Fieber beim Kind: Was Sie zu Hause tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Fieber ist eine erhöhte Körpertemperatur – meist über 38 Grad Celsius, gemessen im Po. Es ist eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen Infektionen. Das Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem arbeitet.
Wichtige Fakten
- Fieber ist ein hilfreiches Zeichen der Abwehr, nicht gefährlich, solange das Kind ansprechbar bleibt und ausreichend trinkt.
- Bei Säuglingen unter 3 Monaten mit Fieber gehört immer eine zeitnahe ärztliche Untersuchung – so schnell wie möglich.
- Nicht die Höhe der Temperatur ist am wichtigsten, sondern der Allgemeinzustand des Kindes.
Ja, Fieber ist bei Kindern sehr häufig. Die meisten Kinder haben in den ersten Lebensjahren wiederholt Fieber, meist im Rahmen von harmlosen Infekten.
Fieber betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder, da ihr Immunsystem noch viele Erreger kennenlernt. Jedes Kind kann Fieber bekommen, unabhängig vom Geschlecht.
Symptome
- Wenn ein Säugling unter 3 Monaten eine Temperatur über 38 Grad Celsius hat, rufen Sie sofort den Notruf 112 oder suchen Sie die nächste Notaufnahme auf.
- Wenn Ihr Kind Krampfanfälle hat (Zuckungen, Bewusstlosigkeit, Versteifung).
- Wenn Ihr Kind schwer wach zu bekommen ist oder nicht reagiert.
- Wenn Ihr Kind nicht atmen kann oder sichtbar nach Luft ringt.
- Wenn Sie blaue Lippen oder eine bläulich verfärbte Haut sehen.
- Wenn ein Ausschlag auftritt, der wie kleine Blutpunkte aussieht und nicht kurz wegdrückbar ist (Drucktest mit einem Glas).
- Wenn der Körper in ungewohnte, schlaffe Haltung fällt oder die Augen verdreht sind.
- ⚠Fieber bei einem Säugling zwischen 3 und 6 Monaten – rufen Sie noch am selben Tag Ihren Kinderarzt oder die ärztliche Bereitschaft.
- ⚠Fieber, das länger als 48 bis 72 Stunden anhält.
- ⚠Das Kind verweigert über mehrere Mahlzeiten das Trinken.
- ⚠Weniger nasse Windeln als üblich (Zeichen für zu wenig Flüssigkeit).
- ⚠Das Kind ist ungewöhnlich schläfrig oder schwer zu wecken.
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder Durchfall mit Fieber.
- ⚠Zeichen von Schmerzen beim Wasserlassen oder Ausrufen des Ohres.
- ⚠Schweres Krankheitsgefühl oder starke Berührungsempfindlichkeit.
Häufige Symptome
- Erhöhte Körpertemperatur
- Warme, gerötete Wangen
- Schweiß oder Schüttelfrost
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Müdigkeit und Schlappheit
- Verminderter Appetit
Symptome bei Kindern
- Das Kind ist quengelig, weinerlich oder wirkt schlapp
- Es trinkt weniger als sonst
- Es sucht vermehrt Nähe und Geborgenheit
- Bei Säuglingen kann der Körper ruhig oder teilnahmslos wirken
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Auch wenn dieser Artikel über Kinder handelt: Bei älteren Menschen kann Fieber zu Verwirrtheit, Schwäche, Appetitlosigkeit und erhöhter Sturzgefahr führen. Ein Arztbesuch ist hier immer sinnvoll.
Ursachen
Hauptursachen
- Viren, die zum Beispiel Erkältungen, Herpes oder Magen-Darm-Infekte auslösen
- Bakterien, die zum Beispiel Mittelohrentzündung, Harnwegsinfektion oder Lungenentzündung verursachen können
- Impfreaktionen (vorübergehendes Fieber nach einer Schutzimpfung)
- Hitzeschäden, zum Beispiel durch zu warme Kleidung oder einen überhitzten Raum
Risikofaktoren
- Alter unter 3 Monaten – hier ist Fieber immer ernst zu nehmen
- Vorhandene Grunderkrankungen, zum Beispiel Herzfehler oder Immunschwäche
- Ungenügender Impfstatus
- Besuch von Kita oder Kindergarten, wo viele Kinder zusammenkommen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber bei Säuglingen unter 3 Monaten – sofort ärztlich abklären lassen.
- Fieber mit steifem Hals und starken Kopfschmerzen.
- Fieber mit Hautausschlag, der sich nicht wegdrücken lässt.
- Fieber nach einer Reise in ein Land mit möglichen Tropenkrankheiten.
- Fieber mit Krampfanfall (auch wenn das Kind sich erholt, muss es ärztlich abgeklärt werden).
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Fieber länger als 2-3 Tage anhält.
- Wenn sich der Zustand des Kindes trotz Hauspflege nicht bessert.
- Wenn Ihr Kind zwar Fieber hat, aber älter als 3 Monate ist und Sie unsicher sind.
