Lymphödem vorbeugen: Das können Sie selbst tun
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Lymphödem ist eine Schwellung von Körperteilen – meist Arm oder Bein – die durch gestautes Gewebewasser entsteht. Das Lymphsystem ist wie ein Abflusssystem des Körpers. Nach einer Krebsbehandlung kann dieses System vorübergehend oder dauerhaft geschädigt sein. Dann sammelt sich Flüssigkeit an und das Gewebe schwillt an.
Wichtige Fakten
- Nicht jede Krebsbehandlung führt zu einem Lymphödem – auch wenn Lymphknoten entfernt wurden, ist das Risiko nicht bei allen Menschen gleich erhöht.
- Ein Lymphödem entsteht oft erst Monate oder Jahre nach der Behandlung. Deshalb sind regelmäßige Selbstbeobachtung und frühe Meldung wichtig.
- Das Lymphödem ist gut behandelbar: Mit den richtigen Maßnahmen können die meisten Menschen ihren Alltag gut bewältigen.
Es ist nicht selten, aber auch nicht unvermeidlich. Je nach Art der Krebsbehandlung entwickeln schätzungsweise zehn bis dreißig von hundert Menschen nach einer Lymphknotenentfernung ein Lymphödem. Besonders häufig ist es nach Brust-, Unterleibs- oder Hautkrebs (Melanom) im Bereich der Lymphknoten.
Menschen, bei denen Lymphknoten im Rahmen einer Krebstherapie entfernt oder bestrahlt wurden. Das betrifft oft Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung, aber auch Männer nach Prostatakrebs – und manche Menschen nach anderen Krebsarten. Auch Kinder können nach Krebstherapien ein Lymphödem bekommen.
Symptome
- Plötzliche, starke Schwellung mit Luftnot oder Schmerzen im Brustbereich – Notruf 112
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost
- Ein sehr schmerzhaftes, heißes, tiefrotes Arm- oder Bein
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufzusammenbruch
- ⚠Zunehmende Rötung, Wärme oder Schmerzen in einem Arm oder Bein
- ⚠Fieber über 38 °C ohne erkennbaren Infekt
- ⚠Blasen oder offene Hautstellen am geschwollenen Bereich
- ⚠Wenn sich die Schwellung innerhalb weniger Tage stark vergrößert
Häufige Symptome
- Schwellung an Arm oder Bein, oft nur auf einer Seite
- Schwere- oder Spannungsgefühl in dem betroffenen Körperteil
- Die Haut fühlt sich gespannt, dick oder hart an
- Eingeschränkte Beweglichkeit in Gelenken (z. B. Handgelenk, Knöchel)
- Kleidung, Ringe oder Schuhe werden plötzlich zu eng
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern schwillt meist ebenfalls ein Arm oder Bein an.
- Ärmel, Hosenbeine oder Schuhe wirken mit einem Mal zu klein.
- Das Kind sagt vielleicht, dass sich etwas drückend oder unangenehm anfühlt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Schwellung kommt oft schleichend und wird leicht übersehen.
- Die Haut ist dünner und verletzlicher – kleine Risse oder Rötungen können schneller entstehen.
- Auch ein Kribbeln oder taubes Gefühl in Arm oder Bein kann ein Zeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Entfernung von Lymphknoten bei einer Krebsoperation
- Bestrahlung des Bereichs, in dem sich Lymphknoten befinden
- Narbenbildung nach der Operation, die den Lymphabfluss behindert
Risikofaktoren
- Lymphknotenentfernung in der Achselhöhle oder in der Leiste
- Bestrahlung im Bereich der Lymphknoten
- Übergewicht
- Verletzungen oder Hautinfektionen am betroffenen Körperteil
- Operation auf der Seite Ihrer dominanten Hand – die Seite wird stärker benutzt und ist dadurch etwas stärker gefährdet
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schwellung plötzlich stark zunimmt.
- Wenn das Bein oder der Arm heiß, rot und schmerzhaft ist – das kann eine Hautinfektion sein.
- Wenn zusätzlich Luftnot oder Schmerzen auftreten – dann sofort den Notruf 112 wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn eine neue Schwellung länger als eine Woche bleibt.
- Wenn Kleidung, Schuhe oder Schmuck zunehmend zu eng werden.
- Wenn Sie ein wiederholtes Schweregefühl oder ein seltsames Spannungsgefühl in Arm oder Bein bemerken.
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt stellt die Diagnose üblicherweise durch ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Dabei wird die betroffene Stelle mit der gesunden Seite verglichen. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte unter anderem an der AWMF-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Lymphödemen. Bei Unsicherheit wird häufig eine Fachärztin für Lymphologie hinzugezogen.
Mögliche Untersuchungen
- Umfangmessung des Arms oder Beins an mehreren festgelegten Stellen
- Tasten der Haut und des Gewebes
- Ultraschalluntersuchung, um Flüssigkeit oder Blutgerinnsel auszuschließen
- In besonderen Fällen eine spezielle Darstellung des Lymphsystems (Lymphszintigrafie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist nicht lange. Sie liegen oder sitzen dabei entspannt. Nach der Untersuchung bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen, ob ein Lymphödem vorliegt und welche Behandlung sinnvoll ist.
