärztin oder Facharzt für Lymphologie, Innere Medizin oder Dermatologie) anhand eines Gesprächs, der körperlichen Untersuchung und manchmal zusätzlicher Tests.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Messen, Tasten und Beurteilung der Haut
- Lymphszintigrafie (Bildgebung der Lymphbahnen mit einem schwach radioaktiven Stoff)
- Bei Bedarf Blutuntersuchung oder Ultraschall, um andere Ursachen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert etwa 20 Minuten. Danach bespricht das Behandlungsteam die nächsten Schritte mit Ihnen – orientiert an der medizinischen Leitlinie, zum Beispiel der AWMF-Leitlinie zur Lymphödem-Therapie.
Behandlung
Die Behandlung eines Lymphödems ist nicht heilend, aber gut steuerbar. Ziel ist es, die Schwellung zu reduzieren und Komplikationen zu vermeiden. Sie besteht meist aus einer Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompression, Bewegung und Hautpflege – das nennt man komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE).
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie Kompressionsstrümpfe oder Kompressionsärmel regelmäßig, besonders beim Reisen
- Bewegen Sie sich im Alltag: regelmäßiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren fördert den Lymphfluss
- Pflegen Sie Ihre Haut täglich mit einer rückfettenden Creme, um Risse und Entzündungen zu vermeiden
- Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit – am besten Wasser oder ungesüßte Tees
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst die manuelle Lymphdrainage, eine spezielle Massagetechnik durchgeschultes Fachpersonal, sowie individuell angepasste medizinische Kompressionsversorgung. In manchen Fällen kommen zusätzlich Geräte zur intermittierenden Drucktherapie zum Einsatz. Welche Behandlung für Sie sinnvoll ist, entscheidet Ihr Behandlungsteam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei sehr ausgeprägten oder schwer behandelbaren Lymphödemen kann eine Operation in Betracht kommen, zum Beispiel die Verlagerung von Lymphknoten oder eine Fettabsaugung. Das ist immer eine Einzelfallentscheidung und wird ausführlich mit den Ärzten besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem Lymphödem zu reisen ist gut möglich, wenn Sie ein paar Dinge einplanen: Nehmen Sie genügend Kompressionshilfen mit, auch eine Ersatzstrumpfhose oder einen Ersatzärmel. Tragen Sie lockere, bequeme Kleidung, die nirgends einschnürt. Planen Sie Pausen, in denen Sie den Arm oder das Bein hochlegen. Bei langen Flügen hilft es, zwischendurch aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, leichte Spaziergänge und moderate Sportarten fördern den Lymphfluss
- Meiden Sie intensive Hitze: Sauna, heiße Bäder und direkte Sonnenbestrahlung am betroffenen Körperteil können die Schwellung verstärken
- Ein gesundes Körpergewicht entlastet das Lymphsystem und verringert Schwellungen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten hat keinen direkten Einfluss auf das Lymphödem, hilft aber, ein gesundes Gewicht zu halten. Bewegung ist sehr zu empfehlen: leichtes Ausdauertraining, Dehnübungen und gezielte Gymnastik unterstützen den Abfluss der Lymphflüssigkeit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Lymphödem kann das Körpergefühl und das Selbstbewusstsein verändern. Es ist normal, sich manchmal unsicher oder frustriert zu fühlen. Sprechen Sie darüber – mit vertrauten Menschen, in einer Selbsthilfegruppe oder bei einer psychosozialen Krebsberatung. Das entlastet und gibt neue Kraft.
Vorbeugung
Ein Lymphödem lässt sich nicht immer verhindern, besonders nach einer Krebsbehandlung. Aber Sie können das Risiko für Komplikationen senken: konsequente Hautpflege, Schutz kleiner Verletzungen, Vorsicht bei Insektenstichen und regelmäßige lymphologische Kontrollen.
Impfungen
Fragen Sie Ihren Arzt, ob vor Reisen bestimmte Impfungen sinnvoll sind. Wenn möglich, sollten Spritzen am nicht betroffenen Arm oder am Gesäß gegeben werden.
Früherkennungsprogramme
Nach einer Krebsbehandlung empfehlen Fachleute regelmäßige Kontrolltermine zur Früherkennung eines Lymphödems, besonders in den ersten drei Jahren. Ihre behandelnden Ärzte informieren Sie darüber.
Komplikationen
Unbehandelt
- Hautinfektionen wie Erysipel, die mit Fieber, Rötung und Schmerzen einhergehen
- Verhärtung und Vernarbung des Gewebes, was die Beweglichkeit weiter einschränkt
- Chronische Schmerzen und zunehmender Funktionsverlust im betroffenen Körperteil
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und vorausschauender Planung lässt sich ein Lymphödem meist sehr gut im Zaum halten. Viele Menschen leben damit aktiv und weitgehend beschwerdefrei – auch weite Reisen sind möglich. Der Schlüssel ist: Hören Sie auf Ihren Körper und bleiben Sie mit Ihrem medizinischen Team verbunden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Selbsthilfegruppen und Lymphologie-Praxen (über Ihre Krebsberatungsstelle oder Hausarztpraxis erfragbar) · Deutschland
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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