Zahnen: Vorsorge und Kontrolle
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Beim Zahnen brechen bei Säuglingen und Kleinkindern die ersten Zähne (Milchzähne) durch das Zahnfleisch. Das ist ein normaler Entwicklungsschritt. Eine spezielle Screening-Methode, also ein Test, der das Zahnen untersucht, gibt es nicht. Aber die regulären Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt prüfen, ob die Zähne richtig durchbrechen und ob sich der Mund gesund entwickelt.
Wichtige Fakten
- Die ersten Milchzähne kommen meist zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat.
- Bei den Vorsorgeuntersuchungen (U5 bis U7) wird auch der Mund angesehen.
- Der erste Besuch beim Zahnarzt sollte spätestens zum 1. Geburtstag stattfinden.
Zahnen betrifft alle Kinder. Die Kontrolle des Zahnens ist ein normaler Teil der Kinder-Vorsorgeuntersuchungen und kein Grund zur Sorge.
Das Zahnen beginnt meist im Babyalter und dauert ungefähr bis zum 30. Lebensmonat. Die Entwicklung des Gebisses wird bei allen Kindern im Laufe der Vorsorgeuntersuchungen beobachtet.
Symptome
- Hohes Fieber über 39 Grad – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Starke Schwellung von Gesicht oder Hals, die rasch zunimmt – Notruf 112.
- Atemnot oder schweres Schlucken – Notruf 112.
- Krampfanfall – Notruf 112.
- ⚠Das Kind verweigert über längere Zeit Flüssigkeit.
- ⚠Starker Durchfall oder Erbrechen mit Anzeichen von Austrocknung.
- ⚠Blutungen im Mund, die nicht aufhören.
- ⚠Die Zahnschmerzen halten länger als ein paar Tage an.
Häufige Symptome
- Geschwollenes oder empfindliches Zahnfleisch
- Vermehrtes Sabbern
- Kauen oder Beißen auf Fingern oder Gegenständen
- Wange auf der betroffenen Seite gerötet
- Leicht erhöhte Körpertemperatur (unter 38 Grad)
- Unruhe und Gequengel
Symptome bei Kindern
- Bis zum 12. Monat noch kein Zahn durchgebrochen
- Weniger als vier Milchzähne mit 18 Monaten
- Sichtbar schiefe Zähne oder Lücken, die auffallen
- Schmerzen beim Kauen oder im Kieferbereich
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Das Zahnen betrifft ältere Erwachsene nicht. Diese Rubrik ist für das Kindesalter gedacht.
Ursachen
Hauptursachen
- Das Zahnen ist ein natürlicher Vorgang: Die im Kiefer angelegten Zähne wandern nach oben und durchbrechen das Zahnfleisch.
- Manchmal liegt eine erblich bedingte Verzögerung vor – dann kommen die Zähne später, aber ohne Krankheitswert.
- In seltenen Fällen stecken Zahnfehlbildungen oder eine verspätete Zahnreifung dahinter.
Risikofaktoren
- Frühgeburt und sehr niedriges Geburtsgewicht
- Langfristige Einnahme bestimmter Medikamente – das muss ärztlich kontrolliert werden
- Fehlende Vorsorgeuntersuchungen
- Chronische Erkrankungen im Mund- oder Rachenraum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starken Schmerzen, hohem Fieber oder einer Schwellung im Gesicht, die nicht mit dem Zahnen allein erklärbar ist.
- Wenn Ihr Kind nicht mehr trinkt, ungewöhnlich schlapp ist oder teilnahmslos wirkt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei den Vorsorgeuntersuchungen U5 bis U7 – dort wird das Zahnen regulär beurteilt.
- Spätestens zum ersten Geburtstag beim Zahnarzt.
- Wenn Sie sich unsicher sind, ob die Zähne in einem normalen Schritt durchbrechen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt schaut in den Mund und beurteilt die Anzahl und die Stellung der durchgebrochenen Zähne. Dabei helfen eine kleine Taschenlampe und ein Holzspatel. Es sind keine Geräte oder Untersuchungen nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Kurze Mundinspektion bei der Vorsorgeuntersuchung.
- Bei Bedarf Röntgenaufnahme beim Zahnarzt, wenn Zähne nicht sichtbar durchbrechen.
- Kein Bluttest oder Allergietest erforderlich.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Bei unauffälligem Befund bekommen Sie Tipps zur Pflege. Falls etwas auffällt, wird ein Folgetermin vereinbart.