Behandlung
Ein Lymphödem lässt sich nicht heilen, aber es lässt sich sehr gut behandeln. Die sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie ist der Standard. Sie besteht aus manueller Lymphdrainage, Kompression, Bewegung, Hautpflege und Anleitung zur Selbstbehandlung. Damit kann man eine deutliche Besserung erreichen und die Schwellung langfristig gering halten.
Selbsthilfe zu Hause
- Reinigen Sie die Haut täglich mit einer milden, pH-neutralen Seife und trocknen Sie sie sanft ab.
- Cremen Sie die Haut regelmäßig ein, damit sie geschmeidig bleibt und nicht einreißt.
- Bewegen Sie das betroffene Glied regelmäßig, aber ohne starke Überlastung.
- Tragen Sie Kompressionsstrümpfe oder Ärmel so, wie es die Klinik oder Praxis verordnet hat.
- Legen Sie das betroffene Glied immer wieder einmal hoch – zum Beispiel beim Lesen oder Fernsehen.
Medizinische Behandlungen
Zu den medizinischen Behandlungen gehören die manuelle Lymphdrainage – eine sanfte, speziell geschulte Massagetechnik – sowie die Kompressionstherapie mit Bandagen oder gut sitzenden Kompressionsstrümpfen. Ergänzend wird oft Bewegungstherapie mit speziellen Übungen empfohlen. Bei komplizierten Verläufen kann auch eine apparative intermittierende Kompression zum Einsatz kommen. Alle Maßnahmen werden individuell auf Sie abgestimmt und immer von geschultem medizinischem Fachpersonal begleitet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in schweren Fällen in Betracht, wenn die konservative Therapie nicht ausreicht. Mögliche Verfahren sind die Fettabsaugung oder die Übertragung von gesundem Lymphgewebe. Diese Eingriffe werden ausschließlich in spezialisierten Zentren durchgeführt und sind nicht der erste Behandlungsweg.
Leben mit der Erkrankung
Ein Lymphödem erfordert etwas Achtsamkeit im Alltag, muss aber nicht Ihr Leben bestimmen. Planen Sie ausreichend Pausen, schützen Sie Ihre Haut und nehmen Sie Kompressionshilfen als unterstützenden Begleiter an. Mit der Zeit wird die Routine leichter.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie lange, heiße Bäder, Saunagänge und starke Sonnenbestrahlung am betroffenen Glied.
- Tragen Sie keine zu engen Ringe, Armbanduhren oder Socken mit engen Bündchen.
- Schützen Sie sich vor Insektenstichen – zum Beispiel mit Mückenschutz und langer Kleidung im Sommer.
- Falls möglich, lassen Sie Blutabnahmen, Blutdruckmessen oder Impfungen an der gesunden Seite machen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Flüssigkeit ist gut. Ein gesundes Körpergewicht entlastet das Lymphsystem. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht: Leichte Aktivitäten wie Gehen, Schwimmen oder Radfahren sind oft ideal. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Physiotherapeuten nach einem individuellen Bewegungsplan.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist völlig normal, wenn ein Lymphödem verunsichert oder belastet. Ängste vor Bewegung, Unzufriedenheit mit dem Aussehen oder Frust über die Kompressionsstrümpfe kommen häufig vor. Scheuen Sie sich nicht, mit vertrauten Menschen zu sprechen. Auch eine psychoonkologische Beratung kann helfen, mit diesen Gefühlen umzugehen.
Vorbeugung
Ein Lymphödem lässt sich nicht immer vollständig verhindern. Sie können jedoch Ihr persönliches Risiko verringern: Schützen Sie Ihre Haut vor Verletzungen und Infektionen, überlasten Sie das betroffene Glied nicht, halten Sie ein gesundes Körpergewicht und melden Sie Veränderungen frühzeitig Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Impfungen
Eine Impfung gegen das Lymphödem selbst gibt es nicht. Die üblichen Schutzimpfungen sind aber sinnvoll, um schwere Infektionen zu vermeiden. Wichtig: Bei Entfernung von Lymphknoten in der Achselhöhle sollten Impfungen möglichst an der anderen Seite oder in den Oberschenkel gegeben werden – sprechen Sie vorher mit Ihrem Impfteam.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine gesetzliche Vorsorgeuntersuchung für Lymphödeme. Nach einer Lymphknotenoperation ist jedoch eine regelmäßige Nachkontrolle in der Onkologie oder Lymphologie sinnvoll. Dabei werden oft die Umfänge des Arms oder Beins gemessen und mit den früheren Werten verglichen. So kann eine beginnende Schwellung rechtzeitig erkannt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederkehrende Hautentzündungen (Erysipel), die sehr schmerzhaft sein können
- Verhärtung des Gewebes und feste Pölsterchen in der Haut
- Gelenksteifheit und eingeschränkte Beweglichkeit
- In fortgeschrittenen Fällen kann es zu knotigen Hautveränderungen oder nässenden Hautstellen kommen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut. Mit einer frühzeitigen Behandlung und der richtigen Selbstfürsorge lässt sich ein Lymphödem in den meisten Fällen gut kontrollieren. Viele Menschen führen damit ein erfülltes, aktives Leben. Auch wenn das Lymphödem bleibt, können Sie lernen, gut mit ihm zu leben – Sie sind nicht allein.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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