- Wenn Sie als Eltern stark besorgt sind – Ihr Bauchgefühl wird ernst genommen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt misst die Temperatur, fragt nach dem Krankheitsverlauf (zum Beispiel seit wann Fieber besteht, Begleitsymptome) und untersucht das Kind gründlich. Sie versucht herauszufinden, ob eine Infektion oder eine andere Ursache vorliegt.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Abhören von Herz und Lunge, Blick in Hals und Ohren, Abtasten des Bauches
- Blutuntersuchung, wenn der Verdacht auf eine bakterielle Infektion besteht
- Urinuntersuchung, vor allem bei Säuglingen, um Harnwegsinfektionen zu erkennen
- Gelegentlich ein Abstrich aus Rachen oder Nase
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt erklärt Ihnen, was vermutlich die Ursache ist, welche Beobachtungen wichtig sind und ab wann Sie erneut ärztlichen Rat einholen sollen. Bei unklaren Befunden werden Sie manchmal an ein Krankenhaus überwiesen, um das Kind genau zu beobachten.
Behandlung
Fieber lässt sich durch Medikamente und Hausmittel beeinflussen, aber nicht jede Behandlung ist bei jedem Kind notwendig. Entscheidend ist, dass das Kind ausreichend trinkt und die Bettruhe oder ruhige Beschäftigung bekommt, die es braucht.
Selbsthilfe zu Hause
- Geben Sie Ihrem Kind viel Flüssigkeit: Wasser, ungesüßten Tee oder eine leichte Brühe – in kleinen Portionen und häufig angeboten.
- Ziehen Sie dem Kind leichte, luftige Kleidung an, damit Wärme gut abgegeben werden kann.
- Halten Sie den Raum gut gelüftet und nicht zu warm (etwa 20 Grad Celsius).
- Legen Sie bei warmem Körper keine dicken Decken auf – das kann das Fieber unnötig erhöhen.
- Ruhe und Schlaft sind wichtig, aber Ihr Kind muss nicht unbedingt im Bett bleiben, wenn es sich durch Bewegung wohlfühlt.
- Ein lauwarmes Waschläppchen auf Stirn oder Waden kann angenehm sein – niemals kaltes Wasser oder Essigwickel verwenden.
Medizinische Behandlungen
Manchmal verschreibt Eltern die Ärztin oder der Arzt ein fiebersenkendes Medikament in Form von Zäpfchen oder Saft. Solche Mittel sollen nicht routinemäßig gegeben werden, sondern nur wenn das Kind stark leidet oder zusätzliche Schmerzen hat. Lassen Sie sich von Ihrem Kinder- und Jugendarzt beraten, welches Medikament geeignet ist – niemals Medikamente für Erwachsene an Kinder weitergeben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nicht zutreffend. Fieber beim Kind wird in aller Regel ohne Operation behandelt.
Leben mit der Erkrankung
Bleiben Sie in der Nähe Ihres Kindes und beobachten Sie, wie es wirkt – ob es wach ist, trinkt und auf Sie reagiert. Schreiben Sie sich gerne auf, wann Sie die Temperatur gemessen haben und wie Ihr Kind sich verhalten hat. Das hilft, wenn Sie ärztlichen Rat suchen.
Tipps für den Alltag
- Händewaschen mit Seife nach dem Toilettengang und vor dem Essen – auch beim Kind.
- Stoßlüften des Kinderzimmers mehrmals täglich.
- Viel frisches, vitaminreiches Essen in der Erholungszeit – aber kein Zwang zum Essen.
- Ausreichend Schlaf und Rückzugsmöglichkeiten den Tag über.
Ernährung und Bewegung
Während Fieber sollte die Schonung im Vordergrund stehen. Kein Sport, kein Toben. Leichte Kost wie Zwieback, Suppe oder weich gekochtes Gemüse sind gut, wenn das Kind wieder Hunger hat. Über den Tag verteilt etwas trinken ist wichtiger als eine große Menge auf einmal.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist völlig normal, dass Sie sich Sorgen machen, wenn Ihr Kind Fieber hat. Auch für Ihr Kind sind die Tage Kranksein oft ungewohnt und anstrengend. Trost, Nähe und eine ruhige Stimme tun gut. Wenn die Erschöpfung bei Ihnen selbst zu groß wird oder Sie sich überfordert fühlen, sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin – auch dazu sind sie da.
Vorbeugung
Nicht jedes Fieber lässt sich verhindern, weil Kinder viele Infektionen erst durchmachen müssen. Aber Sie können das Risiko senken, zum Beispiel durch gründliches Händewaschen, regelmäßiges Stoßlüften und den Verzicht auf rauchige Räume.
Impfungen
Lassen Sie Ihr Kind nach dem aktuellen Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) impfen. Impfungen schützen vor vielen sehr ernsten Krankheiten, die auch mit Fieber einhergehen. Fragen Sie dazu Ihre Kinderarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Fieber-Screening für Kinder. Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt helfen jedoch, Erkrankungen früh zu erkennen und das Kind gesund zu entwickeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydratation), wenn das Kind zu wenig trinkt
- Fieberkrampf – ein meist harmloser, aber erschreckend wirkender Krampfanfall bei schnellem Temperaturanstieg
- Verschlechterung einer bakteriellen Infektion, die manchmal zusätzlich ärztlich behandelt werden muss
Langzeitprognose
Die allermeisten Fiebererkrankungen bei Kindern heilen ohne Folgen und in wenigen Tagen von selbst aus. Fieber ist eine normale Reaktion, die uns hilft. Mit sorgfältiger Beobachtung, viel Nähe und angepasster Pflege können Sie als Eltern viel dafür tun, dass Ihr Kind sich gut erholt.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.