Asthma-Screening: So wird Asthma früh erkannt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Asthma ist eine chronische (lang anhaltende) Entzündung der Atemwege. Die Atemwege sind die Röhren, durch die die Luft in die Lunge strömt. Bei Asthma schwellen diese Röhren an, und die Muskeln darum verkrampfen sich. Dadurch wird die Luft knapp. Beim Screening versucht man, Asthma früh zu erkennen – also bevor die Beschwerden stark werden. Das ist sinnvoll, wenn bestimmte Anzeichen oder Risiken vorliegen, zum Beispiel eine Allergie in der Familie.
Wichtige Fakten
- Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland.
- Wird Asthma früh erkannt und gut behandelt, können die meisten Betroffenen ein normales Leben führen.
- Ein allgemeines Screening für alle gibt es nicht – es wird gezielt bei Verdacht oder erhöhtem Risiko durchgeführt.
Ja. In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit Asthma. Viele sind Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene können neu erkranken.
Asthma kann in jedem Alter auftreten. Es beginnt oft im Kindesalter, aber auch Erwachsene können Asthma bekommen – manchmal durch berufliche Stoffe wie Staub oder Lacke. Manche Menschen haben nur zeitweise Beschwerden, andere ständig.
Symptome
- Sie oder Ihr Kind haben so starke Atemnot, dass Sie kaum noch sprechen oder nur in einzelnen Worten sprechen können
- Die Lippen oder Fingernägel werden blau oder grau
- Die Notfallmedikamente, die der Arzt verordnet hat, helfen innerhalb weniger Minuten nicht — rufen Sie in Deutschland sofort die 112
- ⚠Starke Atemnot, die nicht nachlässt und Sie nachts aufweckt
- ⚠Atemnot, die plötzlich auftritt, nachdem Sie mit etwas in Berührung gekommen sind (zum Beispiel Tierhaaren oder Pollen)
- ⚠Wenn Sie trotz Behandlung immer häufiger Medikamente brauchen
Häufige Symptome
- Wiederkehrender Husten, besonders nachts oder früh morgens
- Pfeifendes Geräusch beim Atmen (Giemen oder Brummen)
- Kurzatmigkeit, zum Beispiel bei Belastung, Lachen oder Stress
- Engegefühl in der Brust
- Das Gefühl, nicht richtig tief durchatmen zu können
Symptome bei Kindern
- Husten, der vor allem nachts, beim Weinen, Lachen oder bei Aufregung auftritt
- Hörbare, schnelle Atmung
- Müdigkeit und geringe Ausdauer beim Spielen
- Kinder sagen oft nicht „ich habe Atemnot“, sondern haben Bauchschmerzen oder sind quengelig
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Luftnot bei Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen oder Einkaufen
- Husten mit oder ohne Auswurf, manchmal verwechselt mit Raucherhusten
- Schnelle Erschöpfung und Leistungsabfall
- Verschlechterung bei Atemwegsinfekten, wie einer Erkältung oder Grippe
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von Asthma ist nicht vollständig geklärt. Meist wirken eine erbliche Veranlagung und Umweltfaktoren zusammen.
- Eine allergische Reaktion auf Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare oder Schimmel kann die Atemwege entzünden.
- Reizstoffe wie Tabakrauch, Abgase, Kälte oder starke Gerüche können einen Asthmaanfall auslösen.
Risikofaktoren
- Allergien oder Asthma in der Familie
- Rauchen in der Schwangerschaft oder in der Wohnung
- Frühgeburt oder sehr niedriges Geburtsgewicht
- Bestimmte Arbeitsstoffe, zum Beispiel in Bäckereien, Lackierereien oder in der Landwirtschaft
- Schimmel- und Feuchtigkeitsschäden in der Wohnung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich einsetzender, starker Atemnot – wenn Sie oder Ihr Kind kaum noch Luft bekommen, ist das ein Notfall. Rufen Sie den Notruf 112 oder suchen Sie sofort eine Notaufnahme auf.
- Wenn die Beschwerden nach einem Notfall nicht komplett zurückgehen und Sie sich schnell wieder verschlechtern.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Husten, pfeifende Atmung oder Kurzatmigkeit länger als ein paar Wochen andauern
- Wenn die Beschwerden nachts oder bei Belastung immer wieder auftreten
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass Medikamente nicht richtig wirken
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst genau nach Ihren Beschwerden, nach Allergien in der Familie und nach Ihrem Alltag. Danach folgen Untersuchungen, die die Lungenfunktion testen. Wenn Sie noch keine starken Beschwerden haben, aber ein erhöhtes Risiko, spricht man von einem Screening. Ziel ist es, Asthma früh zu entdecken und schnell richtig zu behandeln.
Mögliche Untersuchungen
- Spirometrie: Sie atmen in ein Gerät, das misst, wie viel Luft Sie ausatmen können und wie schnell das geht.
- Peak-Flow-Messung: Mit einem kleinen Handgerät messen Sie zu Hause, wie kräftig Sie ausatmen können.
- Allergietest: Auf der Haut oder im Blut wird geprüft, ob Sie eine allergische Reaktion haben.
- Belastungstest: Sie bewegen sich auf einem Fahrrad oder einem Laufband und danach wird wieder die Lungenfunktion gemessen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei, dauern meist nur einige Minuten und können in der Arztpraxis durchgeführt werden. Manchmal wird vor oder während des Tests ein Medikament eingeatmet, das die Atemwege kurzzeitig weitet. Das hilft dem Arzt zu erkennen, ob die Verengung tatsächlich vom Asthma kommt. Nach den Tests können Sie in der Regel sofort nach Hause.
