Asthma: Nachsorge zu Hause
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Asthma ist eine chronische Erkrankung der Atemwege, bei der die Bronchien immer wieder entzündet und verengt sind. Das führt zu Atembeschwerden wie Husten, pfeifenden Atemgeräuschen und Kurzatmigkeit.
Wichtige Fakten
- Asthma ist nicht heilbar, aber gut behandelbar.
- Die richtige Nachsorge zu Hause hilft, Anfälle zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern.
- Medikamente zur Vorbeugung (Basistherapie) und zur akuten Behandlung (Bedarfsmedikation) sind wichtige Bestandteile der Therapie.
Ja, Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen. In Deutschland sind etwa 5–10 % der Bevölkerung betroffen.
Asthma kann Menschen jeden Alters betreffen, beginnt aber oft in der Kindheit. Auch Erwachsene können neu erkranken, häufig im Zusammenhang mit Allergien oder beruflichen Belastungen.
Symptome
- Starke Atemnot, die sich durch die üblichen Notfallmedikamente nicht bessert
- Sprechen ist kaum möglich (nur einzelne Wörter)
- Bläuliche Verfärbung von Lippen oder Fingernägeln (Sauerstoffmangel)
- Bewusstlosigkeit oder starke Verwirrtheit
- ⚠Verschlechterung der Atmung trotz Einnahme der Notfallmedikamente
- ⚠Fieber mit Atembeschwerden
- ⚠Husten mit eitrigem oder blutigem Auswurf
- ⚠Peak-Flow-Werte fallen auf unter 60 % des persönlichen Bestwerts (falls gemessen)
Häufige Symptome
- Husten, vor allem nachts, beim Lachen oder nach körperlicher Anstrengung
- Pfeifende Atemgeräusche (Giemen) beim Ausatmen
- Engegefühl in der Brust
- Kurzatmigkeit, die sich bei Belastung verstärkt
Symptome bei Kindern
- Husten beim Spielen, Lachen oder Weinen
- Schnelle Erschöpfung bei körperlicher Aktivität
- Atemnot, die sich nachts oder in den frühen Morgenstunden verschlimmert
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstärkte Kurzatmigkeit bei Belastung (z. B. Treppensteigen)
- Länger anhaltender Husten mit oder ohne Auswurf
- Atemnot auch in Ruhe möglich, oft verbunden mit anderen Erkrankungen wie COPD
Ursachen
Hauptursachen
- Entzündung der Atemwege durch Allergene (z. B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze)
- Infektionen der Atemwege (z. B. Virusinfektionen wie Erkältungen)
- Reizstoffe wie Tabakrauch, Luftverschmutzung, starke Gerüche oder kalte, trockene Luft
- Körperliche Anstrengung (sogenanntes Anstrengungsasthma)
Risikofaktoren
- Allergien oder Asthma in der Familie
- Rauchen – auch Passivrauchen
- Übergewicht
- Frühgeburtlichkeit oder niedriges Geburtsgewicht
- Bestimmte Berufe, bei denen man reizenden Stoffen ausgesetzt ist (z. B. Bäcker, Friseure, Lackierer)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei akuter Atemnot, die nicht auf die Notfallmedikation anspricht
- Wenn die Peak-Flow-Werte trotz Behandlung weiter sinken
- Bei bläulichen Lippen oder extremer Erschöpfung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Zur regelmäßigen Verlaufskontrolle alle 3–6 Monate – auch beschwerdefrei
- Bei Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage
- Vor Reisen, bei Änderungen der Lebensumstände oder bei geplanten sportlichen Aktivitäten
- Wenn Sie Fragen zur Inhalationstechnik oder zu Ihrem Medikamentenplan haben
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) gestellt. Dabei misst der Arzt, wie viel Luft Sie ein- und ausatmen können und wie schnell die Luft strömt. Auch ein Allergietest und die tägliche Peak-Flow-Messung zu Hause helfen, die Erkrankung zu erkennen und zu überwachen.
Mögliche Untersuchungen
- Spirometrie (Lungenfunktionstest): Sie atmen kräftig in ein Gerät aus
- Peak-Flow-Messung: Ein kleines Handgerät misst die maximale Ausatmungsgeschwindigkeit – werden Sie vom Arzt eingewiesen
- Allergietest (z. B. Pricktest oder Blutuntersuchung), um mögliche Auslöser zu finden
- Gegebenenfalls: Provokationstest (Einatmen eines Reizstoffs unter ärztlicher Aufsicht) oder Röntgenbild der Lunge
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie ausführlich zu Ihren Beschwerden, Auslösern und bisherigen Behandlungen befragen. Die Untersuchungen dauern meist 30–60 Minuten und sind schmerzfrei. Nach der Diagnose erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungsplan, der Medikamente, Notfallmaßnahmen und Verhaltensregeln für zu Hause enthält.
Behandlung
Die Behandlung von Asthma besteht aus einer Kombination von Maßnahmen: Vermeidung von Auslösern, regelmäßige Basistherapie mit entzündungshemmenden Medikamenten und Bedarfsmedikation bei akuten Beschwerden. Die Therapie wird gemeinsam mit Ihrem Arzt individuell angepasst – je nach Schweregrad und Lebensumständen.