Behandlung
Das Zahnen selbst braucht in den meisten Fällen keine Behandlung. Wenn Ihr Kind sehr unruhig ist oder starke Beschwerden hat, können einfache Hausmittel helfen. In ausgeprägten Fällen gibt es ärztlich verordnete Hilfsmittel – aber keine davon ohne Absprache mit einer medizinischen Fachperson.
Selbsthilfe zu Hause
- Kühlen Beißring anbieten (idealerweise im Kühlschrank, nicht im Gefrierschrank).
- Ein sauberes, feuchtes Tuch zum Kauen geben.
- Zahnfleisch sanft mit dem Finger oder einem Silikon-Fingerling massieren.
- Dem Kind weiche, kühle Speisen anbieten (z.B. Joghurt, Apfelmus).
- Zweimal täglich Milchzähne mit einer weichen Zahnbürste und einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta putzen.
- Reichlich Wasser oder ungesüßten Tee anbieten, zuckerhaltige Getränke vermeiden.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann bei erheblichen Beschwerden ein geeignetes Schmerzmittel empfehlen – die Dosierung richtet sich immer nach Alter und Gewicht des Kindes. Verordnete Gele mit betäubender Wirkung sollten nur zeitlich begrenzt und nach Rücksprache eingesetzt werden. Bei Zahnfehlstellungen überweist der Kinderarzt an eine Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine operative Behandlung ist nur in seltenen Fällen nötig, etwa wenn ein Milchzahn im Kiefer verbleibt und die Nachbarzähne bedrängt. Das entscheidet die Kieferorthopädische Abteilung nach genauer Untersuchung.
Leben mit der Erkrankung
Begleiten Sie die Zahnungsphase mit Geduld. Halten Sie die Vorsorge- und Zahnarzttermine ein. Zahnungsbeschwerden kommen meist in Schüben – dazwischen ist Ihr Kind häufig ganz unauffällig.
Tipps für den Alltag
- Zähne ab dem ersten Zahn zweimal täglich putzen.
- Bei jeder U-Untersuchung den Mund mit ansehen lassen.
- Auf zuckerfreie Zwischenmahlzeiten und ausreichende Flüssigkeit achten.
Ernährung und Bewegung
Weiche und kalte Speisen lindern das Druckgefühl. Kauen auf rohen Karotten oder Gurke ist für Kinder ab etwa einem Jahr gut – aber nur unter Aufsicht. Bewegung und Spiel im Freien sind erlaubt, solange Ihr Kind sich wohlfühlt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Das Zahnen kann eine anstrengende Zeit sein – für das Kind und auch für Eltern. Es ist normal, dass das Kind davon quengelig ist. Gönnen Sie sich selbst Pausen und reden Sie offen über Ihre Sorgen. Ihre Ruhe überträgt sich auf Ihr Kind.
Vorbeugung
Zahnen selbst lässt sich nicht vorbeugen, denn es ist ein natürlicher Vorgang. Ansteckende Krankheiten oder Karies kann man aber durch Hygiene und regelmäßige Kontrollen vorbeugen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen das Zahnen. Halten Sie aber die regulären Impftermine ein – eine Zahnungsphase ist in der Regel kein Grund, einen Impftermin zu verschieben. Sprechen Sie bei Unsicherheit mit Ihrer Kinderarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein eigens ‚Zahnungs-Screening‘ gibt es nicht. Die Früherkennung ist in den U-Untersuchungen enthalten. Dort wird systematisch auf Zahnbefund und Kieferstellung geachtet. Eine zusätzliche Reihenuntersuchung ist nicht erforderlich.
Komplikationen
Unbehandelt
- Karies in den Milchzähnen kann das dahinterliegende bleibende Zahngebiss schädigen.
- Anhaltende Entzündungen am Zahnfleisch können sich auf den Kiefer ausbreiten.
- Zahnfehlstellungen können Sprache und Kauffunktion stören.
Langzeitprognose
Mit regelmäßigen Kontrollen und guter Pflege sind Probleme sehr selten. Auch wenn die ersten Zähne später kommen, ist das meist unbedenklich. Die allermeisten Kinder entwickeln ein gesundes Milchzahngebiss, das später problemlos von den bleibenden Zähnen abgelöst wird.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Bundeszahnärztekammer (BZÄK) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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