Behandlung
Asthma lässt sich heute in den meisten Fällen gut behandeln. Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung in den Atemwegen dauerhaft zu verringern, Anfälle zu verhindern und ein ganz normales Leben zu ermöglichen. Die Behandlung besteht aus mehreren Bausteinen: Medikamenten, Atemschulung, Vermeidung von Auslösern und einem persönlichen Asthmaplan.
Selbsthilfe zu Hause
- Führen Sie ein Symptomtagebuch: Schreiben Sie auf, wann Sie Beschwerden haben, zum Beispiel nachts, bei Sport oder bei bestimmten Wetterlagen.
- Vermeiden Sie Rauch – auch Passivrauchen. Rauchen verschlechtert Asthma deutlich.
- Wenn Sie allergisch sind, meiden Sie die Auslöser so gut es geht, etwa Milben, Tierhaare oder Pollen.
- Nutzen Sie Ihren Medikamentenplan genau so, wie es Ihr Arzt mit Ihnen besprochen hat – auch wenn Sie sich gerade gut fühlen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt zwei große Gruppen von Asthma-Medikamenten: solche, die die Entzündung dauerhaft dämpfen (vorbeugende Medikamente) und solche, die bei einem Anfall die Atemwege schnell erweitern (Bedarfsmedikamente). Welche Medikamente und Dosierungen für Sie geeignet sind, entscheidet allein Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Wichtig ist auch, die Inhalationstechnik regelmäßig zu üben. Viele Praxen und Kliniken bieten dafür spezielle Schulungen an. Eine Asthma-Schulung hilft Ihnen, die Erkrankung zu verstehen und sicher im Alltag zu handeln. Dazu können auch Atemübungen und Entspannungstechniken gehören.
Leben mit der Erkrankung
Asthma bedeutet nicht, dass Sie auf vieles verzichten müssen. Mit einer guten Behandlung können Sie arbeiten, Sport treiben und reisen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Auslöser kennen und immer wissen, welche Medikamente Sie in welcher Situation brauchen. Auch ein schriftlicher Notfallplan kann helfen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – am besten in einer Umgebung, in der Sie sich wohlfühlen.
- Vermeiden Sie Stress, wenn möglich, und lernen Sie Entspannungstechniken wie ruhiges Atmen.
- Sorgen Sie für eine rauchfreie Umgebung – das ist eines der wirksamsten Dinge, die Sie selbst tun können.
- Lüften Sie Schlaf- und Wohnräume regelmäßig und halten Sie Schlafzimmer möglichst staubarm.
- Nehmen Sie Ihre Kontrolltermine beim Arzt wahr, auch wenn es Ihnen gut geht.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Asthma-Diät gibt es nicht. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die allgemeine Gesundheit. Bewegung ist möglich und sinnvoll – sie trainiert Herz und Lunge. Ihr Arzt kann mit Ihnen besprechen, ob Sie vor dem Sport ein Bedarfsmedikament verwenden sollen. Schwimmen ist oft besonders gut geeignet, weil die Luft im Hallenbad feucht ist – aber auch andere Sportarten sind nach Rücksprache mit dem Arzt meist kein Problem.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Asthma kann Angst machen, vor allem wenn man plötzlich keine Luft bekommt. Das ist völlig normal. Es kann helfen, mit dem Partner, der Familie oder engen Freunden darüber zu sprechen. Auch eine Asthma-Schulung gibt Sicherheit, weil man lernt, mit Notfällen richtig umzugehen. Wenn Ängste oder depressive Gefühle bleiben, sollten Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber sprechen – sie können weitere Unterstützung vermitteln.
Vorbeugung
Man kann Asthma nicht in allen Fällen verhindern, aber man kann das Risiko senken. Dazu gehören: Nicht rauchen und Kinder vor Tabakrauch schützen, Schimmel in der Wohnung beseitigen, Allergene wenn möglich reduzieren und bei Allergien frühzeitig eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
Impfungen
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Impfungen gegen Grippe (Influenza) und andere Atemwegsinfektionen. Diese Impfungen sind für Menschen mit Asthma besonders wichtig, weil Infekte die Atemwege zusätzlich belasten können. Ihr Arzt kann Ihnen sagen, welche Impfungen für Sie aktuell sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Asthma für alle Menschen wird in Deutschland derzeit nicht empfohlen. Wenn Sie jedoch typische Beschwerden haben oder ein erhöhtes Risiko besteht – zum Beispiel weil enge Verwandte Asthma haben oder Sie starke Allergien haben – kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gezielt eine Lungenfunktionsmessung und weitere Tests durchführen. Die Behandlungsleitlinien der AWMF empfehlen bei einem Anfangsverdacht auf Asthma immer eine Lungenfunktionsprüfung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Verengung und Umbau der Atemwege, sodass die Lungenfunktion schlechter wird
- Schwere Asthmaanfälle, die eine Notaufnahme erforderlich machen
- Schlafprobleme und Tagesmüdigkeit durch nächtliche Anfälle
- Einschränkungen im Alltag, in der Schule oder im Beruf
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Aussicht sehr gut. Die meisten Menschen mit Asthma können ein aktives Leben führen. Die Krankheit verläuft oft in Schüben, aber die meisten Schübe lassen sich mit Medikamenten gut abfangen, wenn man sie früh erkennt und weiß, was zu tun ist. Je früher das Asthma erkannt wird, desto besser kann man die Atemwege schützen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.