Selbsthilfe zu Hause
- Führen Sie ein Asthma-Tagebuch, um Symptome, Auslöser und Peak-Flow-Werte zu dokumentieren
- Messen Sie regelmäßig Ihren Peak-Flow – am besten morgens und abends (Ihr Arzt gibt Ihnen die Zielwerte)
- Vermeiden Sie bekannte Auslöser: Allergene, Rauch, starke Gerüche
- Kontrollieren Sie Ihre Inhalationstechnik (z. B. mit einem Vernebler oder Dosieraerosol) – lassen Sie sie regelmäßig überprüfen
- Halten Sie Ihren Medikamentenplan ein – auch wenn Sie beschwerdefrei sind
- Bereiten Sie eine Notfalltasche vor (Notfallspray, Medikamentenplan, Ausweis)
Medizinische Behandlungen
Es gibt entzündungshemmende Sprays (sogenannte Kortikosteroide), die die chronische Entzündung in den Atemwegen verringern – sie werden regelmäßig zur Vorbeugung angewendet. Für akute Beschwerden stehen kurzwirksame Bronchienerweiterer als Spray zur Verfügung. Zusätzlich können Medikamente wie langwirksame Bronchienerweiterer oder in schweren Fällen Biologika (Spritzen) zum Einsatz kommen. Die genaue Auswahl und Dosierung ist immer individuell und wird von Ihrem Arzt verschrieben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Asthma in der Regel nicht nötig. In sehr seltenen, schweren Fällen kann eine sogenannte Bronchialthermoplastie infrage kommen – dabei werden überschüssige Muskelfasern in den Atemwegen durch Hitze verödet. Dies wird nur nach sorgfältiger Prüfung in spezialisierten Zentren durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit Asthma führen ein aktives Leben – mit guter Behandlung und Kenntnis der eigenen Auslöser ist das oft problemlos möglich. Wichtig ist, die Medikamente konsequent einzunehmen, die Inhalationstechnik regelmäßig zu kontrollieren und die Notfallmedikamente immer griffbereit zu haben. Planen Sie auch Aktivitäten wie Reisen oder Sport voraus und fragen Sie bei Unsicherheiten Ihren Arzt.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking verbessert die Lungenfunktion
- Vermeiden Sie Überanstrengung – steigern Sie die Belastung langsam
- Stress reduzieren – Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Atemübungen helfen
- Rauchfreie Umgebung: Meiden Sie Raucherzonen und lüften Sie regelmäßig
- Schlafzimmer staubarm halten: Milbenschutzbezüge für Matratze und Kissen, waschbare Bettwäsche bei 60 °C
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Einige Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Lebensmittel wie Nüsse oder Milchprodukte – führen Sie ein Ernährungstagebuch, wenn Sie einen Zusammenhang vermuten. Sport ist ausdrücklich empfohlen: Vor dem Training kann es sinnvoll sein, ein kurz wirksames Bronchienerweiterer-Spray zu verwenden – besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Asthma kann Ängste vor Atemnot auslösen, besonders nach einem schweren Anfall. Gefühle von Frustration oder Traurigkeit sind normal. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu holen. Bei anhaltener Angst oder depressiven Verstimmungen hilft ein Gespräch mit dem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Bei akuten Selbstmordgedanken oder schwerer Panik rufen Sie sofort den Notruf 112 an oder wenden Sie sich an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 – kostenlos).
Vorbeugung
Asthma selbst kann nicht verhindert werden. Aber durch eine konsequente Nachsorge und das Vermeiden von Auslösern lassen sich schwere Anfälle und eine Verschlechterung der Lungenfunktion wirksam verhindern. Ein gesunder Lebensstil (rauchfrei, Bewegung, ausgewogene Ernährung) unterstützt den Verlauf.
Impfungen
Die jährliche Grippeimpfung wird für Menschen mit Asthma empfohlen, da Grippeinfekte die Atemwege stark belasten können. Auch die Impfung gegen Pneumokokken (Lungenentzündung) ist sinnvoll. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihren Impfstatus.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening für Asthma. Bei verdächtigen Symptomen (wiederkehrender Husten, Atemnot bei Belastung) sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Besonders Kinder und Menschen mit familiärer Vorbelastung sollten aufmerksam sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Häufige und schwerere Asthmaanfälle, die zu Klinikaufenthalten führen können
- Lungenüberblähung (Emphysem) und dauerhafte Lungenfunktionseinbußen
- Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität
- Im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Atemnot (Status asthmaticus)
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und regelmäßigen Kontrollen haben die meisten Menschen mit Asthma eine normale Lebenserwartung und können fast alle Aktivitäten ausüben. Die Erkrankung ist chronisch, aber der Alltag ist gut managbar. Je früher die Diagnose und je konsequenter die Nachsorge, desto besser die Prognose. Bleiben Sie zuversichtlich – moderne Therapien bieten viele Möglichkeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.